Marktbericht 20:00 Uhr

Sie kaufen und kaufen Dax stapelt Rekorde

Stand: 23.02.2015, 20:00 Uhr

Wir dürfen uns den Anleger als einen glücklichen Menschen vorstellen: Der Dax eilt von Rekord zu Rekord, an der Lösung der griechischen Schuldenkrise wird gearbeitet und das Anleihekaufprogramm der EZB geht bald los. Wenn man nur wüsste, wie lange die Fed noch mitspielt.

Mit einem Aufschlag von 0,7 Prozent auf 11.130,92 Punkte stieg der Dax auf den höchsten Schlusstand in seiner Geschichte. Es ist der vierte Gewinntag hintereinander, zum dritten mal hintereinander schließt der Dax auf einem Rekordhoch - und das trotz der Unklarheiten in bezug auf Griechenland. Im Handel markierte der deutsche Leitindex bei 11.158,55 Zählern ein Verlaufshoch. Der Dow Jones lag in den USA am Abend rund 0,2 Prozent im Minus. Der Late Dax gewann 0,2 Prozent auf 11.116,76 Punkte.

Natürlich bleibt die lockere Geldpolitik der Notenbanken und das kurz vor dem Start stehende Anleihekaufprogramm der EZB das Hauptartgument für die Käufer: "Im derzeitigen Marktumfeld sind Aktien Rendite-technisch schlicht alternativlos, große Verkaufswellen sind kaum zu erwarten. Und wo kaum Verkäufer auftreten kann es eigentlich nur in eine Richtung gehen", kommentiert Jens Klatt DailyFX.

Hellas-Einigung eingepreist?

Dagegen nimmt sich die Schuldenkrise Griechenlands mittlerweise nur noch wie eine Randthema aus: "Bis zum Punkt, wo die 'griechische Kuh tatsächlich vom Eis' wäre, sowohl kurz- als auch langfristig noch so einige Hürden zu nehmen", meint zwar Torsten Gellert, Chefstratege bei CMC Markets. Schließlich beraten die Finanzminister der Euro-Gruppe erst am Dienstag darüber, ob sie einer Verlängerung zustimmen.

Alexis Tsipras

Ministerpräsident Alexis Tsipras. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die Anleger seien erleichtert über die grundsätzliche Einigung der Euro-Gruppe mit Griechenland und das Abwenden einer unmittelbaren Finanzkrise, sagte dagegen Marktanalyst David Papier von ETX Capital.

Laut Ulrich Leuchtmann, Devisenanalyst bei der Commerzbank, erwartet am Markt aber ohnehin niemand mehr ein Scheitern der Verhandlungen. Ohnehin sehen Volkswirte einem "Grexit" schon länger gelassen entgegen. Wie der Markt auf weitere Probleme reagieren würde, bleibt selbstverständlich trotzdem ungewiss.

Konjunkturdaten hüben wie drüben verbesserungswürdig

Der Ifo sorgte für eine leichte Enttäuschung. Er kletterte im Februar lediglich um 0,1 Punkte auf 106,8 Punkte und blieb damit hinter den Erwartungen zurück. Auch Daten vom US-Immobilienmarkt fielen schwächer aus als gedacht. Die Verkaufszahl bestehender Häuser ist zum Jahresbeginn überraschend stark gesunken. Analyst Ralf Umlauf von der Landesbank Helaba sieht in den US-Daten allerdings insgesamt kein Konjunkturrisiko.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1514
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+0,50%

Der Euro entfernte sich am frühen Abend wieder von seinen Tiefständen. "Der Markt schaut jetzt auf die Geldpolitik der US-Notenbank", beschreibt Leuchtmann die Lage am Devisenmarkt. Noch sei nicht klar, wann die Fed ihre Zinsen erstmals seit der Finanzkrise anhebe. Wichtig ist jetzt laut Leuchtmann die Anhörung von US-Notenbankchefin Janet Yellen im US-Kongress an diesem Dienstag. Anleger dürften dann auf Hinweise auf den Zeitpunkt einer Leitzinserhöhung achten.

USA macht Deutscher Bank Sorgen

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,50
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-1,04%

Als leicht belastend, wenn auch nicht wirklich überraschend, wertete ein Börsianer einen Bericht des "Wall Street Journal". Demnach könnte die US-Tochter Deutsche Bank Trust am Stresstest der US-Notenbank Fed scheitern. Die Fed wollte sich nicht zu dem Bericht äußern. Erste Ergebnisse des diesjährigen Belastungstests für die Banken in den USA soll es am 5. März geben, die vollständigen Resultate am 11. März.

Bayer profitiert von Analyse

Die Bayer-Aktie war hingegen überdurchschnittlich gefragt. Vor der Bilanzvorlage an diesem Donnerstag hat die Deutsche Bank ihre Einstufung für den Pharma-Titel auf "Buy" mit einem Kursziel von 135 Euro belassen. Die neuerliche Veränderung im Management durch den Weggang des Healthcare-Chefs sei allerdings grundsätzlich nicht gut. Auch die UBS rät zu kaufen.Obwohl die europäischen Chemiekonzerne im bisherigen Jahresverlauf bereits insgesamt zehn Prozent an Wert zugelegt hätten, sei es für einen Aktienverkauf generell noch zu früh, schrieb Analyst Thomas Gilbert. Denn der Sektor zeichne sich durch sein nachhaltiges Dividendenwachstum von bislang jährlich zehn Prozent aus.

Daimler weitet Rückruf aus

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
51,39
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-1,95%

Mercedes weitet seinen Rückruf wegen möglicher Brandgefahr auf die USA aus. Betroffen sind 147.000 Wagen der E- und CLS-Klasse der Baujahre 2013 bis 2015. Unterdessen mag Daimler-Chef Dieter Zetsche nicht so recht an einen Einstieg von Apple ins Autogeschäft glauben – würde dem aber gelassen begegnen.

VW: Eos vor dem Aus

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,98
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-1,10%

Nach neun Jahren steht das Cabriomodell VW Eos vor dem Produktions-Aus. Wie die "Automobilwoche" meldete, soll die Produktion des Wagens vor Jahresmitte auslaufen. Ein VW-Sprecher bestätigte das Produktionsende, wollte sich aber nicht zum Zeitpunkt äußern. VW-Chef Martin Winterkorn hatte bereits angekündigt, das Cabrio-Programm des Konzerns zu straffen, um wirtschaftlicher zu werden.

Telekom will von Sportwetten profitieren

Die Deutsche Telekom steigt in den milliardenschweren Markt der Sportwetten ein. Der Bonner Konzern hat 64 Prozent an der Deutschen Sportwetten GmbH (DSW) übernommen. "Mit der DSW wird im ersten Quartal 2015 in Deutschland ein rein internetbasiertes Sportwettenangebot starten", sagte ein Telekom-Sprecher. Die Hauptversammlung habe dazu schon vor Jahren grünes Licht gegeben.

Kuka und Siemens: Hoher Besuch

Der MDax-Konzern Kuka bekommt heute Besuch von Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin will sich nämlich ein Bild über die Digitalisierung in der Industrie machen. Kuka fertigt unter anderem Roboter für die Automobilindustrie. Auch dem Amberger Werk von Siemens stattet Merkel einen Besuch ab. Die Oberpfälzer Fabrik gilt als Paradebeispiel für das Geschäftsfeld "digitale Fabrik" von Siemens.

Aareal Bank kauft Westimmo

Aareal Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
34,31
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-0,23%

Der Wiesbadener Immobilienfinanzierer Aareal Bank übernimmt die Westdeutsche Immobilienbank und legt dafür rund 350 Millionen Euro auf den Tisch. Eine entsprechende Vereinbarung über den vorläufigen Kaufpreis sei mit dem bisherigen Eigentümer, der "Bad Bank" für WestLB-Aktivitäten, unterzeichnet worden, berichtete die Aareal Bank am Sonntag. Die Aktie ist größter MDax-Gewinner.

Metro: Achtung, Dividendenabschlag!

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
4,62
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-2,63%

Zweitgrößter MDax-Verlierer ist Metro. Tatsächlich beruhten die Verluste aber vorwiegend auf einer optischen Täuschung. Die Aktie des Handelskonzerns wird am Montag ex Dividende gehandelt. Der Handelskonzern schüttet 0,90 Euro je Anteil aus. Ohne diesen Dividendenabschlag würde die Metro-Aktie nur leicht im Minus notieren.

Hohes Rückschlagrisiko bei Bilfinger?

Auch die Bilfinger-Aktie war dagegen schwächster Wert. Die Investmentbank HSBC hat ihre neutrale Einschätzung aufgegeben und rät nun, die Papiere im Depot unterzugewichten. Das auf 46 Euro gesenkte Kursziel signalisiert ein Rückschlagrisiko von etwa neun Prozent. Zuletzt hatten die Aktien nach dem schwachen Jahr 2014 versucht, einen Boden zu bilden.

Xing: Dividendenerhöhung schiebt Aktie an

Eine massive Wertberichtigung auf das Geschäft mit Veranstaltungen hat dem Karriere-Netzwerk Xing die Bilanz verhagelt. Der Jahresgewinn fiel um fast ein Drittel auf 6,175 Millionen Euro. Trotzdem schraubte Xing die Dividende um 48 Prozent auf 0,92 Euro je Aktie in die Höhe. Das kam am Markt gut an.

QSC: Skeptischer Blick in die Zukunft

Dagegen rauschte die QSC-Aktie zweistellig ab. Der IT- und Telekommunikationsanbieter QSC blickt nach einem Verlust von 34,4 Millionen Euro im Jahr 2014 skeptisch auf das laufende Jahr. Unternehmenschef Jürgen Hermann rechnet mit einem weiteren Umsatzrückgang auf einen Wert von mehr als 400 Millionen Euro.

CTS Eventim im Visier des Kartellamts

Im SDax stand die CTS-Eventim-Aktie unter Beobachtung. Das Bundeskartellamt hat ein Prüfverfahren gegen den Ticket-Händler CTS Eventim eingeleitet. Ein Sprecher der Behörde in Bonn sprach von einem "Kartellverwaltungsverfahren", das bereits seit einigen Wochen laufe. Man untersuche, ob der Eintrittskartenhändler aus Bremen seine Marktmacht missbrauche.

USU Software bleibt auf Rekordkurs

Die USU Software hat auf Basis vorläufiger Zahlen neue Rekordwerte bei Ergebnis und Umsatz erzielt. Das bereinigte Ebit legte 2014 um 43 Prozent auf 7,3 Millionen Euro zu, der Konzernumsatz stieg um sechs Prozent auf 58,9 Millionen Euro. Die Aktie zieht über zwei Prozent an und nimmt damit wieder Kurs auf ihr 13-Jahres-Hoch vom vergangenen Juni (16,00 Euro).

HSBC mit Gewinneinbruch

Der Vorsteuergewinn der britischen Großbank HSBC brach 2014 um 17 Prozent auf 18,7 Milliarden Dollar ein. Das Ergebnis lag damit deutlich unter den Analystenerwartungen. Die HSBC hat sich zudem erneut für Verfehlungen bei ihrer Schweizer Tochter entschuldigt. Europas größter Bank wird Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorgeworfen.

21st Century Fox und Discovery: Fusionsgerüchte

Hochrangige Vertreter von Rupert Murdochs 21st Century Fox und Discovery Communications sollen sich getroffen haben, um eine Fusion auszuloten, die einen 100 Milliarden Dollar schweren Medien- und Unterhaltungskonzern hervorbringen könnte. Das berichtet zumindest die "Australian Financial Review" am Montag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Valeant schnappt sich Salix

In der Pharmabranche bahnt sich die nächste Milliardenübernahme an. Die kanadische Valeant will den US-Rivalen Salix übernehmen. Valeant bezahlt 158 Dollar pro Aktie in bar. Salix wird bei der Transaktion mit rund 14,5 Milliarden Dollar bewertet. Valeant hatte Ende 2014 beim Poker um den Botox-Hersteller Allergan das Nachsehen gehabt. Dieser ging schließlich für 66 Milliarden Dollar unter das Konzerndach des Branchenriesen Actavis.

Honda wechselt Konzernchef aus

Japans drittgrößter Autobauer Honda bekommt einen neuen Chef. Nach einer Rekordzahl von Rückrufen im vergangenen Jahr wird der aktuelle Konzernlenker Takanobu Ito im Juni durch den Honda-Manager Takahiro Hachigo ersetzt. Der 61 Jahre alte Ito solle dem Unternehmen als Berater erhalten bleiben, teilte Honda am Montag mit.

Holcim steigert Gewinn nur leicht

Der Schweizer Baustoffkonzern Holcim hat vor dem Zusammenschluss mit dem französischen Zementhersteller Lafarge den Gewinn um 1,5 Prozent auf 1,62 Milliarden Franken gesteigert. In Nordamerika und in aufstrebenden Ländern stieg der Zementabsatz zwar, aber wegen des starken Franken ging der Umsatz um drei Prozent auf 19,1 Milliarden Franken zurück.

Cap Gemini profitiert noch von Bilanz

Die Aktien des französischen IT-Dienstleisters waren heute so teuer wie zuletzt vor 13 Jahren. Das Unternehmen steigerte seinen Nettogewinn nach Angaben vom vergangenen Donnerstag 2014 um 31 Prozent auf 580 Millionen Euro. Der Umsatz wuchs um 4,8 Prozent auf 10,57 Milliarden Euro und damit etwas stärker als von Analysten erwartet.

Bristol-Myers stärkt Krebsentwicklung

Der US-Pharmakonzern Bristol-Myers Sqibb stärkt mit einem milliardenschweren Zukauf die Entwicklung von neuartigen Krebsmitteln. Für die nicht börsennotierte Firma Flexus legt Bristol-Myers insgesamt 1,25 Milliarden Dollar auf den Tisch. 800 Millionen Dollar sollten sofort und 450 Millionen Dollar nach Erreichen von Meilensteinen gezahlt werden.

ts

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier