Marktbericht 20:10 Uhr

Dritter Minus-Tag in Folge Dax taucht noch tiefer ab

Stand: 04.12.2013, 20:10 Uhr

Zwiespältige Konjunkturdaten aus Amerika haben Anleger am Mittwoch nervös gemacht. Sie ließen offen, wann die Fed vom Gaspedal geht. Der Dax gab erneut kräftig nach. Einen größeren Kursrutsch verhinderte die stabile Wall Street.

Wann kommt das "Tapering" in den USA? Wann strafft die Fed die Geldpolitik? Diese Frage bewegte am Mittwoch erneut die Gemüter der Börsianer. Gute Zahlen vom privaten US-Arbeitsmarkt mit 212.000 neu geschaffenen Stellen schürten Spekulationen, dass die Fed schon im Dezember ihre milliardenschweren Anleihenkäufe drosselt.

Dann aber trudelte der ISM-Index ein - und dämpfte die Spekulationen. Denn die Stimmung in der amerikanischen Dienstleistungsbranche trübte sich unerwartet deutlich auf 53,9 Punkte ein. Die Prognosen lagen bei 55,0 Zählern.

Fed: US-Wirtschaft wächst mit mäßigem Tempo

"Die Wirtschaft lege weiterhin mit mäßigem Tempo zu, teilte die Fed in ihrem am Abend veröffentlichten Beige Book mit. Am Arbeitsmarkt hätten die Neueinstellungen moderat zugelegt oder stagniert. Allerdings hätten Unternehmen häufig Probleme, hochqualifizierte Mitarbeiter zu finden.

Dax zeitweise unter 9.100 Punkte

Am Aktienmarkt sorgten die zwiespältigen Konjunkturdaten für ein nervöses Auf und Ab. Die ADP-Daten drückten zunächst die europäischen Börsen tief ins Minus. Der Dax rauschte zeitweise unter die 9.100 Punkte. Der schwache ISM-Index dämmte die Verluste dann etwas ein, der Dax schloss 0,9 Prozent tiefer bei 9.141 Punkten. Der EuroStoxx50 verlor 0,7 Prozent auf 2.991 Punkte. "Die Anleger wollen einfach Kasse machen, und da kommen solche Kursbewegungen gerade recht", meinte ein Händler. Zudem sorgten charttechnische Verkaufssignale kurz vor Veröffentlichung der ADP-Daten für Kursverluste.

Licht und Schatten aus der Euro-Zone

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1662
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Auch aus dem Euro-Raum kamen widersprüchliche Konjunktursignale. Zwar lag der Einkaufsmanagerindex bei 51,7 Punkten im Dezember. In Italien und Frankreich trübte sich die Stimmung jedoch ein. Die wichtige Marke von 50 Punkten, die Wachstum signalisiert, wurde unterschritten. Für zusätzliche Ernüchterung sorgten die Einzelhandelsumsätze im November. Sie sanken im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Prozent. Experten hatten eine Stagnation vorhergesagt. Insgesamt bleibt die konjunkturelle Erholung in der Euro-Zone auf wackligen Füßen. Im dritten Quartal betrug das BIP-Wachstum gerade mal 0,1 Prozent. Der Euro rutschte auf 1,3560 Dollar ab.

Opec-Staaten rütteln nicht an der Förderquote

Am Ölmarkt entwickelten sich die Preise der Sorten WTI und Brent weiter auseinander. Die Aussicht auf die baldige Inbetriebnahme einer wichtigen US-Pipeline trieb den Preis für die US-Ölsorte WTI leicht an auf 96,50 Dollar je Barrel. Brent-Öl aus der Nordsee verbilligte sich dagegen leicht auf 112,59 Dollar. Kaum Impulse kamen vom Treffen der Opec-Staaten in Wien, das am Mittwoch begann. Die Minister wollen die Förderquote nicht ändern.

Goldman Sachs treibt Conti an

Im Dax gab es nur ein halbes Dutzend Gewinner. Zum Spitzenreiter avancierte K+S, die auf Jahressicht freilich zu den größten Verlierern zählen. Ebenfalls im Plus lag Conti- dank eines positiven Analystenkommentars. Goldman Sachs hob am Mittwoch das Kursziel für den Reifenhersteller und Autozulieferer von 145 auf 153 Euro an. Conti sei in der Lage, in den kommenden Jahren zwei Milliarden Euro liquider Mittel für wertsteigernde Zukäufe auszugeben, hieß es in einer Studie.

Aktien der exportstarken Firmen leiden

Die anhaltenden Spekulationen um eine Drosselung der Anleihenkäufe durch die Fed setzten dagegen Aktien exportstarker Firmen unter Druck. Die Titel von BASF waren Schlusslicht mit einem Minus von gut zwei Prozent, gefolgt von Heidelberg Cement.

Hohe Strafe für die Deutsche Bank

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,17
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-1,36%

Rund ein Prozent verloren die Aktien der Deutschen Bank. Die EU-Kommission bestraft mehrere Großbanken wegen der Libor-Manipulation mit einer Rekordbuße von insgesamt 1,7 Milliarden Euro. Alleine die Deutsche Bank muss rund 725 Millionen Euro blechen.

Daimler stiehlt BMW und VW die Show

Uneinheitlich präsentierten sich die Autowerte. Während BMW und Daimler um rund ein Prozent nachgaben, schloss VW fast unverändert. Dabei mussten die Wolfsburger in den USA einen Rückschlag einstecken: der Absatz von VW brach im November um 16 Prozent ein. Daimler hingegen kam in den USA bestens an: Die Schwaben verkauften 14 Prozent mehr Fahrzeuge. BMW wiederum schaffte nur ein moderates Absatzplus von knapp zwei Prozent.

Lob für Symrise und Wacker Chemie

Im MDax beflügelten Analystenkommentare Symrise und Wacker Chemie. Die Titel von Symrise waren mit einem Plus von fast drei Prozent größter Gewinner. Morgan Stanley hob die Titel des Duftstoffe- und Aromenherstellers von "Equal-weight" auf "Overweight" und das Kursziel von 32 auf 37 Euro an. Die Aktien von Wacker Chemie verteuerten sich um 1,3 Prozent. Die UBS hat das Kursziel für die Papiere von 81 auf 95 Euro gehievt und die Kaufempfehlung bestätigt.

Fortress stößt Millionen Gagfah-Aktien ab

Aktien des Immobilienkonzerns Gagfah standen dagegen unter Druck. Sie verloren rund 3,6 Prozent. Großaktionär Fortress hat seine Anteile versilbert. Nach Angaben der Deutschen Bank hat Fortress 15 Millionen Papiere der Immobilienfirma zu 10,15 Euro je Aktie verkauft.

Euromicron senkt Jahresprognose

Aus der dritten Reihe kam eine Gewinn- und Umsatzwarnung von Euromicron. Der Telekomzulieferer kappte seine Jahresprognose. Weil viele Aufträge ins nächste Jahr verschoben wurden, dürften die Erlöse und das Ergebnis nicht an das Niveau von 2012 herankommen, teilte das ehemalige TecDax-Unternehmen mit. Für 2013 rechnet Euromicron nur noch mit einem Umsatz von rund 320 Millionen Euro statt wie ursprünglich angepeilt 350 Millionen Euro. Die operative Ebitda-Marge werde nur bei knapp fünf statt acht Prozent liegen. Die Euromicron-Aktie brach um sieben Prozent ein.

Aldi und Lidl nehmen Tescon Marktanteile ab

Aus dem Ausland meldete Tesco Umsatz-Zahlen. Der weltweit drittgrößte Einzelhändler leidet unter der Konkurrenz von Lidl und Aldi im Heimatmarkt Großbritannien. Der Umsatz auf der Insel schrumpfte im dritten Quartal um 1,5 Prozent. Seit dem Sommer habe sich die Situation auf dem britischen Lebensmittelmarkt verschärft, klagte Tesco-Chef Philip Clarke. Im Ausland lief es noch schlechter, besonders in Thailand. Konzernweit sank der Umsatz um 2,5 Prozent. Nach anfänglichen Gewinnen drehten die Tesco-Aktien ins Minus.

Standard Chartered warnt

Noch härter traf es Standard Chartered. Die Aktien der Londoner Großbank brachen um über sechs Prozent ein. Standard Chartered gab am Mittwoch eine Gewinnwarnung aus. Wegen der schwierigen konjunkturellen Lage in Asien befürchtet die Bank erstmals seit Jahren einen Gewinnrückgang.

Brüssel winkt Nokia-Teilübernahme durch

Die Aktien von Nokia zogen leicht um ein Prozent an. Die EU-Kommission hat am Mittwochnachmittag grünes Licht für die Übernahme der Handysparte durch Microsoft gegeben. Die obersten Kartellwächter in der EU genehmigten das Vorhaben ohne Auflagen. Die Tätigkeiten der beiden Unternehmen würden sich kaum überschneiden, hieß es. Künftig konzentriert sich Nokia auf das Netzwerkgeschäft.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr