Dax taucht wieder ab

Stand: 12.12.2011, 20:02 Uhr

Nach den Kursgewinnen am Freitag ist der deutsche Aktienmarkt am Montag mit heftigen Kursverlusten in die neue Woche gestartet. Grund ist die Kritik der drei großen Ratingagenturen an den EU-Gipfelbeschlüssen vom Freitag.

Die Agentur Moody's vermiest den Anlegern gleich zu Handelsbeginn die Stimmung mit ihrem Urteil, dass die Beschlüsse der EU-Staats- und Regierungschefs vom vergangenen Freitag nicht weit genug gingen. Die selbst ernannten Bonitätswächter monieren vor allem das Fehlen kurzfristiger Maßnahmen zur Stabilisierung der angespannten Kreditmärkte.

In das gleiche Horn stoßen später auch die beiden anderen Agenturen Standard & Poor's sowie Fitch. Zweifel an der Wirksamkeit der Gipfelbeschlüsse kommen auch von Volkswirten und Analysten. "Es ist schön, dass sich die Staaten auf koordinierte Richtlinien zur Steuerpolitik geeinigt haben, aber dies löst die grundlegenden Probleme der Schuldenkrise nicht", sagte etwa Investec-Volkswirtin Victoria Cadman.

Analysten und Intel belasten
Auch die Analysten der Commerzbank sind der Meinung, dass der EU-Gipfel keine Lösung für die Schuldenkrise bringt. "Die positiven Aspekte des Gipfels, hier ist die Einigung auf eine Fiskalunion zu nennen, können bestenfalls mittel- bis langfristig eine Hilfe sein. Mehr als ein Signal der Politik, dass man gewillt ist, die Staatsfinanzen ins Lot zu bringen, ist auch diese allerdings nicht", urteilte Commerzbank-Experte Lutz Karpowitz. Auch die Drohung der Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P), die Bonität der europäischen Versicherer herabzusetzen, sorgte für Verunsicherung. Am Nachmittag drückte dann eine gesenkte Umsatzprognose des Chipherstellers Intel zusätzlich auf die Gemüter.

Bis zum Handelsende baut der Dax seine Verluste immer weiter aus und geht schließlich bei 5.785 Punkten, gut 200 Punkte (3,4 Prozent) weniger als am Freitag, aus dem Handel. Zu ähnlich hohen Einbußen kommt es auch im Abendhandel. Der Euro gerät ebenfalls unter Druck und rutscht am Abend auf 1,318 Dollar, gut einen Cent weniger als zu. Handelsbeginn.

Die negativen Kommentare zu den Ergebnissen des EU-Gipfels haben auch an der Wall Street für Ernüchterung gesorgt. Der Dow Jones-Index fällt bei Börsenschluss in Frankfurt knapp unter die Schwelle von 12.000 Punkten, ein Minus von 1,8 Prozent.

Anleihen rauf, Gold runter
Auf der Suche nach einem "sicheren Hafen" griffen Anleger dagegen bei Bundesanleihen zu. Die Kurse stiegen, entsprechend ging die Rendite auf bis zu 1,987 Prozent zurück nach 2,102 Prozent im New Yorker Freitagsgeschäft.

Die Feinunze Gold wurde mit einem Abschlag von 2,4 Prozent bei 1670 Dollar bewertet und war damit so billig wie seit drei Wochen nicht mehr. Händler begründeten die Entwicklung mit dem stärkeren Dollar , der Rohstoffe für Anleger außerhalb des US-Währungsraumes teurer werden lässt. "Womöglich versuchen auch einige Investoren, ihre Verluste an den Aktienmärkten dadurch auszugleichen, dass sie Gold verkaufen", sagte Euwax-Händler Norbert Paul.

Intel Opfer der Flut in Thailand
Kräftig bergab geht es mit der Aktie von Intel. Der weltgrößte Chiphersteller hat seine Umsatzprognose gesenkt. Die Produktionsprobleme durch die Flut in Thailand würden die Erlöse im vierten Quartal unter die eigenen Erwartungen drücken, teilte der US-Konzern mit. Das Unternehmen rechnet nun mit 13,7 Milliarden Dollar - plus oder minus 300 Millionen. Analysten hatten bislang mit 14,65 Milliarden Dollar kalkuliert. Die Bruttogewinnmarge soll nach Intels Schätzung bei 65,5 Prozent auf Basis der Bilanzierung nach non-Gaap betragen. Die Aktie fällt um mehr als vier Prozent.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,51
Differenz relativ
+1,22%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,63
Differenz relativ
+0,69%
Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
182,85
Differenz relativ
+0,16%

Finanzwerte schmieren ab
Angeführt wird die Liste der Dax-Verlierer von den Finanzwerten Commerzbank, Allianz und Deutsche Bank. Auch die Aktie der Münchener Rück muss überdurchschnittlich abgeben. Händler verweisen auf die Entscheidung der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), die Kreditwürdigkeit von 15 europäischen Versicherern unter Beobachtung zu stellen.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,95
Differenz relativ
-0,75%

Post vor Sonderdividende?
Die Aktie der Deutschen Post dreht am Nachmittag zwar ebenfalls ins Minus, hält sich aber deutlich besser als der Gesamtmarkt. Grund sind Spekulationen über eine Sonderdividende. Halte der Trend der vergangenen Quartale an, "würde uns das mittelfristig in eine Position bringen, in der wir über überschüssige Liquidität verfügen", sagte Finanzvorstand Larry Rosen der "Financial Times Deutschland".

ThyssenKrupp kommt ans Ziel
Abwärts geht es dagegen mit der Aktie von ThyssenKrupp. Dabei hat der Konzern nun endlich einen Käufer für den zivilen Teil der Werft Blohm+Voss gefunden. Es handelt sich um den britischen Finanzinvestor Star Capital. Finanzielle Details wurden nicht genannt.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
78,37
Differenz relativ
+2,98%

Bayer hat Potenzial
Auch die Bayer-Aktie steht unter Druck, obwohl das Kursziel von der Credit Suisse von 53,00 auf 56,00 Euro angehoben wurde. Die Einstufung haben die Analysten auf "Outperform" belassen. Es gebe keinen Grund dafür, dass die Bayer-Aktie sich zunehmend im Gleichschritt mit dem Dax und schlechter als die Pharmabranche entwickle, schrieb Analystin Luisa Hector. Da Gewinnschwankungen der Sparte Material Science kaum belasteten, dürften die Titel sich 2012 wieder stärker an den Kursentwicklungen im Pharmasektor orientieren. Die Aktie dürfte dann stärker auf die Umsatzentwicklung des Gerinnungshemmens Xarelto reagieren.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
17,17
Differenz relativ
-2,00%

Eon herabgestuft
Zu den größeren Verlierern gehört auch die Eon-Aktie. Merrill Lynch hat das Papier von "Buy" auf "Neutral" abgestuft und das Kursziel von 20,00 auf 18,50 Euro gesenkt. Der zuständige Analyst sieht angesichts der Konjunkturabschwächung die Gefahr, dass die Strompreise im kommenden Jahr sinken. Auch der Konkurrent RWE wurde mit einem niedrigeren Kursziel von 27 nach bisher 29 Euro bedacht.

Rheinmetall: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
76,50
Differenz relativ
-2,22%

Rheinmetall schwächeln trotzdem
Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat laut einem australischen Medienbericht einen milliardenschweren Auftrag dem Land reingeholt. Die australische Armee habe bei dem deutschen Rüstungskonzern Fahrzeuge im Wert von umgerechnet 1,4 Milliarden Euro bestellt, hieß es. Die im MDax notierte Aktie schwächelt trotzdem.

Fraport enttäuscht
Zu den größten Verlierern im MDax gehört neben der Aareal Bank, auch die Aktie des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport. Dabei wurden im November auf dem wichtigsten Standort Frankfurt am Main 4,3 Millionen Passagiere abgefertigt und damit so viele wie noch nie in einem November. Im Vergleich zum Vorjahr entsprach das einem Zuwachs von gut vier Prozent. Im Luftfrachtgeschäft ging es allerdings abwärts. Hier lag das Minus bei fast elf Prozent auf rund 181.600 Tonnen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 15. Oktober

Unternehmen:
Total: Trading Statement Q3, 8.30 Uhr
Bank of America: Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Rio Tinto: Quartalszahlen Q3, 23.30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Industrieproduktion August, 6.30 Uhr
Deutschland: Monatsbericht Bundeswirtschaftsministerium
USA: Einzelhandelsumsatz / Empire State Index, 14.30 Uhr
USA: Lagerbestände, 16 Uhr