Marktbericht 20:02 Uhr

Trotz Entsetzen über VW Dax schüttelt Verluste ab - vorerst

Stand: 21.09.2015, 20:02 Uhr

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei VW hat die Anleger am Montag in Angst und Schrecken versetzt. Dennoch schafft es der Dax leicht ins Plus. Fragt sich nur wie nachhaltig die Gewinne sind.

Es ist vor allem die Gegenreaktion an der Wall Street auf die Verluste vom Freitag, die den Dax am Nachmittag ins Plus zieht. Kurzzeitig überspringt der Leitindex sogar die Marke von 10.000 Punkten. Doch die Freude währt nur kurz und die bröckelnden Gewinne in New York lassen auch in Frankfurt die Kurse wieder abschmelzen. Es bleibt aber ein bescheidenes Plus im Dax von 0,33 Prozent bei 9,948 Punkten.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 20.15 Uhr

Im Mittelpunkt des Geschehens stand natürlich der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei VW in den USA. "Hier in Frankfurt hat der VW-Skandal die Diskussion um die Zinspolitik der Fed völlig verdrängt", sagte ein Händler. Die VW-Vprzüge stürzen zeitweise um mehr als 20 Prozent ab. Die dadurch entstandenen Verluste entsprechen der Marktkapitalisierung des kompletten Sportartikel-Konzerns Adidas - und belasten natürlich den gesamten Leitindex.

Die Affäre setzte der gesamten Autobranche zu, die zudem noch durch gleich drei Prognosesenkungen der im MDax gelisteten Zulieferer gebeutelt wurde. (Siehe unten)

Wall Street im Plus

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
12.687,13
Differenz relativ
-0,62%

An der Wall Street, wo es am Freitag ebenfalls Verluste gegeben hatte, eröffnen die Börsen dagegen mit Kursgewinnen. Der Dow Jones-Index steigt in der Spitze um mehr als ein Prozent auf 16.578 Punkte, muss im späteren Verlauf einen Großteil seiner Gewinne wieder abgeben. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow noch 0,42 Prozent im Plus bei 16.457 Punkten.

Euro zeitweise unter 1,12 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1598
Differenz relativ
-0,40%

Der Euro ist am Montag deutlich gefallen, zeitweise auf 1,1190 Dollar, bevor er am Abend wieder über 1,12 Dollar klettert. Das ist trotzdem mehr als ein US-Cent weniger als am Morgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1250 Dollar fest, nach 1,1419 Dollar am Freitag. Die US-Notenbank hält einem ihrer Führungsmitglieder zufolge die Tür für eine Zinserhöhung im Oktober offen. "Es gibt diese Möglichkeit", sagte der Chef der Federal Reserve Bank of St. Louis, James Bullard, dem TV-Sender CNBC.

VW verbrennt Milliarden

Größter Verlierer im Dax ist bis zum Handelsschluss mit einem Minus von 18,6 Prozent. Die Wolfsburger Konzern hatte am Wochenende zugegeben, Abgastests bei Diesel-Fahrzeugen in den USA manipuliert zu haben. Fast eine halbe Million Autos seien davon betroffen, im schlimmsten denkbaren Fall drohen Strafzahlungen der Behörde von 18 Milliarden Dollar. Darin sind etwaige Kosten für Rückrufaktionen oder Schadenersatzklagen von Kunden und Aktionären nicht eingerechnet. Vom Imageschaden ganz zu schweigen. Automobilzulieferer wie Continental, BMW und Daimler gerieten in den Abwärtssog. Daimler ist nach eigener Darstellung nicht von den Ermittlungen der US-Umweltbehörde EPA betroffen.

Covestro bringt Bayer in Schwung

Die Bayer-Aktie steigt dagegen überdurchschnittlich. Der Pharma- und Chemiekonzern hat die Details zum Börsengang seiner Kunststoff-Tochter Covestro bekannt gegeben. Die Preisspanne für die Aktien liegt bei 26,50 bis 35,50 Euro. Die Aktien können vom 21. September bis voraussichtlich 1. Oktober gezeichnet werden. Am 2. Oktober sollen sie zum ersten Mal im streng regulierten Prime Standard gehandelt werden. Der Börsengang wird federführend von der Deutschen Bank und Morgan Stanley begleitet. Es werden Bruttoeinnahmen von 2,5 Milliarden Euro angestrebt.

Telekom-Beteiligung ebenfalls vor IPO

Auch der Internetportalanbieter Scout24, an dem unter anderem die Deutsche Telekom beteiligt ist, strebt an die Börse. Die Papiere werden zum Preis von 26,50 bis 33,00 Euro angeboten. Die Scout24-Aktien können von Montag an bis zum 30. September gezeichnet werden. Die Erstnotiz im Prime Standard ist für den 1. Oktober geplant. Der Bruttoerlös soll bei 225 Millionen Euro liegen.

Schaeffler plant Befreiungssschlag

Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
199,00
Differenz relativ
-1,83%

Der hoch verschuldete Autozulieferer Schaeffler und Großaktionär von Continental sucht mit einem Börsengang den finanziellen Befreiungsschlag. Mit dem Verkauf von 25 Prozent seiner Anteile will das Unternehmen einen Teil seiner Milliardenschulden abbauen, kündigte Konzernchef Klaus Rosenfeld an. Vom 5. Oktober an sollen die Anteilsscheine frei gehandelt werden können. "Wir werden den Charakter des Familienunternehmens erhalten und zugleich die Chancen des Kapitalmarktes nutzen", sagte Rosenfeld.

Vonovia rein, Lanxess raus

Im Dax ist seit heute der Immobilienkonzern Vonovia enthalten, das bis vor kurzem noch Deutsche Annington hieß. Im Gegenzug hat der Spezialchemiekonzern Lanxess seinen Dax-Platz nach nur knapp drei Jahren räumen müssen und notiert nun wieder im MDax.

Symrise kauft in den USA zu

Der Duft- und Aromenhersteller Symrise aus dem MDax verstärkt sein Geschäft mit Duftstoffen durch eine Übernahme in den USA. Für 397 Millionen Dollar kauft Symrise das Spezialchemieunternehmen Pinova Holdings, wie der niedersächsische Konzern am Montag mitteilte. Weitere bis zu 20 Millionen Dollar werden unter bestimmten Bedingungen fällig.

Deutsche Wohnen will LEG

Mit der Deutschen Wohnen und dem Konkurrenten LEG Immobilien (beide sind im MDax) wollen erneut zwei Schwergewichte im deutschen Wohnimmobiliensektor fusionieren. Die beiden börsennotierten Konzerne die Transaktion bis Jahresende unter Dach und Fach bringen. Mit einem Wert von 4,62 Milliarden Euro wäre es die bislang größte Transaktion in der Branche. Der Mieterbund sieht die Gefahr steigender Mieten.

Dialog: Kaufpläne missfallen

Ähnlich schlimm wie die VW-Aktien trifft es die Papiere von Dialog Semiconductor. Der hohe Preis für den angekündigten Kauf der US-Halbleiterfirma Atmel hat die Anleger des Chipherstellers Dialog Semiconductor in Scharen aus der Aktie getrieben. Das Dialog-Papier büßt bis zum Nachmittag rund ein Viertel seines Wertes. Dies war der tiefste Stand seit Februar.

ElringKlinger warnt vor eigenem Erfolg

Im MDax brechen die Papiere von ElringKlinger zweistellig ein. Der Autozulieferer rechnet wegen hoher Kosten für Sonderschichten auf Grund starker Nachfrage nicht mehr damit, seine bisherige Ergebnisprognose zu erreichen. Das bereinigte Ebit soll im Gesamtjahr bei 135 bis 145 Millionen Euro liegen nach bisher rund 165 Millionen.

Leoni erwartet weniger Umsatz

Auch die Papiere des Autozulieferers Leoni sind unter Druck. Das Unternehmen hat seinen Prognose für 2016 von 5,0 auf 4,8 Milliarden Euro gesenkt. Grund ist der Verkauf von 50 Prozent der Anteile an seinem Bordnetz-Werks im chinesischen Langfang an den Partner BHAP. Mit dieser Firma gründet man gleichzeitig ein neues Gemeinschaftsunternehmen.

Tom Tailor kassiert Prognose

Im SDax büßt die Aktie von Tom Tailor um bis zu 20 Prozent ein. Der Modeanbieter leidet unter Problemen beim Start eines Logistiklagers und hohen Kosten für Verkaufsförderungen. Daher rechnet das Unternehmen im Gesamtjahr nur mit einem um Sondereffekte bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 75 bis 80 Millionen Euro. Bislang hatte man das Vorjahresniveau von 87,2 Millionen Euro erreichen wollen.

SHW kippt Gewinnziel

Der Autozulieferer SHW streicht sein Gewinnziel für 2015 zusammen. Das ursprünglich angepeilte Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 46 bis 50 Millionen Euro könne voraussichtlich nicht mehr erreicht werden, teilte das Unternehmen am Montag mit. Vielmehr würden nun noch 42 bis 46 Millionen Euro erwartet, im kommenden Jahr sollen es dann bei einem rückläufigen Umsatz 43 bis 47 Millionen Euro werden.

Zurich rudert zurück

Der Schweizer Versicherungskonzern Zurich Financial wird den britischen Rivalen RSA Insurance doch nicht übernehmen. Grund sind interne Probleme in der eigenen Schadenversicherung. Zurich warnte am Montag davor, dass der Konzern in dem Geschäftsbereich im dritten Quartal auf einen Verlust von 200 Millionen Dollar zusteuert.

Artec gefällt

Mehr als neun Prozent gewinnt die Aktie von artec technologies, einem deutschen Hersteller von netzwerkbasierten Videoübertragungs- und Aufzeichnungssystemen. Das Unternehmen berichtet von einer erfolgreichen Teilnahme an der Messe IBC in Amsterdam. Dort seien neue Kunden gewonnen und Bestandskunden von der Aufrüstung der bestehenden Anlagen überzeugt worden.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr