Marktbericht 17:58 Uhr

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Über 11.000 Punkte Dax: Starke Wochenbilanz

Stand: 22.05.2020, 17:58 Uhr

Selbst am nachrichtenarmen Brückentag ist es dem Dax gelungen, die Marke von 11.000 Punkten zurückzuerobern, nachdem China am Morgen noch für einen Rücksetzer gesorgt hatte. Eindeutig bergab ging es dagagen für die Lufthansa.

Einen ordentlichen Schreck bekamen die Anleger von den regierenden Kommunisten in China. Regierungschef Li Keqiang kündigte vor den im "Volkskongress" versammelten Delegierten eine Ausweitung der Befugnisse Pekings in Hongkong an. Das Vorhaben beinhaltet die Möglichkeit, chinesische Polizisten in die Sonderwirtschaftszone zu verlegen, was bislang nicht möglich ist. Es wäre das Ende des Prinzips "ein Land, zwei Systeme".

Das Vorhaben sorgte weltweit für Entsetzen. US-Außenminister Mike Pompeo drohte damit, dass die USA ihre wirtschaftliche Sonderbehandlung Hongkongs streichen könnten, sollte die Volksrepublik ihre Pläne umsetzen. "Die Vereinigten Staaten fordern Peking nachdrücklich auf, seinen katastrophalen Vorschlag zu überdenken, seinen internationalen Verpflichtungen nachzukommen und Hongkongs hohes Maß an Autonomie, demokratischen Institutionen und bürgerlichen Freiheiten zu respektieren, die für die Wahrung seines Sonderstatus nach US-Recht von entscheidender Bedeutung sind."

Tagesverluste aufgeholt

An den Aktienmärkten gingen die Anleger zunächst in Deckung. Der Dax in Frankfurt brach um knapp 200 Punkte auf 10.867 Zähler ein, konnte sich anschließend aber erholen. Am Nachmittag drehte der Leitindex sogar ins Plus und kletterte in der Spitze auf 11.118 Zähler. Doch auch davon blieb bis zum Handelsende wenig übrig. Der Dax beendete den elektronischen Handel bei 11.073 Punkten, knapp acht Punkte mehr als am Vortag, aber 366 Punkte mehr als am Montagmorgen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.391,28
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+2,87%
Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
24.754,36
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+1,15%

EZB bereit ihr Kaufprogramm zu erweitern

Eine gute Nachricht kam auch von der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie erklärte sich bereit, ihr Notfall-Anleihenkaufprogramm zur Bewältigung der Coronakrise (PEPP) bei Bedarf bereits im Juni auszuweiten. Darauf verständigten sich die Währungshüter in ihrer Ratssitzung Ende April, wie aus den am Nachmittag veröffentlichten Konferenzprotokollen hervorgeht.

In New York blieben die Anleger in Deckung. Grund waren die neuen Spannungen zwischen den USA und China. Auch das verlängerte Wochenende - in den USA wird am Montag wegen des Memorial Day nicht gehandelt - ließ die Anleger vorsichtig agieren. Bei Börsenschluss in Frankfurt notierte der Dow Jones Industrial 0,45 Prozent schwächer bei 24.364 Punkten. Am Vortag hatte der US-Leitindex am Ende zwar moderat verloren, allerdings war das weltweit wohl bekannteste Börsenbarometer zuvor auch binnen einer Woche vom Tief zum Hoch um knapp 8,5 Prozent gestiegen.

Euro unter 1,09 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,0897
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-0,00%

Der Euro ist am Abend unter die Schwelle von 1,09 Dollar gerutscht. Bereits zuvor hatte sich die Gemeinschaftswährung schwach gezeigt. Im Tief wurden 1,0888 Dollar erreicht - ein halber Cent weniger als im asiatischen Handel. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagnachmittag noch auf 1,1000 Dollar festgesetzt. Auslöser der Euro-Schwäche war ein auf breiter Front stärkerer Dollar. Die amerikanische Währung profitierte von ihrem Status als weltweite Reservewährung, die in unsicheren Zeiten verstärkt nachgefragt wird. Auch der japanische Yen, der ebenfalls als sicherer Anlagehafen gilt, wurde vermehrt angelaufen.

Ölpreise deutlich unter Druck

Die Ölpreise sind vor dem Wochenende deutlich unter Druck geraten. Händler nannten vor allem Wachstumssorgen um China als Grund. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Freitagabend 34,70 Dollar. Das waren 1,38 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 1,17 Dollar auf 32,75 Dollar. Am Rohölmarkt wurden Zweifel an einer raschen konjunkturellen Erholung in China laut. Ein Grund war, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt erstmals seit langem auf die Benennung eines Wachstumsziels für dieses Jahr verzichtet hat.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
35,57
Differenz relativ
+1,98%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
33,75
Differenz relativ
+2,12%

Gold profitiert

Gold legte dagegen weiter zu. Eine Feinunze kostete am Abend 1.732 Dollar, fast acht Dollar mehr als gestern. Damit pirscht sich das Edelmetall erneut an sein erst vor kurzem erreichtes Jahreshoch von 1.765 Dollar beziehungsweise 1.633 Euro wieder an.

Immobilien: LEG will sich TAG einverleiben

Auf dem deutschen Immobilienmarkt bahnt sich eine weitere milliardenschwere Fusion an. Der Wohnungskonzern LEG Immobilien verhandelt mit dem Rivalen TAG Immobilien über einen Zusammenschluss, wie der Düsseldorfer Konzern heute mitteilte. TAG lehnte eine Stellungnahme ab.

LEG Immobilen ist vor allem in Nordrhein-Westfalen aktiv und besitzt bundesweit rund 136.000 Mietwohnungen. TAG Immobilien vermietet rund 85.000 Wohnungen vor allem in Nord- und Ostdeutschland und ist Ende vergangenen Jahres auch in den Wohnungsmarkt in Polen eingestiegen.  | mehr

Lufthansa sackt ans Dax-Ende

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,64
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+7,49%

Das sich weiter in die Länge ziehende Gezerre um milliardenschwere Staatshilfen für die Lufthansa hat die Aktie der angeschlagenen Fluggesellschaft doch noch belastet. Die mehr als einprozentigen Gewinne, die das Papier am Morgen an die Dax-Spitze getrieben hatten, wandelten sich in Verluste. Schließlich ging das Papier 1,2 Prozent tiefer aus dem Handel, womit es auf dem letzten Platz im Leitindex landete.

"Die hohe Staatsbeteiligung und die Art, wie die Bundesregierung in das Unternehmen eintritt, wird zurzeit sehr stark von Investoren diskutiert", sagte Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank. "Und dass eine Staatsbeteiligung nicht immer hilfreich ist, zeigen etliche Beispiele aus der nahen Vergangenheit." Die Investoren hofften eher auf den Notkredit und die damit verbundene Liquiditätsspritze, einen Staatseintritt wünsche indes niemand wirklich. "Somit ist das Abdrehen in den negativen Kursbereich auch nachvollziehbar."

Kahlschlag bei Nissan befürchtet

Nissan: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
3,18
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+0,87%

Der japanische Autobauer erwägt einem Agenturbericht zufolge den Abbau von 20.000 Arbeitsplätzen. Die Stellenstreichungen sollen vorwiegend in Europa und den Entwicklungsländern erfolgen, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtet. Kommende Woche wolle Nissan seine aktualisierte mittelfristige Strategie präsentieren. Der Konzern kämpft wie andere Hersteller auch im Zuge der Virus-Krise mit einem starken Rückgang der Nachfrage nach Autos.

Sixt: Kursziel von 53 auf 80

Sixt ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
70,00
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+4,01%

Das Bankhaus Metzler hat die Stammaktien von Sixt von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 53 auf 80 Euro angehoben. Analyst Stephan Bauer sieht laut einer Studie Licht am Ende des Tunnels für den Autovermieter. Er begründet dies mit Reiseerleichterungen zahlreicher europäischer Länder und einer Mitte Juni zu erwartenden Rückkehr zur Reisefreiheit.

Delivery Hero auf neuem Rekordhoch

Delivery Hero: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
89,00
Differenz relativ
-1,92%

Der Kochboxenauslieferer und Krisengewinner Delivery Hero schafft es an diesem nachrichtenarmen Tag auf ein neues Rekordhoch von knapp 91 Euro zu klettern. Das Unternehmen hat seit den Ausgangsbeschränkungen der letzten Wochen und dem anhaltenden Trend zu Homeoffice kräftig zugelegt. Mitte März notierte die Aktie noch bei 55 Euro.

Foot Locker in den roten Zahlen

Der US-Sportartikelverkäufer Foot Locker ist im ersten Quartal tief in die roten Zahlen gerutscht. Das Unternehmen vermeldete am Nachmittag einen Verlust von 98 Millionen Dollar, nach einem Überschuss von 172 Millionen Dollar im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Wegen der weltweiten Ausgangsbeschränkungen waren die meisten Läden geschlossen. Dadurch sanken die Einnahmen um 43,4 Prozent auf 1,176 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal 2019 beliefen sich die Einnahmen auf gut zwei Milliarden Dollar. Vorstandschef Richard Johnson sagte, das Unternehmen bereite sich nun auf eine Wiedereröffnung der meisten Läden vor. Das Rückkaufprogramm eigener Aktien wurde suspendiert. Einen Ausblick auf das laufende Jahr gab Foot Locker nicht.

Umsatzeinbruch bei Burberry

Der britische Luxus-Modekonzern Burry hat wegen zahlreicher geschlossener Filialen einen Umsatzeinbruch verbucht. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2019/20 schrumpften die Verkäufe um 27 Prozent. Rund 60 Prozent der Burberry-Geschäfte waren geschlossen. Wegen der unsicheren Aussichten kappte Firmen-Chef Marco Gobbetti die Dividende. Im Gesamtjahr 2019/20 (Ende März) fiel der Umsatz um drei Prozent auf 2,63 Milliarden Pfund (rund 2,9 Milliarden Euro), das bereinigte Pro-Forma-Betriebsergebnis schrumpfte um acht Prozent auf 404 Millionen Pfund.

Nvidia jubelt über Umsatz- und Gewinnsprung

Der Grafikkarten-Spezialist Nvidia hat im vergangenen Quartal von einem regen Geschäft mit Rechenzentren profitiert. Der Umsatz des Konzerns stieg im Jahresvergleich um 39 Prozent auf gut drei Milliarden Dollar. Der Gewinn sprang von 394 auf 917 Millionen Dollar.

Das Geschäft mit Rechenzentren trug maßgeblich zu dem Wachstum mit einem Umsatzplus von 80 Prozent auf 1,14 Milliarden Dollar bei. Im Gaming-Bereich mit Nvidias Grafikkarten für Notebooks und Desktop-Rechner stiegen die Erlöse um 27 Prozent auf 1,34 Milliarden Dollar.

HPE enttäuscht

Das amerikanische Informationstechnik-Unternehmen Hewlett Packard Enterprise (HPE) hat die Erwartungen im abgelaufenen Quartal verfehlt. Der Umsatz sackte um 16 Prozent auf 6,01 Milliarden Dollar ab, das Ergebnis pro Aktie fiel auf 22 Cents. Analysten hatten im Schnitt mit 6,29 Milliarden und 29 Cents gerechnet. HPE kündigte an, seine Kosten bis 2022 um mindestens eine Milliarde Dollar zu senken und die Basis-Bezüge des Top-Managements um 25 Prozent zu senken, um die Folgen der Virus-Krise abzufedern. Die Aktien verloren nachbörslich 5,4 Prozent. HPE hatte zuletzt bereits seinen Ausblick für 2020 gekappt.

Zuckerberg und der Trend zum Heimbüro

Facebook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
220,70
Differenz relativ
+3,13%

Facebook-Chef Mark Zuckerberg geht davon aus, dass die Corona-Krise einen langfristigen Wandel hin zur Arbeit außerhalb des Büros angestoßen hat. Er rechne damit, dass in zehn Jahren rund jeder zweite Beschäftigte des Online-Netzwerks so arbeiten werde, sagte Zuckerberg in einem Interview des Technologieblogs "The Verge". Zuvor hatte bereits unter anderem Twitter angekündigt, dass alle Mitarbeiter auch nach dem Ende der Krise ihre Jobs von Zuhause aus fortführen könnten, wenn ihre Aufgaben dies zulassen.  | mehr

lg

Tagestermine am Dienstag, den 26. Mai

Firmen:
Fraport: Verkehrszahlen, 21.KW, 07:00 Uhr
Suzuki: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Hella: Telefonkonferenz, 09:00 Uhr
Fraport: Hauptversammlung (online), 10:00 Uhr
Nordex: Hauptversammlung (online), 10:00 Uhr
Dr. Hönle: Hauptversammlung (online), 10:00 Uhr
Siemens: Abspaltungsbericht für Siemens-Energy, 10:00 Uhr
Basler: Hauptversammlung (online), 13:30 Uhr
Air France-KLM: Hauptversammlung, 14:30 Uhr
Merck & Co.: Hauptversammlung, 15:00 Uhr

Konjunktur:
Japan: All Industry Acitivity Index 03/20, 06:30 Uhr
EU: Acea Nfz.-Zulassungen 04/20, 08:00 Uhr
Deutschland: GfK-Verbrauchervertrauen 06/20, 08:00 Uhr
USA: CFNA-Index 04/20, 14:30 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 05/20, 16:00 Uhr
USA: Verkauf neuer Häuser, 16:00 Uhr