Marktbericht 20:10 Uhr

Rekordjagd vorerst beendet Dax taucht wieder ab

Stand: 16.05.2014, 20:10 Uhr

Nach dem Rekordhoch vom Vortag ist Ernüchterung am deutschen Aktienmarkt eingekehrt. Der Dax fällt mangels neuer Impulse zurück und beschließt damit eine ereignisreiche Woche. Jetzt wartet alles auf die EZB.

Die heißersehnte Initialzündung in Richtung 10.000 Punkten war bisher ein Flop. Denn der deutsche Aktienmarkt ist nach dem Rekordhoch vom Vortag von 9.810 Punkten in eine Konsolidierungsphase eingetreten. In einem über weite Strecken lust- und ideenlosen Handel verlor der Leitindex zum Wochenschluss 0,28 Prozent und schloss bei 9.629 Punkten.

Auch die Indizes aus der zweiten Reihe gaben nach. Der MDax büßte 1,0 Prozent, der deutsche Technologieindex, der TecDAX, 1,09 Prozent ein. Auf Wochensicht verzeichnete der Leitindex trotzdem ein Plus von einem halben Prozent. Im Späthandel gab es kaum Bewegung, der L/E-Dax schloss bei 9.628 Punkten.

Für eine Fortsetzung der Kursanstiege an den Aktienbörsen seien frische Impulse notwendig, sagte Francois Chaulet, Chef des Vermögensverwalters Montsegur Finance. "Die werden voraussichtlich von den Zentralbanken kommen." Die Börsianer rechnen nach den bisherigen Äußerungen führender EZB-Notenbanker fest mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik, um deflationären Tendenzen in Europa entgegen zu treten. Nennenswerte neue Unternehmensmeldungen gab es nicht, stattdessen beherrschten zahlreiche Analystenkommentare das Geschehen.

Wall Street tendiert uneinheitlich

Auch aus New York kam nicht wirklich Unterstützung. Nach widersprüchlichen Konjunkturdaten tendieren die führenden Aktienindizes aktuell verhalten um ihre gestrigen Schlusskurse. Größere Abgabeneigungen gibt es aber auch nicht.

Dier neuen Konjunkturdaten boten kein einheitliches Bild. Während die April-Daten vom Hausmarkt besser als erwartet ausfielen, enttäuschte das von der Universität Michigan ermittelte Verbrauchervertrauen für den Mai. Ermittelt wurde ein Wert von 81,8 Punkten, Experten hatten 84,5 Punkte erwartet.

Euro weiter unter Druck

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1222
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Auch der Euro hat keine klare Linie gefunden, wie der Zick-Zack-Chart zeigt. Insgesamt tendierte die Gemeinschaftswährung überwiegend im Minus, das Tagestief lag dabei bei 1,3685 Dollar. Danach hat sich der Euro bei Kursen um 1,3701 Dollar etwas stabilisiert. Die EZB legte den Referenzkurs bei 1,3696 Dollar fest nach 1,3659 Dollar am Vortag.

Trotz Stabilisierungstendenzen vor dem Wochenende sehen Analysten den Euro unter latentem Druck. Ausschlaggebend ist auch am Devisenmarkt die EZB. Neue Hinweise auf anstehenden monetären Rückenwind gab heute der französische EZB-Direktor Benoit Coeure. Er versuchte, Ängste vor zu hohen Risiken wegen dauerhaft niedrigere Zinsen in der Eurozone zu zerstreuen. "Wir haben die Mittel, sie abzuwehren", erklärte er auf einer Tagung in Warschau.

Verluste am Rentenmarkt - Sorgen um Athen

Am Rentenmarkt gab es ebenfalls Verluste, der Bund Future verlor 0,3 Prozent. Stärkere Abschläge gab es bei den Anleihen der südeuropäischen Euro-Staaten, vor allen in Griechenland. Die Experten der Commerzbank erklärten, vor allem schwache Umfragewerte für die Regierungskoalition in Athen vor der Europawahl trübten die Aussichten. An der Athener Börse stieg die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Staatsanleihe auf ein neues zwei-Monats-Hoch bei 6,59 Prozent. Auch am Aktienmarkt gab es Verluste von rund drei Prozent. 

Indische Börse in Rekordlaune

Der Sieg der hindu-nationalistischen Oppositionspartei BJP bei den indischen Parlamentswahlen trieb hingegen den lokalen Leitindex Sensex zwischenzeitlich um mehr als sechs Prozent auf ein Rekordhoch von 25.375 Punkten. Am Ende stand aber nur noch ein moderates Plus von 0,9 Prozent auf 24.121 Punkte. Die Börse traut den Hindu-Nationalisten eine wirtschaftsfreundlichere Politik zu.

Goldman Sachs empfiehlt RWE

Ganz oben im Dax thronte RWE. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Aktie von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel auf 33 Euro belassen. Das Potenzial durch eine Erholung der Gewinne im Stromerzeugungsgeschäft überwiege die Risiken, schreibt die zuständige Analystin in einer Studie vom Donnerstag.

Autoaktien ohne klaren Kurs

Auch bei den Autopapieren konnten sich die Anleger heute nicht so recht entscheiden. Die Aktien waren nach positiven Analystenkommentaren sowie einer Erholung am europäischen Automarkt im April zunächst gefragt, boten dann aber ein unterschiedliches Bild. Nach Angaben des Branchenverbands ACEA wurden in den EU-Staaten 4,6 Prozent mehr Pkws verkauft. Aus der Reihe tanzte aber Deutschland, wo die Zulassungen um 3,6 Prozent zurückgingen.

VW Vorzüge retteten sich leicht ins Plus, Daimler gaben nach. BMW Stämme waren unter Berücksichtigung des Dividendenabschlages von 2,60 Euro je Stammaktie (2,62 Euro für die Vorzüge) bester Dax-Autowert, lagen aber "optisch" im Verliererfeld.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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145,84
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Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Aktien ex Dividende

Neben BMW wurden auch die Deutsche Telekom und die Deutsche Börse exDividende gehandelt. Die Deutsche Telekom schüttete 0,50 Euro je Aktie, die Deutsche Börse 2,10 Euro je Titel und BMW 2,60 Euro für jede im Dax gelistete Stammaktie (sowie 2,62 Euro je Vorzugsaktie) an ihre Anteilseigner aus. Zu den größten "echten" Verlierern gehörten Lanxess und Continental.

SAP vor der größten Umwälzung seiner Geschichte

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Papiere von SAP gaben mit dem Markt 0,3 Prozent nach. Der künftige Finanzvorstand Luka Mucic hat in einem Vorab-Bericht des "Euro am Sonntag" angekündigt, dass langfristig Cloud-Lösungen mindestens so hohe Margen wie der klassische Software-Verkauf bringen sollen. Der Umstieg auf das neue Cloud-Geschäftsmodell bedeute für SAP die größte Transformation der Geschichte, sagte Mucic in der "Börsen-Zeitung".

Fresenius setzt auf Emerging Markets

Fresenius: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Kurs von Fresenius erholte sich im Handelsverlauf und schloss über Tagestief 0,85 Prozent schwächer. Der Gesundheitskonzern kündigte auf der Hauptversammlung eine verstärkte Expansion in die Schwellenländer an. In den USA, dem wichtigsten Markt von Fresenius, wird der Dax-Konzern künftig nicht mehr so stark von Lieferengpässen der Konkurrenz profitieren wie zuletzt, warnte Vorstandschef Ulf Schneider.

Gleichzeitig erklärte der Firmenchef, man sei nicht an den Resten von Rhön-Klinikum interessiert, auch aus kartellrechtlichen Gründen. Fresenius hatte jüngst für drei Milliarden Euro den Großteil der Rhön-Kliniken übernommen.

Metro Spitzenreiter im MDax

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im MDax notierten erneut Metro an der Spitze, nachdem die Aktien bereits am Vortag auf der Pole Position gelandet waren. Die Ankündigung von Media-Saturn Mitgründer Erich Kellerhals, die Elektronik-Kette zurückzukaufen, beflügelte den Kurs.

Sparkurs zeigt Wirkung bei der Tui

Tui

Tui: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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14,49
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Tui-Aktien lagen nach den Zahlen zum ersten Quartal hingegen deutlich im Minus, konnten sich aber zumindest von den Tagestiefständen absetzen. Am Ende stand ein Abschlag von 2,53 Prozent für den Reiseveranstalter. In den ersten drei Monaten des Jahres schreiben Tourismus-Unternehmen üblicherweise rote Zahlen - Geld wird erst mit Badeurlauben im Sommer verdient.

Neuer Milliardenauftrag für Airbus

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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94,35
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Der Flugzeugbauer berichtet über einen Auftrag von 80 Maschinen für den Verkaufsschlager A320 von der chinesischen Fluglinie Southern Airlines. Der Listenpreis liegt bei 7,3 Milliarden Dollar, Rabatte sind in der Branche aber üblich. Die Flugzeuge sollen zwischen 2016 und 2020 ausgeliefert werden. Es handelt sich um 30 Maschinen vom Typ A320 und um 50 von der spritsparenderen Modellvariante A320neo. In China bauen die Gesellschaften wegen der stark steigenden Nachfrage zunehmend die Flugverbindungen aus. Airbus-Aktien verloren in einem schwächeren Gesamtmarkt trotzdem.

Salzgitter gibt Entwarnung

Der zweitgrößte deutsche Stahlkonzern zeigt sich trotz der Ukraine-Krise optimistisch zum Großauftrag für die Gas Pipeline 'South Stream'. "Wir haben gültige Verträge mit dem Betreiberkonsortium für das South-Stream-Projekt", sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag auf Anfrage. "Wir sind sogar gebeten worden, mehr und schneller zu liefern." Das Betreiberkonsortium habe weitere 37.000 Tonnen Röhren bestellt. Die Investoren reagierten erleichtert. Die Aktie, die noch gestern unter Druck gestanden hatte, legte 1,59 Prozent zu und war damit gegen den Trend einer der größten Gewinner im MDax.

KTG Agrar will jetzt ernten

KTG Agrar will in diesem Jahr die Früchte seines Investitionsprogramms ernten. Der Umsatz soll 2014 die Marke von 200 Millionen Euro knacken. Im vergangenen Jahr legten die Erlöse um fast 50 Prozent auf 164,9 Millionen Euro zu. Das operative Ergebnis (Ebit) stieg deutlich von 13,4 auf 23,9 Millionen Euro. Unterm Strich blieb allerdings ein Verlust von 0,7 Millionen Euro. Die Aktie der Agrarfirma legte um rund ein Prozent zu.

Lang & Schwarz haussieren

Um 11,7 Prozent kräftig aufwärts ging es mit der Aktie von Lang & Schwarz. Der Wertpapierhändler hat bereits im ersten Quartal 2014 mehr verdient als im gesamten Jahr 2013. Der Gewinn lag bei 1,2 Millionen Euro – nach 120.000 Euro im Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis pro Aktie kletterte auf 0,39 Euro. Für 2013 will Lang & Schwarz eine Dividende von 0,27 Euro je Anteilsschein ausschütten.

Credit Suisse droht Milliardenstrafe

Im Ausland stand die Credit Suisse im Blickpunkt. Die Schweizer Großbank muss einem Zeitungsbericht zufolge für das Ende des US-Steuerstreits deutlich mehr zahlen als bislang angenommen. Dafür laufe die Bank wohl keine Gefahr, ihre Lizenz in den Vereinigten Staaten zu verlieren, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider-Kreise. Es droht eine Strafe von rund 2,5 Milliarden Dollar. Die Aktie legt trotzdem zu.

In Frankreich bahnt sich Telekom-Fusion an

Spekulationen auf einen Zusammenschluss im französischen Telekommunikationsmarkt trieben die Aktien von Orange und Bouygues an. Laut dem französischen Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg soll es Fusionsgespräche zwischen den beiden Konzernen geben. Der harte Wettbewerb im Mobilfunkmarkt drückte Bouygues im ersten Quartal tiefer in die roten Zahlen. Der um Sondereffekte bereinigte Verlust stieg von 77 Millionen Euro auf 96 Millionen Euro.

Starke Zahlen von Applied Materials und J.C. Penney

An der Wall Street stehen nach jeweils erfolgreichen Quartalsausweisen zwei Unternehmen besonders im Blick. Der Chipausrüster Applied Materials kehrte zurück in die Gewinnzone und erwirtschaftete dank des Smartphone-Booms einen Überschuss von 262 Millionen Dollar. Der angeschlagene US-Einzelhändler J.C. Penney konnte den Umsatz im ersten Quartal um rund sechs Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar erhöhen. Vor allem J.C.-Penney-Aktien sind gefragt und liegen aktuell über 13 Prozent im Plus.

GM muss Höchststrafe zahlen

Die Aktie des US-Autobauers General Motors hat sich nach Anfangsverlusten mittlerweile wieder erholt. Im Handelsverlauf bestätigten sich zwar Gerüchte, dass GM eine Strafe zahlen muss - die 35 Millionen Dollar, die an die US-Verkehrsbehörde zu zahlen sind, sind aber eine vergleichsweise milde Buße, obgleich die Höchstrafe. Da hatten einige wohl mit mehr gerechnet. Die Regierung hätte GM gerne ein höheres Bußgeld aufgebrummt und kündigte an, die Höchststrafe auf 300 Millionen Dollar zu erhöhen.

GM stimmte zudem einer Überwachung durch die Behörden zu und muss vollständigen Einblick in die Rückrufunterlagen gewähren. Es geht um Probleme mit den Zündschlössern, weshalb die Opel-Mutter in den USA Millionen von Autos zurückruft.

rm

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr