Dax trotzt allen Widrigkeiten

Detlev Landmesser

Stand: 23.02.2007, 20:24 Uhr

Die 7.000-Punkte-Marke blieb dem Dax zum Wochenschluss zwar verwehrt. Dass er ihr aber so nahe kam, war schon bemerkenswert. Denn die Wall Street litt unter Iran-Sorgen, und hier machte der Ifo-Index Furore.

Das viel beachtete Konjunkturbarometer war im Februar unerwartet von 107,9 auf 107,0 Punkte gefallen. Die befragten Unternehmenschefs beurteilten ihre Geschäftsaussichten im kommenden halben Jahr weniger optimistisch als zuvor. Das drückte den Dax aber nur vorübergehend ins Minus.

Zumal das Thema Iran halbwegs erfolgreich ausgeblendet wurde. Am Ölmarkt stieg dagegen angesichts der befürchteten Zuspitzung im Mittleren Osten der Preis für leichtes US-Öl zeitweise auf einen Jahreshöchststand von über 61 Dollar je Barrel.

An der Wall Street blieb die Laune entsprechend trübe, ohne dass es große Neuigkeiten gab. Unter Druck stand die Aktie von Microsoft. Der Softwarekonzern muss nach einer Gerichtsentscheidung wegen Patentrechtsverletzungen 1,5 Milliarden Dollar an Alcatel-Lucent zahlen.

Der L-Dax beschloss die Woche mit 6.992,05 Zählern.

Telekom schenkt dem Dax neun Punkte

Mit einem seltenen Kursplus von mehr als 2,5 Prozent setzte sich die T-Aktie an die Dax-Spitze und zog den Index um neun Punkte nach oben. Händler verwiesen auf die Verkündung des umstrittenen neuen Telekomgesetzes im Bundesgesetzblatt als Auslöser, das damit am Samstag in Kraft tritt. Die Deutsche Telekom wird nach Ansicht von EU-Kommission und Telekom-Konkurrenten durch das Gesetz bevorzugt. Die Europäische Union hat rechtliche Schritte gegen Deutschland angekündigt, falls das Gesetz in Kraft tritt.

Zudem setzten wohl einige Anleger auf positive Aussagen zu weiteren Kosteneinsparungen mit den am Donnerstag erwarteten Zahlen, meinten die Marktteilnehmer.

FMC erholt
Die Aktie von Fresenius Medical Care erholte sich erwartungsgemäß von den Gewinnmitnahmen am Donnerstag. Dazu halfen die Deutsche Bank und Goldman Sachs, die das Kursziel für den Dialyse-Spezialisten ebenso anhoben wie das des FMC-Mutterkonzerns Fresenius.

RWE überrascht positiv
Bei dem Versorger RWE stand die Bilanz 2006 im Fokus, die zwei Tage nach der Ankündigung des Abschieds von Konzernchef Harry Roels präsentiert wurde. Die Geschäftszahlen zeigten etwas über den Erwartungen liegende Umsätze und Gewinne.

Deutsche Börse mag Madrid
Bei der Deutschen Börse gab es mehrere kursbewegende Neuigkeiten und Gerüchte. Ein positiver Analystenkommentar von der Deutschen Bank ging dabei fast unter. So sollen sich die Frankfurter in fortgeschrittenen Gesprächen mit der Börse Madrid befinden. Am Donnerstag hatte sich zudem Großaktionär Atticus ins Gespräch gebracht. Der US-Hedge-Fonds forderte in einem offenen Brief die Abspaltung der Abwicklungstochter Clearstream.

VW winkt bei Chrysler ab
Kaum Kursbewegung gab es bei der VW-Aktie, dafür aber einige Neuigkeiten. Zum einen schrieb das "Handelsblatt" unter Berufung auf Branchenkreise, die Wolfsburger hätten sich über Banken bereits 30 Prozent an MAN gesichert. Zum anderen teilte Volkswagen mit, es habe kein Interesse an dem Daimler-Sorgenkind Chrysler. Damit schrumpft der Kreis potenzieller Käufer für Chrysler weiter zusammen. Nach Hyundai und Fiat hatten auch Renault und Nissan bereits abgewunken.

DaimlerChrysler dreht ins Plus
Die DaimlerChrysler-Aktie drehte indessen ins Plus, als neue Käuferkreise für Chrysler ins Gespräch kamen. Laut der "Financial Times" haben mindestens vier Finanzinvestoren bereits erste Verhandlungen mit der Konzernmutter geführt. In Finanzkreisen hieß es am Freitag allerdings, Finanzinvestoren dürften nur ein geringes Interesse an einer Komplettübernahme von Chrysler haben. Neues gab es auch von der Nutzfahrzeugsparte von DaimlerChrysler. Diese erwartet im laufenden Geschäftsjahr ein deutlich raueres Geschäftsumfeld. Dennoch werde die Sparte auch in diesem schwierigen Jahr profitabel bleiben, sagte der Chef der Truck Group, Andreas Renschler.

Kursziel 50 für KlöCo
Im MDax führte die Aktie von Klöckner & Co die Gewinnerliste an. Die Deutsche Bank hatte ihr Kursziel für den Titel des Metallhändlers drastisch von 33 auf 50 Euro erhöht. Die Empfehlung bleibt "Buy".

Interesse an MLP?
Die MLP-Aktie wurde dagegen nach Händlerangaben wieder aufgeflammten Gerüchten um ein Interesse der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) an dem Finanzdienstleister beflügelt.

Wer kauft EADS-Aktien?
Leicht aufwärts ging es für EADS. Nach Informationen der "Börsen-Zeitung" soll die Citibank im Auftrag Dritter Aktien der Airbus-Mutter aufkaufen. Interessiert an einer Stärkung ihrer Position oder einem Einstieg seien Russland, China und Katar, schreibt die Zeitung. Stützend wirkten auch die Aussagen nach den deutsch-französischen Konsultationen. Deutschland und Frankreich hatten eine gemeinsame Position über das Sanierungsprogramm bei Airbus erzielt.

Lanxess meldet Problem in China
Auf der MDax-Verliererliste stand Lanxess. Der Chemiekonzern hat nach einer Betriebsstörung in einer Anlage im chinesischen Weifang seine dortige Produktion der Chemikalie Hydrazinhydrat gestoppt. Der Stillstand werde mehrere Monate dauern, teilte Lanxess mit. Das operative Ergebnis vor Sonderposten werde dadurch voraussichtlich um einen mittleren einstelligen Millionen-Euro-Betrag geschmälert. Wo das Problem genau liegt, teilte das Unternehmen nicht mit.

HSBC macht Immobilien zu schaffen
Die IVG-Aktie verlor rund ein Prozent. Die Analysten der HSBC stuften den Titel in einer Branchenstudie von "Neutral" auf "Underweight" zurück. Ebenso wurden Patrizia und die im SDax notierte Vivacon herabgestuft. Bei den Analysten gut weg kam die Deutsche Euroshop. Das Kursziel für dem MDax-Titel wurde von 56 auf 61 Euro erhöht.

Aixtron haussiert
Kräftigere Kursbewegungen gab es im TecDax. So baute die Aixtron-Aktie ihre deutlichen Vortagesgewinne weiter aus und setzte sich mit zeitweise elf Prozent Plus an die Indexspitze. Gestern hatte der Spezialmaschinen-Hersteller Aufträge aus China im Wert von 7,5 Millionen Euro gemeldet. Zum anderen gab es sowohl von der Commerzbank als auch von der DZ Bank positive Studien. Wichtigster Punkt dürfte jedoch die aktuelle Energiespar-Diskussion mit dem Glühbirnenverbot in Australien sein - hier wären LEDs eine künftige Alternative.

Neue Erfolgsmeldung von GPC
Kurzzeitig sprang die Aktie von GPC Biotech um mehr als drei Prozent nach oben. Das Unternehmen hatte gemeldet, sein zukünftiges Krebsmittel Satraplatin zeige nach neuen Daten eine signifikante Verringerung des Risikos eines Krankheitsfortschritts bei Patienten mit fortgeschrittenem hormonresistentem Prostatakrebs. Derzeit prüft die US-Gesundheitsbehörde die Annahme des Zulassungsantrags für Satraplatin.

Jenoptik bestätigt Chefwechsel
Der bisherige Vorstandschef von Jenoptik, Alexander von Witzleben, wechselt zum 1. Juli zum Haniel-Konzern, teilte der Aufsichtsratsvorsitzende Lothar Späth mit und bestätigte damit entsprechende Zeitungsberichte. Neuer Jenoptik-Chef werde der bisherige Technologievorstand Michael Mertin. Zum Finanzvorstand wurde Frank Einhellinger bestellt.

Berentzen operativ im Plus
Das Spirituosen- und Getränkehaus Berentzen hat nach einer mehrjährigen Durststrecke 2006 wieder schwarze Zahlen geschrieben. Bei einem leicht rückläufigen Umsatz von 179,8 Millionen Euro (nach 180,0 Millionen 2005) erwirtschaftete der Konzern nach vorläufigen Zahlen ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 0,5 Millionen Euro, nach minus 2,7 Millionen 2005. Wegen einer Werbe- und Produktoffensive plant das Management allerdings für die Jahre 2007 und 2008 wiederum ein negatives operatives Ergebnis im einstelligen Millionenbereich. Die Aktie verlor zeitweise über vier Prozent an Wert.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier