Dax schleppt sich ins Ziel

Stand: 30.12.2011, 19:10 Uhr

Endlich vorbei - diese beiden Worte dürften die Stimmung der Investoren recht gut zusammenfassen. Am letzten Handelstag zeigte sich der Dax zwar noch einmal von einer freundlichen Seite, an der miserablen Jahresperformance ändert das jedoch nichts.

Der Dax schloss im verkürzten Handel nach einem kleinen Schlussspurt mit einem Aufschlag von 0,9 Prozent bei 5.898,35 Punkten. Der Late-Dax schloss auf Vortagesniveau bei 5.854,64 Zählern. Die Umsätze waren äußerst dünn, kursbewegende Nachrichten gab es so gut wie keine. Der Dow Jones pendelte ebenfalls recht impulslos entlang seines Vortagesniveaus.

"Das Jahr 2011 hat zahlreiche Enttäuschungen bereitgehalten, aber der letzte Handelstag in diesem turbulenten Jahr ist extrem lustlos zu Ende gegangen", sagte Händlerin Anita Paluch von Gekko Global Markets.

"Maßnahmen nur wenig positiv"
Tagesgewinner waren die Titel von HeidelbergCement, die sich um 2,1 Prozent verteuerten. Die Commerzbank schloss den Tag mit Gewinnen um 1,7 Prozent an zweiter Position ab. Lediglich Fresenius sank minimal unter das Vortagesniveau. "Es gab viele kostspielige Schritte, gesteuert durch Regierungen und Zentralbanken, um das Vertrauen der Bürger zurück zu gewinnen", kommentierte Sven Tokarski von IG Markets.

"Die Schulden wurden hierdurch lediglich ausgeweitet und schaut man sich die Stände der Leitindizes an, muss man sagen, dass die Maßnahmen sich nur wenig positiv ausgewirkt haben", so Tokarski. Am Montag bleiben die Börsen in den USA, Großbritannien, Japan und der Schweiz geschlossen, sodass erneut ein ruhiger Handel zu erwarten sein dürfte.

Dax und Euro 2011 im Minus
Auf Jahressicht war 2011 trotz des versöhnlichen Ausklangs ein schlechtes Aktienjahr. Der deutsche Leitindex Dax büßte 14,7 Prozent ein. Auch die Nebenwerte verloren zweistellig. Am besten schlug sich der MDax, der 12,1 Prozent verlor.

Der Euro verzeichnete im zu Ende gehenden Jahr gegenüber dem Dollar ein Minus von rund drei Prozent. Das war das zweite Jahr in Folge, in dem die Gemeinschaftswährung mit einer negativen Performance schloss. Angesichts der Fülle an Problemen in der Euro-Zone halten viele Analysten das Minus des Euro allerdings für moderat.

Platzt die Goldblase?
2011 war ein insgesamt zwar gutes Jahr für Gold. Der Preis in Dollar legte 2011 um rund zehn Prozent zu. Am heutigen letzten Handelstag zog die Notierung nochmals um mehr als ein Prozent auf rund 1.570 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) an. In den vergangenen Wochen sah die Bilanz allerdings düster aus: Vom Rekordpreis bei 1.920 Dollar aus dem September ist das Edelmetall weit entfernt. Allein im Dezember sackte der Preis um rund 200 Dollar ab.

In der Krise bewährten sich wieder einmal defensive Werte. Auf Jahressicht schnitten die Titel des Pharmakonzerns Merck mit einem Aufschlag von rund 29 Prozent im Dax am besten ab. Fresenius Medical Care verbuchten ein Plus von rund 21 Prozent und die Aktien der Muttergesellschaft Fresenius ein Plus von immerhin etwa 14 Prozent.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,51
Differenz relativ
+2,84%

Verluste zwischen 40 und 50 Prozent brachten den Anlegern die Aktien von ThyssenKrupp, Lufthansa, RWE und Metro ein. Die stärksten Einbußen hatte das Papier der Commerzbank zu verkraften, das um mehr als 70 Prozent abstürzte.

Lufthansa mit Sorgen in China
Auch die heutigen Nachrichten sind nicht positiv für Lufthansa: Einem Pressebericht zufolge droht der China-Beteiligung von Lufthansa Cargo, Jade Cargo, das Geld auszugehen. "Die Lufthansa hält 25 Prozent an Jade Cargo", sagte ein Händler. Die sechs Boeing 747 stünden dem Bericht zufolge am Boden, da kein Geld für Kerosin da sei. Die Aktie legt marginal zu.

Allianz hält Italien die Treue
Die Allianz sieht kein Ausfallrisiko für ihre Italien-Anleihen. Im Gegenteil, der designierte Finanzvorstand Maximilian Zimmerer sagte in einem Zeitungsinterview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung", er halte die Zinsen sogar für "hochattraktiv." Der Anteil italienischer Staatsanleihen an den Kapitalanlagen der Allianz liege bei zwei Prozent. Zimmerer soll zum 1. Juni 2012 den langjährigen Finanzchef Paul Achleitner ablösen.

Balda-Aufsichtsrat wehrt sich
Baldas Aufsichtsrat wies die Vorwürfe des amerikanischen Großaktionärs Octavian zurück, er habe nicht unabhängig gehandelt und einzelne Aktionäre bevorzugt. Das Kontrollgremium berief für den 8. Februar eine außerordentliche Hauptversammlung ein. Der New Yorker Investor hatte dem Aufsichtsrat vorgeworfen, es habe sich von persönlichen Interessen des Hauptaktionärs Michael Chiang leiten lassen - zulasten der übrigen Anteilseigner. Die Titel schließen fast zwei Prozent fester.

Pfleiderer verkauft US-Werk
Die Sanierung beim angeschlagenen Holzverarbeiter Pfleiderer kommt voran. In Nordamerika wird das Span- und Faserplattenwerkes in North Carolina das erste der nordamerikanischen Werke verkauft. Der chilenische Investor Panelas Arauco zahlt 47,5 Millionen Euro. "Die Veräußerung ist ein großer Erfolg. Wir sind insgesamt bei dem Verkauf des Nordamerika-Geschäfts voll im Plan und sehr zuversichtlich, die geplanten Erlöse zu erzielen", sagte Sanierungsvorstand Hans-Joachim Ziems. Der Erlös soll komplett zur Schuldentilgung verwendet werden. Die Aktie schießt um 15 Prozent nach oben.

American Airlines fliegt von der Börse
Nach mehr als 72 Jahren verschwindet American Airlines von der New Yorker Börse. Der Schritt war erwartet worden, nachdem der Mutterkonzern AMR im November Insolvenz angemeldet hatte. Zu Jahresbeginn war das Papier noch annähernd acht Dollar wert, jetzt ist sie ein Pennystock. Am kommenden Mittwoch wird die Aktie zum letzten Mal regulär gehandelt, wie der Börsenbetreiber NYSE Euronext erklärte. Der Rauswurf erfolgt quasi automatisch, wenn eine Aktie über einen Zeitraum von 30 Tagen unter die 1-Dollar-Marke fällt.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"