Dax trotzt schwächelnder Wall Street

Stand: 06.10.2010, 20:02 Uhr

Trotz schwächelnder Kurse an der Wall Street kann der Dax seine Vortagesgewinne weiter ausbauen. Doch schlechte Nachrichten vom amerikanischen Arbeitsmarkt sorgen erneut für Verunsicherung.

Nach Angaben des privaten Dienstleisters Automatic Data Processing (APD) ist die Beschäftigung im US-Privatsektor im September gesunken. Die Zahl der Beschäftigten fiel zum Vormonat um 39.000 Stellen. Experten hatten hingegen mit einem Zuwachs um 20.000 Stellen gerechnet. Der Bericht wird am Markt gerne als Indikator für den am Freitag anstehenden offiziellen Arbeitsmarktbericht herangezogen.

Die Nachricht trübte die bis dahin freudige Stimmung an den Märkten deutlich ein. Der Dow Jones-Index schafft es zwar, sein Vortagesniveau zu halten und kann zeitweise sogar leicht zulegen, rutscht am Abend aber wieder um acht Punkte ab auf 10.935.

Auch der Dax fällt am nach Veröffentlichung der US-Daten von seinem Tageshoch bei 6.289 Punkten zurück, kann jedoch der schlechten Stimmung an der Wall Street trotzen. Am Abend schließt der Leitindex knapp 24 Punkte (0,4 Prozent) höher bei 6.256. Im Xetra-Handel konnte der Dax noch knapp 55 Punkte auf 6.270 Zähler zulegen. Die gute Konjunktur und die Hoffnung auf die bevorstehende Berichtssaison hätten die Kurse gestützt, sagte Chefhändler Fidel Helmer vom Bankhaus Hauck & Aufhäuser.

Euro über 1,39 Dollar
Die Herabstufung Irlands durch die Ratingagentur Fitch hat den Höhenflug des Euro nur kurz gestoppt. Die Leitwährung fiel am späten Vormittag auf ein Tagestief von 1,3800 Dollar, kann sich aber rasch wieder erholen und steigt auf 1,392 Dollar. Fitch stufte Irland auf die Note von 'A+' auf 'AA-' herunter.

Ökonomen befürchten bereits, der Euro könne Opfer des Abwertungswettlaufs zwischen den USA, China und Japan werden und entsprechend stark aufwerten. Ein zu starker Euro werde aber dem exportgetriebenen Aufschwung in Deutschland einen empfindlichen Dämpfer versetzen. Seit Juli hat die europäische Währung gegenüber dem Dollar bereits um zehn Prozent aufgewertet.

Deutsche Post holt auf
Stärkster Wert im Dax ist die Aktie der Deutschen Post. Analyst Thorsten Lorz von der ICF Kursmakler AG führt dies auf charttechnische Gründe zurück: Das Unternehmen habe am Vortag den Kurs klassisch auf der 200-Tage-Linie gehalten. Von dieser Unterstützung stoße sich der Kurs laut Marktbeobachtern nun nach oben ab.

Von dem anhaltenden Aufschwung profitiert auch die Aktie von HeidelbergCement. Sie ist der zweitgrößte Gewinner im Dax und klettert erstmals seit langem über die Marke von 37 Euro.

Easyjet beflügelt Lufthansa
Gefragt ist auch die Aktie von Lufthansa. Händlern zufolge helfen die starken Verkehrszahlen der britischen Wettbewerbers Easyjet den Aktien des deutschen Branchenprimus zweitweise auf den höchsten Stand seit Oktober 2008. Zudem helfs das positive Chartbild der Lufthansa-Titel. Die Aktie klettert heute über die Marke von 14 Euro.

Thyssen peilt Milliardengewinn an
Überdurchschnittlich zulegen kann auch das Papier von ThyssenKrupp. Deren Chef Ekkehard Schulz hat in einem Zeitungsinterview einen Vorsteuerertrag "Richtung eine Milliarde oder sogar ein Stück besser" angekündigt. Das ist mehr, als der Markt bislang erwartet hatte.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,56
Differenz relativ
-0,44%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
74,18
Differenz relativ
+0,60%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,45
Differenz relativ
-0,08%

Deutsche Bank ist zufrieden
Bei der jüngsten Kapitalerhöhung seien praktisch alle angebotenen Aktien an Anteilseigner der Bank verkauft worden, teilte die größte deutsche Bank mit. 99,3 Prozent der Bezugsrechte seien ausgeübt worden. Damit gingen 306,5 Millionen der insgesamt 308,6 Millionen Aktien für 33 Euro das Stück an die Altaktionäre. Die übrigen 2,1 Millionen Aktien sollen über die Börse verkauft werden. Die Aktie legt überdurchschnittlich zu.

Gewinnmitnahmen drücken Autowerte
Aktien von BMW und Daimler gehören dagegen zu den Verlierern im Dax. Händler sprechen von Gewinnmitnahmen nach dem starken Kursanstieg der vergangenen Wochen. Tatsächlich haben beide Aktien in diesem Jahr überdurchschnittlich zugelegt.

Monsanto gewinnt an Boden
Der weltgrößte Agrar- und Biotechnikkonzern Monsanto hat seinen Nettoverlust im vierten Geschäftsquartal verringert. Monsanto erwirtschaftete ein Minus von 143 Millionen Dollar, nach 233 Millionen im Vorjahresquartal. Der Quartalsumsatz kletterte dagegen um vier Prozent auf 1,95 Milliarden Dollar. Im gesamten Geschäftsjahr 2009/10 (31. August) fuhr der Konzern einen Nettoverlust von 1,1 Milliarden Dollar ein, nach 2,1 Milliarden im Vorjahr. Die Aktie legt zu.

Aareal Bank bestätigt Prognose
Überdurchschnittlich zulegen kann dagegen die Aktie der Aareal-Bank. Nach dem dritten Quartal gebe es keinen Grund, von der bisherigen Gewinnprognose abzurücken, sagt Aareal Bankchef Wolf Schumacher. Demnach dürfte das Betriebsergebnis der Bank 2010 den Vorjahresgewinn von 86 Millionen Euro übertreffen. Beim Neugeschäft werde das Institut, das vergleichsweise gut durch die Krise gekommen ist, das obere Ende der angepeilten Spanne von vier bis fünf Milliarden Euro erreichen.

Gerresheimer überzeugt nicht
Enttäuscht reagieren die Anleger auf den Ausblick von Gerresheimer. Statt seine Prognose anzuheben bekräftigte Gerresheimer lediglich seine Erwartungen. Dabei hat das Unternehmen zwischen Juni bis August mehr verdient als erwartet.

ElringKlinger tief im Minus
Größter Verlierer im MDax ist aber die Aktie von ElringKlinger: Sie verliert mehr als sechs Prozent. Ausgelöst hat den Einbruch die gestern Abend angekündigte Kapitalerhöhung des Autozulieferers. Dabei wurden 5,76 Millionen Aktien zu einem Preis von je 21,50 Euro platziert. In diese Richtung tendiert nun der Aktienkurs des Unternehmens.

Winterreifen-Plan schiebt Conti und Delticom an
Aktien der Reifenhersteller Continental und Delticom sind dagegen gefragt. Händlern zufolge profitieren sie von Plänen der Bundesregierung eine generelle Winterreifen-Pflicht einzuführen. Ob es dazu kommt, ist allerdings alles andere als sicher.

Nomura setzt Q-Cells unter Druck
Die Aktie von Q-Cells ist der mit Abstand schwächste Wert im TecDax. Ein Händler verwies als Auslöser auf eine pessimistische Studie des japanischen Analysehauses Nomura, das sein Kursziel von 6,50 auf 4,50 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Reduce" belassen hatte. Dies habe die Aktien unter Druck gesetzt und das ohnehin schon angeschlagene Chartbild weiter verschlechtert. Mit dem Fall unter die Marke von 3,70 Euro habe die Aktie nun weiteres Abwärtspotenzial generiert, so der Börsianer. Zuletzt konnten sich die Papiere jedoch wieder leicht davon erholen und die Schwelle zurückerobern.

Grammer und Centrotec legen was drauf
Im SDax machen Grammer und Centrotec positiv auf sich aufmerksam. Beide Unternehmen erhöhen ihre Jahresprognose. Während sich Centrotec an die Indexspitze setzt mit gut sechs Prozent Kursplus, dreht das Papier von Grammer nach anfänglichen Kursgewinnen ins Minus.

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"