Marktbericht 20:02 Uhr

Warten auf die Fed Dax: Schwäche überwunden?

Stand: 27.04.2016, 20:02 Uhr

Ungeachtet der Unsicherheit über die weitere Geldpolitik in den USA ist der Dax am Mittwoch wieder gestiegen. Damit scheinen die Voraussetzungen für weitere Kurszuwächse gegeben - es sei denn die US-Notenbank drückt auf die Stimmung.

Nach einer kurzen Schwächephase am Vormittag ist der Leitindex im späteren Verlauf ins Plus gedreht. Dabei kletterte er in der Spitze bis auf 10.323 Punkte. Am Ende geht der Dax bei 10.299 Punkten aus dem Handel, 0,39 Prozent oder 40 Punkte höher als gestern. Damit schließt der Leitindex oberhalb der 200-Tage-Linie (aktuell bei 10.270 Punkten) - was auf weitere Kursgewinne hindeutet.

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Börse 20.15 Uhr

Doch Vorsicht. Das technische Fundament für weitere Kurszuwächse sei zwar gebaut, erklärt Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets. Dabei könnte der Dax die noch offene Kurslücke bei 10.766 Punkten nehmen und diese schließen. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass Janet Yellen den Bullen heute Abend keinen Strich durch die Rechnung mache.

Warten auf die Fed

Damit ist das Kommuniqué gemeint, das die Fed nach 20 Uhr im Anschluss an die zweitägige Sitzung des Offenmarktausschusses veröffentlichen wird. Mit einer Anhebung der Zinsen rechnen die Anleger nicht.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Sie erhoffen sich aber Hinweise auf das künftige Verhalten der Fed, also auf die Frage, wann mit einer nächsten Zinsanhebung zu rechnen ist, oder ob es in diesem Jahr zunächst keine weiteren Zinsschritte mehr geben wird. Wie immer in solchen Fällen, werden die geldpolitischen Signale dann darüber entscheiden, wohin die Reise an den Aktienmärkten geht, nach Süden oder nach Norden.

Diese Frage dominiert auch das Marktgeschehen in New York. Nach enttäuschenden Quartalsberichten von Apple eröffnete der Dow Jones-Index zunächst im Minus. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der US-Leitindex unverändert bei 17.992 Punkten.

Euro pendelt um die 1,13 Dollar

Der Euro pendelt um die Marke von 1,13 Dollar, mal ein wenig darunter, mal darüber wie zuletzt. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1303 (Dienstag: 1,1287) Dollar fest.

Adidas macht Hoffnung auf mehr

Im Dax können die Adidas-Aktien bis zum Handelsende ihren Spitzenplatz nicht behaupten. Sie schließen dennoch fast sechs Prozent höher. Angesichts brummender Geschäfte im ersten Quartal erwartet der Sportartikelhersteller im Gesamtjahr ein deutliches stärkeres Wachstum von Umsatz und Gewinn als bisher. Damit haben die Franken ihren Widersacher aus den USA, Nike, hinter sich gelassen.

RWE: Hoffnung im Streit um Atomausstieg

Die größten Gewinner im Dax sind bis zum Handelsende die Aktien von RWE. Auch die Eon-Papiere legen um gut drei Prozent zu. Auslöser ist ein von der Atomkommission vorgeschlagener Kompromiss zur Finanzierung der Atommüll-Lagerung. Danach sollen die AKW-Betreiber für die Abfall-Lagerung 23,3 Milliarden Euro zahlen. Das ist weniger als befürchtet, so ein Händler. Die Atomkonzerne lehnen die Vorschläge allerdings als unverhältnismäßig ab.

Barclays hebt Daumen für VW

Die VW-Vorzüge werden von einem positiven Analystenkommentar getrieben. Die britische Investmentbank Barclays stuft die im Dax notierten VW-Vorzüge Barclays von "Equal Weight" auf "Overweight" hoch, das Kursziel wird von 106 auf 160 Euro kräftig nach oben korrigiert. Bei den Stämmen lautet die neue Empfehlung "Overweight", Kursziel 184 Euro.

MüRü-Chef redet Aktie runter

Die Münchener Rück führt dagegen die Liste der Verlierer an. Grund sind negative Aussagen von Vorstandschef Nikolaus von Bomhard. Der warnte auf der Hauptversammlung vor einem schwächeren ersten Quartal. "Von Januar bis März fielen erneut nur wenig Großschäden an, dennoch wird das Ergebnis des ersten Quartals nach heutiger erster Einschätzung deutlich hinter dem Vorjahr und unseren Erwartungen zurückbleiben." Als Begründung nannte Bomhard die volatilen Aktienmärkte im ersten Quartal.

Bayer: Zweifel an Produktpipeline

Auch die Bayer-Aktie steht auf der Verliererseite weit oben. Skeptische Kommentare zur Produktpipeline belasten. Die Großbank Credit Suisse hat die Papiere von "Outperform" auf "Neutral" heruntergestuft und das Kursziel von 120 auf 117 Euro gesenkt. Barclays kürzte sein Kursziel von 110 auf 108 Euro, das Rating lautet "Equal Weight".

BASF will noch zukaufen

Während andere Konzerne ihr Heil in der Fokussierung auf bestimmte Geschäftsfelder sehen und Beteiligungen abstoßen, ist BASF sogar zu Zukäufen bereit. Bei einer wirklich günstigen Gelegenheit sei die BASF bereit zu agieren, werde dabei aber nicht von ihren strikten Renditeanforderungen abrücken, sagte Firmenchef Kurt Bock dem "Handelsblatt".

Osram: Verkaufspläne werden konkreter

Die Verkaufspläne für das Osram-Lampengeschäft werden konkreter. In den kommenden Wochen erwarte man bindende Gebote für die Sparte, die derzeit ausgegliedert wird, sagte Osram-Chef Olaf Berlien. Der im MDax notierte Lichtspezialist hat trotz hoher Umbaukosten den Gewinn im zweiten Geschäftsquartal gesteigert.

Wirecard macht weiter große Schritte

Der Online-Zahlungsabwickler Wirecard hat sich auch im ersten Quartal nicht aus der Wachstumsspur werfen lassen. Der Umsatz kletterte nach vorläufigen Zahlen fast um ein Drittel auf 210,1 Millionen Euro. Das Ebitda wuchs noch etwas stärker um 35 Prozent auf 61,9 Millionen Euro.

Comdirect: Börsenabsturz mit Folgen

Die heftige Talfahrt an den Börsen zu Jahresbeginn hat die Online-Bank Comdirect gebremst. Der Überschuss sackte im ersten Quartal um gut vier Prozent auf 17,3 Millionen Euro ab. Die Erträge der Commerzbank-Tochter fielen um fast zehn Prozent auf 88,7 Millionen Euro.

Kion: Starkes Geschäft in Westeuropa

Ein starkes Geschäft in Westeuropa hält den Gabelstapler-Hersteller Kion auf Kurs. Insgesamt legte der Umsatz um knapp fünf Prozent auf 1,22 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich blieb wegen einmaliger Kosten für die Ablösung alter Kredite mit 33 Millionen Euro gut ein Fünftel weniger übrig als vor einem Jahr.

Rocket Internet: Das war wohl nichts!

Die Aktien des Start-up-Brutkastens Rocket Internet stehen massiv unter Druck. In einer Finanzierungsrunde für die Global Fashion Group (GFG) wurde diese mit einer Milliarde Euro bewertet. Mitte vergangenen Jahres war laut Händlern noch von rund drei Milliarden Euro die Rede gewesen.

Nanogate: Umsatzsprung voraus

Dagegen kann die Nanogate-Aktie gut drei Prozent zulegen. Der Spezialist für Hochleistungsoberflächen hat seinen Umsatz 2015 um mehr als 30 Prozent auf knapp 91 Millionen Euro gesteigert und damit die vorläufigen Eckdaten übertroffen. Für 2015 rechnet Nanogate mit einem Umsatzsprung auf mehr als 105 Millionen Euro.

Paragon bleibt auf Wachstumskurs

Der Autozulieferer Paragon hat seinen Umsatz im ersten Quartal um 9,4 Prozent auf 23,2 Millionen Euro gesteigert, vor allem die Elektromobilitätstochter Voltabox trug signifikant zum Wachstum bei. Das Ebit verharrte allerdings auf Vorjahresniveau. Anleger reagieren enttäuscht.

Apple: Das gab es noch nie!

Apple hat im zweiten Geschäftsquartal erstmals seit der Markteinführung 2007 weniger iPhones verkauft. Die Erlöse fielen um 13 Prozent auf 50,6 Milliarden Dollar. Unter dem Strich verdiente der Konzern mit 10,5 Milliarden Dollar knapp 23 Prozent weniger. Die Aktie fiel im nachbörslichen US-Handel um 7,9 Prozent.

Twitter schockt schon wieder

Die Twitter-Aktie bricht in New York um gut 15 Prozent ein. Der Kurznachrichtendienst hat mit seinem Ausblick auf das laufende Quartal die Prognosen der Analysten massiv verfehlt. Twitter stellt Erlöse zwischen 590 und 610 Millionen Dollar in Aussicht. Finanzprofis waren von erheblich mehr ausgegangen.

Boeing etwas eingetrübt

Für Enttäuschung sorgt auch Boeing. Absatzprobleme beim Jumbo-Jet und das neue Tankflugzeug für die US-Luftwaffe haben den Luftfahrtkonzern zum Jahresstart belastet. Der Gewinn im ersten Quartal ging um neun Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar zurück. Damit schnitt der Airbus-Rivale schwächer ab als Analysten erwartet hatten. Deutlich zulegen kann dagegen die Glaxo-Aktie. Der britische Pharmakonzern hat im ersten Quartal Umsatz und Ergebnis zweistellig gesteigert.

AT&T: Besser als gedacht

Der US-Telekomriese AT&T hat im ersten Quartal mehr verdient und umgesetzt als Experten erwartet hatten. Der bereinigte Gewinn je Aktie legte um 10,8 Prozent auf 0,72 US-Dollar zu. Die Erlöse stiegen vor allem wegen der Übernahme von DirectTV um 24 Prozent auf 40,5 Milliarden Dollar.

Ebay überzeugt

Ebay: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Ebay hat die Anleger mit einem überraschend deutlichen Umsatzplus zu Jahresbeginn erfreut. Im ersten Quartal stiegen die Erlöse verglichen mit dem Vorjahreswert um vier Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar. Der Überschuss sank zwar um sechs Prozent auf 550 Millionen Dollar. Das lag jedoch vor allem am Abgang der Bezahltochter Paypal, die vom Konzern abgespalten worden war.

Kauft Comcast Dreamworks-Studios?

Der US-Kabelgigant Comcast verhandelt laut einem Zeitungsbericht über den Kauf des Trickfilm-Studios Dreamworks Animation. Es gehe um einen Preis von mehr als drei Milliarden Dollar, schrieb das "Wall Street Journal" in der Nacht zum Mittwoch. Das Studio steht hinter Kinohits wie "Madagascar", "Shrek" oder "Kung Fu Panda". An der Börse war Dreamworks Animation zuletzt rund 2,3 Milliarden Dollar wert.

Nintendo hofft, Analysten hoffen noch mehr

Nintendo erwartet für das Geschäftsjahr bis März 2017 einen Gewinn-Anstieg von fast 37 Prozent auf 45 Milliarden Yen. Hintergrund ist die Entscheidung, beliebte Videospiele nun auch auf Smartphones anzubieten. Analysten rechnen dagegen mit einem noch höheren Anstieg auf etwa 64 Milliarden Yen.

Mitsubishi: Mehr als halbiert

Angesichts des Skandals um manipulierte Verbrauchstests hat sich der japanische Autokonzern Mitsubishi mit einer Prognose für das laufende Geschäftsjahr zurückgehalten. Seit dem Bekanntwerden manipulierter Abgastests in der Vorwoche hat sich der Wert der Aktie inzwischen mehr als halbiert.

Nichts Positives von Mazda

Mazda rechnet im laufenden Geschäftsjahr wegen des starken Yen und der Konjunkturabkühlung in China mit einem Rückgang beim operativen Ergebnis von 25 Prozent. Für 2015 verbuchte Mazda einen Sonderverlust von umgerechnet 324 Millionen Euro wegen des Airbags-Desasters des Zulieferers Takata.

Total: Nicht so schlimm wie befürchtet

Der französische Ölkonzern Total hat im ersten Quartal unter dem Strich mit 1,6 Milliarden Euro 37 Prozent weniger verdient als vor Jahresfrist. Dabei wirkte sich der Ölpreisverfall negativ aus. Die Analystenerwartungen wurden aber deutlich übertroffen.

Peugeot ringt mit starkem Euro

Der französische Autobauer PSA hat im ersten Quartal wegen des starken Euro und einem leicht rückläufigen Absatz weniger umgesetzt. Der Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozent auf 13 Milliarden Euro Der Konzern mit seinen Marken Peugeot, Citroën und DS sieht sich trotzdem auf Kurs zu seinen Jahreszielen.

LSE toppt Erwartungen

Die vor der Fusion mit der Deutschen Börse stehende London Stock Exchange hat ihren Umsatz im ersten Quartal überraschend deutlich um acht Prozent auf 358,9 Millionen Pfund ausgeweitet. Dazu trugen unter anderem die Kapitalmarkt- und Abwicklungssparten des Börsen-Betreibers bei.

Barclays: Schwaches Investmentbanking

Ein schwaches Investmentbanking hat Barclays im ersten Quartal die Bilanz verhagelt. Der Vorsteuergewinn des britischen Geldhauses brach um ein Drittel auf 793 Millionen Pfund ein. Damit ging er stärker als von Analysten erwartet zurück.

Statoil: Heftiger Gewinneinbruch

Der Ölpreisverfall hat Statoil im ersten Quartal einen Ergebniseinbruch von rund 70 Prozent eingebrockt. Mit 857 Millionen Dollar liegt der bereinigte Gewinn des norwegischen Ölkonzerns aber höher als von Analysten erwartet. Trotz des schwierigen Marktumfelds halten die Norweger an einer Dividendenzahlung fest.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr