Marktbericht 20:00 Uhr

Die 11.000 ist greifbar Dax strahlt im finsteren November

Stand: 02.11.2015, 20:00 Uhr

Wer dachte, die Anleger würden nach dem fulminanten Oktober eine Atempause einlegen, hat sich getäuscht. Selbst schwache Konjunkturdaten aus China, mittelprächtige Daten aus der Eurozone und uneinheitliche Daten aus den USA dämpften den Optimismus nicht.

Der Dax schloss mit einem Aufschlag von 0,9 Prozent auf 10.950,67 Punkten. Den höchsten Stand des Tages markierte er bei 10.977,18 Punkten. Der EuroStoxx 50 schloss 0,5 Prozent höher bei 3.434,50 Punkten. Im Oktober hatte sich der europäische Leitindex mit gut 10 Prozent Plus die beste Monatsbilanz seit Oktober 2011 gesichert. Anhaltenden Auftrieb gibt die lockere Notenbankpolitik. Der Pariser CAC 40 kletterte um 0,4 Prozent auf 4.916,21 Punkte. Der britische Leitindex FTSE 100 trat hingegen auf der Stelle.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Dow Jones lag am Abend rund ein halbes Prozent im Plus. Die Stimmung an der Börse bleibe gut, sagte Experte Frank Schneider von Alpha Wertpapierhandel. Vor allem die Hoffnung auf weiteres billiges Geld der Europäischen Zentralbank treibe die Kurse. Da hätten auch die durchwachsenen Daten zur chinesischen Wirtschaft keinen Abbruch getan. Der L-Dax stieg um ein Prozent auf 10.945,49 Punkte.

"Vorschusslorbeeren müssen verdient werden"

Im aktuellen Zinsumfeld seien deutsche Aktien schlichtweg alternativlos, kommentiert Jens Klatt von DailyFX. "Kaum jemand wird sich von seinen Aktien mit diesem Ausblick in einer gerade beginnenden Jahresendrallye trennen wollen, was die ausbleibende, überfällige Korrektur erklärt." Im Oktober hatte der Dax gut zwölf Prozent gewonnen. Was das für die alljährlich herbeigesehnte Jahresendrally bedeuten könnte, lesen Sie hier. Grundsätzlich spricht die Saisonalität jetzt aber für steigende Kurse.

Helaba-Analyst Ralf Umlauf mahnt nach dem formidablen Oktober hingegen zur Vorsicht: "Nun heißt es aber, dass allmählich die Karten neu gemischt und die Vorschusslorbeeren verdient werden müssen. Dies trifft insbesondere auf die Quartalsberichtssaison hierzulande zu. Denn was bisher von Unternehmensseite zuletzt geliefert wurde, konnte nicht überzeugen", meint der Fachman

Konjunkturdaten mit uneinheitlichen Signalen

Was zuletzt von Konjunkturseite geliefert wurde, überzeugte eigentlich auch nicht: In den USA waren die Bauausgaben im September zwar etwas stärker gestiegen als erwartet. Die Stimmung in der Industrie hatte sich im Oktober hingegen leicht eingetrübt und war auf das niedrigste Niveau seit Mai 2013 gefallen. Der Indikator deutet mit 50,1 Punkten nur noch auf ein leichtes Wachstum hin.

Auch aus der Eurozone gab es Konjunkturdaten. Der vom Markit-Institut erhobene Einkaufsmanagerindex für die Industrie hellte sich im Oktober nach drei Rückgängen in Folge auf. Während sich die Stimmung in Spanien von hohem Niveau aus eintrübte, verbesserte sie sich in Italien. In Frankreich stagnierte der Indikator, in Deutschland ging er leicht zurück.

Commerzbank kündigt Dividende an

Die Commerzbank-Aktie eroberte die Spitze im Dax erobert - mit weitem Abstand. Die Bank hat im dritten Quartal ihren Gewinn vor Steuern von 343 auf 401 Millionen Euro verbessert. Analysten hatten nur mit einem stagnierenden Ergebnis gerechnet. "Aus heutiger Sicht plant der Vorstand, eine Dividende von 20 Cent je Aktie vorzuschlagen", sagte Vorstandschef Martin Blessing. Der Manager will seinen in einem Jahr auslaufenden Vertrag nicht verlängern.

VW plant Kronzeugenregelung

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der angeschlagene Volkswagen-Konzern plant laut einem Bericht von "SZ", WDR und NDR ein Kronzeugenprogramm für Mitarbeiter, die in die Abgasaffäre verstrickt sind und gestehen. Mit einer solchen Regelung sollten die Ermittlungen vorangetrieben werden, hieß es weiter.

Lufthansa vor Tarifkonflikt

Lufthansa-Aktien legen leicht zu. Dabei drohen der Fluggesellschaft neue Streiks. Nach den Piloten wollen nun auch die Flugbegleiter bei Europas größter Airline in den Ausstand treten. "Wir werden am Montag mitteilen, wann Streiks anstehen", sagte der Chef der Flugbegleitergewerkschaft Ufo Nicoley Baublies.

VW-Abgasskandal: Auch Porsche wird untersucht

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die US-Umweltbehörde EPA weitet ihre Untersuchung gegen Volkswagen wegen der Manipulation von Abgaswerten aus. Es würden nun auch Fahrzeuge der Töchter Porsche und Audi sowie weitere Autos aus Modellreihen der Baujahre 2014 bis 2016 einbezogen, teilte die Behörde mit. Volkswagen hatte im September zugegeben, weltweit elf Millionen Diesel-Fahrzeuge mit einer Software ausgestattet zu haben, mit der Abgaswerte bei Tests manipuliert werden können. Die VW-Tochter Porsche hat bisher zurückgewiesen in den Diesel-Skandal verwickelt zu sein.

LEG kauft bei Vonovia ein

Nach der gescheiterten Übernahme durch Deutsche Wohnen setzt LEG Immobilien auf Wachstum aus eigener Kraft. Der Immobilienkonzern kauft 13.800 Wohnungen in Nordrhein-Westfalen vom Branchenprimus Vonovia. Der Kaufpreis liege bei rund 600 Millionen Euro. Die übernommenen Wohnungen sollen 28 Millionen Euro im Jahr zum Betriebsgewinn (FFO) beitragen. Die Übernahme, die vom Kartellamt noch genehmigt werden muss, soll im Frühjahr 2016 abgeschlossen werden.

Anleger bei Fuchs leicht zu begeistern

Die Vorzugsaktien des Schmierstoffherstellers Fuchs Petrolub lagen im MDax weit vorne. Sie profitieren von optimistischen Aussagen des Finanzvorstandes Alexander Selent. Fuchs rechnet trotz des VW-Abgasskandals im laufenden Jahr weiter mit einem Rekordergebnis, wie die "Börsen-Zeitung" schreibt.

Elringklinger heute stark

ElringKlinger-Aktien stiegen an die MDax-Spitze und haben die Kursverluste infolge einer abermaligen Gewinnwarnung des Automobilzulieferers im September nun etwa wettgemacht. Damals war es bis auf 16,55 Euro nach unten gegangen. Mit Blick auf den Jahresverlauf bleiben die Aktien mit einem Minus von rund 26 Prozent aber das Schlusslicht im Index der mittelgroßen Werte.

Ströer wird optimistischer

Der Werbevermarkter Ströer erwartet von seinen Zukäufen t-online.de und dem Digitalvermarkter InteractiveMedia bereits im kommenden Jahr höhere Gewinne. Die beiden von der Deutschen Telekom übernommenen Gesellschaften sollen zum Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) mehr als 45 Millionen Euro beitragen. Der Gewinn pro Aktie werde um "mehr als zehn Prozent" ansteigen. Zuvor hatte das SDax-Unternehmen noch erklärt, der Gewinn je Aktie werde im kommenden Jahr um "mehr als fünf Prozent" zulegen.

Visa will frühere Europa-Tochter für 21 Milliarden Euro zurückkaufen

Der US-Kreditkarten-Anbieter Visa steht vor dem teuersten Zukauf seiner Firmengeschichte. Visa werde seine frühere Tochter Visa Europe für bis zu 21,2 Milliarden Euro zurückkaufen, teilte Visa mit. Visa zahle 11,5 Milliarden Euro in bar und fünf Milliarden Euro in eigenen Aktien. Weitere 4,7 Milliarden Euro werden vier Jahre nach Abschluss der Fusion fällig, wenn bestimmte Geschäftsziele erreicht werden.

Ryanair traut sich noch mehr zu

Die irische Fluggesellschaft Ryanair rechnet für das Geschäftsjahr 2015/16 mit einem Gewinn am oberen Ende der prognostizierten Spanne zwischen 1,175 und 1,225 Milliarden Euro. Grund ist ein hervorragendes Sommergeschäft.

Chipotle, Mexican-Gamelgrill

Hygiene-Probleme in einigen Filialen haben Chipotle auf Talfahrt geschickt. Das auf mexikanische Gerichte spezialisierte Unternehmen hatte am Wochenende alle Filialen in den US-Westküstenstädten Seattle und Portland wegen des Ausbruchs von Coli-Bakterien geschlossen. Dies sei eine vorbeugende Maßnahme. In den meisten Restaurants seien keine Probleme aufgetreten. Die Gründe für die Verseuchung mit Escherichia Coli würden noch untersucht. Chipotle kämpft seit Monaten mit Hygiene-Problemen. Gerichte waren unter anderem mit Salmonellen und dem Norovirus belastet. Zu der 1993 gegründeten Restaurant-Kette gehören aktuell 1.700 Filialen.

HSBC holt weniger rein

Europas größte Bank, die britische HSBC, hat im dritten Quartal einen Rückgang beim um Sondereffekte bereinigten Ergebnis vor Steuern um 14 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar hinnehmen müssen. Die Erträge im operativen Geschäft gingen um knapp fünf Prozent auf 14 Milliarden Dollar zurück. Grund war der Kurssturz an den asiatischen Aktienmärkten und ein schwaches Investmentbanking.

Nissan wird optimistischer

Der japanische Autokonzern Nissan hat seine Prognose angehoben. Das Unternehmen rechnet nun 2015/16 mit einem operativen Ergebnis von 730 Milliarden Yen oder acht Prozent mehr als bisher. Das sind umgerechnet 5,5 Milliarden Euro. Grund sind gute Geschäfte in Nordamerika und Europa.

Pharma: Die nächste Übernahme

Der britisch-irische Pharmakonzern Shire will die US-Biotechnologiegesellschaft Dyax kaufen, teilten die Gesellschaften am Montag gemeinsam mit. Der Gesamtwert der Transaktion liege bei rund 5,9 Milliarden US-Dollar. Je Aktie betrage der gebotene Preis 37,30 Dollar in bar. Je nach Erfolg wird eine weitere Zahlung fällig.

Gewinnsprung bei Estée Lauder

Eine rege Nachfrage nach den Kosmetikprodukten der Marken Smashbox und Tom Ford hat dem US-Konzern Estee Lauder im vergangenen Quartal zu einem Gewinnsprung von 35 Prozent auf rund 309 Millionen Dollar verholfen.

ts

Tagestermine am Freitag, 19. Oktober

Unternehmen:
Procter & Gamble: Q1-Zahlen
Villeroy&Boch: Neunmonatszahlen
Schlumberger: Q3-Zahlen
Software AG: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Remy Cointreau: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
London Stock Exchange: Trading Update, 08:00 Uhr
State Street Corp: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr
Honeywell: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
China: Industrieproduktion, September, 04:00 Uhr