Dax sucht seinen Weg

Stand: 12.03.2007, 20:10 Uhr

Die kleine Schwäche im Verlauf ist vergessen, der Dax ist wieder für alle Richtungen offen. Und genau das ist das Problem: Auf dem Parkett traut sich kaum einer zu prophezeien, wie es wohl weitergeht.

Der Dax beendete den Xetra-Handel 0,02 Prozent im Minus bei 6.715 Zählern. Im Späthandel kletterte das Börsenbarometer dann um 0,29 Prozent ins Plus auf 6.733 Zähler.

Im Nachmittagsverlauf hatten die Standardwerte deutlichere Kursverluste verzeichnet, was einige Händler auf die Krise in der US-Immobilienbranche im allgemeinen und der US-Hypothekenbank New Century im besonderen zurückführten. Mehrere Kreditgeber der US-Hypothekenbank New Century - darunter auch eine Tochter der Deutschen Bank - erwägten, ihre Finanzierung einzustellen, hieß es in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC. "Die Anleger fürchten, dass das die ganze Branche in Mitleidenschaft ziehen könnte", sagte ein Börsianer. In den USA ist der US-Häusermarkt in die Krise geraten, da viele Schuldner ihre durch die Zinserhöhungen der vergangenen Jahre teurer gewordenen Hypotheken nicht mehr zurückzahlen können.

Da die US-Börsen sich von der Immobilienkrise relativ unbeeindruckt zeigten, und sowohl der Dow Jones als auch der Nasdaq Index im Verlauf ins Plus vorrückten, interpretierten andere Händler die zeitweilige Dax-Schwäche als eine technische Reaktion. "Immerhin hat der Markt bereits etwa 50 Prozent der vorangegangenen Korrektur schon wieder aufgeholt", sagte Thomas Stengl von der Postbank. Wie es in den kommenden Tagen weitergehe, sei indes unklar. Die Analysemethoden wiesen derzeit in unterschiedliche Richtungen.

Bayer ganz oben

Größter Gewinner im Dax waren Bayer mit einem Plus von 2,4 Prozent. Die Aktie konnte dank Marktfantasien für die Pharmasparte und nach Bekanntgabe von Zahlen und Dividende dem schwachen Marktumfeld trotzen. Bayer schlägt für das vergangene Geschäftsjahr eine Dividendenerhöhung von 0,95 auf 1,00 Euro vor. Kurstreiber war jedoch laut Händlern nicht die Aussicht auf die Dividende, sondern der Verkauf der Pharmasparte Organon von Akzo Nobel an Schering-Plough. Vor allem der Kaufpreis von elf Milliarden Euro sorge für Fantasie in der gesamten Branche, hieß es. Akzo Nobel-Aktien stiegen um gut 15 Prozent, Schering-Plough gaben im US-Handel leicht nach.

Postbank-Chef geht
Nach Xetra-Schluss kündigte die Postbank einen Wechsel an der Spitze an. Postbankchef Wulf von Schimmelmann will Ende Juni sein Amt niederlegen. Er mache von seinem vertraglichen Recht Gebrauch und lege seine Mandate als Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Postbank AG und als Vorstandsmitglied der Deutschen Post AG zum 30. Juni 2007 nieder, erklärte das Unternehmen. Nachfolger soll Wolfgang Klein werden.

Homm steigt bei TUI ein
Die Gerüchte schwelten schon lange, nun hat der Hedge-Fonds-Manager Florian Homm den Einstieg beim Reise- und Schifffahrtskonzern TUI bestätigt. "Wir haben in den letzten drei bis vier Monaten nicht ganz drei Prozent gekauft ", sagte Homm. Der Homm-Effekt, wonach jede Aktie nach dem Einstieg des Investors erstmal kräftig steigt, stellte sich aber nicht ein, TUI gewannen bescheidene 0,3 Prozent.

Siemens will Tochter abgeben
Siemens gewannen 0,9 Prozent. Der Industriekonzern bereitet sich nun offenbar auch auf einen Verkauf seines Automobilzulieferers VDO vor. Die Financial Times Deutschland berichtet, dass Siemens die Sparte entgegen der aktuellen Pläne, VDO an die Börse zu bringen, auch komplett an eine andere Firma veräußern könnte. Als Interessent ist unter anderem Continental im Gespräch.

Magna liebäugelt mit Chrysler
Der geschäftlich eng mit DaimlerChrysler verbundene kanadische Autozulieferer Magna International erwägt einem Zeitungsbericht zufolge den Kauf von Teilen des US-Autobauers Chrysler. Darüber werde der Vorstandschef der österreichischen Tochter MagnaSteyr, Siegfried Wolf, in dieser Woche mit der US-Tochter von DaimlerChrysler verhandeln, berichtete die "Financial Times Deutschland". Die DaimlerChrysler-Aktie legte leicht zu.

BMW verteuerte sich um 0,4 Prozent. Der Automobilkonzern will die Produktivität in diesem Jahr um mindestens fünf Prozent steigern. Damit wolle man profitables Wachstum sichern, sagte Vorstandschef Norbert Reithofer der Automobilwoche. Als Belastungsfaktoren bezeichnete Reithofer den schwachen Dollar sowie den schwachen Yen.

Enel verkompliziert die Lage
Der Energieversorger Eon verlor 0,7 Prozent. Der italienische Stromproduzent Enel will seinen Anteil am spanischen Versorger Endesa, der von E.ON umworbenen wird, weiter aufstocken. Das Unternehmen habe von der italienischen Bank Mediobanca Optionen zum Kauf eines Anteils von 2,98 Prozent an Endesa erworben, teilte Enel mit. Im Schnitt liege der Preis dafür bei 39 Euro je Aktie. Damit würde der Enel-Anteil an Endesa auf 24,98 Prozent steigen. Enel war Ende Februar überraschend bei Endesa eingestiegen und hatte dadurch das Bemühen Eons, Endesa zu kaufen, deutlich erschwert.

MLP erwartet Auslandsgewinne
Im MDax legten MLP eine Berg- und Talfahrt hin. Nach einem morgendlichen Hoch ging es am Nachmittag kurz runter, zu guter Letzt schloss der Titel 1,7 Prozent im Plus. Der Finanzdienstleister erwartet in diesem Jahr erstmals Gewinne aus dem Auslandsgeschäft. MLP-Chef Uwe Schroeder-Wildberg sagte, dass MLP den Break-Even 2007 erreichen wolle. Zugleich bestätigte Schroeder-Wildberg die Gewinnprognose des Unternehmens. Demnach erwartet MLP einen Gewinnzuwachs von 30 Prozent in diesem Jahr.

Die Aktien des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS konnten die rote Laterne im Index wieder abgeben, übrig blieb aber immer noch ein Minus von 0,8 Prozent. Die Deutsche Bank hat am Morgen das Kursziel des Unternehmens von 21 auf 18 Euro gesenkt und das Rating mit "Sell" bestätigt.

Solarbranche im Aufwind
Im TecDax waren die Solar- und Windtitel auf der Sonnenseite. Solarworld-Chef Frank Asbeck hat sich zu den Zukunftsaussichten des Branche geäußert und gesagt, dass sich durch den EU-Klimaschutzbeschluss die Anzahl der Beschäftigten in der Branche allein in Deutschland bis 2020 auf eine halbe Million verdoppeln werde.

Nordex gewannen vier Prozent, Q-Cells legten 3,8 Prozent zu und Solarworld arbeiten sich um 1,6 Prozent vor. Eine handfeste Nachricht gab es von Solon. Das Solarunternehmen beteiligt sich an der italienischen Firma Green Utility. Für eine Beteiligung von 40 Prozent an Green Utility investiert Solon etwa 600.000 Euro. Die Solon-Aktie notierte 2,4 Prozent im Plus.

Ludwig Beck trotzt Mehrwertsteuererhöhung
Im Münchener Traditionskaufhaus Ludwig Beck am Rathauseck ist trotz der Mehrwertsteuererhöhung die Welt noch in Ordnung. Das Unternehmen startete mit einem Umsatzplus um knapp drei Prozent auf 13,4 Millionen Euro ins neue Geschäftsjahr. Auf vergleichbarer Fläche habe der Umsatz sogar vier Prozent zugelegt, hieß es. Für das Gesamtjahr ist das Kaufhaus etwas pessimistischer. Sowohl für 2007 als auch für 2008 rechnet Ludwig Beck mit einem Umsatzplus zwischen drei und 3,5 Prozent auf vergleichbarer Fläche. Auf dem Parkett wurden erstmal die aktuellen Zahlen mit einem Plus von mehr als acht Prozent honoriert.

BVB-Aktie nimmt Trainer-Rücktritt übel
Die Aktien des Fußballbundesligisten Borussia Dortmund brechen nach dem Rücktritt von Trainer Jürgen Röber ein. Nachdem die Papiere zeitweise bei 1,85 ein neues Jahrestief markierten, blieb zum Xetra-Schluss ein Abschlag von 3,5 Prozent bei 1,90 Euro übrig. Nach nur zehn Wochen im Amt erklärten Röber und Co-Trainer Bernd Storck nach der Niederlage gegen Bochum ihren Rücktritt. "Spätestens in Bochum bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass in dieser Mannschaft längst nicht alle den Ernst der Lage begriffen haben", so Röber. Auf dem Parkett hat man den Ernst schon lange begriffen, die BVB-Aktie war beim Börsengang im Jahr 2000 noch elf Euro wert.

Patent für Mologen
Mehr als sieben Prozent ging es mit der Mologen-Aktie nach oben. Das Berliner Biotech-Unternehmen teilte mit, dass es für seine Technologie "Midge-Th1" ein wichtiges Patent in China erhalten habe. Mologen entwickelt die Midge-Technologie zur Behandlung und Vorbeugung von Infektionskrankheiten

Ford trennt sich von Aston Martin
Ford-Aktien gewannen im frühen US-Handel 0,76 Prozent auf 7,99 Dollar. Der Autobauer hat seine britische Tochter Aston Martin für 479 Millionen Pfund verkauft. Käufer sei eine Investorengruppe um den Rennsport-Unternehmer David Richards.

Milliardenaufträge für Boeing
Der US-Flugzeugbauer Boeing hat sich Milliarden-Aufträge gesichert. Aviation Lease and Finance aus Kuwait besiegelte den Kauf von zwölf Maschinen vom neuen Typ 787 Dreamliner und sechs 737-800 Jumbos. Nach Listenpreis hat der Auftrag einen Wert von 2,26 Milliarden Dollar. Zugleich bestellte die russische Frachtfluggesellschaft Volga-Dnepr für 1,4 Milliarden Dollar fünf Fracht-Maschinen vom neuen Modell 747-8 und sicherte sich die Option auf fünf weitere. Nach Firmenangaben ist es der größte Auftrag in der zivilen Luftfahrtgeschichte Russlands. Die US-Fluggesellschaft Continental will derweil ihre Flotte um fünf weitere Boeing 787 Dreamliner für insgesamt 900 Millionen Dollar ausweiten.

Nikko Cordial darf bleiben
Die Tokioter Börse hat sich überraschend gegen einen Ausschluss der Nikko-Cordial-Aktie vom Handel entschieden. Das in einen Bilanzfälschungsskandal verwickelte japanische Handelshaus ist derzeit im Visier des weltgrößten Finanzkonzerns Citigroup: Die US-Bank will Nikko Cordial für etwa elf Milliarden Dollar kaufen. Es wäre die größte Übernahme einer japanischen Firma durch einen ausländischen Konzern. Die Entscheidung der Börse könnte die Nikko-Anteilseigner dazu bewegen, länger an der Aktie festzuhalten, um den Kaufpreis nach oben zu treiben.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 17. Juli

Unternehmen:
VW: Absatzzahlen Juni
Hella: vorläufige Zahlen Gj. 2017/18, 07:00 Uhr
DieboldNixdorf: Q4-Zahlen
CropEnergies: Hauptversammlung in Mannheim, ab 10:00 Uhr
Tomtom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Yara: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Rio Tinto: Q2 Operation Report
Goldman Sachs: Q2-Zahlen, 13:30 Uhr
Alstom: HV in Paris zum Zusammenschluss der Bahngeschäfte von Alstom und Siemens, 14:00 Uhr
Johnson & Johnson: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr
Telekom Austria: Q2 Trading Update, 18:00 Uhr
America Movil: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
T-Mobile US: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
EU: EZB-Wochenausweis, 15:00 Uhr
USA: Industrieproduktion im Juni, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Acea: Pkw-Neuzulassungen in Europa im Juni, 08:00 Uhr