Dax schleppt sich über 7.400 Punkte

von Thomas Spinnler

Stand: 17.02.2011, 20:00 Uhr

Schlaff aber glücklich? Nicht ganz: Die Anleger agierten mutlos und uninspiriert, der Markt fand keine klare Richtung. Erst kurz vor dem Schlussgong hängten sich einige Käufer an die etwas festere Wall Street, sodass die Verluste begrenzt blieben.

Seit Montag ein lustloser Aufwärtstrend, am Donnerstag folgte eine lahme Abwärtsbewegung. Die positive Nachricht ist: Der Dax saugt sich an der runden Marke fest. Schlecht dagegen ist, dass der Aufwärtstrend seine Kraft eingebüßt zu haben scheint.

Wie in den vergangenen Tagen mäanderte der Dax zunächst entlang seines Vortagesniveaus, sackte dann jedoch zeitweise deutlich unter die 7.400er Marke ab und schloss mit einem Minus 0,1 Prozent bei 7.405,51 Punkten. Erst gegen Handelsende holte der Leitindex einen Teil der früheren Verluste wieder auf.

"Anfällig für eine Zwischenkorrektur"
Eine Wende hin zu einer stärkeren Konsolidierung kann Aktienanalyst Christoph Schmidt von der N.M.F. AG trotz der heutigen Schwächephase noch nicht erkennen: "Es ist eher ein mildes Bröckeln, das sich natürlich auch aufschaukeln könnte", sagte er zu boerse.ARD.de. "Der Aufwärtstrend ist ein bisschen müde geworden, deshalb ist der Markt grundsätzlich anfällig für eine Zwischenkorrektur."

Im Augenblick fehlten aber einfach die Impulse, so der Experte. Lange hält so eine ruhige Phase gewöhnlich nicht an: "Irgendwann wird der Markt wieder dynamisch. Der nächste Impuls wird ihn in die eine oder andere Richtung lenken", prognostizierte Schmidt.

US-Konjunkturdaten bringen keine Klarheit
Auch aktuelle US-Konjunkturdaten lösten die akute Lähmung nicht auf, dazu waren die Signale der US-Wirtschaft zu widersprüchlich: Für Enttäuschung sorgten die wöchentlichen US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Die Zahl stieg unerwartet stark. "Das nährt wieder Zweifel an einer nachhaltigen Wirtschaftserholung", kommentierte ein Marktteilnehmer.

Die Verbraucherpreise stiegen im Januar ebenfalls stärker als erwartet. Derzeit achteten die Märkte sehr genau auf den Inflationstrend, sagte ein Marktteilnehmer. Denn: Sollte sich tatsächlich ein Trend einstellen, könnte sich die US-Notenbank Fed genötigt sehen, mit Zinserhöhungen zu reagieren.

Ein Ende der Politik des billigen Geldes würde von den Aktienmärkten, die davon profitieren, nicht gern gesehen. Nach Ansicht des Aktienexperten Schmidt spielen Zinsängste im aktuellen Marktszenario allerdings noch keine Rolle. Ein deutlich stärker als erwarteter Philly-Fed-Index wirkte sich nicht aus.

Anleger verschmähen Autoaktien

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
46,31
Differenz relativ
-0,91%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
71,17
Differenz relativ
-0,75%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,14
Differenz relativ
-0,24%

Auf Jahressicht haben Autobauer den Glanz des Vorjahres verloren. Auch heute gehörten sie zu den schwächsten Werten im Dax. Marktbeobachter sprachen von Gewinnmitnahmen. Bei Daimler wirken außerdem noch die Jahresergebnisse vom Mittwoch nach. "Die Zahlen für das vierte Quartal waren nicht so schlimm wie zunächst gedacht, aber toll waren sie auch nicht", zitierte ein Händler aus einer Kurzstudie von Bank of America/Merill Lynch. Stattdessen verpufft eine Meldung zu Daimler.

Commerzbank rappelt sich auf

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,89
Differenz relativ
+0,88%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,73
Differenz relativ
+0,32%

Die Gewinnerliste blieb am Donnerstag übersichtlich: Für eines der schwächsten Indexmitglieder des Vorjahres ging es allerdings aufwärts: Commerzbank-Titel belegten die Dax-Spitze mit einem Aufschlag von zeitweise mehr als zwei Prozent. Auch die Anteile der europäischen Konkurrenz sind gefragt. "Schuldenkrise, Refinanzierung und regulatorische Risiken werden offenbar zunehmend als Dinge der Vergangenheit betrachtet", hieß es von Evolution Securities. Bei der Commerzbank rückt selbst die drohende Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die Rating-Agentur Moody's in den Hintergrund. Der Stoxx-Branchenindex kletterte zeitweise auf ein Sechs-Monats-Hoch. Aktien der Deutschen Bank gehörten hingegen zu den Tagesverlierern.

Comdirect-Zahlen kommen an

Comdirect, die Direktbank-Tochter der Coba, legt im SDax um knapp zwei Prozent zu. Das Ergebnis vor Steuern stieg von 76 auf knapp 81 Millionen Euro. Die Erträge legten von 284 auf 291 Millionen Euro zu. Besonders dynamisch entwickelte sich der Provisionsüberschuss mit plus 16 Prozent. Comdirect rechnet für 2010 mit einer erneut erfreulichen Geschäftsentwicklung.

Infineon lässt Dividende springen

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
17,68
Differenz relativ
-0,48%

Zum ersten Mal seit zehn Jahren können die Aktionäre eine Dividende einstreichen. "Es riecht nach Frühling. Wenn wir weiter alles richtig machen, ändert sich daran auch erst einmal nichts", erklärte Vorstandschef Peter Bauer auf der Hauptversammlung - immerhin werden 10 Cent pro Aktie ausgeschüttet. Hinter der Coba belegt Infineon zeitweise zweiten Rang, die Papiere schlossen aber in der Verlustzone.

Merck muss passen

Ein Rückschlag für das Multiple-Sklerose-Mittel Cladribin drückte die Merck-Aktie um fast ein Prozent. Merck hatte den EU-Zulassungsantrag für die Pille zurückgezogen. "Das ist natürlich enttäuschend, aber für viele wohl auch keine allzu große Überraschung", sagte ein Händler. Merck hatte seine Hoffnungen auf die Genehmigung seines wichtigsten neuen Medikaments in Europa bereits im Januar vorerst aufgeben müssen. Das wissenschaftliche Beratergremium der europäischen Arzneimittel-Behörde EMA hatte sich erneut gegen die Marktzulassung der Tablette ausgesprochen. Gegen dieses Votum war kein Einspruch mehr möglich.

Frühlingsanfang für Solaraktien?

Titel aus der Solarbranche dominierten die Gewinnerliste im TecDax. "Spätestens seit den guten Zahlen von Solarworld beginnt die Branchenstimmung sich zu drehen", sagte ein Händler. "Die Investoren gehen davon aus, dass die Talsohle nun durchschritten ist."

Brenntag an der Spitze der Liste...

Der Chemikalienhändler Brenntag schnitt im vergangenen Jahr etwas besser ab, als Marktbeobachtern prognostiziert hatten. Der Umsatz wuchs um 20 Prozent auf 7,65 Milliarden Euro, während das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um knapp 26 Prozent auf 603 Millionen zulegte. Fürs laufende Jahr geht das MDax-Mitglied von weiteren Zuwächsen aus. Die Aktie schloss rund vier Prozent fester und führte die mittelschweren Werte an.

...Rheinmetall am deren Ende

Rheinmetall: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
76,66
Differenz relativ
-1,08%

Die Aktien des Mischkonzerns Rheinmetall belegen das MDax-Ende. Merrill Lynch hat den Wert von "Buy" auf "Neutral" abgestuft. Diese schlechtere Einstufung scheint dabei schwerer zu wiegen als das angehobene Kursziel von 57 auf 67 Euro. Die Analysten begründeten die zurückgezogene Kaufempfehlung mit den starken Kurssteigerungen der vergangenen Monate.

Schwellenländer stehen auf Nestlé

Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé steigerte 2010 seinen Umsatz im fortgeführten Geschäft um sechs Prozent auf 104,6 Milliarden Franken. Der Reingewinn aus den fortgeführten Geschäften ging dagegen um gut fünf Prozent auf 8,8 Milliarden Franken zurück. Dank der starken Nachfrage aus den Schwellenländern sieht sich Nestlé auf einem ungebremsten Wachstumskurs.

Pernod: Die Rally ist gelaufen

Trotz einer Prognose-Anhebung trennen sich viele Investoren von Pernod-Ricard-Aktien. Die Papiere des Herstellers von Ballantines Whisky und anderen Spirituosen rutschten in Paris um bis zu 4,2 Prozent ab. Händler verwiesen auf die 20-prozentige Kursrally der vergangenen Monate und sprachen von Gewinnmitnahmen. Ein Analyst betonte, nach den enttäuschenden Geschäftszahlen des Konkurrenten Diageo befürchteten einige Anleger offenbar, dass die Erholung der Branche langsamer verlaufe als gedacht.

Puma-Mutter PPR übertrifft Erwartungen

Der französische Luxusgüter- und Einzelhandelskonzern PPR verdiente im abgelaufenen Jahr mehr als Fachleute prognostiziert hatten. Grund sei die Erholung auf dem Luxusmarkt und solides Wachstum bei Puma, teilte der Konzern mit. Das operative Ergebnis habe bei 1,53 Milliarden Euro gelegen, der Umsatz wurde mit 14,61 Milliarden Euro angegeben. Für das laufende Jahr erwartet PPR sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn eine Verbesserung. Zu PPR gehören neben Puma unter anderem auch die Marken Yves Saint Laurent und Gucci.

Axa vermasselt BNPs Auftritt

Die französische Großbank BNP Paribas hat im vierten Quartal unter einer Abschreibung in Höhe von mehr als einer halben Milliarden Euro auf ihre Beteiligung am Versicherungskonzern Axa gelitten. Der Nettogewinn stieg daher "nur" um knapp 14 Prozent auf 1,55 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt mit 1,73 Milliarden Euro gerechnet.

Tagestermine am Montag, 10. Dezember

Unternehmen:
Keine Termine absehbar

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, zweite Schätzung, 00:50 Uhr
Deutschland: Außenhandel im Oktober, 08:00 Uhr
Italien: Industrieproduktion, Oktober, 11:00 Uhr
Deutschland: Sentix Konjunkturindex, Dezember, 10:30 Uhr
Großbritannien:Industrieproduktion, Oktober, 10:30 Uhr