Dax tritt auf der Stelle

Stand: 06.02.2012, 20:01 Uhr

Die Hängepartie in Griechenland hat den jüngsten Anstieg der Aktienmärkte zum Stillstand gebracht. Wann und ob es zu einer Einigung kommt, lässt sich noch nicht absehen. Bis dahin bleiben die Anleger in Deckung.

Es sei unvermeidlich, dass das von Griechenland ausgehende Risiko die Stimmung am Markt abkühlt, urteilen Börsianer. Die sich hinziehende und undurchsichtige Krise mache die Anleger nach den Gewinnen der vergangenen Wochen vorsichtiger.

Tatsächlich schließt der Dax nahezu unverändert bei 6.764 Punkten. Auch im Abendhandel kommt der deutsche Leitindex nicht von der Stelle. Im frühen Geschäft hatte das Börsenbarometer sogar bis zu 0,77 Prozent nachgegeben auf 6.714 Punkte, bevor es sich wieder erholte. Der Euro klettert über 1,31 Euro.

Ein Händler verwies auf die immer noch üppig vorhandene Liquidität, die sich als eine wichtige Stütze der Märkte erweise, denn trotz der Rally der letzten Wochen seien zahlreiche Anleger noch immer nicht voll investiert. Zudem hätten die Investoren die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die Europäer Griechenland vor der Pleite bewahren werden. Die Kollateralschäden einer Insolvenz des Landes seien einfach zu unüberschaubar.

Mehr Aufträge für deutsche Industrie
Derweil geht das deutsche Wirtschaftswunder weiter. Die deutsche Industrie hat im Dezember wieder mehr Aufträge erhalten. Im Monatsvergleich kletterten sie um 1,7 Prozent. Experten hatten lediglich mit einem Anstieg von weniger als einem Prozent gerechnet. Im November war die Produktion noch um revidierte 4,9 (zunächst 4,8) Prozent gefallen.

Wie in Europa kommt es am Montag auch an der Wall Street zu leichten Kursverlusten. Der Dow Jones-Index der amerikanischen Standardwerte eröffnete leicht im Minus und notiert auch bei Börsenschluss in Frankfurt 0,3 Prozent unter dem Schlussstand vom Freitag bei 12.823 Zählern. Größte Sorge der Anleger ist auch hier der ungelöste Griechenlandkonflikt. "Griechenland bleibt der Wall Street ein Dorn im Auge", sagte ein Marktteilnehmer.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,60
Differenz relativ
-1,88%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,65
Differenz relativ
-0,95%

Finanzwerte auf dem Rückzug
Zu den schwächsten Werten im Dax gehören am Montag die Finanztitel, allen voran die Deutsche Bank, die bis zu Nachmittag der größte Kursverlierer war. Grund ist die Unsicherheit über einen Ausgang des Griechenland-Dilemmas. Davon betroffen sind neben den Banken auch die Titel der Allianz und der Münchener Rück.

Neue Sparrunde bei RWE gefällt
Einer der größten Favoriten im Dax ist am Montag die RWE-Aktie. Damit reagiert die Börse auf die zusätzlichen Sparvorhaben des künftigen Chefs Peter Terium. Analysten der HSBC haben den Titel bereits auf "halten" hochgestuft. Terium hatte gegenüber dem "Spiegel" gesagt, dass das Unternehmen in den Jahren 2013 und 2014 über die bereits beschlossenen Kürzungen von 1,5 Milliarden hinaus eine weitere Milliarde Euro einsparen soll.

Noch kräftiger zulegen kann die Aktie der Deutschen Börse. Nach der gescheiterten Fusion mit der NYSE hat die Deutsche Bank den Frankfurtern den Rücken gestärkt. "Die Börse ist unter Francioni strategisch gut aufgestellt", sagte ein Sprecher des größten deutschen Geldhauses am Montag.

Telekom drückt Sky
Die T-Aktie legt am Montag ein halbes Prozent zu. Hauptgrund ist offenbar ein Bericht des "Spiegel", wonach der Ex-Monopolist für die Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga via Kabel und Satellit bieten will. Leidtragender eines Preiskampfes wäre hier der Pay TV-Anbieter Sky. Dessen Aktie verliert im MDax rund 2,5 Prozent.

Gea kommt voran
Um gut ein Prozent aufwärts geht es mit den Aktien von Gea. Das MDax-Unternehmen hat im vergangenen Jahr Umsatz und Ergebnis kräftig gesteigert und erntet dafür viel Lob und Anerkennung von den Analysten.

Douglas an MDax-Spitze
Deutlich kräftiger, nämlich um über fünf Prozent, geht es bei den Aktien der Drogerie-Kette Douglas nach oben. Bei dem Unternehmen deutet sich ein Machtkampf zwischen der Gründerfamilie Kreke und dem Drogerie-Unternehmer Müller an. Der hat inzwischen über Optionsgeschäfte weitere 15,55 Prozent an Douglas übernommen. Diese Optionen könnten ihm zu einer Sperrminorität verhelfen. Damit könnte der Ulmer Unternehmer die jüngsten Pläne der Douglas-Eigentümerfamilie um Vorstandschef Henning Kreke durchkreuzen, Douglas von der Börse zu nehmen.

Tui auf Talfahrt
Kräftig abwärts geht es dagegen mit der Aktie von Tui. Dabei scheint das MDax-Unternehmen endlich einen Käufer für seine Anteile am Schifffahrtskonzern Hapag-Lloyd gefunden zu haben. Das Hamburger Konsortium Albert Ballin steht für die Übernahme der Tui-Anteile laut dem Logistik-Unternehmer Klaus-Michael Kühne bereit.

Q-Cells rutscht ab
Im TecDax setzt die Aktie des Solarherstellers Q-Cells ihre Talfahrt fort, erneut geht es um rund zehn Prozent auf 0,31 Euro nach unten. Die West LB hat den Titel zum Verkauf empfohlen und ihr Kursziel von 0,17 auf 0,12 Euro gestutzt.

SMT Scharf gut in der Spur
Das auf entgleisungssichere Bahnsysteme für den Bergbau spezialisierte Unternehmen SMT Scharf hat 2011 Umsatz und Ergebnis erneut deutlich gesteigert. Die Erlöse kletterten um 23 Prozent auf 82 Millionen Euro, davon entfielen 90 Prozent auf das Ausland, besonders auf China. Das Ebit legte um 31 Prozent auf 14,5 Millionen Euro zu, was einer Marge von 17,6 Prozent entspricht. Die Aktie steigt um fast fünf Prozent.

HTC mit weniger Gewinn
Der Gewinn des taiwanesischen Smartphone-Herstellers HTC ist im letzten Quartal 2011 um 26 Prozent eingebrochen. Wie die das Unternehmen mitteilte, war der Rückgang auf 10,9 Milliarden taiwanesische Dollar (281 Millionen Euro) in den drei Monaten bis Dezember unter anderem auf die schwächelnde Weltwirtschaft sowie auf harten Wettbewerb zurückzuführen. Der Umsatz lag den Angaben zufolge bei 101 Milliarden taiwanesischen Dollar (2,6 Milliarden Euro).

Tagestermine am Freitag, 19. Oktober

Unternehmen:
Procter & Gamble: Q1-Zahlen
Villeroy&Boch: Neunmonatszahlen
Schlumberger: Q3-Zahlen
Software AG: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Remy Cointreau: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
London Stock Exchange: Trading Update, 08:00 Uhr
State Street Corp: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr
Honeywell: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
China: Industrieproduktion, September, 04:00 Uhr