Marktbericht 20 Uhr

Ist das ein schlechtes Omen für das Börsenjahr 2015? Im Dax stecken Faulpelz und Hasenfuß

Stand: 02.01.2015, 20:00 Uhr

Es hätte ein Jahresstart nach Maß werden können. Dank Mario Draghi. Der EZB-Chef machte mit der Hoffnung auf baldige Geldspritzen Anleger glücklich - aber nur kurz. Wegen schlechter Konjunkturdaten verpatzte der Dax den Auftakt des neuen Börsenjahres 2015. Ein schlechtes Omen?

Spätestens jetzt ist für die Börse ganz klar: Die EZB wird schon im Januar liefern. Bei Ihrer Sitzung Ende des Monats wird sie ihr groß angelegtes Wertpapier-Kaufprogramm (Quantitive Easing) ankündigen. Diese Erwartungshaltung hat der Notenbankchef selbst geschürt. Draghi gab sich wild entschlossen, die Geldschleusen schon bald weiter zu öffnen. Die Vorbereitungen für "gegebenenfalls notwendige zusätzliche Maßnahmen" liefen, sagte Draghi am Freitag dem "Handelsblatt".

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Weil die Geldpolitik in den USA in die andere Richtung läuft, ist das Ballast für den Euro. Während in Amerika Mitte des Jahres mit einer Zinserhöhung gerechnet wird, müssen sich die Sparer im Euroraum wohl noch länger mit Mini-Zinsen begnügen. Entsprechend dürfte der Dollar weiter Zulauf bekommen, und der Euro schwächeln. Nach dem Draghi-Interview ging es daher für den Euro weiter abwärts. Er fiel heute auf den tiefsten Stand seit viereinhalb Jahren. Am Nachmittag notierte die europoäische Währung bei 1,2018 US-Dollar und lag damit fast einen Cent tiefer als am Morgen.

Draghi hilft Deutscher Bank und Commerzbank

Am europäischen Aktienmarkt kam das Interview dagegen gut an. Vor allem Bankentitel erhielten von Draghis Aussagen Auftrieb, wie die Deutsche Bank. An der Dax-Spitze aber rangierten Commerzbank-Aktien um 2,09 Prozent vor. Sie wurden zusätzlich gestützt durch Bankchef Martin Blessing, der in einem Interview mit der "Börsen-Zeitung" das Rendite-Ziel für das Eigenkapital der Kerngeschäfte erneuerte. Händler schätzten das positiv ein, auch wenn viele Analysten dem Ziel keinen rechten Glauben schenken.

Die britische Royal Bank of Scotland konnte davon jedoch nicht profitieren. Der RBS drohen nämlich empfindlich höhere Strafzahlungen für mutmaßliche Vergehen aus der Zeit der Finanzkrise. Es könnten mehr als 5,0 Milliarden britische Pfund sein, schrieb die britische "Times", also umgerechnet 6,4 Milliarden Euro.

Ballast für den Dax

Anders als bei Bankaktien verpuffte der Draghi-Effekt am Gesamtmarkt letztlich. Der Dax beendete den Handel 0,4 Prozent im Minus bei 9.765 Punkten. Der L-Dax verlor sogar noch weiter bis auf 9.750. Anleger ließen sich ins Bockshorn jagen von der unerwartet schlechten Stimmung in der Industrie im Euroraum. Dazu kam am Nachmittag die schwache Wall Street als Belastungsfaktor, zudem trübte sich in Amerika die Stimmung in der Industrie ein und die Bauausgaben fielen.

Oh, ein schlechtes Omen?

Vielleicht war der Dax aber auch einfach nur zu schwach auf der Brust. Viele Investoren kehren nämlich erst in der kommenden Woche aus ihrem Weihnachtsurlaub zurück, in dieser feiertagsbedingten Umsatzschwäche können also einige wenige Angsthasen die Stimmung schnell kippen lassen. So muss der maue Handelsauftakt auch kein schlechtes Omen für den weiteren Jahresverlauf sein. Dazu braucht es schon den ganzen Januar: Oft ist der Kursverlauf im ersten Monat des Jahres ein Zeichen dafür, wie es im Gesamtjahr läuft. Die Statistik liefert für diesen Januar-Effekt eine Wahrscheinlichkeit von 83 Prozent.

Anleger sind in dieser Orientierungslosigkeit recht dankbar für Experten-Tipps: für die unterschiedlichen Dax-Prognosen 2015. Viele Analysten trauen dem Dax in diesem Jahr sogar - dank der EZB und mangels Anlagealternativen - neue Rekorde zu. Aber Vorsicht: Oft genug liegen die Profis falsch, wie deren alte Dax-Prognosen zeigen

Autoaktien unter Druck

Heute gerieten unter den 30 deutschen Standardwerten im Dax vor allem Auto-Titel unter Druck. Die BMW-Aktie ebenso wie die Papiere von VW und Continental. Bei BMW verwiesen Händler auf Absatzsorgen in China. Am Montag gibt es dann neue Infos aus der Branche, wenn die Absatzzahlen aus den USA für den Monat Dezember bekannt gegeben werden. In der weltgrößten Volkswirtschaft verkauften sich bis zuletzt wegen der günstigen Spritpreise Geländewagen und Pickups besonders gut - das kann so manchem deutschen Autobauer Probleme bereiten, dem passende Modelle fehlen. Allerdings hat momentan auch US-Autobauer General Motors so seine Probleme. GM hat zehntausende Fahrzeuge wegen möglicher defekter Zündschlösser zurückgerufen.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Lufthansa stellt neue Mitarbeiter ein

Zu den wenigen Gewinnern im Dax gehörten vor allem die Verlierer des Jahres 2014. Neben der Deutschen Bank, die in den vergangenen zwölf Monaten rund ein Viertel ihres Börsenwertes eingebüßt hate, zählte dazu auch die streikgeplagte Lufthansa-Aktie. Die Airline-Aktie hatte 2014 mehr als zehn Prozent an Wert verloren hat. Heute also ein positiver Börsenauftakt, vielleicht weil der Konzern trotz des zuletzt flauen Fluggeschäfts weiter Personal aufstockt, 2015 sollen 1.650 neue Mitarbeiter in Deutschland beschäftigt werden.

Die Allianz und der Pimco-Malus

Der Vorzeigefonds der Allianz-Tochter Pimco ist 2014 nach einem turbulenten Jahr, das in dem Weggang von Bill Gross gipfelte, der Konkurrenz überwiegend hinterhergehinkt. Der Pimco Total Return Fund schaffte bis zum 30. Dezember ein Plus von 4,4 Prozent, wie vorläufige Daten von Morningstar zeigen. 77 Prozent der Konkurrenten schnitten besser ab.

Salzgitter von "South Stream"-Aus belastet

Im MDax hatte es die Salzgitter-Aktie schwer. Der Röhrenbauer Europipe – eine Gemeinschaftsfirma der Salzgitter AG und der Dillinger Hütte – muss seine Produktion für die geplante "South Stream"-Leitung aus Russland "bis auf weiteres, voraussichtlich mindestens bis zum 19. Februar 2015" aussetzen. Salzgitter rechnet mit einer Schmälerung des Gewinns "im unteren zweistelligen Millionenbereich".

Takkt: Spartenverkauf kommt gut an

Im SDax reagierte die Takkt-Aktie positiv auf die Veräußerung der Versandtochter Plant Equipment Group (PEG) zu 25 Millionen Dollar. Takkt plage sich schon seit langem mit dem Verkauf seiner lahmenden Aktivitäten in den USA herum; entsprechend sei dieser weitere Schritt positiv zu sehen, sagte ein Händler.

Novartis bleibt auf Kurs

Unterdessen läuft für Novartis alles nach Plan beim Verkauf des Tiergesundheitsgeschäfts an den US-Konkurrenten Eli Lilly. Der Schweizer Pharmakonzern hat den Deal für rund 5,4 Milliarden Dollar zum 1. Januar abgeschlossen. Novartis wird nun im ersten Quartal einen außerordentlichen Gewinn vor Steuern von rund 4,6 Milliarden US-Dollar verbuchen.

Fame - als "Deutsche Cannabis" doppelt so teuer

Exorbitante Kurssprünge machte heute die Fame-Aktie, die ab heute "Deutsche Cannabis" heißt: Sie verdoppelte sich nahezu, von zuvor 21 Cent auf nun 40 Cent. Die schon im September beschlossene Namensänderung soll die geplante Neuausrichtung auf Cannabis-Investments reflektieren. Ende Februar steht eine Kapitalerhöhung an, mit der sich die Beteiligungsfirma frisches Geld für künftiges Wachstum besorgen will.

Tele Columbus hat wieder Börsenträume

Kabelnetzbetreiber Tele Columbus nimmt wieder Anlauf zum Sprung aufs Börsenparkett: Bis zur Jahresmitte will die Nummer 3 unter den deutschen Kabelanbietern den Börsengang wagen. Tele Columbus hatte diesen Schritt voriges Jahres kurzerhand gestoppt, weil die Börsen auf Talfahrt gegangen waren.

Sony: Das war "kriminelle Erpressung"

Der Hackerangriff auf Sony Pictures war nach den Worten von Firmenchef Michael Lynton ein Fall von "krimineller Erpressung". Er sei aber zuversichtlich, dass das Unternehmen den Angriff und Debatten über die - inzwischen revidierte - Entscheidung, den umstrittenen Film "Das Interview" nicht zu zeigen, rasch überwinden werde, sagte Lynton der "New York Times".

Hyundai und Kia peilen 2015 Rekordabsatz an

Die südkoreanische Hyundai-Motor-Gruppe peilt 2015 einen Rekordabsatz von 8,2 Millionen Autos an. Gleichzeitig dämpfte Konzernchef Chung Mong Koo die Wachstumserwartungen: Für das neue Jahr erwartet Chung nur eine Zuwachsrate von 2,5 Prozent. Als Grund nannte er unter anderem die Unsicherheiten in der Weltwirtschaft.

bs

Tagestermine am Donnerstag, 13. Dezember

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 11/18, 07:00 Uhr
Metro AG: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Tui: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Starbucks: Investor Day, 18:00 Uhr
BMW: Absatz 11/18
Bertrandt: Jahreszahlen
ThyssenKrupp: Investor Day

Konjunktur:
Deutschland: Konjunkturprognose Ifo-Institut, 10:00 Uhr
EU: EZB-Zinsentscheid, 13:45 Uhr, PK 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreis 11/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr