Marktbericht 20:10 Uhr

Yellen-Effekt an den Börsen Dax stürmt nach vorn

Stand: 19.06.2014, 20:10 Uhr

Die mächtigste Notenbankerin der Welt, Janet Yellen, hat an Fronleichnam die Anleger in Feier(tags)stimmung versetzt. Der Verzicht auf eine noch raschere Zinswende trieb Europas Börsen an. Der Dax überwand erneut die Marke von 10.000 Punkten. Nun tanzen die Hexen.

Der am Freitag anstehende große Verfallstag an den Märkten, in der Börsenfachsprache auch "Hexensabbat genannt", warf seine Schatten. Im Vorfeld versuchten Anleger, die Kurse in eine für sie günstige Richtung zu beeinflussen. Beim Dax dürften viele Anleger auf einen Stand von 10.000 Punkten gewettet haben. "Das stützte den Dax natürlich", erklärte ein Marktteilnehmer. Am Freitag werden die Index- und Aktienoptionen sowie die Futures fällig.

Europas Börsen im Aufwind

Der deutsche Leitindex kletterte an Fronleichnam - bei allerdings geringen Umsätzen - um 0,7 Prozent auf 1004 Punkte nach oben. Zeitweise war der Dax bis auf zehn Zähler an das Rekordhoch von 10.033 Zählern herangekommen. Im späten Handel gab der L-Dax wieder leicht nach und schloss bei knapp unter 10.000 Zählern. Der französische Cac40 gewann 0,7 Prozent, der Londoner "Footsie" legte 0,4 Prozent zu. Der EuroStoxx50 stieg noch deutlicher um 1,1 Prozent auf 3.314 Punkte und erreichte den höchsten Stand seit September 2008.

Zinswende kommt nicht früher

Der "Yellen-Effekt" sorgte für Kursauftrieb. Die Fed-Präsidentin Yellen hatte am Mittwochabend angedeutet, dass mit einer raschen Zinswende nicht zu rechnen ist. "Die Angst vor schneller als erwarteten Zinsanhebungen der amerikanischen Notenbank ist nun wieder verflogen", meinte Analyst Jens Klatt vom Brokerhaus FXCM. Wie erwartet drosselte die Fed die Geldflut weiter. Die monatlichen Anleihenkäufe wurden um zehn Milliarden auf 35 Milliarden Dollar heruntergefahren.

Wall Street legt Verschnaufpause ein

Nur an der Wall Street war der "Yellen-Effekt" am Donnerstag wieder verpufft, nachdem er gestern für ein neues Rekordhoch im S&P 500 gesorgt hatte. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss 0,1 Prozent niedriger. Der S&P 500 stagnierte bei 1.955 Punkten.

Gemischte US-Daten

Von der Konjunkturfront kamen unterschiedliche Signale: Die Frühindikatoren stiegen nicht ganz so stark wie erhofft um 0,5 Prozent. Volkswirte hatten mit einem Zuwachs von 0,6 Prozent gerechnet. Dagegen hellte sich das Geschäftsklima in der Region Philadelphia überraschend auf. Der stark beachtete Philly-Fed-Index stieg um 2,4 Punkte auf 17,8 Zähler. Die Prognosen lagen bei nur 14,0 Punkten. Und auch vom Arbeitsmarkt gab es positive Impulse. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel in der abgelaufenen Woche auf 312.000.

Euro wieder über 1,36 Dollar

Die Aussicht auf eine anhaltend lockere Geldpolitik in den USA beflügelte den Euro. Er überwand die Schwelle von 1,36 Dollar. Am Abend notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,3618 Dollar. Der Dollar geriet dagegen unter Druck. An vielen Anleihenmärkten gaben die Renditen deutlich nach. So fiel die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf den tiefsten Stand seit Mitte Mai.

Irak-Krise treibt Ölpreise an

Die Ölpreise zogen wegen der Irak-Krise weiter an. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August verteuerte sich auf 114,80 US-Dollar. Das waren 54 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI zur Lieferung im Juli kletterte um 43 Cent auf 106,40 Dollar.

Analysten heizen Versorger ein

Gewinner des Tages waren im Dax die Versorger-Aktien. Eon und RWE legten rund zwei Prozent zu. Eon profitierte von positiven Studien der Investmentbank Bernstein sowie der spanischen Santander-Bank. Für RWE gab es von Santander gar eine Kaufempfehlung.

Autoaktien auf der Erfolgsspur

Auch die Autowerte gehörten zu den stärksten Papieren im Dax. Daimler hatte am Mittwochabend angekündigt, seine Produktionskapazitäten in den USA im Zuge der Einführung der neuen C-Klasse deutlich zu steigern. Derzeit produziert Mercedes im Werk Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama rund 185.000 Fahrzeuge im Jahr. Und BMW will in den kommenden Jahren seine Kosten weiter deutlich senken.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
56,32
Differenz relativ
+0,99%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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151,10
Differenz relativ
+1,93%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
83,54
Differenz relativ
+1,05%

GE legt neue Offerte für Alstom vor

Im Übernahmepoker um Alstom muss Siemens wieder bangen. Rivale General Electric (GE) hat sein Angebot für Alstom nachgebessert. Statt nur die Energiesparte zu übernehmen planen die Amerikaner eine umfassende Allianz mit den Franzosen. So seien zwei Joint-Ventures in der Netzsparte sowie bei erneuerbaren Energien angestrebt. Am Abend sickerte aus Gewerkschaftskreisen durch, dass Siemens und Mitsubishi ihre Offerte um 800 Millionen Euro aufstocken wollen. Alstom-Chef Patrick Kron macht derweil aus seiner Ablehnung des Siemens-Angebots weiter keinen Hehl. "Sie wollen unser Gasgeschäft, und wir sollen ihr Transportgeschäft übernehmen - nun ja, sie dürfen träumen", sagte Kron bei einer Investorenkonferenz. Die Siemens-Aktie legte ein Prozent zu, während die Alstom-Aktie um sechs Prozent nachgab.

Telekom will Sparinitiativen bündeln

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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-1,08%

Ebenfalls unter den Dax-Gewinnern reihten sich die T-Aktien mit einem Plus von einem Prozent ein. Der Telekom-Konzern will seine Verwaltungsstrukturen weiter optimieren. Die Programme zum Umbau in den Sparten und Verwaltung en sollen besser aufeinander anbgestimmt werden, hieß es im "Manager Magazin". Ein Telekom-Sprecher bestätigte den Bericht.

Adidas im Abseits

Zu den wenigen Dax-Verlierern zählte Adidas mit einem Minus von 0,6 Prozent. Der Sportschuh-Hersteller Skechers hat die Adidas.-Tochter Reebok wegen angeblicher Patentverletzungen verklagt. Es gehe um Sketchers "Go Walk"-Modelle.

Osram-Chef droht Ablösung

Osram: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
38,11
Differenz relativ
-0,37%

Im MDax stieg die Aktie von Osram um 0,5 Prozent.Laut einem Vorab-Bericht des "Manager Magazin" steht ein Vorstandsumbau beim Lichtspezialisten an. Aufsichtsratschef Peter Bauer soll angeblich mit der Suche nach einem Nachfolger für den noch amtierenden Osram-Chef Wolfgang Dehen begonnen haben. Im Gespräch seien Kandidaten aus der Auto- und Fertigungsindustrie.

Springer in Paris auf Shopping-Tour

Axel Springer setzt seine Einkaufstour fort und steigt bei der französischen Suchmaschine Qwant.com ein. Die Konzerntochter Axel Springer Digital Ventures übernimmt 20 Prozent an dem Start-Up-Unternehmen. Der Kaufpreis soll im niedrigen bis mittleren einstelligen Millionen-Bereich liegen. Die Aktie gab rund 0,8 Prozent nach.

Evotec vor Meilenstein-Zahlung

Im TecDax war die Aktie des Biotech-Unternehmens Evotec gefragt. Sie zog um knapp zwei Prozent an. Grund: die Aussicht auf eine Meilenstein-Zahlung, der einen Umsatz in Höhe von einer Million Euro auslösen dürfte. Den Forschern gelang es, eine Substanz zur Behandlung von Atemwegserkrankungen in die vorklinische Entwicklung zu bringen.

Grünes Licht für Qiagen

Auch die ebenfalls im TecDax notierten Aktien von Qiagen rückten um ein Prozent vor. Die Gesundheitsbehörde FDA hat dem Biotech-Unternehmen die Zulassung für den Diagnosetest Artus zur Überwachung von Infektionen mit dem Virus CMV bei Organtransplantationen erteilt.

Schlacht um Botox-Hersteller

Der Pharmakonzern Valeant will im Übernahmekampf um den Botox-Hersteller Allergan die Aktionäre direkt für sich gewinnen. Einen entsprechenden Schritt hatte Valeant-Chef Michael Pearson bereits angekündigt. Die Kanadier waren mit ihrer Milliarden-Offerte trotz einer mehrfachen Erhöhung bis zuletzt gescheitert. Allergan hatte das Gebot, das das Unternehmen mit mehr als 50 Milliarden Dollar bewertet, als zu niedrig abgelehnt.

Heuschrecken haben bei WMF das Sagen

Der US-Finanzinvestor KKR kann beim schwäbischen Besteck- und Kaffeemaschinen-Hersteller WMF künftig durchregieren. Der österreichische Großaktionär Andreas Weißenbacher hat seinen Widerstand gegen die Übernahme durch die Amerikaner aufgegeben. Er tauscht seine Sperrminorität von 25,1 Prozent der WMF-Stammaktien in eine Beteiligung an der Holding KKR erwägt, WMF von der Börse zu nehmen.

Blackout für EDF-Aktie

An der Pariser Börse sackten die Aktien des nationalen Strom-Monopolisten EDF um sieben Prozent ab. Frankreichs sozialistische Umwelt- und Energieministerin Ségolène Royal hat die für August geplante Strompreis-Erhölhung gestoppt. Ursorünglich sollten die Preise um fünf Prozent steigen. Royal überprüft die Kalkulation, auf deren Basis die Stroimpreise erhöht werden sollen.

Applaus für Aktienrückkauf von Rolls-Royce

Dagegen waren die Aktien von Rolls-Royce heiß begehrt. Sie zogen um sieben Prozent an und führten den britischen Leitindex "Footsie" an. Der Turbinen- und Flugmotorenhersteller hat ein Aktienrückkauf-Prohgramm an. "Das ist genau die nachricht, auf die wir nach den letzten schwierigen sechs Monaten gewartet hattenb", sagte ein Analyst.

Markit schafft starkes Börsendebüt

Ein anderes britisches Unternehmen sorgte in den USA für Furore: Der Finanzinformations-Dienstleister Markit wagte in New York den Sprung an die Börse- und überzeugte. Der erste Kurs lag bei 26,15 Dollar - und damit neun Prozent über dem Ausgabepreis von 24 Dollar. Im Laufe des Tages baute Markit die Kursgewinne noch aus.

Blackberry sendet Lebenszeichen

Um über 13 Prozent kletterten die Aktien von Blackberry nach oben. Der Smartphone-Pionbier hat ein erfreuliches Lebenszeichen gesendet. Im abgelaufenen Quartal konnte Blackberry den Verlust auf 60 Millionen Dollar eindämmen. Vor Sonderposten gab's sogar einen kleinen Gewinn von 23 Millionen Dollar. Der Smasrtphone-Absatz zog an.

Amazon macht Feuer im Smartphone-Geschäft

Amazon: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.638,95
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-1,34%

Der Online-Einzelhändler Amazon steigt ins Smartphone-Geschäft ein. Konzernchef Jeff Bezos stellte am Mittwoch das Handy mit dem Namen "Fire Phone" vor, das eine Bildschirmgröße von 4,7 Zoll aufweist. Nutzer sollen unbegrenzten Online-Speicherplatz für Fotos erhalten. Amazon stellt sich damit der Konkurrenz insbesondere von Apple und Samsung. Die Aktien drehten am Donnerstag ins Minus, nachdem sie am Mittwoch noch 2,7 Prozent gestiegen waren.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"