Marktbericht 20:00 Uhr

Eine Erholung wie ein Hindernislauf Dax strapaziert Anlegernerven

Stand: 12.01.2015, 20:00 Uhr

Wer den Kursbewegungen des Dax folgen will, der muss mächtig auf Zack sein und Nerven haben wie Drahtseile. Heute sprang der Index wie ein Jo-Jo auf und ab.

Was für ein aufreibender Tag für die Investoren. Zeitweise hatte der Dax am Montagvormittag bereits bei 9.815 Zählern notiert, dann fielen die Kursgewinne wieder in sich zusammen: Der Dax sackte ins Minus. Eine schwache Eröffnung an der Wall Street stoppte die Erholung von den Freitagsverlusten.

Anschließend ging es fast ebensoschnell wieder aufwärts. Der Dax schloss mit einem Aufschlag von 1,4 Prozent bei 9.781,90 Punkten. Der Dow Jones lag am Abend rund 0,5 Prozent im Minus. Der Late Dax stieg um 0,8 Prozent auf 9.763,63 Punkte.

"Erhöhte Unsicherheit"

Den Rücksetzer seit Jahresbeginn hätten einige Marktteilnehmer als Einstiegschance gesehen, sagte ein Experte. Der Leitindex bewegte sich in einer Bandbreite von etwa 200 Punkten. "Solch hohe Schwankungen implizieren, auch wenn die Vorzeichen mit einem Kursplus von über einem einem Prozent tiefgrün waren, erhöhte Unsicherheit", kommentierte Jens Klatt, Marktstratege bei DailyFX.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
79,37
Differenz relativ
+0,75%

Ein Händler sagte, dass über allem die Ratssitzung der EZB am Donnerstag nächster Woche schwebe. "Die Nervosität bleibt hoch und damit auch die Schwankungsanfälligkeit." Auch der sinkende Ölpreis sowie die Lage vor der Parlamentswahl in Griechenland bleiben den Märkten als belastende Faktoren erhalten. Ob diese sicher wichtigen Aspekte aber Kursschwankungen mit diesem Tempo binnen eines Tages hinreichend erklären können, ist zumindest zweifelhaft.

Alcoa macht den Anfang

Ansonsten richten die Investoren den Blick auf den Beginn der US-Berichtssaison. "Die Erwartungen sind hoch", schreibt LBBW-Analyst Wolfgang Albrecht. Am Abend nach US-Börsenschluss wird der Aluminiumkonzern Alcoa berichten.

Im weiteren Wochenverlauf stehen noch die Zahlen von JPMorgan, Wells Fargo, Intel, Bank of America, Schlumberger, Citigroup und Goldman Sachs an.

SAP überrascht positiv - dank Cloud

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
102,14
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-1,03%

Die Titel des Softwarekonzerns schlossen an der Dax-Spitze. Der Softwarekonzern baute den Vertrieb von Programmen zur Miete über das Internet rasant aus. "Die starke Entwicklung im wichtigen Cloud-Geschäft hat die Erwartungen übertroffen, das treibt den SAP-Kurs", sagte ein Aktienhändler. Dass angesichts dieser Umstellung des Geschäftsmodells der Verkauf von Lizenzen zurückgehe, sei keine Überraschung.

Fresenius auf Rekordhoch

Fresenius war einer der größten Kursgewinner im Dax. Das Papier profitiert von einer Entscheidung der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA, wonach am US-Standort Grand Island der Konzerntochter Fresenius Kabi wieder neue Medikamente für die Produktion zugelassen werden dürfen.

Mit der FDA-Entscheidung falle ein negativer Überhang für die Fresenius-Papiere weg, was die Stimmung der Aktionäre entsprechend aufhellen sollte, schrieb Analyst Justin Smith von Société Générale. Die FDA könnte nun wieder die Produktion neuer Nachahmermedikamente (Generika) genehmigen.

Continental nach Zahlen gefragt

Die Conti-Aktie war nach vorläufigen Jahreszahlen ebenfalls gefragt. Die Niedersachsen haben Umsatz und Gewinn 2014 leicht gesteigert und erwarten für 2015 ein Umsatzplus von fünf Prozent auf mehr als 36 Milliarden Euro. Die Prognose für 2015 erfülle im Großen und Ganzen die Markterwartungen, meint DZ-Bank-Analyst Michael Punzet.

VW knackt Zehn-Millionen-Marke

Auto-Aktien standen auch unter Beobachtung. Die VW-Aktie notierte deutlich schwächer als der Markt, dabei hat VW weltweit als erster Autohersteller überhaupt 2014 mehr als zehn Millionen Fahrzeuge verkauft. Die Fachleute von Merrill Lynch votieren dennoch für "Underperform". Analyst Fraser Hill sieht zwei Probleme: Neben dem Geschäft mit Oberklasse-Fahrzeugen in China verwies er auf das Pkw-Massengeschäfts außerhalb Chinas. Das Wachstum im Kerngeschäft außerhalb dieses Landes rechtfertige nicht die Erwartungen in puncto operatives Gewinnwachstum.

Für die Papiere von BMW hatte Hill in seiner Branchenstudie seine Kaufempfehlung gestrichen. Für Daimler-Aktien hob der Fachmann die Bewertung auf "Neutral".

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
151,10
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+1,93%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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83,54
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+1,05%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
56,32
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Die Lufthansa und der Ölpreis

Die Lufthansa-Aktie stieg etwas stärker als der Schnitt. Der Konzern erwartet in diesem Jahr deutlich niedrigere Treibstoffkosten von 5,8 (Vorjahr: 6,7) Milliarden Euro. Für das laufende Jahr rechnet Lufthansa daher mit einem operativen Ergebnis, das "signifikant" über dem Vorjahreswert liegen dürfte.

Und im Jahr 2014 konnte Europas größter Luftverkehrskonzern bei weniger Flügen (minus 2,6 Prozent) mit 106 Millionen Passagieren einen erneuten Rekord vermelden. Die Zahl hat sich um 1,3 Prozent gesteigert.

RWE als Schlusslicht

Gegen den positiven Markttrend verbuchten Aktien von RWE deutliche Verluste. Papiere des Energiekonzerns stehen bereits seit geraumer Zeit wegen der Belastungen durch die Energiewende in Deutschland unter Druck. Zudem sorgen sich die Investoren, dass der geplante Verkauf der Mineralöl-Tochter Dea an einen russischen Großinvestor wanken könnte.

Eon verkauft in Italien

Der Energiekonzern verkauft seine konventionellen Kraftwerke in Italien an den tschechischen Wettbewerber EPH. Insgesamt erwerbe EPH Kapazitäten von insgesamt rund 4.500 Megawatt, teilte Eon mit. Dazu gehörten ein Kohlekraftwerk auf Sardinien sowie sechs Gaskraftwerke auf dem italienischen Festland und auf Sizilien. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Neue Strategie der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank will im zweiten Quartal eine neue Strategie gegen ihre zuletzt schwache Geschäftslage vorlegen. Das geht aus einer E-Mail der Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen an die Mitarbeiter des Konzerns vom Montag hervor, die der dpa als Kopie vorlag.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,22
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+3,09%

Daher verschiebt sich auch der sonst übliche Termin der Jahrespressekonferenz ins zweite Quartal. Die vorläufige Bilanz des Jahres 2014 will der Dax-Konzern am 29. Januar in einer Telefonkonferenz erläutern. Die im September 2012 präsentierte "Strategie 2015+" läuft in diesem Jahr aus. "Der Vorstand arbeitet intensiv an der nächsten Phase unserer Strategie", schreibt das Führungsduo.

Pfeiffer Vacuum ganz vorn

Im TecDax gehörte die Aktie von Pfeiffer Vacuum nach einer Kaufempfehlung zu den größten Kursgewinnern. Die britische Investmentbank HSBC hat die Titel von "Underweight" auf "Overweight" hochgestuft und das Kursziel von 60 auf 78 Euro angehoben. Nach zwei Jahren zurückgehender Umsätze und Gewinnschätzungen sollte die Talsohle nun erreicht sein.

Gewinnmitnahmen bei Dialog

Dagegen rutschten Papiere von Dialog Semiconductor ins Minus. Nach dem starken Lauf der Vorwochen nutzen Anleger die vorläufigen Umsatzzahlen offenbar zu Gewinnmitnahmen. Zur Eröffnung waren sie noch bis auf das vergangene Woche erreichte Mehrjahreshoch von 32,50 Euro gestiegen. Mit 435 Millionen Euro lagen die Erlöse 2014 über der eigenen Prognose.

Gewinnwarnung von Qiagen

Die Qiagen-Aktie pendelte entlang des Freitagsniveaus. Die Biotechfirma hat ihre Gewinnprognose für 2014 gesenkt. Der bereinigte Gewinn zu konstanten Wechselkursen liegt wegen Restrukturierungskosten voraussichtlich bei 1,00 Dollar (bislang: 1,08 Dollar) je Aktie. Zudem will Qiagen Wandelschuldverschreibungen zurückkaufen, die 2024 fällig sind.

Südzucker-Tochter mit Ergebniseinbruch

Im MDax lagen Südzucker-Aktie ganz hinten. Die Tochter CropEnergies hat für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2014/15 einen Einbruch des operativen Ergebnisses von 62 auf 21 Millionen Euro vermeldet. Für das Gesamtjahr bestätigte Cropenergies die Prognose eines Ebitda von 20 bis 40 Millionen Euro.

Gea erhöht Umsatzausblick

Gea

Gea: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
32,21
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+2,51%

Ebenfalls im MDax schaffte Gea nach frühen Kurseinbußen den Sprung in die Gewinnzone. 2014 dürfte der Umsatz Gea zufolge organisch - also ohne Währungen, Zukäufe und Einmaleffekte - um rund fünf Prozent gestiegen sein. Zuvor hatte der Konzern lediglich ein moderates Wachstum erwartet. nsgesamt sei die gestiegene Unternehmensprognose zwar positiv, eine ganz große Überraschung sei sie aber nicht, sagte ein Händler.

Telecolumbus setzt Preisspanne fest

Der drittgrößte deutsche Kabelanbieter Tele Columbus will seine Aktien in einer Spanne von acht bis zwölf Euro an die Börse bringen. Das Unternehmen teilte mit, die Zeichnungsfrist laufe vom 13. bis 21. Januar, die Zulassung der Aktien zum Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse sei für den 23. Januar geplant. Verkauft werden sollen bis zu 52 Millionen Aktien, davon bis zu 37,5 Millionen Euro aus einer Kapitalerhöhung und gut 15 Millionen aus dem indirekten Besitz der Alteigentümer. Der Emissionserlös würde damit etwa 400 bis 600 Millionen Euro betragen.

Schoeller-Bleckmann enttäuscht

Der Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann hat aufgrund von Einmaleffekten im vergangenen Geschäftsjahr einen operativen Gewinnrückgang verbucht. Der Betriebsgewinn (Ebit) werde 2014 durch Einmaleffekte von voraussichtlich rund 18 Millionen Euro belastet, teilte das österreichische Unternehmen mit.

Ericsson sieht sich in starker Position

Der schwedische Telekom-Ausrüster Ericsson sieht als Marktführer gute Chancen, den 5G-Standard für die nächste Generation mobiler Datennetze deutlich mitzuprägen. "Ericsson ist in einer sehr starken Position dafür", sagte Konzernchef Hans Vestberg der Deutschen Presse-Agentur auf der Technik-Messe CES in Las Vegas.

Shire geht auf Einkaufstour…

Die Übernahmewelle in der Pharmabranche rollt derweil weiter. Shire geht nach dem gescheiterten Zusammenschluss mit AbbVie selbst auf Einkaufstour. Der irische Pharmahersteller übernimmt für 5,2 Milliarden Dollar das US-Unternehmen NPS Pharmaceuticals, das auf die Behandlung seltener Krankheiten spezialisiert ist.

… Roche ebenso

Unterdessen investiert Roche über eine Milliarde Dollar in ein US-Krebsforschungsunternehmen. Der Schweizer Pharmariese beteiligt sich für rund 780 Millionen Dollar mit 56 Prozent an Foundation Medicine (FMI). Zudem steckt Roche 250 Millionen Dollar in neu auszugebende Aktien sowie rund 150 Millionen Dollar in die Forschung der Firma.

ts

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