Marktbericht 20 Uhr

Die 10.200er Marke ist geknackt Dax setzt auf die EZB

Stand: 21.10.2015, 20:00 Uhr

Anleger sind ganz schön mutig vor der EZB-Sitzung. Der Dax hat die 10.200-Punkte-Marke geknackt. Fusionsfantasie, ein guter Börsenstart von Ferrari und die brummenden Geschäfte bei GM und Boeing beflügelten. Wehe, wenn morgen die EZB nicht mitspielt.

Der Dax hat heute eine rasante Kehrtwende gemacht. Gestartet im Minus schwang er sich wieder über die wichtige Marke von 10.200 Punkten. Vom Tageshoch bei 10.277 Punkten blieb am Ende immerhin noch mit einTagesgewinn von 0,9 Prozent. 10.238 Punkten standen schließlich an der Dax-Tafel. Der L-Dax gab rund 20 Punkte nach.

Dabei ist die EZB momentan das Maß aller Börsendinge. Die entscheidende Frage ist: Wird EZB-Chef Mario Draghi morgen nach der Sitzung der Europäischen Zentralbank die Tür ein Stückchen öffnen für eine Ausweitung des milliardenschweren Anleihekaufprogramms? Die Hoffnung darauf hatte die Aktienmärkte in den vergangenen Wochen beflügelt. Unter anderem trug die verhaltene Preisentwicklung im Euroraum dazu bei. Sollte Draghi morgen aber keine Andeutung in dieser Hinsicht machen, könnte es schlagartig vorbei sein mit der guten Börsenstimmung.

Vielleicht ist man darauf aber auch gefasst. Denn seit Dienstag liegen neue Statistiken vor, die zeigen: Die Geldspritzen haben inzwischen die Kreditvergabe in der Euro-Zone belebt. Soll heißen: Vielleicht braucht man doch keine weiteren Geldspritzen.

Neues von der Wall Street

General Motors: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
31,20
Differenz relativ
+0,13%

Heute haben sich Anleger aber auf Amerika konzentriert. An der Wall Street überzeugten General Motors (GM) und Boeing mit ihren Quartalszahlen. Das brummende SUV-Geschäft brachte GM einen Gewinnzuwachs, trotz hoher Kosten im Zusammenhang mit der Zündschloss-Pannenserie. Boeing glänzte mit einer immensen Nachfrage nach seinen Fliegern, flog damit dem Rivalen Airbus davon und schraubte sogar seine Geschäftsprognose nach oben. Biogen konnte mit der Ankündigung eines Stellenabbaus an der Börse punkten. Und die Ferrari-Aktie ging zum Börsenstart wie ein Rennwagen ab. Vom Ausgabepreis bei 52 Dollar sprintete der erste Kurs gleich bis auf 60 Dollar.

Aber es gab durchaus auch Verlierer-Aktien: Coca-Cola missfiel, weil Erlöse wie Gewinne unter dem starken Dollar in die Knie gingen. Obendrein schlug der Konzernumbau aufs Ergebnis durch. Auch bei Internet-Urgestein Yahoo schwanden Gewinn und Umsatz. Eine Partnerschaft mit Google soll das Geschäft ankurbeln.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.351,25
Differenz relativ
+0,09%

Der Dow Jones notiert zur Stunde 0,4 Prozent im Plus. Die guten Unternehmensnachrichten stützen nur wenig. Experten machten die Sorgen vor einer weltweiten Konjunkturabschwächung, welche sich in rückläufigen Rohstoffpreisen zeigten, für die Zurückhaltung der Anleger verantwortlich.

Adidas setzt Wahnsinnsrally fort

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
203,50
Differenz relativ
-0,59%

Im Dax gehörte die Adidas-Aktie zu den gefragtesten Werten. Das Anlageurteil "Outperform" der australischen Investmentbank Macquarie 98,00 Euro in die Bewertung aufgenommen. Die Adidas-Aktie hat sich seit ihrem August-Tief phänomenal erholt (plus 25 Prozent) und steuert nun auf ihr Jahreshoch (78,05 Euro) zu.

Deutsche Post erhöht Porto

Die Aktie der Deutschen Post sprang an die Dax-Spitze. Denn der Konzern erhöht das Porto zum Jahreswechsel, für den Standardbrief von 62 Cent auf 70 Cent. Das gibt dem Dax-Konzern Rückenwind bei seinem Gewinnziel. Zuvor hatte die Aktie noch leicht im Minus notiert, weil die EU die bevorstehende Übernahme von TNT durch den US-Rivalen FedEx abgenickt hatte.

Infineon profitiert von Übernahmefantasie

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
17,49
Differenz relativ
+2,25%

Eine Megafusion im amerikanischen Chipsektor schürt die Übernahmefantasie in der Branche und gab heute auch Infineon-Aktien Auftrieb. Lam Research will für zehn Milliarden Dollar KLA-Tencor kaufen. Dazu kamen guten Geschäftszahlen von ARM Holdings, dem maßgeblichen Entwickler von Chiparchitekturen für Smartphones und Tablet-Computer. Die Branche kommt offenbar mit sinkenden Handyverkaufszahlen und schleppenden Autoverkäufen klar. Infineon liefert einen guten Teil seiner Chips an die Autoindustrie.

VW muss an die Motortechnik ran

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
144,88
Differenz relativ
+0,67%

Im Volkswagen-Abgasskandal muss der Konzern bei drei Millionen Motoren neben der Software auch die Motortechnik erneuern. Diese Zahl an 1,6-Liter-Motoren sei von dem Rückruf betroffen, sagte ein VW-Sprecher am Mittwoch und bestätigte damit einen Vorabbericht des "Handelsblatt". VW hatte bereits erklärt, bei größeren und kleineren Motoren genüge ein Software-Update, allerdüngs müsse bei den 1,6-Liter-Motoren auch die Technik angepasst werden.

Die Telekom und ihre niederländische Tochter

Bei der Telekom steht die Frage im Raum: Was macht der Konzern mit der niederländischen Tochter? T-Mobile Niederlande passt nicht zur Telekom-Strategie, die Bonner wollen sich zurückziehen. Verkauf, Partnerschaft und Fusion seien die Optionen, sagte ein Insider.

Bayer bekommt Ballast

Die Bayer-Aktie war heute schwach auf der Brust nach einer Kurszielsenkung durch die Commerzbank von 132 auf 121 Euro. Nach dem Börsengang der Kunststoffsparte Covestro und der Anteilsreduzierung auf 69 Prozent passte Analyst Daniel Wendorff sein Modell an die neue Konzernstruktur an. Er senkte seine Gewinnschätzungen um bis zu vier Prozent.

Südzucker: Goldman hebt den Daumen

Im MDax war die Südzucker-Aktie über die Maßen gefragt. Goldman Sachs hatte den Titel von "Sell" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 12,50 auf 17,70 Euro nach oben geschraubt. Analystin Rosie Edwards rechnet wegen eines knapperen Zuckerangebots für Oktober 2016 mit der ersten Preiserhöhung für europäischen Zucker seit fünf Jahren.

Zooplus punktet mit Prognoseanhebung

Im SDax haussierte die Zooplus-Aktie. Der Onlinehändler für Heimtierbedarf schraubte seine Prognose für die Gesamtleistung (Umsatz plus sonstige Erträge) im Jahr 2015 von mindestens 725 Millionen Euro auf rund 740 Millionen Euro nach oben. Die gute Geschäftsentwicklung in den ersten neun Monaten gab Zuversicht.

Biotest schockt mit Verlustankündigung

Biotest VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,20
Differenz relativ
+0,95%

Die Biotest-Aktie stürzte nach der Ankündigung von Verlusten ab. Die Pharmafirma hat Probleme mit einem US-Präparat und musste deshalb 84 Millionen Euro abschreiben. Da bescherte in den ersten neun Monate einen operativen Verlust. Die folgenden düsteren Prognosen von Analysten sorgten für zusätzlichen Druck.

Tele Columbus nur optisch tief im Minus

Die Aktien von Tele Columbus wurden am Mittwoch ohne die abgespaltenen Bezugsrechte gehandelt. Somit stand das Papier des Kabelnetzbetreibers mit einem dicken prozentual zweistelligen Minus am SDax-Ende. Bereinigt um die Kapitalmaßnahme war die Aktie allerdings mit einem Plus von mehr als vier Prozent sogar der zweitgrößte SDax-Gewinner.

Gewinneinbruch bei Wacker Neuson

Der Baumaschinenhersteller Wacker Neuson klagt über schlechte Geschäfte. Der Betriebsgewinn (Ebit) brach im dritten Quartal um über 60 Prozent ein. "Besonders bedauerlich ist, dass uns neben der Marktschwäche in der Bau-, Rohstoff- und Energiewirtschaft nun auch die Krise in der Landtechnik erreicht hat", sagte Firmenchef Cem Peksaglam.

Air Berlin muss zittern

Der finanziell angeschlagenen Air Berlin läuft die Zeit davon: Wenige Tage vor Beginn des Winterflugplans stehen die Gemeinschaftsflüge der zweitgrößten deutschen Fluglinie mit dem Partner Etihad auf der Kippe. Die Gespräche über die sogenannten Codeshare-Verbindungen seien bisher ohne Ergebnis verlaufen, sagte ein Sprecher des Bundesverkehrministeriums. Unklar sind damit auch die möglichen Folgen für Passagiere, die solche Flüge gebucht haben.

ABB leidet unter starkem Dollar

Der in der US-Währung bilanzierende Schweizer Industriekonzern hat den starken Dollar zu spüren bekommen. Im dritten Quartal 2015 sanken die neue Aufträge, der Gewinn brach um 21 Prozent ab. Zusätzlich schrumpfen die Umsätze: Der Elektrokonzern hat mit der Investitionsscheu der Öl- und Gasförderbranche zu kämpfen.

Credit Suisse braucht mehr Geld

Der Gewinn der Credit Suisse ist im dritten Quartal überraschend deutlich um 15 Prozent auf 779 Millionen Franken gefallen. Die Schweizer Bank will mit zwei Kapitalerhöhungen rund sechs Milliarden Franken einnehmen. Damit sollen die vergleichsweise dünne Eigenkapitaldecke aufgepolstert werden. Zudem verordnet der neue Konzernchef Tidjane Thiam dem Institut eine Schrumpfkur. Schließlich preschte noch die Schweizer Regierung vor mit einer Verschärfung der Kapitalvorschriften. Ab Ende 2019 müssen UBS und Credit Suisse eine Verschuldungsquote von mindestens fünf Prozent erfüllen.

Toyota ruft 6,5 Millionen Fahrzeuge zurück

Der japanische Autobauer Toyota ruft wegen eines möglichen Defekts der Fensterheber weltweit 6,5 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten. Es gebe die Gefahr von "Überhitzung" und "Rauchentwicklung", deshalb solle sichergestellt werden, dass die elektrischen Fensterheber richtig funktionierten.

Syngenta-Chef nimmt den Hut

Nach der Übernahmeschlacht gegen Monsanto tritt Syngenta-Chef Mike Mack auf eigenen Wunsch per Ende Oktober zurück. Die Aktie legte nach dieser Nachricht deutlich zu. Analysten erwarten mit dem Chefwechsel eine neue Strategie des Konzerns. Der US-Agrarkonzern Monsanto hatte Ende August die geplante Übernahme des schweizerischen Konkurrenten abgeblasen.

Reckitt Benckiser hebt Umsatzziel an

Der britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser hat dank guter Geschäfte im dritten Quartal sein Umsatzziel für das Gesamtjahr angehoben. Der Calgon-Hersteller rechnet nun auf vergleichbarer Basis mit einem Wachstum von fünf Prozent nach bisher vier bis fünf Prozent.

SEB unter Erwartungen

Die schwedische Bankengruppe SEB hat im dritten Quartal wegen der anhaltend niedrigen Zinsen und der Unsicherheit in Folge der Wirtschaftsabkühlung in China einen Rückgang beim operativen Ergebnis auf umgerechnet 491 Millionen Euro verzeichnet. Dies lag unter den Erwartungen von Analysten.

Iberdrola mit Gewinnplus

Der spanische Energiekonzern Iberdrola hat sein Betriebsergebnis (Ebitda) dank guter Geschäfte im Ausland von Januar bis September um fast sechs Prozent auf 5,4 Milliarden Euro erhöht. Auf dem Heimatmarkt lief es dagegen für den Eon-Konkurrenten nicht rund.

Neue Abonnenten beflügeln Sky

Zahlreiche neue Abonnenten haben der britischen Bezahlsendergruppe Sky mehr Geld in die Kasse gespült. Der Umsatz stieg im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres (Juli bis September) um sechs Prozent im Jahresvergleich auf 2,8 Milliarden britische Pfund (3,8 Milliarden Euro). Das operative Ergebnis kletterte um zehn Prozent auf 375 Millionen Pfund.

bs

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"