Dax startet kleine Rally

Stand: 31.08.2011, 20:10 Uhr

Anleger werden wieder mutiger. Konjunkturdaten aus den USA werden gefeiert - selbst dann, wenn es nichts zu feiern gibt. Der Dax schraubte sich zeitweise vier Prozent in die Höhe. Nur die T-Aktie trübte das Bild.

Anleger waren heute in Feierlaune. Dabei war das, was da aus den USA herein trudelte, zunächst gar nicht so toll. Der Aktienmarkt fiel schlechter aus als erwartet. Doch Anleger dachten sich: Es hätte schlimmer kommen können. Der Dax baute seine morgendlichen Gewinen weiter aus.

Weiterer Schub kam aus Chicago. Die Einkaufsmanager der Region beurteilen die Lage zwar vorsichtiger als bisher, der monatlich ermittelte Index fiel im August auf 56,5 Punkte. Doch hatte die Börse einen stärkeren Rückgang erwartet, entsprechend erleichtert die Reaktion an der Börse.

Ist Amerika doch stärker als gedacht?
Weiter aufwärts ging es auch nach dem überraschend stark gestiegenen Auftragseingang der US-Industrie. Fast schien es, als wollte die Börse unbedingt nach oben.

Mehr Mut zum Risiko
Freundliche Grundstimmung bereiteten bereits am Morgen Konjunkturdaten aus Deutschland. Die Einzelhandelsumsätze fielen besser aus als erwartet. Händlern zufolge zeigten sich Anleger wieder risikofreudiger, was auch an dem wieder fallenden Goldpreis abzulesen ist. Schnäppchenjäger seien vor allem bei den zuletzt größten Verlierern unterwegs, sagte ein Börsianer. Das gelte nicht nur für zahlreiche Einzelwerte, sondern auch für den im internationalen Vergleich besonders schlecht gelaufenen Dax.

Euro knickt ein
Während der Dax heute also jubilierte, marschierte der Euro in die Gegenrichtung: abwärts. Der gute Auftragseingang in den USA gab dem Dollar schlagartig Auftrieb, umgekehrte sackte der Euro einen halben Cent durch, erholte sich dann aber etwas.

Viele, viele Dax-Gewinner
Der Dax konnte am Ende sein vierprozentiges Plus nicht halten. Der Aktienindex ging im elektronischen Xetrahandel mit einem immer noch ansehnlichen, aber eben deutlich reduzierten Tagesgewinn von 2,5 Prozent in den Feierabend beim Stand von 5.785 Punkten. Der L-Dax stieg nur noch geringfügig auf 5795 Punkte.

Telekom darf T-Mobile USA nicht verkaufen
Es gab fast nur Gewinner im Dax, fast. Schwerer Ballast für den Index war die T-Aktie. Sie verlor heute acht Prozent. Die Märkte verkrafteten die Nachricht nicht, dass die amerikanischen Behörden den Verkauf der Tochter T-Mobile an AT&T blockieren. Der Deal galt als Befreiungsschlag für die Telekom. Doch das Justizministerium in Washington befand: Das Geschäft beeinträchtige den Wettbewerb und führe zu höheren Preisen.

HeidelCement gut aufgemischt
Ansonsten gab es aber nur Kursgewinner im Dax. Zu den kräftigsten Aktien gehörten HeidelbergCement. Der Zementhersteller profitierte vom guten Umfeld. So ist der Wiener Baukonzern Strabag dick im Geschäft, die Bauwirtschaft zieht an, wie die Halbjahreszahlen beweisen. Auch Vinci ist obenauf, der französische Konzern hob sogar seine Jahresprognose an. All das gab Bauaktien europaweit Auftrieb, Lafarge legten zu, ebenso Hochtief und Bilfinger Berg - und eben HeidelbergCement. Der Dax-Wert bekam zusätzlich Kraft durch eine Kaufempfehlung von S&P Equity.

Allianz hat Nachholbedarf
Die Allianz war ebenfalls gefragt, Anleger folgten einer Kaufempfehlung von Goldman Sachs. Die Sorgen um das Lebensversicherungsgeschäft seien übertrieben, die Aktien zu stark verkauft worden, so die Analysten. Die Papiere sind inmitten der Schuldenkrise eingebrochen, da lassen sich Schnäppchenjäger gern zum Einstieg verleiten.

Lufthansa mit Auftrieb
Lufthansa-Aktien verbuchten den größten Tagesgewinn unter den Dax-Werten. Händler erklärten dies mit Anschlusskäufen. Die Aktien waren schon am Dienstag gestiegen, da Konzernchef Christoph Franz die Gewinnprognose bestätigt hatte. Für die Aktie spreche außerdem aus technischer Sicht ein weiterer Anstieg. Obendrein hat die Fluggesellschaft ihre Preise für Langstreckenflüge erhöht.

Neuigkeiten gab es von der defizitären österreichischen Tochter Austrian Airlines. Es gibt einen neuen Chef; den bisherigen Chef des Airline-Bündnisses "Star Alliance", Jaan Albrecht.

Beiersdorf und Metro unter Fremdeinfluss
Metro-Aktien hatten anfangs unter der Quartalsbilanz von Carrefour gelitten. Die französische Supermarktkette erwartet zudem einen Ergebnisrückgang im Gesamtjahr gibt damit sein vorheriges Wachstumsziel auf. Die Metro-Aktie konnte sich von einem ersten Schreck aber überholen.

Ebenso die Anteile des Nivea-Herstellers Beiersdorf. Zunächst belasteten die enttäuschenden Zahlen des Rivalen L'Oreal. Der weltgrößte Kosmetikkonzern steigerte im ersten Halbjahr das operative Ergebnis nicht so stark wie erwartet und begründete das mit einem unsicheren Marktumfeld. Doch schlug sich Beiersdorf letztlich auf die Plusseite. Die Papiere des Wettbewerbers Henkel waren von Anfang an resistent.

Ströer ist gesucht
Ströer war der stärkste Wert im SDax, der Kurs schoss bis zu 15 Prozent in die Höhe bis auf 13,69 Euro. Auf dem Parkett kursierten die unterschiedlichsten Erklärungen dafür. Ein Händler meinte, es handele sich um "Window Dressing", also Bilanzkosmetik, Fonds kaufen zum Monatsende, um ihre Performance optisch aufzubessern. Es hieß aber auch, der Markt versuche allgemein, den Abwärtstrend zu verlassen und beliebt seien jetzt zuletzt besonders stark gefallene Werte wie Ströer. Auch soll eine größere Verkaufsorder ausgelaufen sein, entsprechend erhole sich die Aktie. Ein anderer Marktteilnehmer verwies auf einen positiven Kommentar in Händlerkreisen, der den Anstieg mit initiiert habe.

Splendid geht ab
Außerhalb der Indizes fiel das große Kursplus bei Splendid auf. Anleger honorierten die gut laufenden Geschäfte des Spielfilmvermarkters. Der Umsatz erhöhte sich im ersten Halbjahr um ein Drittel und vervierfachte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern.

Isra auf Kurs
Auch das Technologieunternehmen Isra Vision zeigte beachtliches Wachstum, der Umsatz kletterte in den ersten neun Monaten um rund ein Fünftel, der Vorsteuergewinn ein bisschen stärker. Die Börse war davon aber unbeeindruckt.

Aragon im Rückwärtsgang
Das Finanzdienstleistungsunternehmen Aragon kann zwar seinen Umsatz erhöhen. Er stieg im ersten Halbjahr um zwölf Prozent. Doch die Gewinne sind deutlich geschrumpft - hauptsächlich, weil der Vertrieb im Geschäftsbereich Financial Consulting stark ausgebaut wurde.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat