Dax stürzt unter die 5.500

Stand: 28.10.2009, 20:03 Uhr

Skeptische Ausblicke großer Tanker wie SAP und Daimler haben den Leitindex kräftig unter Druck gesetzt. Als dann am Nachmittag auch noch enttäuschende Zahlen vom US-Immobilienmarkt kommen, ergreifen die Anleger panikartig die Flucht - und weiten im Abendhandel die Verluste weiter aus.

Der Dax beendet den Abendhandel mit einem Minus von knapp 162 Punkten, 2,87 Prozent, bei 5.470 Punkten. Im elektronischen Handel betrugen die Verluste noch 138 Punkte oder 2,46 Prozent. "Der Markt hat seine rosarote Brille abgenommen", sagte Postbank-Analyst Heinz-Gerd-Sonnenschein im Hinblick auf die fast euphorische Stimmung vieler Anleger in den letzten Wochen.

Auto- und Stahlwerte, aber auch die Commerzbank leiden unter den wieder aufgeflammten Befürchtungen einer anhaltenden Wirtschaftskrise, die auch im laufenden vierten Quartal nicht überwunden werden kann. Darauf deuten auch die neuesten Zahlen vom amerikanischen Immobilienmarkt.

Im September ist der Absatz neuer Eigenheime überraschend um 3,6 Prozent gefallen. Statt den erwarteten 440.000 Häusern haben die Amerikaner nur 402.000 gekauft. Zudem revidierte das US-Handelsministerium seine Schätzung für August auf 417.000 von 429.000. Analysten warnten zwar davor, die Statistik überzubewerten."Ein Monat ist natürlich kein Trend, und es gibt ja eine Menge Beweise für eine Wende am Immobilienmarkt", sagte ein Experte. Auch an der New Yorker Wallstreet weiteten sich am Abend die Verluste aus. Zum Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index knapp ein Prozent niedriger als gestern bei 9,790.

Noch schneller flüchteten Anleger jedoch aus den deutschen Nebenwertesegmenten. Der MDax verliert mehr als vier Prozent. Der TecDax notiert bei Xetra-Schluss mit einem Abschlag von 3,8 Prozent. Und der SDax büßt drei Prozent ein.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Bank kauft Sal.Oppenheim ganz
Der Branchenprimus des deutschen Kreditgewerbes übernimmt 100 Prozent der Sal. Oppenheim Gruppe zu einem Preis von einer Milliarde Euro. Gleichzeitig haben die bisherigen Gesellschafter die Option, sich langfristig an der deutschen Privatbanktochter Sal. Oppenheim in Köln mit bis zu 20 Prozent zu beteiligen. Die Vermögensverwaltung von Sal. Oppenheim wird künftig unter der etablierten Marke der Privatbank weitergeführt und ausgebaut, so dass die Identität und die Servicequalität von Sal. Oppenheim gewahrt bleiben. Durch die Transaktion stärkt die Deutsche Bank ihre Position im gehobenen Privatkundengeschäft besonders in Deutschland. Die Aktie der Deutschen Bank reagiert kaum auf die Nachricht.

Henkel blickt skeptisch ins vierte Quartal
Es könne nicht erwartet werden, dass die starken Zahlen des abgelaufenen Quartals im vierten Quartal wieder erreicht werden, warnte der Konzern am Abend. Im dritten Quartal erzielte Henkel ein Ebit (ohne Restrukturierungsaufwendungen von 95 Millionen Euro) von 385 Millionen Euro, nach 391 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz fing ebenfalls zurück auf 3,5 Milliarden Euro. Im Vergleichsquartal lag der Umsatz bei 3,76 Milliarden Euro.

Aixtron mit frischem Kapital
Der im TecDax gelistete Spezialmaschinenbauer Aixtron beschafft sich frisches Kapital. Mit der Ausgabe von knapp neun Millionen neuen Aktien solle das Grundkapital um 9,8 Prozent erhöht werden, teilte das Unternehmen am Abend mit. Altaktionäre sind vom Bezugsrecht ausgeschlossen. Im dritten Quartal hat das Unternehmen überraschend gut abgeschnitten und seine Prognose für 2009 erhöht. Wegen der Kapitalerhöhung stürzten die Titel dennoch ab, um zeitweise mehr als neun Prozent.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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SAP schockt mit gesenkter Prognose
Die Walldorfer können die Positivserie ihrer US-Konkurrenten nicht fortsetzen. Die gesunkene Investitionsneigung vieler Unternehmen zwingt SAP sogar dazu, seine Jahresprognose zu revidieren. Nachdem Vorstandschef Leo Apotheker zuletzt noch eine Belebung in Aussicht gestellt hatte, erwartet der Konzern in diesem Jahr nun einen Umsatzrückgang von sechs bis acht Prozent. Auch im dritten Quartal blieb das Unternehmen hinter den Erwartungen zurück. Die Erlöse aus neuen Software-Lizenzen brachen um 31 Prozent auf 525 Millionen Euro ein, nach einem Rückgang von 40 Prozent im vorangegangenen Quartal. Vor allem in Japan und Schwellenländern wie China hat SAP mit schwacher Nachfrage zu kämpfen. Die Anleger sind geschockt und schicken die Aktie ans Dax-Ende.

Lufthansa enttäuscht
In Reaktion auf die Quartalszahlen sind die Lufthansa-Aktien am Nachmittag abgerutscht. Die Titel fielen um bis zu fünf Prozent auf 10,42 Euro. "Das Problem ist der Ausblick", sagte ein Händler. "Sie hatten eigentlich ein positives operatives Ergebnis in Aussicht gestellt." Der Konzern hatte mitgeteilt, dass die Entwicklung im vierten Quartal dafür ausschlaggebend sein werde, ob das angestrebte Ziel eines positiven operativen Ergebnisses noch zu erreichen sei. Die Umsätze sanken um 13,2 Prozent auf 16,2 Milliarden Euro, das operative Ergebnis lag bei 226 Millionen Euro nach 954 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

LkW vermiesen Daimler das Geschäft
Auch die Daimler-Aktie muss nach der eingetrübten Prognose des Konzerns von gestern kräftige Einbußen von zeitweise mehr als sechs Prozent verkraften. Grund ist die Aussage des Konzerns, die Verluste im Lkw-Geschäft würden im vierten Quartal höher ausfallen als in den Sommermonaten. Dadurch werde auch das erwartete Ebit im letzten Jahresquartal niedriger ausfallen als im dritten Quartal. Damit sind die Hoffnungen auf wieder steigende Gewinne bei dem Autokonzern erstmal verflogen. Zudem haben die Analysten von Equinet die Daimler-Aktie von "Buy" auf "Accumulate" abgestuft und das Kursziel von 42,00 auf 41,00 Euro gekürzt.

Stahlkonzerne warnen
Zu den größten Verlierern im Dax gehören auch die Aktien der Stahlkonzerne ThyssenKrupp und Salzgitter. Grund sind Aussagen von Salzgitter-Chef Wolfgang Leese, vor verfrühtem Optimismus für die Branche warnte. "Der Markt ist sehr labil", sagte er. Gedrückt werden die Stahltitel auch von der Quartalsbilanz des weltgrößten Stahlherstellers ArcelorMittal. Der erreichte im dritten Vierteljahr ein Ergebnis von 1,6 Milliarden Dollar, den Umsatz gab ArcelorMittal mit 16,2 Milliarden Dollar an. Aber auch ArcelorMittal bezeichnete das Geschäftsumfeld weiterhin als schwierig.

Vossloh fehlen die Aufträge
Der MDax-Konzern hat im dritten Quartal bei allen wichtigen Kennzahlen die Erwartungen von Analysten verfehlt. Dem Verkehrstechnik-Konzern gehen nämlich die Aufträge aus China aus. Im dritten Quartal hatte das Unternehmen aus dem Sauerland deshalb erstmals in der Wirtschaftskrise mit einem schrumpfenden Geschäft zu kämpfen. Der Umsatz fiel um ein Fünftel auf 252,4 Millionen Euro, das Ebit brach um knapp 40 Prozent auf 24,2 Millionen Euro ein. Nun wackeln die ehrgeizigen Ziele für das kommende Jahr. "Die bisherigen Erwartungen basierten unter anderem auf der Annahme, dass die Krise im Jahr 2009 noch andauert, eine dynamische Erholung jedoch bereits 2010 einsetzt", sagte Vorstandschef Werner Andree. "Das ist bisher so nicht erkennbar." Die Aktie verliert zeitweile bis zu zehn Prozent und ist damit MDax-Schlusslicht.

Morphosys beeindrucken nicht
Die Aktien von Morphosys haben im schwachen Marktumfeld mit Verlusten auf die Quartalszahlen des Antikörper-Spezialisten reagiert. Der Biotechnologiekonzern Morphosys meldete bei Umsatz und Ergebnis zwar leichte Rückgänge, bestätigte aber die Jahresplanung.

Wirecard, ein Anbieter für elektronische Zahlungsabwicklung, konnte im dritten Quartal Umsatz und Gewinn kräftig steigern. Die konsolidierten Erlöse seien um 14 Prozent auf 60,1 Millionen Euro gestiegen, teilte Wirecard mit. Beim operativen Ergebnis gab die Firma 15,1 Millionen Euro an, 16,2 Prozent mehr als 2008. Auch Wirecard bestätigte seine Prognose, wonach das Ebit 2009 um 10 bis 25 Prozent wachsen soll.

Grenkeleasing überzeugt
Der Hard- und Softwarevermieter Grenkeleasing zeigt sich zufrieden mit den gegenwärtigen Marktverhältnissen. Die Lage sei wieder entspannt, sagte der SDax-Konzern anlässlich der Vorstellung seiner Geschäftszahlen. Der Konzerngewinn in den ersten neun Monaten sei, so Grenkeleasing, von 24,9 auf 19,6 Millionen Euro zurückgegangen, für das Gesamtjahr rechnet die Firma mit einem Nachsteuerergebnis von 25 bis 28 Millionen Euro.

Stratec nach Plan
Keine Überraschungen gibt es auch beim Medizintechnikunternehmen Stratec Biomedical. Wie erwartet kletterte der Umsatz des Unternehmens um rund ein Drittel auf 19,4 Millionen Euro, das Ebit stieg um 46 Prozent auf 3,5 Millionen Euro. Stratec verwies auf die starke Nachfrage nach bestehenden Analysensystemen sowie Verbrauchsmaterialien. Die Aktie notiert dennoch ein wenig schwächer.

US-Ölpreis sinkt unter 79 US-Dollar
Der US-Ölpreis ist am Mittag unter 79 US-Dollar gefallen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der amerikanischen Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Dezember fiel im Mittagshandel auf 78,79 Dollar. Von einer Trendwende am Ölmarkt kann laut Commerzbank jedoch noch nicht gesprochen werden. Preisrückgänge könnten wie in den vergangenen Wochen auch als Kaufgelegenheit erachtet werden. Maßgeblich blieben vorerst die Entwicklungen an den Aktien- und Devisenmärkten.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr