Dax trotzt US-Arbeitsmarktzahlen

Stand: 05.05.2011, 20:02 Uhr

Der kräftige Anstieg der US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe und der überraschende Auftragsrückgang für die deutsche Industrie hat den Anlegern zeitweise die Laune verdorben. Am Abend kommt wieder Hoffnung auf.

Der Dax beendet den Abendhandel 13 Punkte höher und steigt auf knapp 7.400 Punkte. Die Investoren setzen auf eine weitere Erholung und nutzen die momentanen Rücksetzer immer noch zum Einstieg, erklärt ein Händler die Erholung nach dem Absturz auf 7.291 Punkte - ein Minus von einem Prozent - am Nachmittag. Allerdings herrsche am Markt erhöhte Vorsicht, die Stimmung habe sich stark eingetrübt.

Neben den Sorgen über den weiteren Verlauf der Konjunktur, besonders in den USA, erklären Händler die Nervosität der Anleger auch mit der Hausse der letzten Wochen. "Wir sind zuletzt unglaublich hoch gelaufen, da streichen viele Investoren gerade ihre Gewinne ein", sagte ein Marktteilnehmer. Die jüngste Aktien-Rally war besonders gestern ins Stocken geraten - der Dax büßte 1,7 Prozent ein - nachdem er seit Mitte März gut 1000 Punkte zugelegt hatte.

Besorgt sind die Anleger besonders über die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in den USA. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg in der Vorwoche überraschend auf den höchsten Stand seit acht Monaten. Dies dämpfte die Hoffnung auf eine Entspannung am kriselnden Jobmarkt und trübt auch die Aussichten für die US-Konjunktur insgesamt. Der Trend deute nach unten, sagten Händler.

Kein Wunder, dass die Kurse an der Wall Street ungeachtet der Erholung in Europa weiter im Minus notieren. Zeitweise verliert der Dow Jones-Index mehr als 100 Punkte. Bei Börsenschluss in Frankfurt steht der Dow bei 12.662, das sind 60 Punkte oder 0,5 Prozent weniger als gestern. Die Anleger werden sich nun auf die monatliche US-Arbeitslosenstatistik konzentrieren, die morgen veröffentlicht wird.

Zinspause der EZB lässt Euro taumeln
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat am Nachmittag die Erwartungen auf eine baldige weitere Zinserhöhung enttäuscht und damit den Euro auf Talfahrt geschickt. Nachdem der Chef der Europäischen Zentralbank während der monatlichen Pressekonferenz der Notenbank in Helsinki von andauernd niedrigen Leitzinsen gesprochen hatte und damit die Erwartung einer Zinsanhebung im Juni enttäuschte, stürzte der Euro innerhalb weniger Minuten um gut einen US-Cent ab. Am Abend fällt die Gemeinschaftswährung unter 1,46 Dollar, mehr als drei US-Cent weniger als gestern.

General Motors: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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GM verdreifacht Gewinn
Der größte US-Autobauer General Motors hat im ersten Quartal seinen Nettogewinn auf 1,77 Dollar je Aktie von 0,55 Dollar je Aktie im Vorjahr gesteigert. Vor Sonderposten lag der Gewinn bei 0,95 Dollar. Der Umsatz zog auf 36,2 Milliarden Dollar an, nach 31,5 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit einem Betriebsergebnis von 1,72 Milliarden Euro oder 91 Cent je Aktie gerechnet bei einem Umsatz von 35,6 Milliarden Dollar. Die Aktie verliert.

Adidas in Sptzenform
Dass die Aktienmärkte gerne zu Übertreibungen neigen zeigt die Entwicklung der Adidas-Aktie. Sie legt um mehr als sieben Prozent zu und ist damit der mit Abstand größte Gewinner im Dax. Der Sportartikelhersteller Adidas hebt wegen der guten Quartalszahlen seine Umsatzprognose für 2011 an. Statt im mittleren bis hohen einstelligen Bereich sollen die Erlöse nun definitiv nah an zweistellige Wachstumsraten herankommen. Der Gewinn je Aktie soll weiter zwischen zehn und 15 Prozent ansteigen.

Beiersdorf schminkt sich ab
Nach anfänglichen Kursgewinnen drehen die Aktien des Kosmetik-Herstellers Beiersdorf leicht ins Minus. Trotz hoher Kosten für den Konzernumbau sank das Betriebsergebnis im ersten Quartal nur um 13 Prozent auf 162 Euro. Der Umsatz konnte leicht auf 1,4 Milliarden Euro zulegen. Für das Gesamtjahr geht das Unternehmen von Erlösen bei 6,2 Milliarden Euro aus.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,60
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HeidelCement im Sog der Konkurrenz
Nach einer freundlichen Eröffnung sind die Aktien von HeidelbergCement ins Minus gedreht. Die Titel rutschen um mehr als zwei Prozent ab und zählen damit im Dax zu den Schlusslichtern. Börsianer führten die Verluste auf eine schlechte Branchenstimmung zurück, nachdem am Vortag Holcim die Anleger enttäuscht hatte. Zudem hatte Lafarge seine Prognose für die weltweite Nachfrage gesenkt.

Eon bekräftigt Prognose
Leichte Abschläge gibt es auch für die Aktie von Deutschlands größtem Energieversorger Eon. Dessen Chef Johannes Teyssen hat auf der heutigen Hauptversammlung noch einmal vor einem schnellen Ausstieg aus der Atomenergie gewarnt. Die Jahresprognose eines Gewinns von 3,3 bis vier Milliarden Euro wurde aber bestätigt.

Allianz ex Dividende
Schwächster Wert im Dax ist die Allianz-Aktie. Sie wird mit einem Dividendenabschlag von 4,50 Euro gehandelt. Bei einem Kurs von rund 100 Euro notiert der Titel damit eigentlich sogar leicht im Plus.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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10,26
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UBS zahlt Millionen
Betrügereien bei kommunalen Anleihen in den Vereinigten Staaten kommen die UBS teuer zu stehen. Die Schweizer Großbank willigte nach langwierigen Ermittlungen in Vergleiche mit den US-Behörden ein und zahlt nun insgesamt 160 Millionen Dollar, um die Angelegenheit aus der Welt zu schaffen. Das Geld kommt hauptsächlich den Geschädigten zugute: Städten und anderen öffentlichen Einrichtungen. Auch die Deutsche Bank sieht sich mit ähnlichen Klagen konfrontiert.

Carl Zeiss Meditec sehr fest
Die Aktien von Carl Zeiss Meditec haben kräftig von der Bilanzvorlage des Technologiekonzerns profitiert und verteuern sich an der TecDax-Spitze um gut fünf Prozent. Der Medizintechnikanbieter konnte dank einer weiterhin starken Nachfrage aus Asien und den USA im zweiten Geschäftsquartal an die gute Entwicklung der ersten drei Monate anknüpfen. Der Ausblick wurde bekräftigt.

Süss nicht gut genug
Dagegen kommen die Zahlen des Chipzulieferers Süss Microtec gar nicht gut an. Das Unternehmen hat mit 2,4 Millionen Euro wieder die Gewinnzone erreicht. Der Umsatz wurde von 22 auf 32 Millionen Euro gesteigert.

Q-Cells von Rücktritt belastet
Der Rücktritt von Q-Cells-Vorstandsmitglied Gerhard Rauter hat die Aktien des Solarkonzerns auf Talfahrt geschickt. Die Papiere verbilligen sich um 3,4 Prozent und sind zweitgrößter Verlierer im TecDax. Die Branchenstimmung sei wegen der Subventionskürzungen ohnehin getrübt, sagte ein Händler. Wenn dann noch ein Vorstand zurücktrete, bringe das zusätzliche Unsicherheit.

ProSiebenSat.1 am MDax-Ende
Mehr als vier Prozent abgeben muss die Aktie von ProSiebenSat1.Sie ist damit der größte Verlierer im MDax. Die Senderkette überraschte am Morgen mit einem Gewinnsprung von 76 Prozent auf 38,3 Millionen Euro, vor allem dank guter Geschäfte im Ausland, denn in Deutschland stagnierte das Werbeaufkommen zuletzt. Der Umsatz stieg im Quartal um vier Prozent auf 682,2 Millionen Euro.

Conti-Aktie mit Bremsspuren
Zu den größten Verlierern im MDax zählt die Aktie von Continental. Dabei hat der Autozulieferer und Reifenhersteller das beste Quartal seit Ende 2007 erlebt. Zwischen Januar und März verdiente der Konzern vor Zinsen und Steuern knapp 634 Millionen Euro. Das waren rund 140 Millionen mehr als im Vorjahreszeitraum. Händler sprechen von Gewinnmitnahmen und Skepsis gegenüber der Jahresprognose.

Gildemeister mit mehr Gewinn
Der Werkzeugmaschinenbauer Gildemeister setzt zu einem kräftigen Gewinnsprung an. "Wir bewegen uns auf einem guten Pfad, in diesem Jahr - wie von Analysten geschätzt - einen Überschuss von 30 bis 35 Millionen Euro zu erreichen", sagte Firmenchef Rüdiger Kapitza am Donnerstag in einem Reuters-Interview. Damit würde das Bielefelder Unternehmen seinen Vorjahresgewinn von 4,3 Millionen Euro mindestens versiebenfachen. Die Anleger lässt die Ankündigung kalt. Die Aktie verliert mehr als drei Prozent.

Balda überzeugt
Aktien des Handyzulieferers Balda legen im SDax rund fünf Prozent zu. Dabei bleibt das Unternehmen wegen des Preisdrucks im Handy- und Elektronikteilegeschäft auch im ersten Quartal operativ in den roten Zahlen. Nur dank des positiven Finanzergebnisses verbuchte die Firma einen Nettogewinn. Dennoch strebt Balda in diesem Jahr auch operativ ein leichtes Plus an.

Höft & Wessel in den Miesen
Der Automatenhersteller Höft & Wessel hat seine Erlöse um rund ein Drittel auf 20,8 Millionen Euro gesteigert. Allerdings blieb das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) mit 0,4 Millionen Euro in der Verlustzone. Die Aktie verliert.

SocGen mit gemischten Ergebnissen
Die französische Großbank Société Générale hat einen Rückgang des Nettogewinns um 14 Prozent auf 916 Millionen Euro im ersten Quartal verbucht. Die niederländische ING konnte dagegen ihren bereinigten Gewinn um 62 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro steigern.

Versicherer begeistern nicht
Der Schweizer Rückerversicherer Swiss Re hat im ersten Quartal wegen der Katastrophen in Japan, Australien und Neuseeland einen Verlust von 665 Millionen Dollar eingefahren. Die Naturkatastrophen schlugen mit 2,3 Milliarden Dollar vor Steuern zu Buche. Der französische Allianz-Konkurrent Axa hat im Quartal nur stagnierende Umsätze von 27,9 Milliarden Euro vorweisen können. Das Unternehmen litt dabei vor allem unter dem schwachen Absatz von Vorsorgeprodukten, konnte aber im Schaden- und Unfallgeschäft zulegen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr