Dax schlägt nicht zurück

Angela Göpfert

Stand: 23.06.2009, 20:05 Uhr

Ein kräftiger Konter sieht anders aus: Den herben Verlusten vom Vortag hatte der Dax am Dienstag nur ein mickriges Plus von 0,3 Prozent entgegenzusetzen. Dass die Kauflaune der Anleger auch heute zu wünschen übrig ließ, hatte nicht nur einen guten Grund.

Sondern gleich mehrere. So zeigten neue Daten vom US-Immobilienmarkt, dass hier von Bodenbildung noch keine Rede sein kann. Genau das wäre aber für eine nachhaltige Beruhigung der Märkte nötig. Auch nach dem 2000er-Crash war es der Immobilienmarkt gewesen, der die US-Wirtschaft wieder stimulierte.

Die negativen Perspektiven für den Dollar-Raum beflügelten am Nachmittag den Euro, der wieder über die Marke von 1,40 Dollar kletterte. Zudem warf der morgige Fed-Zinsentscheid seinen Schatten voraus: An den Devisenmärkten setzte sich zunehmend die Erwartung durch, dass die US-Notenbank am Mittwoch eine Fortsetzung der Nullzinspolitik auf längere Sicht signalisieren werde.

Charttechnik sendet Warnsignal
Doch nicht nur die schlechten Daten vom US-Immobilienmarkt verprellten heute die Investoren. Auch die Charttechnik sandte ein weiteres Warnsignal: Der Dax scheiterte an der Rückeroberung der 200-Tage-Linie, die er tags zuvor nach unten durchbrochen hatte. Charttechniker Wieland Staud hält es für "analytisch entschieden verfrüht, der laufenden Konsolidierung das Ende zu reden".

Tatsächlich fiel die Erholung im Dax äußerst begrenzt aus. Im Xetra-Handel reichte es gerade einmal zu einem Plus von 0,3 Prozent auf 4.707 Punkte. Im späten Parketthandel konnte der deutsche Leitindex dieses Plus immerhin etwas ausbauen auf 4.720 Punkte. Zu Parkettschluss notierte in den USA der Dow-Jones-Index 0,3 Prozent im Minus.

Belastungsfaktor Boeing
Ein großer Belastungsfaktor für den US-Leitindex war dabei die Boeing-Aktie, die um über sieben Prozent abstürzte. Der Flugzeugbauer verschob bereits zum fünften Mal den Erstflug seines Prestigeobjekts 787 "Dreamliner" auf nunmehr unbestimmte Zeit.

Siemens, Bayer und Deutsche Bank auf der Verliererseite ...
Für den Dax waren dagegen vor allem die Kursabschläge von über ein Prozent bei den schwer gewichteten Aktien von Siemens, Bayer und Deutsche Bank eine große Bürde. Der Bayer-Konzern hält sein Ergebnis-Ziel für "zunehmend herausfordernd".

Die Aktie der Deutschen Bank konnte allerdings ihr Minus im späten Parketthandel deutlich verringern: Anleger honorierten damit, dass das deutsche Institut und die Credit Suisse ihren Rechtsstreit um die geplatzte Milliarden-Übernahme der US-Chemiefirma Huntsman mit einem Vergleich beendet hatten.

...Analystenlieblinge auf der Gewinnerseite
Unterstützung erhielt der Dax heute von Kursgewinnen von knapp zwei beziehungsweise einem Prozent bei Eon und RWE. JP Morgan hatte den europäischen Energiesektor hochgestuft.

Aktien von Salzgitter und Hannover Rück belegten nach ebenfalls positiven Analystenkommentaren mit einem Aufschlag von über drei Prozent die vorderen Ränge im Dax.

(Keine) Vorsicht bei Pfleiderer!
Im MDax übernahm die Pfleiderer-Aktie mit einem Plus von 6,4 Prozent die Spitzenposition. Der Finanzvorstand hofft auf möglichst hohe finanzielle Hilfe vom Staat: "Idealerweise gehen wir auf den Maximalbetrag." Dagegen warnte die SdK mit Blick auf den für 2009 drohenden Verlust und die hohen Schulden des Konzerns: "Pfleiderer steht nicht gut da."

Postbank vor erneutem Quartalsverlust?
Die Postbank-Aktie legte 1,7 Prozent zu. Und das obwohl Finanzchef Mark Heß die Investoren auf einen erneuten Quartalsverlust vorbereitete: "Ob das Ergebnis vor Steuern im zweiten Quartal bereits wieder positiv sein wird, ist zu bezweifeln", sagte Heß. Wahrscheinlich werde es aber besser ausfallen als im ersten Quartal, als die Postbank einen Vorsteuerverlust von 91 Millionen Euro eingefahren hatte. Der Postbank machen vor allem die geringen Marktzinsen zu schaffen.

Praktiker und Aurubis auf Erholungskurs
Auch die Praktiker-Aktie verzeichnete einen kräftigen Kursaufschlag von 3,1 Prozent. Nach drei Monaten hatte die Baumarktkette die Kurzarbeit beendet und dies mit einer Erholung im Inlandsgeschäft begründet. Die Aktie des Kupferkonzerns Aurubis kletterte um 1,4 Prozent. Der Aurubis-Chef erwartet eine "mittelfristig wieder anziehende Kupfernachfrage" wegen der Konjunkturpakete. Zudem schaue man sich nach Zukaufmöglichkeiten um.

Fuchs - Optimismus klingt anders
Die Fuchs-Petrolub-Aktie war dagegen mit einem Minus von 2,6 Prozent unter den größten MDax-Verlierern. Der Schmierstoff-Hersteller sieht keine Anzeichen für eine deutliche Verbesserung der Wirtschaftslage in der näheren Zukunft.

Happel sagt Conergy Tschüss
Im TecDax zog erneut die gebeutelte Conergy-Aktie die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich. Der Großaktionär Otto Happel hatte seinen Anteil an Conergy weiter gesenkt. Die Aktie rutschte mit einem Minus von 11,9 Prozent ans TecDax-Ende.

Biotechs geben sich krisenimmun
Dagegen verzeichnete die Morphosys-Aktie einen Aufschlag von 1,9 Prozent. Finanzchef Dave Lemus trug zur guten Stimmung bei mit Aussagen wie diesen: "Wir sind von der Finanzkrise nicht betroffen. Unser Geschäft entwickelt sich gesund." Die Medigene-Aktie gewann 0,2 Prozent. Dem Biotechunternehmen winken aus einer Partnerschaft für seine Genitalwarzensalbe Veregen Zahlungen in Millionenhöhe.

Air Berlin macht positive Ausnahme
Im SDax sprang die Air-Berlin-Aktie um 7,8 Prozent in die Höhe. Der Finanzvorstand machte Anlegern Hoffnung auf ein gutes zweites Quartal: "Es läuft alles nach Plan", sagte Ulf Hüttmeyer und bekräftigte die bisherige Prognose. Das ist heutzutage bei Fluggesellschaften keine Selbstverständlichkeit: Am Freitag hatte die Lufthansa eine milde Gewinnwarnung veröffentlicht, British Airways kämpft gar ums Überleben.

Süss MicroTec kooperiert mit 3M
Außerhalb der großen Indizes schossen Aktien von Süss MicroTec 10,9 Prozent nach oben, nachdem der Chipausrüster den Abschluss eines Kooperationsvertrages mit 3M bekannt gegeben hatte.

Carrefour vor neuer Sparrunde?
Im EuroStoxx 50 waren Carrefour-Aktien Tagessieger mit plus 3,60 Prozent. Händler verwiesen auf einen Bericht der Zeitung "Le Figaro", demzufolge der französische Supermarktbetreiber möglicherweise mehr als die geplanten zwei Milliarden Euro bis 2012 an Kosten einsparen könnte.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)