Dax schleicht in die Feiertage

Stand: 23.12.2010, 19:51 Uhr

Mit leichten Verlusten verabschiedete sich der Dax in das verlängerte Weihnachtswochenende. Am letzten Handelstag vor Heiligabend genossen die Investoren das bislang Erreichte und probten schon für die Ruhe der kommenden Tage.

Marktstratege Thilo Müller von MB Fund Advisory sprach von "vorweihnachtlicher Besinnlichkeit" am Markt. "So kurz vor der Weihnachtspause will einfach niemand mehr seine Positionen nennenswert ändern - solange es dafür keinen eindeutigen Grund gibt", beschrieb ein Händler Stimmung auf dem Parkett. Am Freitag bleibt die Börse in Frankfurt geschlossen.

Auf Wochensicht verbuchte der Index zwar ein Plus von 1,1 Prozent, heute zeigte die Tendenz aber leicht nach unten: Gegen Mittag büßte der Leitindex einige Punkte ein und konnte die Abschläge nicht wieder aufholen. Händler begründeten das sanfte Sinken mit vereinzelten Gewinnmitnahmen, die angesichts des geringen Handelsvolumens aber nicht über zu bewerten seien. Auch an der Wall Street rührten sich die Indizes kaum von der Stelle.

Aktuelle US-Konjunkturdaten weckten die Anleger nicht auf. Während die US-Industrie im November einen unerwarteten Einbruch bei den Aufträgen für langlebige Güter verkraften musste, blieben die Amerikaner zum Weihnachtsfest trotz hoher Arbeitslosigkeit in Kauflaune. Die privaten Konsumausgaben stiegen bereits den fünften Monat in Folge.

Micron-Zahlen verderben Infineons Tag

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
17,45
Differenz relativ
-0,96%
Micron: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
28,84
Differenz relativ
-6,09%

Nicht ganz so beschaulich wie erhofft verlief der Handel für Infineon. Die Aktie belegte mit einem Abschlag von mehr als einem Prozent den letzten Rang im Dax. Schwache Ergebnisse des US-Speicherchip-Herstellers Micron belasteten: Der Nettogewinn des Rivalen sank von 204 auf 155 Millionen Dollar, was Investoren als schlechtes Omen für den Dax-Konzern interpretierten. Die Umsätze stiegen allerdings von 1,7 auf 2,3 Milliarden Dollar.

Volkswagen und BMW lassen Federn

Die auf Jahressicht äußerst erfolgreichen Titel von Volkswagen und BMW gerieten unter Verkaufsdruck, sackten jeweils um mehr als ein Prozent ab und belegten die beiden letzten Dax-Plätze. Investoren strichen Gewinne ein, nachdem die Papiere auf Jahressicht 50 und 100 Prozent zugelegt und den Dax klar ausgestochen hatten.

SAS im Visier von Lufthansa?

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,34
Differenz relativ
+0,42%

Auf der Gewinnerseite etablierten sich die Anteile von Lufthansa, die zeitweise sogar die Spitze belegt hatten. Händler verwiesen auf einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, demzufolge der Konzern an der Fluggesellschaft SAS interessiert sei. Die Titel der Skandinavier rückten in Stockholm um 15 Prozent vor. Aus dem Umfeld des Unternehmens war dagegen zu hören, eine baldige Offerte der Lufthansa sei eher unwahrscheinlich. "Es gibt derzeit keine Gespräche zwischen Lufthansa und SAS, die Lufthansa erwägt derzeit keinen Deal", sagte ein Insider.

Deutsche Bank will BHF loswerden

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,52
Differenz relativ
-1,57%

Die Titel der Deutschen Bank behaupteten sich in der Gewinnzone. Vorstandschef Josef Ackermann will bis zum Jahr 2013 sein Institut wieder auf eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent trimmen, ließ der Manager in einem Interview mit dem "Handelsblatt" wissen. Außerdem kommt wieder Zug in den Verkaufsprozess für die Tochter BHF. Die Deutsche Bank verhandle exklusiv mit der Liechtensteiner Fürstenbank LGT, teilte das Unternehmen mit. Beide Seiten hätten sich bereits über wesentliche Eckpunkte des Deals geeinigt, der wohl im ersten Quartal 2011 über die Bühne gehen könnte.

Munich Re steigt ins Windgeschäft ein

Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
190,40
Differenz relativ
+1,03%

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re investiert in größerem Stil in Windenergieanlagen. Über den Vermögensverwalter MEAG übernehme der Konzern 40 Anlagen in insgesamt elf Windparks mit einer Gesamtleistung von 73 Megawatt, teilte das Unternehmen mit. Die Investitionen belaufen sich auf einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag. Innerhalb der nächsten Jahre will der Rückversicherer 2,5 Milliarden Euro in erneuerbare Energien und neue Umwelttechnologien investieren. Die Investoren und die Aktie rührten sich kaum.

Daimler lernt Nischni Nowgorod kennen

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
47,21
Differenz relativ
+0,23%

Der deutsche Autokonzern wird zusammen mit dem russischen Hersteller Gaz den Mercedes-Benz-Sprinter auch in Russland bauen. Der Luxus kommt ebenfalls nicht zu kurz: Die "Financial Times" berichtet, dass Daimler mit dem britischen Hersteller Aston Martin über eine Zusammenarbeit bei der Luxuskarosse Maybach verhandelt. Die Briten, deren Sportwagen man eher aus James-Bond-Filmen als vom Anblick auf der Straße kennt, möchten die Traditionsmarke entwickeln und bauen, Aston Martin würde im Gegenzug Motorentechnik von Daimler erhalten.

Bittere Analyse für Südzucker

Ein pessimistisches Analystenvotum brachte Südzucker-Aktien ins Rutschen. Sie büßten rund ein Prozent ein waren vorübergehend auch das Schlusslicht im MDax. Die Analysten von Unicredit hatten ihre Kaufempfehlung zurückgenommen und raten nun, das Papier zu halten. "Südzucker profitiert weiter vom knappen Zuckermarkt in Europa bei einer steigenden Nachfrage, während die Vorräte knapper werden", stellten die Analysten fest. Doch sei das letztlich schon im Kurs berücksichtigt, der allein auf Monatssicht schon über 20 Prozent zugelegt habe.

Q-Cells bäumt sich noch mal auf

Im TecDax sendete das Solarunternehmen Q-Cells Lebenszeichen. Mit einem Sprung von zeitweise fast elf Prozent brachte es etwas Farbe in den ansonsten unspektakulären Handelstag. Einen fundamentalen Grund für den Kursanstieg fanden Händler nicht. "Vielleicht muss jemand seine Positionen schließen", mutmaßte ein Marktteilnehmer. Die vorweihnachtliche Bescherung dürfte die Aktionäre kaum versöhnen: 2010 büßten die Titel mehr als 70 Prozent ein, in der Jahresbilanz des TecDax markieren sie das Schlusslicht.

China-Gerücht befeuert Aixtron

Die Aktie von Aixtron schoss mehr als neun Prozent fester. Händler begründen den Satz nach vorn mit einem Bericht der "Digi Times", die ohne Angaben von Quellen über einen Großauftrag aus China berichtet. Aixtron kommentierte den Bericht zwar nicht, ein Sprecher sagte aber, die Geschäfte in China seien 2010 dynamisch verlaufen: "Wir erwarten, dass sich das fortsetzen wird."

Irland hat die Allied Irish Bank am Hals

Mit einer 3,7 Milliarden Euro schweren Kapitalspritze hat Irland die Allied Irish Bank
de facto verstaatlicht. Damit kontrolliert der Staat fast den gesamten Bankensektor der Insel. Die Allied Irish benötigt trotz der aktuellen Geldspritze vor Ende Februar weitere 6,1 Milliarden Euro Eigenkapital. Das Geldhaus soll am 26. Januar von den Kurszetteln der Börsen in Irland und Großbritannien genommen werden. Die AIB-Aktie gab in Dublin zwischenzeitlich knapp 20 Prozent nach.

Tagestermine am Donnerstag, 20. Dezember

Unternehmen:
Hornbach: Q3-Zahlen (endg.), 07:00 Uhr
Bank of New York Mellon: ao. HV, 12:00 Uhr
Blackberry: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Nike: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
Konjunktur:
Japan: BoJ Zinsentscheid, 05:30 Uhr
EU: Leistungsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
GB: Einzelhandelsumsatz, 11/18, 10:30 Uhr
GB: BoE, Zinsentscheid, 13:00 Uhr
USA: Philly Fed Index, 12/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Wo), 14:30 Uhr
USA: Frühindikator 11/18, 16:00 Uhr