Dax taucht ab

Mark Ehren

Stand: 28.02.2008, 20:02 Uhr

Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag deutliche Kursverluste verbucht. Der Dax büßte mehr als 100 Punkte ein. Im späten Handel waren nur minimale Verbesserungen drin.

Der L-Dax beendete den Handel bei 6.869 Punkten. Das waren sieben Zähler mehr als beim Xetra-Dax. Druck gab es von der US-Konjunktur, dem ungebremsten Verfall der US-Dollars und dem Ölpreis. Ein Barrel leichtes US-Öl kostete am Abend mehr als 102 Dollar. Händler verwiesen auf Berichte über Unterbrechungen der Ölversorgung in Nigeria und Irak.

Gegenüber dem Euro fiel der Dollar auf ein neues Rekordtief von 1,5229. "Mit dem hohen Wechselkurs wird es für die Exportindustrie schwieriger", sagte ein Händler.

Zwei Zahlen aus den USA verschreckten am frühen Nachmittag die Anleger: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg in der vergangenen Woche um 19.000 auf 373.000. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 350.000 Anträgen gerechnet. Außerdem entwickelte sich die US-Wirtschaft im vergangenen vierten Quartal nicht so stark wie zunächst erwartet. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) wurde von 0,8 Prozent auf 0,6 Prozent nach unten revidiert.

Die neueste Rede des US-Notenbankpräsidenten Ben Bernanke konnte das Ruder nicht rumreißen. Stattdessen beschleunigte sich der Abwärtstrend während seiner Ausführungen noch. Der Notenbanker geht davon aus, dass einige Banken die aktuelle Kreditmarktkrise nicht überleben werden. Einige Kreditinstitute würden wohl bankrott gehen, sagte Bernanke vor dem Banken-Komitee des US-Senats. Bei den großen, international agierenden Banken erwarte er indes keine ernsthaften Probleme.

Auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann äußerte sich zur Finanzkrise. Der Geldmanager rechnet mit weiteren massiven Abschreibungen bei Banken weltweit. "Die ersten sechs bis neun Monate dieses Jahres werden für die Finanzmärkte schwierig bleiben", sagte er.

Linde geht's gut

Doch es gab auch gute Nachrichten - zum Beispiel vom Industriegasespezialisten Linde, der am Donnerstag seine Geschäftszahlen für 2007 vorstellte. Der Konzern steigerte das operative Ergebnis um 18 Prozent auf 2,42 Milliarden Euro. Der Umsatz wuchs um knapp 14 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro. Damit schnitt Linde besser ab als allgemein erwartet. Die Aktie des Konzerns arbeitete sich daraufhin sogar bis in die Pluszone vor.

Eon gibt nach
Der Energiekonzern Eon hat den Streit mit der EU-Kommission um Kartellvergehen mit dem Angebot eines Verkaufs seines Stromnetzes sowie von Kraftwerkskapazitäten von 4.800 Megawatt beigelegt. Die Vorschläge führten zur Einstellung des Kartellverfahrens, teilte die Kommission am Donnerstag in Brüssel mit. Die Nachricht ließ die Eon-Aktie aber ziemlich ungerührt.

Telekom kein Aufreger
Die Zahlen der Deutschen Telekom wurde von der Analystengilde überwiegend als "ok" eingestuft. Der Umsatz sank im vierten Quartal moderat um 0,6 Prozent auf 15,8 Milliarden Euro. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erhöhte sich um 1,4 Prozent auf 4,61 Milliarden Euro. Der um Sondereffekte bereinigte Überschuss schrumpfte von 824 Millionen auf 808 Millionen Euro. Die T-Aktie gehörte zu den größeren Verlierern.

Bayer schlechter als gedacht
Noch schlechter entwickelte sich die Bayer-Aktie. Einige Analysten senkten am Vormittag ihre Kursziele für das Papier. Bayer hat im vierten Quartal zwar operativ deutlich mehr verdient als vor Jahresfrist. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) und vor Sondereinflüssen ist im Schlussquartal um 24,4 Prozent auf 774 Millionen Euro gestiegen. Dies war aber weniger als Analysten erwartet hatten. Der Konzernumsatz stieg um 11,8 Prozent auf 32,39 Milliarden Euro zu.

IDS steigert sich zweistellig
Auch Zahlen aus der zweiten und dritten Reihe deutscher Konzerne kamen ganz unterschiedlich an. Papiere des Software- und Beratungsunternehmens IDS Scheer legten sogar zu. Das Unternehmen hat im abgelaufenen Geschäftsjahr seinen Überschuss um mehr als 20 Prozent auf 23,4 Millionen Euro gesteigert. Für 2008 erwartet IDS rund sechs Prozent mehr Umsatz.

Morphosys stellt nicht zufrieden
Zunächst deutlich aufwärts, danach gleichermaßen abwärts - die Reaktion auf die Ergebnisse des Biotech-Unternehmens war ein Wechselbad der Anlegergefühle. Morphosys hat 2007 seinen Umsatz von 52 auf 62 Millionen Euro gesteigert, das operative Ergebnis von 6,2 auf 7,0 Millionen Euro. Besonders der Ausblick des Biotech-Konzerns enttäuschte offenbar einige Marktteilnehmer.

Affi belastet
Deutlicher ins Minus rutschte die Aktie der Norddeutschen Affinerie (NA). Das Bundeskartellamt hat die Beteiligung der Industrieholding A-Tec des österreichischen Investors Mirko Kovats an der NA als wettbewerbswidrig untersagt. Nach der Entscheidung der Wettbewerbshüter muss A-Tec sich von allen Anteilen an der Kupferhütte trennen. A-Tec wiederum will gegen die Entscheidung der Behörde gerichtlich vorgehen.

Tognum-Zahlen mit zu wenig Aufträgen
MDax-Mitglied Tognum hat für das Jahr 2007 die Erwartungen des Finanzmarkts erfüllt. Dennoch verlor der Titel deutlich. Der Motorenbauer hat seinen Umsatz um 11,8 Prozent auf 2,84 Milliarden Euro gesteigert. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) habe um 26,2 Prozent auf 390 Millionen Euro zugelegt. Als Dividende will der Börsenneuling 60 Cent je Anteilsschein zahlen. Besonders schlecht kam der nur schwache Auftragseingang im vierten Quartal an.

MPC mit Gewinnrückgang
Der Gewinn des Hamburger Emissionshauses MPC aus dem SDax ist im vergangenen Jahr um 31 Prozent auf 38,6 Millionen Euro zurück gegangen. MPC hatte noch im November 2007 einen Gewinn von 45 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Die Aktie rutschte ab.

KWS lässt Anleger warten
Der Saatguthersteller bleibt im ersten Halbjahr seines Geschäftsjahres 2006/2007 in der Verlustzone. Der Betriebsverlust lag mit 45,6 Millionen Euro knapp über dem Vorjahresniveau von 44,7 Millionen Euro. Für KWS sind die roten Zahlen aber nicht dramatisch. Denn nach Aussage des Unternehmens werden im ersten Halbjahr nur etwa 20 Prozent der Gesamterlöse erzielt. Die Aktie im SDax verlor deutlich, nachdem sie zuletzt stark gelaufen war und gestern ein Allzeithoch erreicht hatte.

Envitec und LPKF sehr gefragt
Das Biogas-Unternehmen Envitec und Lasertechnik-Unternehmen LPKF profitierten von Donnerstag von Großaufträgen. Envitec wird Biogasanlagen im Wert von mehr als 30 Millionen Euro in Indien bauen. LPKF hat mehrere Großaufträge im Wert von knapp fünf Millionen Euro erhalten.

Eckert & Ziegler
Am Abend erhielt die Aktie des Medizintechnikunternehmens Eckert & Ziegler einen deutlichen Schub. Das Unternehmen legt seine Implantatsparte zur Behandlung von Prostatakrebs mit der belgischen Ibt zusammen. Dafür erhält das Berliner Ibt-Aktien im derzeitigen Wert von 27 Millionen Euro.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"