Marktbericht 20:01 Uhr

Angst vor Trump-Triumph Dax setzt Talfahrt fort

Stand: 03.11.2016, 20:01 Uhr

Die nahenden US-Wahlen haben die Börsen derzeit fest im Griff. Das drohende Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Hillary Clinton und Donald Trump verunsichert die Anleger. Der Dax rutscht immer tiefer ab. Doch es gibt auch Lichtblicke.

Lange Zeit schienen die Anleger die US-Präsidentschaftswahlen zu verdrängen. Je näher nun aber der Wahltermin rückt, desto größer ist das Interesse an den Börsen. Jede neue Umfrage wird genau beäugt. Seit ein paar Tagen ist das Rennen um das Weiße Haus wieder spannend geworden. "Die jüngsten Umfragen sehen Trump wieder auf Augenhöhe mit Clinton", sagte Analyst Gregor Kuhn vom Brokerhaus IG Markets. Laut Umfragen der "Washington Post" und "ABC" liegt Clinton aktuell zwei Prozentpunkte vor dem unberechenbaren Republikaner Trump.

Wall Street kommt nicht voran

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Die Ungewissheit über den Ausgang der US-Wahlen lähmte auch am Donnerstag die Anleger. Die Wall Street kam kaum vom Fleck. Eine Stunde vor Handelsschluss lag der Dowe leicht im Minus, nachdem er noch moderat im Plus eröffnet hatte und zeitweise gar über die 18.000-Punkte geklettert war.

Fünfter Verlusttag in Folge

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im Sog der schwachen Wall Street schloss der Dax erneut im Minus- und das den fünften Tag in Folge. Seit dem vergangenen Donnerstag hat der deutsche Leitindex fast 400 Punkte eingebüßt. Der Start in den Monat November verlief also alles andere als verheißungsvoll.

Fed wartet ab

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 20.15 Uhr

Das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Clinton und Trump hat sogar die Geldpolitik vorerst in die zweite Reihe verdrängt. Die Fed beließ ihren Leitzins wie erwartet unverändert, ließ aber die Tür für eine Zinsanhebung im Dezember offen. Sollte Trump die Wahlen gewinnen, wäre eine Verschiebung der sanften Zinswende wahrscheinlich.

Schlechtes Omen vom ISM-Einkaufsmanagerindex

Die neuesten Konjunkturdaten zeigen keine klare Richtung an. Einerseits hat die US-Industrie im September 0,3 Prozent mehr Aufträge an Land gezogen. Ökonomen hatten lediglich mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet. Andererseits trübte sich die Stimmung der Dienstleister deutlich ein. Der ISM-Einkaufsmanagerindex fiel von 57,1 Punkten im Vormonat auf 54,8 Zähler. Volkswirte hatten mit einem viel geringeren Rückgang gerechnet. Ein besonders schlechtes Omen ist der deutliche Rückgang des Beschäftigungsindex. Das deutet auf eine Abschwächung des Arbeitsmarkts hin. Am Freitag werden mit Spannung die neuesten Arbeitsmarktdaten erwartet.

Gerichtsurteil stärkt das britische Pfund

Der US-Dollar konnte seine anfänglichen Gewinne nicht halten. Der Euro machte seine Verluste wieder wett und überwand die Marke von 1,11 Dollar. Noch stärker zog das britische Pfund - auf ein Vierwochen-Hoch von 1,2494 Dollar. Der Londoner High Court hat entschieden, dass das britische Parlament dem Beginn der EU-Austrittsverhandlungen zustimmen muss. Das Urteil ist freilich noch nicht rechtskräftig.

Lufthansa im Aufwind

Die Pole Position im Dax eroberte sich die Lufthansa. Die Aktie schloss mit einem Plus von über sechs Prozent. Die Furcht vor der wachsenden Konkurrenz des Billigfliegers Ryanair am Heimatflughafen Frankfurt ist zunehmend verpufft. Inzwischen setze sich die Einschätzung durch, dass die vorerst vier geplanten Verbindungen der Rynair für die Lufthansa kein Genickbruch seien, meinte ein Börsianer. Zur positiven Stimmung trugen auch deutliche Kursgewinne von Air France KLM bei. Die französische Fluggesellschaft will mit einer neuen Billig-Langstrecken-Tochter den aufstrebenden Golf-Airlines Paroli bieten.

Beiersdorf gut eingecremt

Zu den größten Dax-Gewinnern zählte auch die Beiersdorf-Aktie. Der Konsumgüterhersteller hat seine Prognose fürs laufende Jahr angehoben. Das Dax-Unternehmen erwartet nun "eine deutlich über dem Vorjahr liegende Ebit-Umsatzrendite". Zuvor war nur von einer "leichten" Steigerung die Rede gewesen. Gut läuft das Geschäft mit Nivea, Eucerin oder La Prairie, weniger gut das Klebstoffgeschäft.

Adidas enttäuscht

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dagegen kam die Adidas-Aktie schwer unter die Räder. Sie büßte über sechs Prozent ein und war Dax-Schlusslicht. Zwar konnte der Sportartikelhersteller im dritten Quartal seinen Umsatz und sein Ergebnis erneut zweistellig steigern. Dennoch wurden zum ersten Mal seit langer Zeit wieder die Erwartungen verfehlt. Daher machten einige Investoren Kasse.

ProSiebenSat.1 plant Kapitalerhöhung

Hin und Her pendelte die Aktie von ProSiebenSat.1. Die TV-Senderkette hat ihren Umsatz im dritten Quartal um 15 Prozent auf 857 Millionen Euro zwar verbessert. Der Nettogewinn brach aber überraschend um sieben Prozent auf 68 Millionen Euro ein - unter anderem wegen Abschreibungen auf die Beteiligung am Fitnessarmband-Anbieter Jawbone. Am Abend kündigte der Medienkonzern eine Kapitalerhöhung um rund 6,5 Prozent an. Die erhofften rund 500 Millionen Euro sollen vor allem zur Finanzierung von Übernahmen im Digitalbereich dienen.

Vonovia schraubt Prognose hoch

Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia will auch im kommenden Jahr sein Ergebnis verbessern. Das in der Branche viel beachtete operative Ergebnis aus dem laufenden Geschäft (FFO 1 - Funds from Operations) soll 2017 auf 830 bis 850 Millionen Euro zulegen. Im laufenden Jahr soll es bei 760 Millionen liegen und damit am oberen Ende der bisher anvisierten Spanne. Die Aktien stiegen um fast ein Prozent.

VW kommt Einigung bei 3-Liter-Motoren näher

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Bei der Aufarbeitung des Diesel-Skandals kommt VW weiter voran. Bei den Verhandlungen mit den US-Behörden über eine Lösung für die 85.000 Fahrzeuge mit Drei-Liter-Motoren seien wesentliche Fortsachritte gemacht worden, lobte Bezirksrichter Charles Breyer. Er sei optimistisch, dass bis Anfang Dezember eine Einigung erzielt werde. Breyer hatte bereits Ende Oktober grünes Licht für den milliardenschweren Vergleich von VW mit den Besitzern der 475.000 in den USA verkauften Fahrzeuge mit 2,0-Liter-Dieselmotoren gegeben.

Rheinmetall versprüht Zuversicht

Mit einem Plus von über drei Prozent war Rheinmetall Top-Gewinner im MDax. Der Rüstungskonzern und Autozulieferer hat seine Umsatzprognose fürs laufende Jahr um 100 Millionen Euro auf 5,6 Milliarden Euro angehoben. Grund ist die gut laufende Rüstungssparte.

Fuchs-Aktie schmiert ab

Der Schmierstoff-Hersteller Fuchs Petrolub hat von den jüngsten Übernahmen profitiert. Der Umsatz legte um knapp elf Prozent zu, ohne Zukäufe um drei Prozent. Das operative Ergebnis stieg um knapp sechs Prozent auf 276 Millionen Euro. Das war den Anlegern zu wenig. Die Fuchs-Aktien schmierten um knapp vier Prozent ab und waren Schlusslicht im MDax.

Fraport mit gemischten Zahlen

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport hat seine Ergebnisprognose für 2016 angehoben. Das Ebitda soll 1,04 bis 1,08 Milliarden Euro erreichen - statt bislang 850 bis 880 Millionen Euro. Grund sind positive Sondereffekte aufgrund eines gerichtlichen Vergleichs auf den Philippinen und der Verkauf eines Anteils am Flughafen St. Petersburg. Vor der Presse verteidigte Fraport-Chef Stefan Schulte die Öffnung des Frankfurter Flughafens für Billiganbieter wie Ryanair. Allerdings werde Frankfurt mit seiner komplizierten Infrastruktur immer nur einen begrenzten Anteil von Billigfliegern haben, ergänzte Schulte.

Hochtief wächst zweistellig

Der größte deutsche Baukonzern Hochtief hat im dritten Quartal von gut laufenden Geschäften in Australien und Nordamerika profitiert. Das um Sondereffekte bereinigte Vorsteuerergebnis erhöhte sich um zehn Prozent auf 153,5 Millionen Euro. Der Auftragseingang legte um 19 Prozent auf 5,72 Milliarden Euro zu.

Salzgitter bleibt auf Kurs

Salzgitter hat am Abend seine Neunmonatsbilanz vorgelegt. Der Stahlkonzern konnte trotz eines Umsatzrückgangs mehr Gewinn machen. Die EU-Antidumping-Maßnahmen gegen Billigimporte aus China und eigene Restrukturierungsmaßnahmen zahlten sich aus. Zudem profitierte der Konzern von einem Sondereffekt und der Beteiligung am Kupferkonzern Aurubis. An seiner Prognose eines Vorsteuergewinns von 30 bis 60 Millionen Euro im Gesamtjahr hielt Deutschlands zweitgrößter Stahlkocher fest.

Axel Springer setzt auf englischsprachige Märkte

Der Medienkonzern Axel Springer hat seinen Umsatz im dritten Quartal um knapp ein Prozent auf 802 Millionen Euro gesteigert. Treibende Kraft waren die so genannten Rubrikenangebote zur Vermittlung von Immobilien oder Jobs im Internet. Künftig will Springer verstärkt auf dem englischsprachigen Markt expandieren. "Derzeit macht das Geschäft in Großbritannien und den USA 15 Prozent am Konzernumsatz aus.

Dialog wird mutiger

Der deutsch-britische Chip-Entwickler Dialog Semiconductor ist fürs Gesamtjahr weniger pessimistisch als bisher. Der Umsatz soll nur noch um 12 Prozent zurückgehen, anstatt bisher 15 Prozent. Die Dialog-Aktien legen leicht zu.

S&T senkt Prognose

Das österreichische IT-Systemhaus S&T hat seine Umsatzprognose heruntergeschraubt. Die Erlöse sollen anstatt bei 500 Millionen Euro nur bei 480 Millionen Euro liegen. Grund für die Senkung ist der Verkauf der Eigenfertigungssparte. Das geplante Konzernergebnis soll aber erreicht werden. Die Aktien zählen zu den größten TecDax-Gewinnern.

Beifall für Qiagens Zahlenwerk

Klarer TecDax-Spitzenreiter war Qiagen. Der Biotech-Zulieferer hat sowohl beim Umsatz, als auch beim bereinigten operativen Ergebnis (Ebit) die Erwartungen übertroffen. In Zukunft will Qiagen kräftig sparen und dabei auch Stellen abbauen. Wegen der daraus resultierenden hohen Einmalkosten wird Qiagen im laufenden Jahr nur 0,87 bis 0,88 US-Dollar je Aktie verdienen. In den folgenden Jahren soll sich das Gewinnwachstum aber beschleunigen.

Schlechter Tag für KlöCo

Negativ aus dem SDax ragte die Aktie des Stahlhändlers KlöCo heraus. Sie brach um 10,5 Prozent ein. Es bestehe die Gefahr, dass das vergangene Quartal zunächst das letzte starke Quartal gewesen sei, erklärte Commerzbank-Experte Ingo Schachel. Im dritten Quartal hatte das SDax-Unternehmen das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 71 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

Bauer fällt in die roten Zahlen

Verschobene und geplatzte Aufträge in Asien haben dem bayerischen Tiefbau-Konzern die Bilanz verhagelt. In den ersten neun Monaten des Jahres rutschte Bauer überraschend in die Verlustzone. Daraufhin senkte das Unternehmen seine Jahresprognose und rechnet nun nur noch mit 10 bis 15 Millionen Euro Gewinn - gut die Hälfte weniger als vor einem Jahr. Die Aktien von Bauer büßten fast vier Prozent ein und notierten auf dem tiefsten Stand seit Juni.

Swiss Re kauft ich selbst

Der Schweizer Rückversicherer Swiss Re hat im dritten Quartal einen Gewinnrückgang um 16 Prozent auf 1,18 Milliarden Dollar verbucht. Dennoch startet der Konzern ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu einer Milliarde Franken.

Gewinneinbruch bei Credit Suisse

Die Schweizer Großbank Credit Suisse hat im dritten Quartal erheblich weniger verdient. Der Gewinn brach von 779 auf 41 Millionen Franken ein. Grund waren Rechtsrisiken und der Konzernumbau.

ING steht glänzend da

Die niederländische Großbank ING hat von Juli bis September seinen Überschuss verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um mehr als ein Viertel auf gut 1,3 Milliarden Euro in die Höhe geschraubt. Mit den Konzernergebnissen übertraf die ING die Erwartungen der Analysten deutlich.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 17. Juli

Unternehmen:
VW: Absatzzahlen Juni
Hella: vorläufige Zahlen Gj. 2017/18, 07:00 Uhr
DieboldNixdorf: Q4-Zahlen
CropEnergies: Hauptversammlung in Mannheim, ab 10:00 Uhr
Tomtom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Yara: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Rio Tinto: Q2 Operation Report
Goldman Sachs: Q2-Zahlen, 13:30 Uhr
Alstom: HV in Paris zum Zusammenschluss der Bahngeschäfte von Alstom und Siemens, 14:00 Uhr
Johnson & Johnson: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr
Telekom Austria: Q2 Trading Update, 18:00 Uhr
America Movil: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
T-Mobile US: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
EU: EZB-Wochenausweis, 15:00 Uhr
USA: Industrieproduktion im Juni, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Acea: Pkw-Neuzulassungen in Europa im Juni, 08:00 Uhr