Marktbericht 20:00 Uhr

Aufputschmittel von der EZB Dax träumt von der Partydroge

Stand: 21.10.2014, 20:00 Uhr

Auch wenn die Konjunktur schwächelt, war den Börsen zum Feiern zumute: Weil die Chancen steigen, dass die EZB noch freigiebiger wird mit ihren konjunkturstimulierenden Aktionen. Es heißt, sie könnte künftig auch Firmenanleihen aufkaufen - ein ganz ungewohnter Schritt. Das peitschte den Dax heute ganz schön auf.

Der Deutsche Aktienindex kletterte bis auf 8.887 Punkte, was einem Plus von fast zwei Prozent entsprach und die Verluste der vorigen Börsenwoche restlos ausglich. Der L-Dax schaffte es sogar bis auf 8.905 Zähler. Und das allein deshalb, weil die Europäische Zentralbank (EZB) noch etwas Neues auf ihren Einkaufszettel schreiben könnte, neben ABS, Pfandbriefen und Staatsanleihen: Firmenanleihen.

Das Tempo der Notenbanker zieht also offenbar an. Sie haben zur Ankurbelung der Konjunktur und der unerwünscht niedrigen Teuerung in den vergangenen Monaten schon ein ganzes Bündel von Maßnahmen auf den Weg gebracht. Dazu zählen unter anderem milliardenschwere Geldspritzen für Banken und der massenhafte Kauf von Kreditverbriefungen und Pfandbriefen. Bis Jahresende will die EZB auch die als vergleichsweise riskant geltenden Kreditverbriefungen - sogenannte Asset Backed Securities (ABS) - kaufen. Diese Papiere gelten als die Übeltäter, die die Finanzkrise so richtig ins Rollen gebracht haben.

ARD-Börsenstudio: Konrad Busen
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Warum will die EZB Unternehmensanleihen kaufen?

Das Kalkül der EZB hinter den Wertpapierkäufen: Die Notenbank will die Bankbilanzen entlasten und so Freiraum für die Kreditvergabe schaffen, was wiederum der Wirtschaft hilft. So zumindest die Hoffnung - doch trotz bisheriger Bemühungen trübt sich die Konjunkturlage derzeit in der Euro-Zone eher weiter ein. Nun bereiten die Notenbanker um EZB-Präsident Mario Draghi also offenbar hinter den Kulissen den Aufkauf von Unternehmensanleihen vor - so ist zumindest von Insidern zu hören.

Auch wenn die europäische Notenbank das Gerücht nicht bestätigen wollte, Experten können sich vorstellen, dass es stimmt: "Entsprechende Spekulationen sind durchaus glaubwürdig, da die zuletzt beschlossenen Maßnahmen der Notenbank keine ausreichende Wirkung entfalten dürften", sagte Esther Reichelt, Devisenexpertin von der Commerzbank. Marktteilnehmer setzen ganz offensichtlich auch darauf, dass in dem Gerücht ein Funke Wahrheit steckt. Der Euro reagierte jedenfalls heftig, verlor rund ein Cent an Wert. Er fiel deutlich unter die Marke von 1,28 Dollar - bis auf 1,2717 Dollar - nachdem er noch am Vormittag bis auf 1,2840 Dollar gestiegen war.

Banktien profitieren

Unter den europäischen Aktien zogen vor allem Finanzwerte an, weil ein solches Vorhaben der EZB die Bilanzen der Institute entlasten. Zudem wetteten immer mehr Marktteilnehmer darauf, dass der EZB-Bankenstresstest für den Sektor insgesamt glimpflich verlaufen dürfte. "Wahrscheinlich werden alle großen systemrelevanten Banken bestehen, was im Vergleich zu früheren Tests eine viel schwierigere Übung ist", schrieb Laurent Frings von Aberdeen Asset Management in einem Kommentar.

Größter Dax-Gewinner war die Aktie der Commerzbank mit plus 5 Prozent, die Gerüchten zufolge den Gesundheitscheck der EZB bestanden haben dürfte. Offizielle Ergebnisse werden erst am Sonntag vorgestellt, bis dahin dürften Bankaktien noch stark schwanken.

Apple und TI - Aufputscher für Dialog und Infineon

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
16,76
Differenz relativ
-7,83%

Die Quartalszahlen von Apple hatten auch einige Breitenwirkung: Trotz großer Probleme zum Verkaufsstart rissen sich die Kunden um die neuen iPhones und füllten so die Kassen des Konzerns im vorigen Quartal. Zulieferer wie der Chip-Designer Dialog Semiconductor profitierten davon, sie stiegen im TecDax um sechs Prozent. Mit einem überraschend großen Gewinnsprung wartete auch Chiphersteller Texas Instruments auf, was Infineon aufputschte.

Wenig appetitlich: Zahlen von Coke und McDonald's

McDonalds und Coca-Cola tischten dagegen wenig berauschende Quartalszahlen auf. Der Getränkerise schrumpft im Heimatmarkt Nordamerika, aber auch in Europa kommt die Brause immer schlechter an. Dadurch sinken die Gewinne. Coca-Cola kann seine langfristigen Umsatzziele daher nicht mehr aufrecht erhalten. Auch wenn Coke jetzt ein milliardenschweres Sparprogramm auflegt, blieben Anleger skeptisch, ob es wirkt und was der Konzern fürs Marketing verschleudert. McDonalds hat mit einem Gammelfleisch-Skandal in China zu kämpfen, der den Quartalsgewinn im abgelaufenen Quartal mächtig schmälerte.

UBS platziert BMW-Aktien

Bis zum Handelsende haben sich alle Dax-Aktien aus der Minuszone herausmanövriert. Selbst die Titel von BMW, die zuvor unter einer größeren Platzierung von 3,33 Millionen Aktien litten und mit Kursverlusten zu kämpfen hatten.

Lufthansa-Aktie erstaunlich fit

Selbst die Lufthansa-Aktie kann sich trotz Pilotenstreik weit im Plus behaupten. Dabei droht noch in dieser Woche ein neuer Streik. Luftfahrt-Experten beziffern den direkten Schaden für die Lufthansa aus dem siebenmonatigen Arbeitskampf bislang auf 100 Millionen Euro. Ein Rückgang der Flugbuchungen in Folge der Ausstände ist da noch nicht drin. Aber ganz offensichtlich hat sich die Lufthansa ausgerechnet, dass es noch teurer würde, wenn sie auf die Forderung der Streikenden einginge.

Thyssen und Rheinmetall vor U-Boot-Deal?

In den Fokus rücken auch Dax-Konzern ThyssenKrupp und MDax-Firma Rheinmetall. Laut dem Platow-Brief gibt es weiter Überlegungen, die U-Boot-Sparte von Thyssen bei Rheinmetall anzudocken. Beide Firmen arbeiteten im Hintergrund an dem Deal.

Sartorius und Villeroy auf Spitzenplätzen

Im TecDax haben Evotec und SMA Solar die Sartorius-Aktie abgehängt, die aber mit fast sieben Prozent Kursplus ebenfalls spitze war. Die guten Zahlen für das abgelaufene Quartal verliehen ihr an der Börse Flügel. Die Holding, die im Biopharmazie-Geschäft tätig ist, hatte ihr operatives Ergebnis um zehn Prozent auf 94,4 Millionen Euro gesteigert, den Umsatz ebenso stark. Im SDax glänzte das Papier des Keramik-Herstellers Villeroy & Boch an der Indexspitze mit 12 Prozent Kursplus. Das Unternehmen ist auf Wachstumskurs, in neun Monaten stiegen die Erlöse um drei und das operative Ergebnis um fast elf Prozent. Noch dazu spricht Firmenchef Frank Göring von einer weiterhin positiven wirtschaftlichen Lage.

Tom Tailor mit Gewinnsprung

Die Aktie von Tom Tailor legt vergleichsweise bescheidene anderthalb Prozent zu. Die Bilanz überzeugt aber. Der Modekonzern kann in dem schwächen Branchenumfeld seine Profitabilität steigern. Die Umsätze legten 3,5 Prozent zu. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) gab es dafür einen Riesensprung 21 Prozent.

Deutz-Aktie mit Kolbenfresser

Der Motorenbauer Deutz schockte heute bereits vor Börseneröffnung mit einer Gewinnwarnung. Wegen einer außerplanmäßigen Ergebnisbelastung werde man das Jahresergebnisziel nicht mehr erreichen. Deutz muss Millionen wegen defekter Motoren zur Seite legen, allein rund 20 Millionen im dritten Quartal. Den Börsentag schloss die SDax-Aktie daher heute mit einem dicken Minus von fast zehn Prozent.

Zooplus im Umsatzhoch

Gute Umsätze meldete der Internet-Versender von Tierbedarfs-Artikeln. Zooplus steigerte seine Erlöse im dritten Quartal um 36 Prozent auf 146,2 Millione Euro. Die Prognose für das laufende Gesamtjahr bleibt bei 530 Millionen Euro bestehen.

Total-Chef in Moskau ums Leben gekommen

Der Chef des französischen Ölkonzerns Total, Christophe de Margerie, ist bei einem Flugzeugunfall ums Leben gekommen. Seine Maschine rammte in Moskau einen Schneepflug. De Margerie hatte Total zuletzt stärker ins Geschäft mit Russland bringen wollen, etwa durch eine Kooperation mit Lukoil. Die Total-Aktie war zunächst deutlich tiefer gestartet, hat sich inzwischen aber erholt.

bs

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr