Marktbericht 20:02

Anleger sind ratlos Dax schwächelt weiter vor sich hin

Stand: 06.01.2014, 20:02 Uhr

Auch zu Beginn der ersten vollen Handelswoche im neuen Jahr sind an den Aktienmärkten keine Anzeichen der von vielen vorausgesagten Rally zu sehen. Im Gegenteil. Der deutsche Leitindex zeigt sich weiterhin schwachbrüstig.

Er schwankt im Tagesverlauf zwischen 9.400 und 9.468 Punkten und pendelt sich bis zum Handelsschluss leicht unter dem Niveau vom vergangenen Freitag ein, bei 9.428 Zählern, ein Minus von sieben Punkten.

Vor der Sitzung der EZB und vor dem Beginn der US-Bilanzsaison - beides am Donnerstag - wolle sich niemand zu weit aus dem Fenster lehnen, begründete ein Händler das Marktgeschehen. Entsprechend gering blieben die Umsätze. Für einen Dämpfer sorgten auch enttäuschende Konjunkturdaten aus China. Die Dienstleister wuchsen zuletzt so langsam wie seit über zwei Jahren nicht mehr.

Dow Jones tritt auf der Stelle

Auch an der Wall Street drehen die Kurse am Montag leicht ins Minus. Der Dow Jones-Index notiert bei Börsenschluss in Frankfurt am abend nur noch gerinfügig unter seinem Schluss vom Freitag , bei 16.469 Punkten."Wir fahren mit angezogener Handbremse", brachte ein Händler in Zürich die Stimmung auf den Punkt. Die Investoren wollten erst die in den nächsten Wochen anstehenden Bilanzen abwarten, ehe sie sich neu positionierten.

Am Donnerstag beginnt in den USA mit der Veröffentlichung der Quartalszahlen von Alcoa die Bilanzsaison. Ebenfalls am Donnerstag tritt der Rat der EZB zur ersten Sitzung im neuen Jahr zusammen. Zwar besteht nach Ansicht der meisten Experten bis auf weiteres kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Dennoch dürfte die Pressekonferenz von EZB-Chef-Mario Draghi im Fokus stehen. Denn viele Anleger erhofften sich Hinweise auf den weiteren Kurs der EZB. Viel Beachtung dürften auch die am Donnerstag und Freitag anstehenden US-Arbeitsmarktdaten finden.

US-Dienstleister wieder skeptischer

Wenig Beachtung fand dagegen die eingetrübte Stimmung im US-Dienstleistungssektor im Dezember. Der Einkaufsmanagerindex fiel von 53,9 Zählern im Vormonat auf 53,0 Punkte, wie das Institute for Supply Management (ISM) am Montag in Washington mitteilte. Bankvolkswirte hatten hingegen mit einem Anstieg auf 54,7 Punkte gerechnet.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1642
Differenz relativ
-0,14%

Von diesem Rückgang profitieren konnte allerdings der Euro. Nachdem die Gemeinschaftswährung am Morgen noch auf 1,3570 Dollar gefallen war, kann sie sich im Tagesverlauf wieder etwas erholen und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt bei 1,3641 Dollar.

Coba auf dem ersten Platz

Im Dax verteidigt die Commerzbank-Aktie bis zuletzt ihren Spitzenplatz mit einem Plus von 3,5 Prozent. Der Titel ist damit auf gutem Wege, seinen herben Rücksetzer zu Jahresbeginn wieder wettzumachen. Die Anleger spekulieren weiter auf gestiegene Gewinne des zweitgrößten deutschen Bankhauses. Eine Rolle dabei spielt auch ein Interview mit Aussagen zur Vermögensverwaltung vom Wochenende.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,53
Differenz relativ
-0,35%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,35
Differenz relativ
+1,83%

Münchener Rück holt auf

Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
187,75
Differenz relativ
+0,27%

Auch die Aktie der Münchener Rück gehört nach den heftigen Abschlägen der vergangenen Tage zu den stärksten Werten im Dax. Dabei warnt der Rückversicherer vor Milliardenschäden in den USA in Folge des Wintereinbruchs in weiten Teilen des Landes. Allerdings könnte die Versicherung dann auch wieder höhere Prämien verlangen.

VW und BMW ausgebremst

Verluste verbuchen dagegen die Titel von BMW und VW. VW-Vorzüge sind sogar der größte Verlierer im Dax. Im Dezember waren die Verkäufe in den USA um knapp 23 Prozent eingebrochen. Das erschwert es den Wolfsburgern, ihr Ziel zu erreichen, bis spätestens 2018 zur weltweiten Nummer eins der Autobranche aufzusteigen. Aktien von Daimler können sich dagegen besser beaupten, nachdem die vor dem Wochenende vorgelegten Absatzzahlen auf dem US-Markt besser ausgefallen sind als die der Konkurrenz.

Bayer hoch gelobt

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
92,96
Differenz relativ
-0,48%

Die Bayer-Aktie muss am Montag erneut Federn lassen, kann die 100-Euro-Marke aber verteidigen. Dabei hat die Investmentbank JPMorgan das Kursziel für den Leverkusener Konzern von 112 auf 120 Euro angehoben. Zudem hat das Deutsche Kartellamt die Übernahme des norwegischen Krebsspezialisten Algeta durch Bayer genehmigt. Bayer will mit dem Zukauf das lukrative Geschäft mit Krebsmedikamenten stärken.

Fielmann-Pläne überzeugen nicht

Im MDax sorgt eine Aussage der Optikerkette Fielmann für Aufsehen. Vorstandschef Günther Fielmann sagte der "FAS", sein Unternehmen könne von heute auf Morgen den Online-Vertrieb starten und damit der zunehmenden Online-Konkurrenz den Kampf ansagen. Die anfängliche Begeisterung der Anleger ist aber schnell verpufft und die Fielmann-Aktie rutscht sogar ins Minus.

Dialog abgestraft

Im TecDax ist die Aktie des Apple-Zulieferers Dialog Semiconductor mit Verlusten von knapp fünf Prozent ans Indexende gerutscht. Morgan Stanley hat die Titel von "Equal Weight" auf "Underweight" herabgestuft, die Aktie habe kein nennenswertes Potenzial mehr nach oben. Für schlechte Stimmung im Sektor sorgen zudem miese Zahlen von HTC. Der Smartphone-Spezialist hat im Schlussquartal den zweiten operativen Verlust in Folge verbucht.

QSC mit Dividenden-Bonus

Dagegen kommt die QSC-Aktie bei den Anlegern gut an. Der IT-Anbieter will seinen Aktionären in diesem Jahr mindestens neun Euro-Cent Dividende je Anteilsschein zahlen. Die Ausschüttung solle selbst im Fall eines schrumpfenden Gewinns nicht sinken, sagte QSC-Finanzchefin Barbara Stolz der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Werbung auf Yahoo infiziert

Über die Seiten des Internet-Konzerns Yahoo haben Unbekannte mit Schadsoftware infizierte Werbung geschaltet. Die Kriminellen hätten es vor allem auf Nutzer in Rumänien, Großbritannien und Frankreich abgesehen, berichtete das niederländische IT-Sicherheitsunternehmen Fox-IT. Deutschland gehört den Analysen von Fox-IT zufolge mit einem Prozent des analysierten Datenverkehrs zu den am wenigsten betroffenen Ländern. Ziel sei es gewesen, Schadprogramme und "Trojanische Pferde" wie ZeuS, Andromeda oder Dorkbot auf den Rechner der Anwender zu installieren. Mit diesen Programmen versuchen Kriminelle unter anderem in Online-Banking-Konten einzubrechen.

Twitter wieder im Rückwärtsgang

Die Aktien von Twitter sind am Montag nach einem negativen Analystenkommentar zunächst um über sechs Prozent abgesackt. Analyst Scott Devitt von Morgan Stanley stufte die Titel des Kurznachrichtendienstes in einer Branchenstudie von "Equal-weight" auf "Underweight" ab. Das Kursziel beließ Devitt bei 33 Dollar. Mittlerweile seien große Anteilsgewinne im Werbemarkt eingepreist, schrieb der Analyst. Garantiert seien diese aber nicht.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr