Marktbericht 20:02 Uhr

Elfter Gewinntag in Folge Dax scheitert vorerst an der 10.000-Punkte-Marke

Stand: 27.11.2014, 20:02 Uhr

Gute Arbeitsmarktzahlen und die Hoffnung auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Europa haben den Dax auch am Donnerstag weiter angetrieben. Doch vor der Schwelle von 10.000 Punkten schrecken die Anleger zurück.

Der Dax hat den elften Tag in Folge seine Rally fortgesetzt. Der unerwartete Rückgang der Arbeitslosigkeit in Deutschland im November sorgte am Vormittag für einen Freudensprung bis auf 9.992 Punkte. Es wäre zwar ein Leichtes gewesen noch ein Stück weiter zu klettern, doch vor dem Sprung über die Schwelle der magischen 10.000 Punkte scheuten die Marktteilnehmer zurück.

Daran änderte auch die Entscheidung der Opec nicht, die Förderung von Erdöl wegen der bereits um 30 Prozent gefallenen Ölpreise zu drosseln. Während die Aktien weiter haussierten verbilligte sich der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent um mehr als sechs Dollar - der größte Tagesverlust seit 2011.

Im Dax sorgen Gewinnmitnahmen im Tagesverlauf immer wieder für kurze Schwächen, doch die sofort danach einsetzenden Zukäufe bringen die Kurse wieder in Schwung. Am Ende geht der Dax bei 9.974 Punkten aus dem Handel, 0,6 Prozent oder 59 Zähler mehr als am Vortag.

Weiter Lockerung der Geldpolitik erwartet

Der eigentliche Grund für die seit elf Tagen anhaltene Rally ist natürlich die Hoffnung auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik in der Eurozone. Spätestens im Frühjahr nächsten Jahres dürfte die Notenbank mit dem Kauf von Staatsanleihen beginnen und damit weitere Milliarden freisetzen.

Mit diesem Schritt will die Zentralbank außer der Konjunktur auch die deutlich unter unter ihrer Zielmarke von 2,00 Prozent verharrende Inflationsrate anfeuern. In Deutschland sind die Preise im November unverändert geblieben. Genutzt haben die bisherigen Maßnahmen, etwa der Kauf von Kreditverbriefungen, zwar nicht - die Banken haben im Oktober erneut weniger Kredite vergeben - aber die jüngsten Ankündigungen von EZB-Präsident Mario Draghi lassen keinen Zweifel, dass die Notenbank die Geldschleusen noch weiter aufdrehen wird. Erwartet wird ab Frühjahr nächsten Jahres der Kauf von Staatsanleihen.

Wall Street geschlossen

Gestützt werden die Kurse an den Aktienmärkten auch von der anhaltend guten Stimmung der deutschen Verbraucher. Der GfK-Konsumklimaindex für Dezember ist auf 8,7 Punkte gestiegen, nach 8,5 im November. Volkswirte hatten mit einem Anstieg auf 8,6 Punkte gerechnet.

Von der Wall Street kamen am Donnerstag keine Impulse. Dort blieben die Märkte wegen des Thanksgiving-Tages geschlossen und arbeiten auch morgen nur mit halber Kraft.

Euro unter 1,25 Dollar

Die schwachen Inflationsdaten aus Deutschland haben den Euro am Donnerstag unter Druck gesetzt. Bei Börsenschluss in Frankfurt kostete die Gemeinschaftswährung 1,2475 Dollar und damit einen halben Cent weniger als im Tageshoch.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1419
Differenz relativ
+0,03%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
66,88
Differenz relativ
+0,11%

Lufthansa profitiert von Opec-Entscheidung

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,15
Differenz relativ
+0,30%

Nach der Entscheidung der Opec die Ölförderung trotz der gefallenen Preise nicht zu drosseln hat sich die Lufthansa-Aktie an die Dax-Spitze geschoben. Zudem versicherte Konzernhef Carsten Spohr, dass die Pilotenstreiks der vergangenen Monate die aktuellen Buchungen nicht belasten würden.

Bayer und Fresenius nicht zu bremsen

Überdurchschnittlich zulegen können auch die Papiere aus dem Pharma- und Gesundheitssektor wie Bayer, Fresenius oder Merck. Offenbar sehen eine Investoren bei den Branchenvertretern noch Nachholbedarf, obwohl die Papiere in den letzten Monaten bereits sehr gut gelaufen sind.

Autos gefragt, Daimler voran

Auf der Gewinnerseite stehen auch die Autowerte, allen voran Daimler. Die US-Bank JPMorgan hat die Einstufung für den Stuttgarter Konzern auf "Overweight" mit einem Kursziel von 78 Euro belassen. Das kommende Jahr dürfte für Aktien aus dem Autosektor schwankungsreich werden, meint Analyst Jose Asumendi. Bemerkbar machen dürfte sich vor allem die Wachstumsschwäche des chinesischen Automarktes. Doch für BMW und Daimler sei er zuversichtlich aufgrund des exzellenten Produktzyklus dieser beiden Premiumhersteller.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,49
Differenz relativ
-1,12%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,92
Differenz relativ
-2,52%

Nutzfahrzeuge gefragt

Gute Nachrichten für die Autobranche kommen auch von der Statistik. Den Acea-Neuzulassungszahlen zufolge sind im Oktober mit 176.913 Fahrzeugen 10,8 Prozent mehr Lkw und Busse verkauft worden als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Infineon am Dax-Ende

Schwächster Wert im Dax ist dagegen die Infineon-Aktie. Nach einem Jahr mit kräftigem Wachstum bremst eine Flaute im Industriegeschäft den Chiphersteller. Zwar werde der Umsatz trotz des "herausfordernden Marktumfeldes" und zusätzlich zur geplanten Übernahme in den USA weiter zulegen, sagte Vorstandschef Reinhard Ploss am Donnerstag. Doch das hohe Tempo von zwölf Prozent Anstieg im vergangenen Geschäftsjahr kann das Unternehmen nicht halten. Obwohl einige Analysten noch trübere Aussichten befürchtet hatten, geben Infineon-Aktien als Dax-Schlusslicht 2,8 Prozent ab.

Stratec gefällt

Im TecDax gehört die Stratec-Aktie zu den stärksten Werten. Dabei hat die DZ Bank ihre Einstufung für den Laborausrüster auf "verkaufen" belassen, den fairen Wert nach Zahlen und angehobener Jahresprognose aber von 26 auf 37 Euro erhöht. Die Neunmonatszahlen des Laborausrüsters seien stark ausgefallen, schrieb Analyst Sven Kürten in einer Studie vom Donnerstag.

DIC Asset von Klatten-Deal beflügelt

Im SDax hat sich die Aktie des Immobilienunternehmens DIC Asset am die Spitze geschoben, mit einem Zuwachs von 4,05 Prozent. Grund ist offenbar die Meldung, dass BMW-Großaktionärin Susanne Klatten einen Büroturm von DIC in Frankfurt gekauft hat. Ausgesucht hat sie sich den "Winx"-Turm auf dem neuen MainTor-Areal, das die Immobiliengesellschaft gerade am Mainufer hochzieht. Damit ist das Hochhaus, das über 42.000 Quadratmeter Büroflächen beherbergen soll, noch vor Baubeginn verkauft, wie das Unternehmen heute mitteilte.

Deutsche Beteiligung kommt gut an

Auch die ebenfalss im SDax notierte Aktie der Deutschen Beteiligungs AG sorgt für Freude. Die Firma hat eine Ausschüttung von zwei Euro angekündigt, davon kommt 1,60 Euro aus einer Sonderdividende. Zudem hat das Unternehmen in dem am 31. Oktober abgelaufenen Geschäftsjahr ein Konzernergebnis von 47,8 Millionen Euro erwirtschaftet, nach 32,3 Millionen im Vorjahr.

Catoil trotzt Ölpreis und Rubel-Verfall

Leichte Verluste verbucht dagegen die Catoil-Aktie. Dabei hat der im SDax notierte Ölfeld-Ausrüster gute Zahlen geliefert. Die Erlöse erreichten im dritten Quartal 120,7 Millionen Euro und lagen damit um sieben Prozent über Vergleichsniveau. Das Nettoergebnis lag um 40 Prozent über Vorjahr bei 23,9 Millionen Euro.

Onvista vor großem Umbruch

Noch härtere Zeiten kommen auf die Aktionäre des Finanzportals Onvista zu. Die Firma wird von der Börse genommen und zieht von Köln nach Frankfurt um. Wegen der dadurch anfallenden Kosten geht der Vorstand für das Geschäftsjahr 2014 von einer Belastung in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro aus. Dadurch dürfte das Ergebnis auf einen niedrigen einstelligen Millionenbereich zurückgehen. Die Aktie bricht zeitweise um mehr als 23 Prozent ein, kann ihre Verluste im weiteren Verlauf aber redizieren.

lg

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"