Dax schlägt sich wacker

Robert Minde

Stand: 01.12.2011, 20:03 Uhr

Nach der Rally vom Vortag ging es heute ruhiger zu. Vereinzelte Gewinnmitnahmen bestimmten das Bild, der Dax gab aber nur moderat ab. Die Börse bleibt weiter insgesamt hochpolitisch. Der nächste EU-Gipfel wirft nämlich schon seine Schatten voraus.

Der deutsche Leitindex hat am Donnerstag den Xetra-Handel mit einem Minus von 0,9 Prozent bei 6.035 Zählern beendet. Vor allem im späten Geschäft nahmen Anleger dann doch noch Gewinne mit, zudem bröckelten die Kurse auch im Zuge einer nachgebenden US-Tendenz dabei etwas stärker. Bis dahin hatte sich der Index trotz der Vortageshausse robust präsentiert und zwischenzeitlich sogar leicht im Plus gelegen. Im späten Geschäft tat sich wenig, auch die Ansprache des französischen Staatspräsidenten Sarkozy bewegte den nachbörslichen Handel nicht. Der L/E-Dax beendete den Handel bei 6.044 Punkten.

Schwankungsbreiten heute geringer
Das Tageshoch lag während des Xetra-Handels bei 6.111 Punkten, der Tiefpunkt bei 6.017 Zählern. Der Index schwankte damit im Vergleich zu den vorherigen Handelstagen vergleichsweise wenig. Insgesamt haben die Anleger damit heute ihr Pulver im Vorfeld weiterer politischer Ankündigungen trocken gehalten. Tagesgewinner waren Beiersdorf nach einer positiven Analystenempfehlung mit einem Plus von 1,7 Prozent, Tagesverlierer Bayer mit einem Minus von zwei Prozent.

Auktion erfolgreich
Gestützt wurde die Börse zunächst durch die als erfolgreich angesehene Platzierung neuer Staatsanleihen durch Frankreich und Italien. Beide Staaten konnten sich bei guter Nachfrage neue Mittel am Markt besorgen. Auch der Euro legte danach wieder zu und steht aktuell bei 1,3469 Dollar. Obwohl Spanien Rekordzinsen zahlen musste, dürfte so manchem Marktteilnehmer ein Stein vom Herzen gefallen sein. "Wie so oft in diesen Tagen, lag der Fokus einzig und allein darauf, dass die Sache über die Runden gebracht wurde", sagte Commerzbank-Analyst David Schnautz. "So gesehen war die Auktion erfolgreich." Im Gegenzug sorgte der neue EZB-Präsident Mario Draghi dafür, dass die Bäume nicht in den Himmel wuchsen. Er sieht die EZB nicht in der Rolle als Staatsfinanzierer. Damit erteilte er Forderungen eine Abfuhr, die Notenbank solle in der Schuldenkrise noch expansiver auftreten.

Wieder Warten auf Europas Politik
Wieder einmal, wie schon so oft, bestimmt die Aussicht auf den nächsten Euro-Gipfel und die Vorschläge der Politiker die Erwartungshaltung der Investoren. Frankreichs Staatspräsident kündigte am Abend auf einer Rede in Toulon an, am Montag mit Bundeskanzlerin Merkel zusammenzutreffen und dabei gemeinsame Vorschläge für die Zukunft Europas vorzulegen. Gleichzeitig skizzierte er, wohin die Reise seiner Meinung nach gehen wird. Deutschland und Frankreich sollten dabei im Zentrum einer wettbewerbsfähigen Stabilitätsunion in Europa stehen. Zugleich betonte er die Unabhängigkeit der EZB.

Sorgen um die Banken bleiben
Kritische Kommentare zum europäischen Finanzsystem durch den britischen Notenbankpräsident Mervyn King sowie der aktuelle Stillstand am Interbankenmarkt haben die Anleger hingegen heute ignoriert. Fakt ist aber, dass die Banken mittlerweile den Rekordbetrag von 300 Milliarden Euro bei der EZB geparkt haben, obwohl dies für sie alles andere als ein gutes Geschäft ist. Aber das Misstrauen unter den Banken ist eben weiterhin so groß, dass die Institute das Geld lieber bei der EZB parken, als an andere Banken zu verleihen. Die Alarmzeichen auf dem Geldmarkt hängen damit auch weiterhin wie ein Damoklesschwert über den Märkten und erinnern an die Lehman-Finanzkrise von 2008.

US-Indizes wenig bewegt
An der Wall-Street holen die Investoren nach der Vortagesrally erst mal Luft. Der Dow Jones Index, der gestern mit einem großen Satz wieder über die Marke von 12.000 Punkten gestiegen war, notiert zur Stunde wenig verändert um seinen Vortagesschluss von 12.045 Punkten. Die heutigen Konjunkturdaten konnten dem Markt keine Richtung geben. Sie fielen uneinheitlich aus.

Während die wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe mit 402.000 Anträgen schlechter reinkamen als die prognostizierten 395.000, lagen der ISM-Einkaufsmanagerindex im November und die Bauausgaben im Oktober über den Erwartungen. Der landesweite Einkaufsmangerindex betrug 52,7, erwartet worden war ein Wert von 51,5 Punkten. Deutlich besser hingegen die Bauausgaben: Mit einem Zuwachs von 0,8 Prozent übertrafen sie die Prognosen von einem Plus von 0,3 Prozent überraschend stark. Morgen erwartet die Börse die Arbeitsmarktdaten für den November, traditionell ein besonders wichtiges Datum im Kalender der Investoren.

Daimler will effizienter werden
Der Autobauer will in den Jahren 2012 und 2013 im Rahmen einer "Effizient-Offensive" seine Koste um zehn Prozent senken. Dies kündigte Produktionsvorstand Wolfgang Bernhard an. Vor allem die Herstellungskosten pro Fahrzeug sollen sinken. Im dritten Quartal lag die Daimler-Rendite mit 7,5 Prozent genau so hoch wie bei VW, aber deutlich unter der von BMW (11,9 Prozent) und Audi (13,1 Prozent). Zudem sollen in den kommenden Jahren viele neue Mercedes-Modelle an den Markt gebracht werden.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Banken-Doping hilft halb
Die Experten der US-Investmentbank Goldman Sachs äußerten sich kritisch zum europäischen Bankensektor und senkten ihn auf "Underweight". Während die Deutsche Bank deutlich zulegt, halten sich die Investoren bei der Commerzbank zurück - sie zählt zu den schwächsten Dax-Werten. Bei der Deutsche-Bank-Tochter Postbank wird derweil gestreikt. Die Beschäftigten protestieren gegen Pläne der Deutschen Bank, im Zuge der Integration zahlreiche Jobs in Tochtergesellschaften auszulagern. Dadurch würden viele Mitarbeiter schlechter gestellt.

Gemeinsam Zukunft gestalten: BMW und Toyota
BMW und Toyota haben eine umfassende technische Zusammenarbeit beschlossen. BMW wird Dieselmotoren an den japanischen Autokonzern liefern, teilten beide Unternehmen mit. Zudem wollen die beiden Konzerne künftig bei der Grundlagenforschung für Batterietechnik kooperieren. Die Aktie pendelte um ihren gestrigen Schlussstand.

Siemens überzeugt Anleger nicht
Siemens rechnet dank guter Auftragslage mit anhaltendem Umsatzwachstum. Wegen prall gefüllter Orderbücher seien auch im Geschäftsjahr 2012/13 höhere Erlöse zu erwarten, erklärte der Münchener Technologiekonzern. Allerdings sei die Entwicklung der Weltwirtschaft von vielen Unsicherheiten geprägt. Des Weitern wollen die Münchener zusammen mit dem russischen Partner Power Machines ein neues Gasturbinenwerk in St. Petersburg bauen. Ziel ist die Belieferung des russischen Marktes. Am Joint-Venture hält Siemens 65 Prozent. Die Aktie gibt 0,8 Prozent nach.

Neue Pläne bei der Telekom
Die Deutsche Telekom werkelt nach einem Bericht des "Wall Street Journal" an einem Plan B, falls der Verkauf ihrer Mobilfunktochter T-Mobile USA am Widerstand der US-Wettbewerbshüter scheitern sollte. Die Telekom und der amerikanische Käufer AT&T sollen diskutieren, ob sie stattdessen ein Gemeinschaftsunternehmen formen. Die Deutsche Telekom und AT&T hatten die 39 Milliarden Dollar schwere Übernahme im März eingefädelt.

Lanxess: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Aus dem MDax
Spitzenreiter im Index der mittelgroßen Werte war der Automobilzulieferer ElringKlinger mit einem Aufschlag von 5,6 Prozent. Das Management hatte sich zuvor auf einer Investorenkonferenz hinsichtlich der Umsatz- und Margenziele optimistisch geäußert.

Der Spezialchemiehersteller Lanxesssetzt immer stärker auf China: 2012 will der Chemiekonzern dort mehr als eine Milliarde Euro umsetzen. "China wird auch in Zukunft einer unserer Eckpfeiler im wachstumsstarken Asiengeschäft sein", erklärte Lanxess-Chef Axel Heitmann. Lanxess geben 2,4 Prozent ab.

Pharmahändler Celesio liegt derweil weiter im Clinch mit dem Branchenriesen Novartis, der das Unternehmen nicht beliefert. Hintergrund ist der Streit um die Provisionshöhe zwischen den Vertragspartnern. Novartis will die Preise hierzu neu verhandeln. Die Aktie gehört mit einem Verlust von gut drei Prozent zu den Tagesverlierern.

Der Arzneimittelhersteller Stada aus dem hessischen Bad Vilbel stellt seine Finanzierung auf solide Beine. Das Unternehmen hat Schuldscheindarlehen zur Finanzierung seines Expansionskurses im Volumen von 400 Millionen Euro erfolgreich begeben. Der Zinssatz der drei bis fünf Jahre laufenden Papiere liegt im Schnitt bei 4,27 Prozent. Stada-Aktien verlieren im MDax ebenfalls drei Prozent.

Yahoo vor Übernahme?
Berichten zufolge erwägen die Finanzinvestoren Blackstone und Bain Capital eine Übernahme des Internetunternehmens Yahoo für mehr als 25 Milliarden Dollar
gemeinsam mit zwei asiatischen Partnern. Blackstone und Bain Capital könnten mehr als 20 Dollar pro Aktie bieten, wenn sie ihr Angebot gemeinsam mit der chinesischen Alibaba Group und dem japanischen Unternehmen Softbank weiter verfolgten, berichteten die Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg. Die Aktie liegt in New York zur Stunde zwar 3,9 Prozent vorne, mit einem Kurs von 16,33 Dollar aber weit unter der genannten Zielmarke für eine Übernahme.

Zürich-Versicherungen nicht mehr so optimistisch
Der Schweizer Versicherungsriese muss beim Gewinnziel Abstriche machen. Die Gesellschaft geht nunmehr davon aus, dass die geplante Rentabilität auf das Eigenkapital von 16 Prozent rund zwei Prozent niedriger ausfallen dürfte. Trotzdem sicherte Konzernchef Martin Senn den Aktionären weiterhin eine attraktive Dividende zu. Die Zürich-Dividende liegt derzeit mit über acht Prozent so hoch wie bei keinem anderen Schweizer Standardwert.

Personalkarussell dreht sich bei der UBS
Die Schweizer Großbank bekommt eine neuen Risikochef. Philip Lofts folgt auf die bisherige Risikochefin Maureen Miskovic. Er hatte die Position bereits von 2008 bis 2010 bekleidet du n war Amerika-Chef der Bank. Ein UBS-Sprecher betonte, dass der Wechsel nichts mit dem jüngsten Handelsskandal zu tun hat, der die Bank 1,85 Milliarden Dollar gekostet hat und zum Rücktritt von Konzernchef Oswald Grübel geführt hatte. Auch andere Zuständigkeiten wurden neu aufgeteilt.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.