Dax schwingt sich hoch

Stand: 19.01.2007, 20:05 Uhr

Nachdem Händler bis zum späten Nachmittag über die schlechte Stimmung klagten, zeigten ihnen die Anleger zum Wochenschluss, was noch im Dax steckt - nämlich ein Rekordhoch.

Nachdem die Enttäuschung über IBM den Dax über weite Strecken ins Minus gedrückt hatte, lief es im späten Handel wie geschmiert. Das Börsenbarometer stieg zum Xetra-Schluss um 0,8 Prozent auf 6.747 Zähler, das war der höchste Stand seit Februar 2001. Der L-Dax schloss bei 6.742 Zähler, ein Plus von 0,67 Prozent

Für die am Nachmittag aufkommende Kauflust der Investoren machten Händler neben zahlreichen Spekulationen auch positive US-Konjunkturdaten verantwortlich. "Das Vertrauen der US-Verbraucher in die Wirtschaft ihres Landes ist da. Das pusht den Aktienmarkt", sagte ein Händler mit Verweis auf den überraschend kräftigen Anstieg des Verbrauchervertrauensindex. Der entsprechende Index der Universität Michigan kletterte auf 98,0 von 91,7 Punkten im Vormonat. Dies ist der höchste Stand seit Januar 2004.

Die US-Börsen konnten von den guten Verbraucherzahlen dagegen nicht recht profitieren und pendelten um den Vortagesschluss. Händler gaben unter anderem den enttäuschenden Zahlen von IBM und Motorola die Schuld.

Böser Bube IBM?

Der weltgrößte Computerkonzern hatte zwar insgesamt mit seinen Quartalszahlen die Analystenerwartungen übertroffen, aber im Hardwarebereich enttäuscht. Entsprechend schmierte die IBM-Aktie schon den zweiten Tag in Folge ab. Auf dem deutschen Parkett litt Infineon am meisten unter den IBM-Zahlen, die Aktie war mit minus zwei Prozent mit Abstand der größte Verlierer im Dax.

Neben IBM beschäftigen auch jede Menge anderer US-Zahlen den Markt. So konnte auch Motorola die Stimmung nicht bessern. Der Preiskampf mit Weltmarktführer Nokia hat beim US-Handyhersteller tiefe Spuren in der Bilanz hinterlassen. Der Netto-Gewinn der Nummer zwei der Branche halbierte sich im letzten Vierteljahr 2006 auf 624 Millionen Dollar. Konzernchef Ed Zander sprach von enttäuschenden Zahlen. Um die Kosten zu senken, will Motorola nun 3.500 Stellen streichen.

General Electric hat dagegen mit einem Gewinnanstieg im vierten Quartal die Erwartungen der Analysten erfüllt. Die Nettogewinn sei im Vergleich zum Vorjahr um zwölf Prozent auf 6,58 Milliarden Dollar oder 0,64 Dollar je Aktie geklettert, teilte GE mit. Die Aktie rutschte dennoch 1,45 Prozent ins Minus auf 37,45 Euro.

Die Citigroup hat trotz guter Geschäfte im Investmentbanking im abgelaufenen Quartal weniger als im Vorjahr verdient. Der Nettogewinn sei auf 5,13 Milliarden Dollar oder 1,03 Dollar je Aktie gesunken.

Deutsche Börse klettert von Rekord zu Rekord
Spekulationen über eine Aufspaltung der Deutschen Börse ließen die Aktien des Börsenbetreibers um weitere fünf Prozent steigen. "Es gibt Gerüchte, wonach der Konzern in drei Teile aufgeteilt werden soll", sagte ein Händler. Finanzkreisen zufolge erwägt die Deutsche Börse nach der gescheiterten Übernahme der Euronext ihre Managementstruktur in drei Teile aufzuteilen: Aktien, Derivate und Abwicklung.

DaimerChrysler fahren vor
Gefragt waren auch die Titel des Autobauers DaimlerChrysler, die 3,9 Prozent gewannen. Zum einen hatten die Analysten von Morgan Stanley die Papiere auf "Overweight" hochgestuft. Zudem sprachen Börsianer im Vorfeld der Bekanntgabe eines Sanierungsplans für Chrysler von Spekulationen über einen möglichen Verkauf der verlustträchtigen US-Tochter. "Daimler könnte einen Ausstieg erwägen", mutmaßen die Analysten von UBS. Konzernchef Dieter Zetsche hatte am Vorabend bei der Vorstellung der neuen C-Klasse in Stuttgart angekündigt, in näherer Zukunft einen Plan zur Chrysler-Sanierung vorzulegen.

Nur ein Freitagsgerücht?
Um die Commerzbank sind wieder Übernahmegerüchte hochgekocht und bescherten den Aktien ein Plus von mehr als vier Prozent auf 32,77 Euro. "Angeblich will Merrill Lynch nächste Woche 38 Euro je Commerzbank-Aktie bieten", berichtete ein Händler. Den Wahrheitsgehalt dieser Spekulationen beurteilten Börsianer aber als gering. "Das ist ein typisches Gerücht am Freitagnachmittag." Weder die Commerzbank noch die US-Investmentbank Merrill Lynch wollten sich zu den Gerüchten äußern.

Thyssen-Anleger sacken Gewinne ein
Die zuletzt gut gelaufene ThyssenKrupp-Aktie konnte die überraschend gute Bilanz nur kurzzeitig in Kursgewinne ummünzen. Am Nachmittag ging es deutlich ins Minus, zum Schluss blieb ein Abschlag von 0,58 Prozent stehen. Viele Anleger hätten die guten Zahlen zum Anlass genommen, Kursgewinne einzustreichen", sagte ein Marktteilnehmer.

Bauwerte gesucht
Im MDax gehörten Bau-Aktien zu den großen Gewinnern. Die Titel von Hochtief legten fast sechs Prozent zu, die von Bilfinger & Berger rund vier Prozent zu. Kursbeflügelnd wirkt eine positive Studie von Dresdner Kleinwort.

Lösung für EADS in Sicht?
EADS drehten im Verlauf ins Plus und legten um zwei Prozent auf 24,36 Euro zu. Wie die Bundesregierung bekannt gab, könnte es noch im Januar Details der Auffanglösung für die zum Verkauf stehende Beteiligung von DaimlerChrysler am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS geben. Am Vormittag hatten belastende Zeitungsberichte für die Tochter Airbus den Titel noch ins Minus gedrückt. Wie die französische Zeitung "Les Echos" berichtet, könnte der Flugzeughersteller auch seinen letzten Kunden für die Frachtversion des Super-Jumbos A380 verlieren. Es werde erwartet, dass der US-Expressdienst UPS in der kommenden Woche seine Order von zehn Fracht-Jumbos A380 storniere.

Windtitel flauen ab, Solaraktien durchwachsen
Im Technologieindex TecDax verloren Aktien des Windkraftanlagen-Bauers Nordex rund drei Prozent. Händler verwiesen auf eine kritische Studie zu der Branche vom Vortag. Goldman Sachs hatte Repower Systems nach der jüngst guten Wertentwicklung der Aktie von der "Conviction Buy List" genommen und auf "Neutral" abgestuft.

Die Münchener Solartechnikfirma Centrosolar hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 173 Millionen Euro erlöst und damit ihr Umsatzziel verfehlt. Im neuen Geschäftsjahr 2007 peilt das Unternehmen nun aber deutliche Umsatz- und Gewinnsteigerungen an. Das operative Ergebnis soll um 70 Prozent auf dann 17 Millionen Euro gesteigert werden. Die Erlöse solle mindestens 220 Millionen Euro erreichen.

Auch Solamodulhersteller Solon setzt seine Umsatzprognose für 2007 hoch. "Ich rechne damit, dass wir dieses Jahr den Umsatz um 30 Prozent steigern", sagte Solon-Vorstandschef Thomas Krupke der Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag". In gleichem Maße solle auch der Nettogewinn zulegen. Solon hatte bislang für 2007 ein Umsatzwachstum von mehr als 25 Prozent bei einer proportionalen Ergebnisverbesserung in Aussicht gestellt. Soviel Optimismus wird honoriert, Solon stiegen um 3,25 Prozent auf 26,08 Euro

Qiagen sucht Übernahmekandidaten
Die Aktie von Qiagen standen dagegen auf der Verliererseite. Das Biotechunternehmen sucht weiter nach Übernahmezielen, wie Finanzvorstand Roland Sackers der "Börsen-Zeitung" gestand. Die Kriegskasse des viertgrößten TecDax-Wertes sei prall gefüllt. Die liquiden Mittel in der Bilanz beliefen sich auf rund 500 Millionen Dollar. Dazu kommt laut Sackers noch ein Free Cashflow von etwa 100 Millionen Dollar. Die Anleger sind dagegen gar nicht in Shopping-Laune, sie lassen den Titel um 0,8 Prozent fallen.

Kurssprung für EMS
Mehr als 20 Prozent Kursplus heimsten die im Prime Standard gelisteten Aktien von E-M-S New Media ein - blieben damit aber mit 67 Cent immer noch ein Penny Stock.. Das Unternehmen hat seine Umsatzprognosen deutlich übertroffen. Nach vorläufigen Berechnungen wurden die Erlöse um rund 30 Prozent auf mehr als 23 Millionen Euro gesteigert.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.