Marktbericht 20.30 Uhr

Das erste Mal seit 25 Jahren Dax schließt über 9.100 Punkten

Stand: 11.11.2013, 20:44 Uhr

Nach der Rally der vergangenen Woche heißt es Luft holen, hier in Europa wie auch an der Wall Street. Der Dow Jones mag sich am Veterans Day nicht vorwagen. In Europa ist so etwas wie Hoffnung zu spüren, der Dax hat sogar was zu Feiern.

Kein neuer Rekord, aber immerhin schafft der Dax es über die Marke von 9.100 Punkten. Ein mageres Plus von nur 0,3 Prozent steht da zum Schluss, im Xetra-Handel macht der Deutsche Aktienindex bei 9.107 Punkten Feierabend, womit er zum ersten Mal in seiner 25-jährigen Geschichte über der Marke von 9.100 Zählern schloss. Der L-Dax schafft es sogar bis auf 9.919 Punkte.

Positive Konjunkturdaten werden wieder positiv gewertet. "Endlich reagieren die Märkte rational auf Wirtschaftsdaten", schrieben die Analysten von Credit Agricole CIB in einem Kommentar. Es gab am Wochenende ermutigende Konjunkturdaten aus China und am Freitag einen starken Arbeitsmarktbericht aus Amerika. Das macht Hoffnung auf eine anziehende Weltwirtschaft, weshalb Anleger bei Aktien zugreifen.

Anleger stecken gleichwohl in einem Zwiespalt. Gute US-Zahlen erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Straffung der dortigen Geldpolitik, womit der Konjunktur ihre Stimuli entzogen werden. Derartige Aussichten haben in der Vergangenheit eher zu sinkenden Aktienkursen geführt. Doch inzwischen scheint man sich damit abgefunden zu haben, zumindest heute legten Investoren ihre Zinssensibilität ab.

Daniel Saurenz von Feingold Research gibt aber zu Bedenken, dass sich das schnell ändern kann. "Bleiben die Konjunkturdaten in den USA positiv, so könnten die Anleihekäufe zurückgefahren und die Weihnachtsrally frühzeitig beendet werden."

T-Aktie herabgestuft

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,13
Differenz relativ
+1,34%

Unter den Dax-Aktien fällt die T-Aktie zurück, sie rangiert mit einem Minus von einem Prozent am Index-Ende. Anleger kommen der Verkaufsempfehlung von Goldman Sachs nach, die zudem das Kursziel von 11,00 auf 9,50 Euro senkte. Die Telekom ist zwar mittlerweile strukturell besser aufgestellt, so das Urteil der Analysten, im Vergleich zu europäischen Kabelnetzbetreibern aber unverändert im Nachteil.

Deutlich mehr Dynamik beweist der Telekom-Dienstleister QSC, dessen Aktie sich seit Jahresanfang verdoppelt hat. Die Kölner haben ihr Geschäftsmodell komplett umgekrempelt. Das wird sich auszahlen, auch wenn heute ein Gewinneinbruch präsentiert wurde, der die Aktie niederdrückt.

Infineon: "Krise überwunden"

Größter Dax-Gewinner ist Infineon, die Aktie profitiert von einem optimistisch klingenden Interview mit Reinhard Ploss. Der Unternehmenschef sagte gegenüber der Wirtschaftswoche, Infineon habe die Krise überwunden. Das lässt hoffen auf eine gute Quartalsbilanz am Dienstag. "Am Markt war ein eher schlechter Bericht befürchtet worden", sagte ein Händler

K+S Unterbreizbach wieder auf

Der Salz- und Düngemittelhersteller K+S wird sicherlich einen schlechten Quartalsbericht am Donnerstag veröffentlichen – zu groß ist die Unsicherheit im Kalimarkt nach der Auflösung des Exportbündnisses in Russland. Obendrein belasten die sinkenden Kali-Preise. Analysten erwarten einen Umsatzrückgang von zehn Prozent und einen Gewinnrückgang um ein Drittel. Die Aktie gewinnt heute, vielleicht liegt es daran, dass K+S nach dem Grubenunglück in Unterbreizbach die Förderung in dem Bergwerk wieder aufgenommen hat.

Linde mit höherem Kursziel

Die Commerzbank beschert der Linde-Aktie heute Käufer. Die Analysten der Bank hoben das Kursziel und bekräftigten ihre Kaufempfehlung – trotz wahrscheinlich schwächerem dritten Quartal. Der Grund: Bis 2016 sei mit deutlichem Wachstum im Gase-Geschäft zu rechnen. Rivale Air Liquide wurde dagegen herabgestuft von "Buy" auf "Add". Bei den Franzosen lassen die Aktivitäten im Anlagenbau nach, so dass mittelfristig auch Investitionen und Kapazitätsauslastung sinken dürften

Flaute bei Nordex und PNE

Im TecDax bekommt Nordex eisigen Gegenwind durch den geplanten Umbau der Ökostrom-Förderung. Union und SPD wollen die Förderung deutlich kürzen. Die Aktien des Windturbinenbauers rutschten rund 16 Prozent abwärts. Die in keinem der großen Indizes gelisteten Titel von PNE Wind verlieren 14 Prozent. Eon geht dagegen mit leichten Kursgewinnen aus dem Handel. Es sieht ein bisschen danach aus, als verabschiedet sich die große Koalition ein bisschen von der Energiewende, so Aktienstratege Robert Halver von der Baader Bank. Bei PNE mussten Anleger außerdem noch einen Umsatz- und Gewinneinbruch verarbeiten.

BMW auf Rekordkurs

Etliche Nachrichten gab es aus der Autobranche und deren Zulieferern. Es gab Absatzzahlen aus China, worauf Volkswagen und Daimler mit Kursverlusten reagierten. Daimler-Papiere litten laut Händlern zudem unter einer negativen Studie von Merrill Lynch. Nur BMW legten ein wenig zu, die Bayern meldeten einen Verkaufsrekord im Oktober.

Wegen des Autobooms ist auch Grammer kaum zu bremsen, Der Fahrzeugzulieferer verbessert seinen Umsatz um fast zehn Prozent und das Ergebnis um ein Fünftel. Dagegen zollt der Zulieferer Schaeffler der Schwäche in seinem Industriegeschäft Tribut und schraubt sein Umsatzziel erneut herunter. Der Familienkonzern hatte die Prognose bereits im Sommer reduziert.

Gagfah macht Lust auf Dividende

Neuigkeiten gab es im MDax von Gagfah, der Wohnungskonzern strebt an, im kommenden Geschäftsjahr 2014 wieder eine Dividende zu zahlen, wie Finanzchef Gerald Klinck der "Börsen-Zeitung" sagte.

Neues von den Kleinen

Damit sind wir endlich bei dem, worauf Anleger fliegen: Quartalsbilanzen, und davon gab es eine ganze Menge aus der zweiten und dritten Reihe. Die zeigen: Geldautomaten- und Kassensystem-Hersteller Wincor Nixdorf bleibt auf dem Wachstumspfad. Manz kehrt in die Gewinnzone zurück. Kabel Deutschland sieht rot, schrieb im zweiten Geschäftsquartal einen Verlust. Das Minus lag wegen Sondereffekten im Zusammenhang mit der Übernahme durch Vodafone bei 129,3 Millionen Euro.

Der Bergbauausrüster SMT Scharf leidet noch immer unter der Flaute in der Rohstoffbranche. Der Umsatz sank in den ersten neun Monaten um 15 Prozent, das Ebit halbierte sich. Das reißt die Aktie des ehemaligen SDax-Unternehmens in die Tiefe. Zooplus schaffte es wie versprochen in die Gewinnzone. Der Online-Tierbedarfshändler erarbeitete sich im vorigen Quartal einen Vorsteuergewinn von 1,7 Millionen Euro. Wenig bewegend ist Elexis, der Maschinenbauer baute den Auftragseingang um zwei Prozent aus, die Umsätze stagnierten. Die Aktie legte heute leicht zu.

Mifa strampelt abwärts

Die Mifa fahren umsatzmäßig abwärts, im dritten Quartal sanken die Erlöse um 15 Prozent. Die Fahrradwerke erklären das mit Abnahmeverzögerungen, im Schlussquartal zeichne sich aber schon wieder eine Belebung ab. Positiv ist, dass die Mifa Preissteigerungen durchsetzen konnte; und dass hochpreisige E-Bikes immer besser weggehen.

Masterflex durchläuft die Talsohle

Masterflex bekommt seine Hightech-Schläuche besser weg, der Umsatz legte im dritten Quartal zehn Prozent zu auf 15,2 Millionen Euro. Das Ergebnis brach aber um rund ein Fünftel ein. Immerhin: Masterflex selbst sieht die Talsohle beim Ebit erreicht.

Orad schafft die Wende

Die Bilanz von Orad Hi-Tec kommt an der Börse gut an. Der Anbieter von Grafik-Technik für die Fernsehproduktion arbeitet wieder profitabel. Im dritten Quartal lag das operative Ergebnis bei 0,4 Millionen Dollar. Kostensenkungen zeigen erste Wirkung, auch bei leicht rückläufigem Umsatz.

Der IT-Dienstleister und Softwarehersteller Adesso berichtete von einem Umsatzplus von 13 Prozent und einem Gewinnanstieg von einem Drittel. Die Aktie reagiert elektrisiert. Auch die Papiere von Usu Software legen deutlich zu. Die Quartalsbilanz war in Zügen bereits bekannt, Anleger erwärmen sich offenbar für die langfristigen Aussichten. Die Seven Principles AG, eine Unternehmensberatung, hat ihr Ebit um 121 Prozent in die Höhe geschraubt. Der Umsatz wuchs um vier Prozent. Auch hier reagiert die Aktie mit Kurssprüngen.

Licht und Schatten in der Medizintechnik

Mevis Medical punktet mit seiner Software für den Medizintechnik-Sektor. Im dritten Quartal schafft die Firma einen Umsatzsprung von 30 Prozent und ein Ergebnisplus von 62 Prozent und macht sich damit an der Börse beliebt – wohl auch weil Mevis seine 2013er-Prognose erneut anhob.

Dagegen ist United Medical Systems auf Schrumpfkurs. Der Anbieter von Medizintechnik erlöste im dritten Quartal fünf Prozent weniger Umsatz, der Gewinn stagnierte. Vor allem der starke Euro belastet, weshalb die Firma auf das Schlussquartal setzt. Erwartet wird dann eine Ergebnisverbesserung, weil schon im Oktober entsprechend gut verkauft wurde. Gleichwohl ist im Gesamtjahr nur das untere Ende des angepeilten Gewinn- und Umsatzkorridors drin. An der Börse gibt es darauf kaum Kursreaktion.

Ganz anders bei Mologen: Der Quartalsbericht des Biotech-Unternehmens kommt hervorragend an der Börse an. Dabei weist er nur die üblichen Verluste aus. Zwei Wirkstoffe brachten gute Ergebnisse in klinischen Studien.

Novartis holt mehr als eine Milliarde rein

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis verkauft sein Geschäft mit Bluttransfusions-Diagnostik an die spanische Grifols. Dadurch nimmt Novartis 1,675 Milliarden Dollar ein.

bs

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"