Dax tankt neue Energie

Notker Blechner

Stand: 06.09.2010, 18:00 Uhr

Weil die US-Börse geschlossen war, fehlte dem Dax zu Wochenbeginn etwas die Orientierung. Für die wenigen Impulse sorgte die Politik: der beschlossene Atomkompromiss trieb die Versorger-Aktien an und half dem Dax nach oben. Die Anleger blieben aber vorsichtig.

Die Börsenwoche begann relativ ruhig. Wegen des US-Feiertags und der geschlossenen New Yorker Börse fielen die Umsätze an der Frankfurter Börse recht dünn aus. Nach einem guten Beginn dämmerte der Dax stundenlang vor sich hin. Am Ende ging er mit 6.155 Punkten und einem Plus von 0,3 Prozent aus dem Xetra-Handel. Im späten Parketthandel tat sich nicht mehr viel. Der L-Dax gewann noch sechs Pünktchen hinzu und schloss bei knapp 6.161 Zählern.

Viele Anleger hielten sich merklich zurück. Nach den überraschend starken Arbeitsmarktzahlen von Freitag warten sie lieber die nächsten Konjunkturdaten ab, um zu sehen, ob die Abkühlung der US-Wirtschaft doch nicht so stark ausfällt wie befürchtet. Am Mittwochabend wird das Beige Book der Notenbank Aufschlüsse über die jüngste Konjunkturentwicklung geben.

Goldige Aussichten

Der Euro verteidigte zu Wochenbeginn seine Freitagsgewinne und notierte bei knapp unter 1,29 US-Dollar. Der Goldpreis hielt sich bei 1.250 Dollar je Feinunze. Als Grund für den stabilen Goldpreis nannten Händler die starke Nachfrage aus Indien. Dort hat die "Feiertagssaison" begonnen, in dem traditionell viel Goldschmuck gekauft wird. Die Experten von Unicredit hoben am Montag in einer Studie ihre Prognose für den Goldpreis an. Im nächsten Jahr dürfte der Preis für das Edelmetall auf durchschnittlich 1.400 Dollar je Feinunze klettern, glauben sie. 2012 würde sich Gold dann auf 1.600 Dollar verteuern.

Eon und RWE unter Strom
Für den großen Energie-Schub im Dax sorgten Eon und RWE. Der in der Nacht zum Montag ausgehandelte Atom-Kompromiss in Berlin gab den Aktien der beiden Versorger kräftig Auftrieb. In der Spitze legten sie über drei Prozent zu, am Ende schlossen sie 1,8 Prozent höher. Analysten zeigten sich erleichtert über das Ende des Atom-Pokers und die beschlossene Laufzeitverlängerung um mindestens acht Jahre. Auch die Befristung der Atomsteuer auf sechs Jahre wird eher positiv bewertet. Allerdings gab es auch warnende Stimmen. Analysten sehen die Gefahr, dass der Bundesrat oder Gerichte die Laufzeitverlängerung kippen könnten.

Deutsche Börse ganz oben
Als Dax-Spitzenreiter ging die Deutsche Börse aus dem Xetra-Handel. Die Aktien des Börsenbetreibers stiegen um über zwei Prozent. Händler begründeten die Kursgewinne mit dem fulminanten Monatsstart an den Börsen im "Angstmonat" September. Steigende Börsenumsätze dürften sich positiv auf die Bilanz der Deutschen Börse auswirken, meinen sie. Zudem hat die Tochter Clearstream im August im Vergleich zum Vorjahresmonat um 17 Prozent bei den Abwicklungstransaktionen zugelegt.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,75
Differenz relativ
-2,14%
Salzgitter: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
30,36
Differenz relativ
-3,74%

Neue Preisrunde im Stahlmarkt
Stahltitel wie ThyssenKrupp im Dax sowie Salzgitter und Klöckner & Co (KlöCo) im MDax waren ebenfalls gefragt. Grund: Die weltweite Nummer eins der Branche ArcelorMittal will erneut die Stahlpreise anheben. Laut einem Medienbericht ist eine Verteuerung von fünf Prozent auf rund 620 Euro je Tonne geplant. Die deutschen Konkurrenten würden dem Beispiel folgen, hieß es in Unternehmenskreisen. Die Stahlhersteller begründeten die neuerliche Preiserhöhung mit der starken Verteuerung der Rohstoffpreise.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,86
Differenz relativ
-3,26%

Commerzbank setzt auf ausländische Mittelständler
Unter den Dax-Gewinnern befanden sich auch die Bankentitel - trotz der neuesten Schätzung zu den Belastungen von Basel III. Laut dem Bundesverband Deutscher Banken rechnen die zehn größten deutschen Geldinstitute mit einem zusätzlichen Kapitalbedarf von 105 Milliarden Euro wegen der unter Basel III vorgesehenen schärferen Eigenkapitalregeln. Die Aktien der Commerzbank kletterten um 1,4 Prozent nach oben. Die Frankfurter Großbank hat angekündigt, ihr Mittelstandsgeschäft im Ausland kräftig auszubauen. Ziel sei ein zweistelliges Wachstum bei den Erträgen, sagte der für Firmenkunden zuständige Commerzbank-Vorstand Markus Beumer. Zudem sieht Beumer gute Chancen, die Vorsorge für faule Kredite in seinem Portfolio in diesem Jahr weit unter die erwartete Marke von etwa einer Milliarde Euro drücken zu können.

HeidelCement im Obama-Fieber
Deutlich ins Plus drehten am Montag die Aktien von HeidelbergCement. Sie schlossen 1,7 Prozent höher. Der Baustoffkonzern wird als möglicher Profiteur eines gigantischen Konjunkturankurblungs-Programms in den USA gesehen. Präsident Barack Obama plant angeblich ein 50 Milliarden Dollar schweres Infrastrukturprogramm zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. "Das würde einen dauerhaften Nachfrageschub für HeidelbergCement bedeuten", meinte ein Börsianer.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
49,78
Differenz relativ
-1,33%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
73,69
Differenz relativ
-0,66%

Daimler kommt unter die Räder
Dagegen zählten die in den letzten Wochen hervorragend gelaufenen Titel der Premium-Autohersteller BMW und Daimler am Montag zu den Dax-Verlierern. Börsianer sprechen von Gewinnmitnahmen und Umschichtungen in Versorgertitel. Besonders hart traf es Daimler als Dax-Schlusslicht mit einem Minus von über einem Prozent. Selbst erfreuliche Aussagen von Daimler-Finanzchef Bodo Uebber konnten da nicht viel helfen. Uebber bekräftigte die Jahresprognose und wischte Rezessionsängste beiseite. Er versprach für 2010 wieder eine "gesunde Dividende". Mit den derzeitigen Analysten-Schätzungen von 1,15 Euro je Aktie fühle er sich wohl.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
145,76
Differenz relativ
-0,65%

Citigroup liebt VW
Nur die VW-Aktien trotzen der Negativ-Entwicklung und beendeten den Handel mit 0,4 Prozent im Plus. Eine Kaufempfehlung der Citibank stützte die Titel des Wolfsburger Autobauers. Die Experten erhöhten das Kursziel für VW von 80 auf 92 Euro. Die Produktstärke sei so eindrucksvoll wie nie zuvor, meinten die Citigroup-Analysten.

Infineon plant keine Sonderausschüttung
Der Chiphersteller Infineon will seine Aktionäre an den Erlösen aus dem Verkauf seiner Mobilfunksparte nicht beteiligen. Der erzielte außerordentlichen Gewinn in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags soll in die Firmenkasse fließen und für Investitionen in schlechteren Zeiten dienen, erklärte Vorstandschef Peter Bauer in einem Vorab-Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Auch ein Aktienrückkauf komme nicht in Frage. Eine feindliche Übernahme befürchtet Bauer nicht. "Ohne einen satten Aufschlag von 40 Prozent auf unsere Cash-Position wäre ein Übernahmeversuch nicht zu machen", sagte er. Die Infineon-Aktien schlossen leicht im Minus.

Sky im MDax-Himmel
Aus dem MDax ragten die Aktien von Sky hervor. Mit einem Plus von 3,6 Prozent war Sky zusammen mit Brenntag größter Gewinner in der zweiten Börsenliga. Händler verwiesen auf optimistische Aussagen von Vorstandschef Brian Sullivan. Er sieht auf mittlere Sicht keinen zusätzlichen Kapitalbedarf für den Pay-TV-Sender. Es werde aber noch zwei bis der Jahre dauern, bis Sky eine nachhaltige Geschäftsgrundlage erreicht habe.

Springer verdrängt Bauer
Die Index-Veränderungen sorgten im MDax und SDax für Kursausschläge. So gaben die Aktien des designierten MDax-Absteigers Bauer um über ein Prozent nach. Dagegen wurde Axel Springer als MDax-Aufsteiger gefeiert. Die Aktien stiegen um 1,6 Prozent.

Easyjet im Aufwind
Aus dem Ausland meldete sich die britische Billigfluggesellschaft Easyjet mit Verkehrszahlen - und überraschte. Die Zahl der Fluggäste wuchs im August um 8,4 Prozent auf 5,2 Millionen. Auch die Auslastung verbesserte sich leicht. Der Billigflieger plant für das im September endende laufende Geschäftsjahr einen Vorsteuergewinn von bis zu 150 Millionen britischen Pfund. Die Aktie zog kräftig an.

Macquarie warnt
Dagegen schockte die australische Investmentbank Macquarie Group mit einer Gewinnwarnung. Sie rechnet im ersten Halbjahr mit einem Ergebniseinbruch von 25 Prozent. Experten hatten dagegen mit einem Anstieg um 10,6 Prozent gerechnet. An der Börse in Sydney brach die Macquarie-Aktie um 5,9 Prozent ein. Die weltweiten Marktturbulenzen im Zuge der Schuldenkrise vieler europäischer Staaten hätten das Geschäft in Mitleidenschaft gezogen, begründete Macquarie das schwache Ergebnis.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat