Marktbericht 20:06 Uhr

Das Börsenbeben geht weiter Dax taumelt weiter nach unten

Stand: 09.02.2016, 20:06 Uhr

So hatten sich die Anleger die närrischen Tagen nicht vorgestellt: Statt guter Laune herrschte am Fastnachtsdienstag Katerstimmung. Der Dax setzte seine mehrtägige Talfahrt fort und fiel unter 8.900 Punkte. Der Euro drehte dagegen auf.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate
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Droht uns eine neue Finanzkrise? Einige Marktbeobachter reden inzwischen schon von Panik und Angst an den Märkten - und ziehen Vergleiche mit den Anfangszeiten des Krisen-Jahrs 2008. Der Dax rauscht seit Tagen immer tiefer nach unten. Am Dienstag sackte er um weitere 1,1 Prozent auf unter 8.900 Punkte ab. Zeitweise wurde gar die Schwelle von 8.800 Zählern unterschritten. Nur die relativ stabile Wall Street sorgte für etwas Entlastung. Seit Jahresbeginn hat der Dax rund 17 Prozent eingebüßt - gewaltig viel für einen Leitindex.

Angst vor Kreditausfällen und Bankenkrise

Die Anleger sorgen sich um die Weltkonjunktur. Sie befürchten wegen des massiven Ölpreisverfalls Kreditausfälle bei Rohstoff-Firmen und Unternehmen aus den Schwellenländern. Darunter würden vor allem die Banken leiden. Die Unterfinanzierung der Ölfirmen gefährde den Bankensektor, warnte Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 20.15 Uhr

Die Anleger proben das Szenario einer Weltrezession, meinten die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Die Krise ist da, auch wenn sie die Realwirtschaft noch nicht erreicht hat", sagte ein Händler. Erschreckend sei, dass es schon seit Tagen und Wochen keine echte Gegenbewegung bewege, erklärte Thorsten Engelmann von der Equinet Bank.

Keine Entwarnung von der Ölfront

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Ein schlechtes Omen für die Weltwirtschaft ist der anhaltende Ölpreisverfall. Am Dienstag rutschten die Preise für Nordseeöl der Sorte Brent und US-Leichtöl wieder ab. Mit rund 32 und 29,40 Dollar je Fass (159 Liter) näherten sie sich wieder ihrer im Januar erreichten Zwölf-Jahres-Tiefstände. Am Vormittag hatten sich die Ölpreise noch leicht erholt. "Das Überangebot an Öl bleibt bestehen, und daher dürften sich die Preise kaum oben halten können", meinte Michael McCarthy vom Brokerhaus CMC Markets.

Euro über 1,13 US-Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1246
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Als zusätzliches Handicap für Dax, EuroStoxx50 & Co erweist sich der steigende Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung kletterte bis zum Abend auf 1,1310 Dollar. Das macht exportstarken europäischen Firmen zu schaffen. Der Goldpreis stieg derweil um 0,5 Prozent auf 1.195 Dollar je Feinunze. Am Montag hatte das gelbe Edelmetall zeitweise die Marke von 1.200 Dollar überschritten.

Bundesanleihen gefragt

Von der Unsicherheit an den Märkten profitierten zeitweise deutsche Staatsanleihen. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future kletterte am Morgen auf ein Rekordhoch von 165,23 Punkten. Danach kam es zu einer kleinen Gegenbewegung. Der Euro-Bund-Future fiel leicht auf 164,59 Punkte bis zum frühen Abend. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 0,237 Prozent.

Deutsche-Bank-Aktie auf Sinkflug

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,67
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Zu den größten Dax-Verlierern zählten am Dienstag erneut die Bankentitel. Die Aktien der Deutschen Bank sackten um über vier Prozent auf ein neues Tief von 13,18 Euro ab. Die Deutsche Bank hatte am Montagabend bekräftigt, genug Kapital zu haben, um neuartige Anleihen (Contingent Convertible Bonds, so genannte "CoCos") zu bedienen. In einem Brief schrieb Bank-Chef John Cryan an die Mitarbeiter: "Sie können Ihren Kunden mitteilen, dass die Deutsche Bank angesichts ihrer Kapitalstärke und ihrer Risikoposition absolut grundsolide ist."

Goldman Sachs drückt die Stahlwerte

Stark unter Druck standen auch die Stahlwerte. Die Aktien von ThyssenKrupp fielen um fast vier Prozent. Die Titel von Salzgitter brachen gar um rund sieben Prozent ein. Eine Verkaufsempfehlung von Goldman Sachs für die Aktien von Antofagasta und eine Herunterstufung von ArcelorMittal haben am Dienstag den gesamten Stahl- und Bergbausektor belastet.

Vonovia muss zittern

Für Deutschlands größten Wohnungskonzern wird es in der Nacht zum Mittwoch spannend. Um Mitternacht endet die Annahmefrist für das Angebot zur Übernahme des Rivalen Deutsche Wohnen. Am Dienstagmittag lag die Quote erst bei 28,7 Prozent. Die Bochumer hoffen, dass viele großen Fonds ihre Aktien noch kurz vor Toresschluss andienen. Vonovia hatte zuletzt die Annahmeschwelle auf 44 Prozent gesenkt.

Daimler ruft 840.000 Autos zurück

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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50,41
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-0,69%

Der Stuttgarter Autobauer Daimler gab am Abend den Rückruf von 840.000 Autos in den USA wegen möglicherweise defekter Airbags von Takata bekannt. Die Kosten für diese Maßnahme bezifferte Daimler auf rund 340 Millionen Euro. Dadurch verringere sich das Konzernergebnis auf 8,7 Milliarden Euro. Ursprünglich war ein Plus von 8,9 Milliarden ausgewiesen.

VW vor Milliarden-Deal

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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145,84
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-0,15%

Bei VW haben angeblich mehrere Unternehmen angeklopft, die Interesse an der Schiffsmotoren-Sparte haben. Nach Einschätzung von Bankern könnte der Verkauf vier bis fünf Milliarden Euro einbringen. VW bereitet laut einem Insider erste Gespräche mit einem chinesischen Interessenten vor. Die Sparte war VW im Rahmen der Übernahme von MAN zugefallen.

Neue Fantasie bei KlöCo

Im MDax rangierten die Aktien des Stahlhändlers Klöckner & Co (KlöCo) auf der Gewinnerliste. Der Familienunternehmer Friedhelm Loh hat seine Beteiligung an dem Unternehmen auf 25,25 Euro ausgebaut. Die Investition diene nach seinen Angaben weiterhin der Umsetzung finanzieller und strategischer Ziele. Möglich sei, dass die Beteiligung in den kommenden Monaten aus- oder abgebaut werde.

Tui: Terrorangst vertreibt Türkei-Urlauber

Der weltgrößten Reisekonzern Tui bekommt die Terrorfolgen zu spüren. Für die Türkei brachen die Sommerbuchungen um 40 Prozent ein. Dies werde Tui jedoch nicht in eine Schieflage bringen. Die Urlauber würden verstärkt auf andere Reiseziele wie Spanien und Griechenland ausweichen. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2015/16 stieg der saisontypische Nettoverlust um gut drei Viertel auf 184 Millionen Euro. Die Aktie verlor zwei Prozent.

Brain glückt das Börsendebüt

Das Biotech-Unternehmen Brain ist heute erfolgreich an die Börse gestartet. Mit 9,10 Euro schloss die Aktie am ersten Handelstag über dem Ausgabepreis von 9,00 Euro. Das Unternehmen will die Industrie "biologisieren": Brain macht Enzyme, Mikroorganismen und andere Wirkstoffe für industrielle Anwendungen in der Chemie-, Kosmetik-, Nahrungsmittel- und Medizinindustrie nutzbar.

Coca-Cola spart sich reich

Relativ gut hielt sich die Aktie von Coca-Cola. Kräftige Einsparungen haben im vierten Quartal den Gewinn des Brausekonzerns schäumen lassen. Coca-Cola verdiente 1,24 Milliarden Dollar - gut 60 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der starke Dollar drückte aber den Umsatz um acht Prozent auf zehn Milliarden Dollar nach unten.

Sanofi verdient weniger

Der französische Pharmakonzern Sanofi hat im vierten Quartal währungsbereinigt einen Gewinnrückgang um 13,5 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro hinnehmen müssen. Der Umsatz sank um 1,6 Prozent auf rund 9,3 Milliarden Euro. Grund waren schrumpfende Umsätze etwa bei verschreibungspflichtigen Medikamenten. Analysten hatten noch etwas weniger Gewinn, dafür aber mehr Umsatz erwartet. Die Aktie notierte zwei Prozent tiefer.

TomTom navigiert sich nach vorne

Der niederländische Navigationsgeräte-Hersteller TomTom hat im vierten Quartal seinen Gewinn von knapp 10 auf rund 23 Millionen Euro Gewinn gesteigert. Im laufenden Jahr soll der Umsatz um fünf und der Gewinn um zehn Prozent steigen. Helfen sollen Großaufträge von Apple und dem Fahrdienst Uber. Die Aktie fiel dennoch um fast fünf Prozent.

Unicredit-Gewinn sinkt

Die Hypo-Vereinsbank-Mutter hat im vergangenen Jahr deutlich weniger verdient. Der Gewinn sank um knapp 16 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Im vierten Quartal schrumpfte der Überschuss auf 153 Millionen Euro. Die Erwartungen der Analysten wurden klar übertroffen. Dennoch fiel der Kurs der Unicredit am Dienstag erneut um gut acht Prozent.

Actelion glänzt

Positiv ragte die Aktie von Actelion am Dienstag heraus. Sie legte knapp zwei Prozent zu. Die Schweizer Biotech-Firma steigerte dank des neuen Lungenmittels Opsumit die Verkaufserlöse um vier Prozent auf erstmals über zwei Milliarden Franken. das Betriebsergebnis stieg um ein Viertel auf 814 Millionen Franken. Auch der Ausblick fiel positiv aus.

Telekom Austria schreibt schwarze Zahlen

Die Telekom Austria ist im vergangenen Jahr wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Der Überschuss lag bei rund 393 Millionen Euro. Der Umsatz stagnierte bei vier Milliarden Euro. 2014 hatte die Tochter von America Movil einen Verlust von rund 185 Millionen Euro gemacht. Für 2016 stellte der Telekom-Konzern einen Umsatzanstieg von einem Prozent und eine Dividende von fünf Cent je Aktie in Aussicht.

Vestas im Höhenflug

Kräftig Rückenwind gab es am Dienstag für die Vestas-Aktien. Sie kletterten um rund neun Prozent nach oben. Der dänische Windanlagenbauer hat 2015 den Gewinn um fast drei Viertel auf 685 Millionen Euro erhöht. Der Umsatz legte um gut ein Fünftel auf 8,4 Milliarden Euro zu. Für 2016 peilen die Dänen einen weiteren Anstieg der Erlöse auf neun Milliarden Euro an. Die Ebit-Marge soll sich auf mindestens elf Prozent verbessern.

nb

Tagestermine am Montag, 12. November

Unternehmen:
Lanxess: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Infineon: Q4-Zahlen, 7:30 Uhr (Jahres-Pk: 11:00 Uhr)
Euronext: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
QSC: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Talanx: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 8:00 Uhr)
Cancom: Neun-Monats-Zahlen (endgültig), 10:00 Uhr

Konjunktur:
Italien: Industrieproduktion 9/18, 10:00 Uhr
Deutschland: Ifo-Wirtschaftsklima Welt
Großbritannien: BIP Q3/18 (1. Veröffentlichung), 10:30 Uhr