Marktbericht 20:00 Uhr

Schießt die EZB doppelt so viel Geld raus? Dax setzt auf die Geld-Maschine EZB

Stand: 30.09.2015, 20:00 Uhr

Seit Quartalsbeginn sind die Aktienbörsen weltweit auf Talfahrt. Heute ging's mal kräftig aufwärts für Dax & Co. Anleger spekulieren auf Geschenke der EZB. Verspekulieren sie sich da?

Das dürfte der EZB ein Dorn im Auge sein: Die Inflation in der Eurozone war im September negativ. Die Preise fielen um 0,1 Prozent. Schon wird wild spekuliert, ob die Europäische Zentralbank (EZB) ihr milliardenschweres Anleihekaufprogramm ausweitet, um die Inflation anzuheizen. Die Ratingagentur S&P hält gar eine Verdopplung des Volumens für möglich. Bis Mitte 2018 auf rund 2,4 Billionen Euro von den ursprünglich geplanten 1,1 Billionen Euro bis September 2016.

Bekommt die EZB genug Anleihen?

Das wirft aber Fragen auf. "Wo plant die EZB all die Anleihen herzubekommen? Früher oder später wird sie den Markt an Anleihen in Europa (mit besonderem Fokus auf Deutschland) quasi leergekauft haben und die zu erwartenden langwierigen Schäden für den gesamten europäischen Anleihemarkt infolgedessen könnten gravierend sein", sagt Jens Klatt, Marktanalyst von FXCM.

"Tür für Rally aufgestoßen"

So weit denkt die Börse dann doch nicht. Wenn die EZB nachlegt, dann "wird die Tür für eine Jahresend-Rallye weit aufgestoßen, ein Jahresschluss über 10.000 Punkten scheint dann sehr wahrscheinlich", so Klatt. Der Dax schoss heute zeitweise drei Prozent in die Höhe. Am Ende standen 9.660 Punkte auf der Dax-Tafel und ein Plus von 2,2 Prozent. Der L-Dax reduzierte die Gewinne weiter auf 1,8 Prozent. Auch an der Wall Street verkleinerte der US-Leitindex Dow Jones sein Plus, zur Stunde hält er noch einen Gewinn von 1,0 Prozent.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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11.647,23
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Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Nasdaq Composite: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
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7.449,03
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Fed erst im Dezember?

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 20.15 Uhr

Der Bericht des privaten Arbeitsvermittlers ADP in den USA deutet auf eine leichte Verbesserung des offiziellen Arbeitsmarktberichts am Freitag hin. Das wiederum spricht dafür, dass die US-Notenbank die Zinsen im Dezember erhöht. "Die Zinsanhebung ist nur noch eine Frage der Zeit", sagte Peter Cardillo, Chefvolkswirt bei Rockwell Global Capital. "Ich glaube allerdings nicht, dass es schon im Oktober so weit sein wird."

Schnäppchenjäger und September-Rückkehrer

Für die gute Börsenstimmung dürften auch Schnäppchenjäger gesorgt haben - angelockt von dem Jahrestiefstand des Dax gestern bei 9.325 Punkten. Vielleicht haben Profi-Anleger auf den letzten Metern versucht, ihre Quartalsbilanz aufzuhübschen. Und möglicherweise erinnert sich manch Anleger an die alte Börsenweisheit "Sell in May and go away, but remember to come back in September."

Ein mieses Quartal

Beim Blick auf die Bilanz für das dritte Quartal zeigt sich, dass man gut daran getan hätte, die Börsenregel zu befolgen. Der Dax hat 12 Prozent verloren, das schwächste Vierteljahr seit vier Jahren zu. Ein ähnliches Bild an der Wall Street, auch Dow & Co dürften das schwächste Quartal seit Herbst 2011 verbuchen. In drei Monaten ging es für den US-Leitindex und den marktbreiten S&P bislang gut 7 Prozent abwärts und für den Nasdaq um etwas mehr als 5 Prozent.

Tesla und Ralph Lauren obenauf

An der Wall Street waren Tesla-Aktien gefragt. Der Elektroauto-Pionier bringt sein neues SUV-Modell X auf den Markt, das den Konzern in die Gewinnzone befördern soll. Aktien von Ralph Lauren schossen regelrecht aufwärts, um 14 Prozent. Der Chefwechsel beflügelt. US-Designer Ralph Lauren tritt an der Spitze des nach ihm benannten Mode-Konzerns ab und holt sich seinen Nachfolger von der Konkurrenz: Stefan Larsson von der Marke Old Navy des Rivalen Gap. Gap-Aktien verloren 7 Prozent - wobei hier auch Analysten Schuld waren.

Lufthansa empfohlen

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,38
Differenz relativ
+2,40%

Im Dax hat die Lufthansa-Aktie mit sechs Prozent Kursplus heute als beste abgeschlossen. Dabei half die Kaufempfehlung der DZ Bank, die zuvor nur ein "Halten" für die Aktie übrig hatte. Die Analysten halten die Marktschätzungen für das Lufthansa-Ergebnis für zu konservativ. Weitere Streiks seien zwar nicht auszuschließen, die daraus folgenden Risiken aber überschaubar. In dieser Hinsicht hatte Verdi schlechte Nachrichten: In den Tarifverhandlungen über die Löhne und Betriebsrenten für 30.000 Lufthansa -Mitarbeiter sei auch nach der jüngsten Verhandlungsrunde keine Einigung in Sicht.

Erste US-Klage gegen VW

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
146,54
Differenz relativ
+1,78%

Die VW-Vorzugsaktie schlug sich nach den Verlusten der letzten Tage recht gut. Positives wusste das "Wall Street Journal" zu berichten: Der Konzern könnte womöglich um Umweltstrafen in den USA herumkommen. Ein Schlupfloch in der US-Gesetzgebung macht's möglich. So sehe der Clean Car Act aus dem 1970 eine weitgehende Straffreiheit für Autokonzerne vor. Die Ermittler in den USA suchten deshalb nun nach anderen Wegen, VW wegen der Manipulationen zu belangen. Allerdings kommen nun die ersten Klagen in den USA herein.

China fördert Auto- und Immobilienmarkt

Insgesamt liefen Auto-Aktien heute gut, was an China lag. Dort wird die Mehrwertsteuer für Autos, die höchstens einen 1,6-Liter-Motor haben, halbiert. Nun hofft die Börse darauf, dass der zuletzt etwas schwächelnde chinesische Automarkt wieder anzieht. Auch den Immobilienmarkt will China wieder beleben: mit lockereren Regeln für den Kauf von Eigenheimen.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
75,95
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+1,76%
Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
134,00
Differenz relativ
+1,90%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
52,16
Differenz relativ
+1,50%

RWE und Eon erholen sich von Tiefständen

Im Dax konnten ansonsten die unter die Räder gekommenen Versorgeraktien wieder Fuß fassen. RWE bekräftigte kurz vor Ablauf des dritten Quartals seine Jahresprognose. Das belebte die Aktie, auch wenn das Kostenrisiko für die Entsorgung des Atommülls nicht absehbar ist. Das soll der Stresstest zeigen - RWE erwartet Ergebnisse von ihm in der zweiten Oktoberhälfte. Tags zuvor war RWE noch auf ein neues Rekordtief gefallen und Eon auf dem niedrigsten Niveau seit 1993 gehandelt worden. Für 2015 ist RWE mit minus 60 Prozent klar schwächster Dax-Wert. Eon mit minus 46 Prozent wurde an zweiter Stelle inzwischen knapp von VW abgelöst.

Gea wird vorsichtiger

Im MDax liegt die Gea-Aktie weit vorn. Dabei hat der Maschinenbaukonzern seine Umsatzprognose für das laufende Jahr reduziert. Bisher hieß das Ziel, ein Wachstum aus eigener Kraft zu erreichen. Jetzt soll der Umsatz im laufenden Jahr nur durch Zukäufe und Wechselkurseffekten steigen. An der MDax-Spitze: Talanx. Eine Kaufempfehlung der Commerzbank treibt die Aktie zeitweise neun Prozent in die Höhe, der größte Kurssprung, den die Aktie je an einem Tag hingelegt hat.

Pfeiffer: Kampfansage an Bosch

Der Pumpenhersteller Pfeiffer Vacuum will nach dem 15-prozentigen Einstieg des Konkurrenten Busch eigenständig bleiben. "Es besteht nicht die Absicht, in irgendeiner Weise zu kooperieren", sagte Pfeiffer Vacuum-Chef Manfred Bender der "Börsen-Zeitung". "Wir sind und bleiben Wettbewerber", fügte er hinzu.

Kuka: Risiko Autokrise

Die Aktie von Kuka kann von dem Aufschwung an der Börse nicht profitieren. Die HSBC hat ihr Kursziel von 61 auf 58 Euro reduziert. Die Abhängigkeit von der Autoindustrie habe zwar abgenommen, sei aber mit über 50 Prozent weiter hoch, hieß es zur Begründung.

SMA weiter auf Höhenflug

Im TecDax war wieder einmal SMA Solar der große Gewinner. Acht Prozent ging es aufwärts, so hoch wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Am Vortag hatten Anleger begeistert von der höheren Gewinn- und Umsatzprognose die Aktien 24 Prozent in die Höhe schießen lassen. Die Aktie ist auch der Quartals-Spitzenreiter im TecDax.

KTG Agrar vollmundig, Tonkens eher leise

Die Entry Standard hat im ersten Halbjahr seinen Umsatz um 13 Prozent auf 113,2 Millionen Euro gesteigert, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit um 27 Prozent auf 8,9 Millionen. KTG-Chef Siegfried Hofreiter spricht von weiteren Verbesserungen im zweiten Halbjahr. Ganz anders Tonkens: Das Landwirtschaftsunternehmen spricht von roten Zahlen im Geschäftsjahr 2014/15.

Rocket Internet geht ab

Die Internet-Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet hat den Wert des Beteiligungsportfolios seit dem Börsengang nach eigenen Angaben von 3,4 auf 6,0 Milliarden Euro gesteigert. Die Rocket-Aktie steigt kräftig, auch wenn der Konzern noch rote Zahlen schreibt.

Deutsche Forfait unter Druck

Nach dem gestrigen Antrag auf die Einleitung eines Schutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung steht die Aktie der Deutschen Forfait weiter unter Druck. Die Gespräche mit Investoren über eine Rettung konnten zuvor nicht rechtzeitig abgeschlossen werden.

Xing startet mit eigener Wirtschafsredaktion

Das soziale Netzwerk Xing startet ein eigenes wirtschaftsjournalistisches Angebot und holt sich den ehemaligen Chefredakteur der "Wirtschaftswoche" ins Boot: Roland Tichy. Xing ist seit 2006 an der Börse, seit 2011 ist die Aktie im TecDax. Die Mehrheit an dem Portal hält der Medienkonzern Hubert Burda Media mit knapp 60 Prozent.

Scout24 läuft, Covestro nicht

Neuigkeiten liefern auch die Börsenaspiranten: Aktien von Scout24 dürften zu 30 Euro zugeteilt werden - morgen ist Börsenstart. Der Börsengang von Covestro kommt dagegen nicht in Fahrt, heißt es aus Finanzkreisen. Die begleitenden Banken loten deshalb aus, wie es weitergehen soll, wie mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch sagten. "Es werden derzeit verschiedene Möglichkeiten diskutiert, Entscheidungen sind noch nicht gefallen", sagte einer der Insider. Die Erstnotiz von Covestro war eigentlich für diesen Freitag geplant, doch das Orderbuch ist den Angaben zufolge noch immer nicht gefüllt, geschweige denn mehrfach überzeichnet.

bs

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Auf diese IPOs dürfen wir uns freuen Börsenpipeline 2015

Schaeffler-Unternehmenszentrale in Herzogenaurach

Schaeffler

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier