Dax taucht ab

Stand: 19.01.2011, 20:02 Uhr

Die mit Enttäuschung aufgenommenen Quartalszahlen von Goldman Sachs und die nur schleppende Erholung des US-Immobilienmarktes haben den Anlegern heute die Kauflust verdorben - trotz einer glänzenden Bilanz der US-Technologiefirmen.

Der Dax rutscht auch am Abend um 0,9 Prozent ins Minus auf 7.086 Punkte. Dabei hatten am Vormittag noch die Quartalsberichte von Apple und IBM den Dax auf 7.165 Punkte steigen lassen - ein Niveau, das er seit Mai 2008 nicht mehr erreicht hatte. "Anleger haben nach dem jüngsten Kursanstieg erst einmal Kasse gemacht", kommentierte Händler Stefan de Schutter von der Alpha Wertpapierhandelsbank die Entwicklung.

Die Anleger an der Wall Street reagieren gelassener. Bei Börsenschluss in Deutschland notiert der Dow Jones-Index sogar drei Zähler höher als gestern bei 11.840.

Ursache für die schlechte Stimmung sind die Quartalszahlen der US- Investmentbank Goldman Sachs. Bis zu deren Bekanntgabe am frühen Nachmittag war der Dax bis auf 7.165 Punkte gestiegen. Dann begann der Abstieg. Goldman hat wegen der Umbrüche auf den Anleihemärkten im vierten Quartal einen Gewinneinbruch auf 2,23 Milliarden Dollar erlitten, nach 4,79 Milliarden im gleichen Vorjahreszeitraum.

Auch American Express betroffen
Auch das US-Kreditkartenunternehmen American Express erwartet eine deutliche Gewinnbelastung. Wegen hoher Umbaukosten im vierten Quartal werde der Nettogewinn voraussichtlich 1,1 Milliarden Dollar oder 0,88 Dollar pro Aktie betragen, teilte das Unternehmen mit.

Gemischt sind auch die Zahlen vom US-Immobilienmarkt ausgefallen. Während die Zahl der Baugenehmigungen im Dezember die Prognosen deutlich übertraf, lagen die Wohnbaubeginne wegen des unerwartet frühen Wintereinbruchs unter den Erwartungen: 0,529 Millionen statt 0,550 Millionen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,97
Differenz relativ
-0,75%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,28
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Öl und Euro teurer
Der etwas schwächere Dollar hat Investoren zu Anlagen in Öl ermuntert. Das Fass verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 91,89 Dollar, Nordseeöl der Sorte Brent wurde mit 98,30 Dollar 0,5 Prozent höher gehandelt.

Die Ölpreise würden weiter durch die anhaltende Dollar-Schwäche gestützt, sagten Händler. Tatsächlich ist der Eurokurs am Nachmittag zeitweise über die Schwelle von 1,35 Dollar gestiegen, gibt danach aber wieder etwas nach.

UBS hilft Lufthansa-Aktie nicht
Die Papiere der Lufthansa sind die größten Verlierer im Dax .Dabei hatte UBS-Analyst Jarrod Castle zuvor das Kursziel für die Titel von 18,50 auf 19,00 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Insgesamt dürften sich die Aktienkurse von Fluggesellschaften in diesem Jahr aber kaum so gut entwickeln wie noch 2010, da einer anhaltend starken Nachfrage der steigende Ölpreis als Bedrohung für Gewinne und Margen entgegenstehe. Die Erholung beim deutschen Luftfahrtkonzern setze sich indes fort, begründete er die Zielerhöhung.

Infineon ist Bonus wieder los
Auch die Aktien des Chipherstellers Infineon müssen nach den kräftigen Zugewinnen gestern empfindliche Einbußen hinnehmen. Die Aktie verliert 2,8 Prozent und ist damit einer der schwächsten Werte im Leitindex.

Die im TecDax notierte Aktie des LED-Spezialisten Aixtron, eigentlich ein klassischer Profiteur von guten amerikanischen Tech-Vorgaben, verliert ebenfalls deutlich. Auch Dialog Semiconductor, ebenfalls im TecDax notiert, büßen überdurchschnittlich ein. Marktbeobachter verwiesen auf einen enttäuschenden Ausblick des Konkurrenten Cree.

Merck meldet Erbitux-Erfolg
Größter Kursgewinner im Dax ist die Aktie des Pharmakonzerns Merck. Die Firma hatte am Morgen einen Studienerfolg seines Hoffnungsträgers Erbitux. Das Krebsmedikament habe in Kombination mit einer Standardchemotherapie bei einer bestimmten Krebsart zu einer deutlichen Verlängerung des Überlebens geführt, versichert Merck.

Klöckner will in USA zukaufen
Der Stahl- und Metallhändler Klöckner & Co will seine Marktstellung in den USA durch einen großen Zukauf ausbauen. Mit der Macsteel Service Center sei eine grundsätzliche Übereinkunft über eine Übernahme erzielt worden, teilte KlöCo am Abend mit. Macsteel ist mit 30 Standorten und einem Umsatz von 1,3 Milliarden Dollar eines der führenden Stahl Service Center-Unternehmen in den USA.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
56,28
Differenz relativ
-0,30%

EU-Kommission drückt MAN und Daimler
Unter Druck geraten vor allem die Aktien von Daimler und MAN. Für Zurückhaltung sorgen Ermittlungen der EU-Kommission gegen MAN, Daimler und Scania wegen möglicher Preisabsprachen im Lkw-Segment. Bei allen drei Unternehmen gab es bereits gestern Durchsuchungen. Analysten zufolge besteht das Risiko, dass das jeweilige Unternehmen sich eine Strafe von bis zu zehn Prozent desweltweiten Umsatzes einhandeln könnte.

Erfolg für die Deutsche Bank in USA
Nach General Motors hilft die Deutsche Bank nun auch bei der Reprivatisierung des Versicherungskonzerns AIG. Es ist noch unklar, wann und in welchem Umfang sich der amerikanische Staat von seinen AIG-Aktien trennt. Der Börsengang könnte aber größer sein als die 23,1 Milliarden Dollar schwere Rückkehr von GM. Deutsche Bank-Aktien gehören ebenfalls zu den Favoriten im Dax.

Solaraktien profitieren von Regierungsplänen
Angesichts der zunehmenden Klarheit über weitere Subventionskürzungen für Solaranlagen notieren die meisten Solaraktien im Plus. SMA und Centrotherm gewinnen bis zu sieben Prozent. Die Bundesregierung will Presseberichten zufolge die Einspeisevergütung bereits Mitte Juli um bis zu 15 Prozent senken.

Paragon erfreut die Anleger
Um mehr als sieben Prozent legt die Aktie des Autozulieferers Paragon zu. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr wieder glänzend verdient. Wegen der guten Autokonjunktur legte das Ebit auf 5,4 Millionen Euro zu, vor einem Jahr machte Paragon noch einen Verlust von zwei Millionen Euro.

Swatch-Aktie verliert an Glanz
Der Schweizer Uhrenhersteller Swatch hat das vergangene Jahr mit einem um 19 Prozent verbesserten Umsatz beendet. Besonders gut lief das Geschäft mit den Luxusuhren der zu Swatch gehörenden Marken Glashütte und Breguet. Die Uhren waren nach Angaben der Firma vor allem in Asien, Zentraleuropa und dem Mittleren Osten gefragt. Gewinnmitnahmen drücken die Aktie allerdings ins Minus.

ASML verachtfacht Gewinn
Von der guten Branchenkonjunktur im IT-Sektor profitiert auch der niederländische Chipausrüster ASML. Die Firma schloss das vierte Quartal mit einem um das Achtfache verbesserten Gewinn von 407 Millionen Euro ab. Der Umsatz erreichte 1,52 Milliarden Euro. Die Aktie gibt trotzdem nach.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 15. August

Unternehmen:

Zur Rose Group: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
Stratec: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
ADO Properties: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
Leoni: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
LPKF: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Cisco Systems: Q4-Zahlen, 22:05 Uhr
MVV Energie: Q3-Zahlen
Vestas: Q2-Zahlen

Konjunktur
Großbritannien: Verbraucherpreise 07/18, 10:30 Uhr
USA: Produktivität Q2, 14:30 Uhr
USA: Empire State Index 08/18
USA: Einzelhandelsumsatz 07/18, 14:30 Uhr
USA: Industrieproduktion 07/18, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung 07/18, 15:15 Uhr
USA: Lagerbestände 06/18, 16:00 Uhr
USA: NAHB-Index 08/18, 16:00 Uhr
USA: Energieministerium Ölpreise (wöchentl.), 16:30 Uhr

Sonstiges:
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