Marktbericht 20:02

Nach den Aussagen von Janet Yellen Dax schließt auf neuem Rekordhoch

Stand: 14.11.2013, 20:02 Uhr

Der Dax hat am Donnerstag nach Aussagen der künftigen US-Notenbankchefin Janet Yellen auf einem neuen Rekordstand geschlossen. Auch an der Wall Street treibt die Aussicht auf eine anhaltende Liquiditätsschwemme die Börsen auf neue Höchststände.

Der Dax verabschiedete sich am Donnerstag mit einem Plus von einem Prozent bei 9.149,66 Punkten in den Feierabend. Der EuroStoxx50 gewann 1,1 Prozent auf 3.053,69 Zähler.

An der Wall Street markierten der Standardwerteindex Dow Jones und der breit gefasste S&P 500 mit 15.879,72 beziehungsweise 1.790,80 Stellen sogar Rekordhochs. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert das US-Börsenbarometer bei 15.863 Zählern, 0,26 Prozent mehr als am Mittwoch.

Wirtschaft weiter ankurbeln

"Einige hatten befürchtet, dass sich Yellen 'falkenhafter' präsentieren würde", sagte Marktanalyst Lars Christensen von der Danske Bank. Aber das ist nicht der Fall. Damit sei klar, dass uns die Politik des billigen Geldes noch eine Weile erhalten bleibe.

Die Zentralbankerin hält ein Ankurbeln der Wirtschaft nach wie vor für nötig: "Es liegt noch mehr Arbeit vor uns", sagte Yellen in der Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats am Donnerstag. Wirtschaft und Arbeitsmarkt blieben nach wie vor weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. "Es ist geboten, dass wir alles tun, um einen starken Aufschwung zu fördern." Sie sei dazu fest entschlossen. Die 67jährige Ökonomin wird voraussichtlich im Februar das Erbe des derzeitigen Fed-Chefs Ben Bernanke antreten.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Derweil büßt der Euro etwas ein. Das schwächere Wirtschaftswachstum in der Eurozone belastete laut Händlern. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete zuletzt 1,3450 Dollar. In der Nacht zum Donnerstag war der Euro noch merklich gestiegen und hatte sich der Marke von 1,35 Dollar angenähert.

Außer auf die Geldmarktpolitik ist der Blick der Anleger an diesem Donnerstag auf die Flut von Quartalsberichten der Unternehmen gerichtet. Dabei kommt es besonders bei dem Versorger RWE zu einer herben Enttäuschung.

Walmart stagniert zu Hause

Ein heftiger Konkurrenzkampf im Einzelhandel macht dem weltgrößten Einzelhändler Walmart zu schaffen. Vor allem im wichtigen Heimatmarkt stagnierten die Verkäufe nahezu. Der Gewinn verbesserte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um drei Prozent auf unterm Strich 3,7 Milliarden Dollar. Die Aktie dreht nach anfänglichen Verlusten ins Plus.

RWE und Eon unter Druck

Im Dax ist die RWE-Aktie tief ins Minus gerutscht. Der Energiekonzern hat nach einem schwachen dritten Quartal seine Prognose für 2014 gekappt und will Tausende Stellen streichen. Händler sprachen von einem enttäuschenden Bericht und der Ausblick sei auch nicht besser. Im Schlepptau leidet auch die Eon-Aktie mit. Die Schweizer Bank Credit Suisse hat die Einstufung für Eon nach Zahlen für das dritte Quartal auf "Underperform" mit einem Kursziel von 10,00 Euro belassen.

Merck traut sich mehr zu

Aufwärts geht es dagegen mit der Aktie von Merck. Der harte Sparkurs zahlt sich für das Darmstädter Pharma- und Spezialchemieunternehmen immer mehr aus. Nach einem überraschend kräftigen Ergebnisanstieg im abgelaufenen Quartal erhöhte Konzernchef Karl-Ludwig Kley die Gewinnprognose für das Gesamtjahr.

K+S wieder unter 20 Euro

Ins Minus gedreht ist die Aktie von K+S, nachdem Analysten die Aktie auf "Verkaufen" gestellt haben. Dabei rechnet der Düngemittel- und Salzproduzent im laufenden Jahr mit einem Gewinn von knapp 400 Millionen Euro. Auch sollen 500 Millionen eingespart werden.

EADS: Airbus macht Freude

Gefragt ist dagegen die im MDax notierte Aktie von EADS. Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern hat im dritten Quartal erneut von glänzenden Geschäften der Flugzeugtochter Airbus profitiert. Das Unternehmen rechnet nun für 2013 mit mehr als 1.200 Flugzeug-Bestellungen. Bisher wollte man nur die Marke von 1.000 deutlich übertreffen.

Salzgitter weiter in Turbulenzen

Im MDax gehören die Aktien von Salzgitter zu den schwächsten Werten. Der Stahlkonzern hat auch im dritten Quartal Verluste geschrieben, bestätigt aber die bereits mehrfach gesenkte Prognose für 2013.

Stürme belasten Talanx

Abwärts geht es auch mit der ebenfalls im MDax notierten Talanx-Aktie. Mehrere Großschäden haben das Ergebnis des Versicherungskonzerns Talanx belastet. Im dritten Quartal sank der Nettogewinn nach Anteilen Dritter 39 Prozent auf 121 Millionen Euro. Grund war unter anderem der Hagelsturm "Andreas".

Drillisch hebt an

Einer stärksten Werte im TecDax ist bis zum Nachmittag der Mobilfunkanbieter Drillisch. Das Unternehmen hat im dritten Quartal seinen Rohertrag um 13,3 Prozent auf 31,0 Millionen Euro gesteigert. Wegen der guten Geschäftsentwicklung erwartet Drillisch nun für das Gesamtjahr 2013 ein Ebitda von 70 Millionen Euro sowie für 2014 eine weitere Steigerung auf 82 bis 85 Millionen Euro.

United Internet ist auf Kurs

Aufwärts geht es auch mit der Aktie von United Internet. Das ebenfalls im TecDax notierte Unternehmen hat im Sommerquartal seinen Umsatz um elf Prozent auf 672 Millionen Euro verbessert. Das Ebitda stieg um 18 Prozent auf 105 Millionen Euro. Die im Sommer erhöhte Jahresprognose wurde bestätigt.

Nordex bleibt zuversichtlich

Zulegen kann auch die Aktie von Nordex. Der Windkraftanlagenbauer hat seine Geschäftsprognose bis 2015 bestätigt - trotz der von der Politik geplanten Einschnitte bei der Förderung von Windenergie.

Bechtle wie erwartet

Bechtle legen nach Zahlen ebenfalls zu, hinken aber dem festen TecDax hinterher. Das Systemhaus rechnet mit einem guten Jahresendspurt und ist nun etwas zuversichtlicher. Commerzbank-Analyst Thomas Becker sieht die bereits veröffentlichten, starken Eckdaten weitgehend bestätigt. Die Aktie sei aktuell angemessen bewertet.

SDax-Firmen enttäuschen

Im SDax leiden die Kion-Aktien unter den Quartalszahlen. Die Titel des Gabelstapler-Herstellers sacken um fast fünf Prozent ab und belegen damit einen der letzten Plätze im SDax. Kion litt im dritten Quartal weiter unter der schwachen Nachfrage in Europa. Kaum Bewegung gibt es beim Schienenlogistiker VTG. Ins Plus gedreht ist nach den Quartalszahlen der Tiefbauspezialist Bauer. Air Berlin enttäuscht dagegen.

Alno und WMF in der Krise

Der Küchenhersteller Alno hat im dritten Quartal operativ 1,5 Millionen Miese gemacht. Der Umsatz sank um 10,2 Prozent auf 97,1 Millionen Euro. Außerdem rechnet Alno 2013 nicht mehr damit, die Umsatzzahlen des Vorjahres zu erreichen. Auch der schwäbische Küchengeräte-Hersteller WMF korrigiert seine Ergebniserwartungen für das laufende Jahr nach unten und will aus Kostengründen einige seiner Filialen schließen.

Paion überzeugt

Das Biotech-Unternehmen Paion ist bei der Investorenschaft sehr gefragt. Paions Partner, Ono Pharmaceutical, hat positive Studiendaten für den Wirkstoffkandidaten Remimazolam, ein Anästhetikum, vorgelegt. Das Medikament könnte in Zukunft ein wichtiger Umsatzbringer werden.

Hermle bleibt zuversichtlich

Der Maschinenbauer Hermle hat in den ersten drei Quartalen 2013 einen Umsatz- und Ergebnisrückgang verzeichnet. Trotz der unsicheren Konjunktur erwarte man aber, den Rückstand bei Umsatz und Ergebnis bis zum Jahresende aufzuholen. 2012 betrugen die Erlöse 302,7 Millionen Euro und das Betriebsergebnis 63,6 Millionen Euro.

Und sonst?

Curasan hat in den ersten neun Monaten einen Umsatz von vier Millionen Euro nahezu verdoppelt. Gleichzeitig verbesserte sich das Betriebsergebnis (Ebit) von minus 2,5 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 1,3 Millionen. Die Münchner Aurelius hat den Umsatz in den ersten neun Monaten 2013 um 24 Prozent auf 1,12 Millionen Euro gesteigert. Allerdings brach das Ergebnis (Ebitda) auf 67,1 Millionen ein.

lg

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"