Marktbericht 20:07

Aktienmarkt schwächelt Dax schaltet einen Gang zurück

Stand: 23.06.2014, 20:07 Uhr

Der deutsche Aktienmarkt musste zum Wochenauftakt gleich eine ganze Reihe schlechter Nachrichten verkraften. Mit neuen Rekordständen wurde es daher nichts, die Anleger hielten sich bedeckt.

Am Ende schloss der deutsche Leitindex mit einem Abschlag von 0,66 Prozent bei 9.920 Punkten. Die Marke von 10.000 Punkten wurde nur im frühen Geschäft nach guten Vorgaben aus China kurz ins Visier genommen, mit dem Tageshoch bei 9.993 Zählern aber knapp verfehlt. Im Späthandel tat sich nichts mehr, der L/E-Dax schloss bei 9.919 Punkten nahezu unverändert.

Wer gehofft hatte, dass der Dax nach dem neuen Rekordhoch vom Freitag bei 10.050 Punkten weiter laufen würde, wurde damit enttäuscht. Die sich verschärfenden Konflikte in der Ukraine und im Irak taten ein Übriges. Marktanalyst Christian Henke vom Broker IG sagte, offenbar seien die Anleger "auf dem falschen Fuß erwischt" worden. Er verwies zudem auf Aussagen des EZB-Vizepräsidenten Vitor Constancio über eine mögliche Überhitzung der Immobilienmärkte in einigen europäischen Ländern.

Auch die anderen Indizes der Deutschen Börse schlossen alle im Minus, am stärksten verlor der MDax, der 0,83 Prozent auf 16.846 Punkte nachgab.

MDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23.700,89
Differenz relativ
-0,24%
TecDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.569,53
Differenz relativ
-0,08%
SDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10.567,50
Differenz relativ
-0,54%

EU-Konjunkturdaten enttäuschen die Börse

Im Dax ging es nach dem guten Start danach unter Schwankungen abwärts, im Tief bis auf 9.985 Punkte. Die Nachrichtenlage trübte sich vor allem nach den schwachen Einkaufsmanagerdaten aus der EU für den Juni ein. Sie deuten auf eine eher schleppende Erholung in der Eurozone hin. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft fiel um 0,7 auf 52,8 Punkte. Erwartet worden war ein stabiler Wert.

Allerdings gibt es Unterschiede, denn während es in Deutschland gut läuft, gerät vor allem Frankreich immer mehr unter Druck. Die zweitgrößte Wirtschaft der Eurozone verliert zunehmend den Anschluss. "Das Hauptproblem ist nach wie vor die auseinander laufende Entwicklung innerhalb der Eurozone", kommentierte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Marktbericht positiv
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Börse 12.00 Uhr: Euro zieht an

Andere Experten sehen aber auch technische Gründe für die Kursverluste. "Neben der Sorge um die Erholung der Euro-Zone sind das auch Nachwehen vom Großen Verfall am Freitag", erklärte ein Händler. Schon zum Wochenschluss hatte der Dax sein zwischenzeitlich aufgestelltes Allzeithoch nicht bis Handelsschluss behaupten können.

Wall Street verharrt im Minus

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.414,77
Differenz relativ
+0,52%

Trotz besser als erwartet ausgefallener Daten vom Hausmarkt bleiben die führenden amerikanischen Aktienindizes aktuell weiter leicht im Minus. Im Mai war der Absatz bestehender Häuser gegenüber dem Vormonat um 4,9 Prozent auf für das Gesamtjahr hochgerechnete 4,89 Millionen Einheiten gestiegen. Das ist der höchste Stand seit Oktober 2013. Experten hatten lediglich mit einem Anstieg von 1,9 Prozent gerechnet. "Die Eintrübung des Immobiliensektors in den vergangenen Monaten ist überwunden", kommentierte Volkswirt Johannes Jander von der Helaba die Zahlen.

Euro kämpft mit 1,36 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1416
Differenz relativ
+0,81%

Die Gemeinschaftswährung hat sich vom Tagestief zwar etwas gelöst, bleibt aber von den schwachen Konjunkturdaten aus Europa belastet. Aktuell kämpft der Euro mit der Marke von 1,36 Dollar. Vor allem die Lage in Frankreich wird auch am Devisenmarkt immer sorgenvoller registriert.

"Die mangelnde Konkurrenzfähigkeit der französischen Unternehmen scheint auch bei einem schwächeren Euro fortzubestehen und substanziellerer Natur zu sein", zeichnete BayernLB-Experte Stefan Kipar ein düsteres Bild. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,3596 (Freitag: 1,3588) Dollar fest.

Gold profitiert vom Aktien-Schwächeanfall

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.221,20
Differenz relativ
+0,65%

In dieser Gemengelage suchten die Anleger Zuflucht bei vermeintlich "sicheren Häfen". Der Goldpreis behauptete sein erhöhtes Niveau bei 1,316 Dollar, ein leichtes Plus von 0,2 Prozent. Das gelbe Edelmetall hatte in der vergangenen Woche ein fulminantes Comeback erlebt und mit dem Sprung über die 200-Tage-Linie ein technisches Kaufsignal gesandt.

Auch am deutschen Rentenmarkt ging es, wie stets bei krisenhaften Lagen, aus dem gleichen Grund bergauf. Der Bund-Future stieg 0,2 Prozent, die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt bei 1,33 Prozent.

Commerzbank weiter auf absteigendem Ast

Am Dax-Ende stand die Commerzbank-Aktie. Am Freitag war das Coba-Papier aus der jüngsten Seitwärtsbewegung nach unten ausgebrochen. Mit einem Minus von 3,7 Prozent auf Wochensicht war sie der schwächste Index-Wert. Auch K+S gaben nach. Tagessieger waren ThyssenKrupp, die einzige Dax-Aktie, die nennenswert zulegen konnte. Nach Presseberichten ist Siemens an dessen Aufzugsparte interessiert.

Siemens: Anleger enttäuscht

Aktien von Siemens verzeichneten Kursverluste. Am Markt überwog die Enttäuschung über den gescheiterten Alstom-Deal. Dagegen sieht Siemens-Chef Joe Kaeser im Scheitern eine "riesige Chance" für den deutschen Elektrokonzern, seien GE und Alstom doch mit der Umsetzung der vereinbarten Kooperation auf Jahre beschäftigt. Zudem setzt Siemens darauf, dass die EU-Kartellbehörden zu große Marktanteile der beiden Partner unterbinden werden und die Münchener somit durch die Hintertür doch noch zum Zuge kommen, vor allem im Turbinengeschäft.

Bayer setzt auf Gentherapie gegen die Bluterkrankheit

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
62,59
Differenz relativ
-1,45%

Die Pharmasparte des Leverkusener Konzerns sichert sich die Gentherapie der US-Pharmafirma Dimension Therapeutics. Die Amerikaner können bis zu 232 Millionen Dollar verdienen, wenn bestimmte Forschungsziele beim Kampf gegen die Krankheit erreicht werden.

Die Bluterkrankheit ist ein Haupttherapiefeld von Bayer, das Medikament Kogenate war 2013 mit Umsätzen von 1,2 Milliarden Euro das beste Pferd im Bayer-Stall. Die Forschungen stehen allerdings noch am Anfang. Hauptkonkurrenten von Bayer sind die Konzerne Baxter aus Amerika sowie die dänische Novo Nordisk.

SAP-Rivale Oracle mit Milliardenkauf

Die SAP-Aktie, die zunächst schwach eröffnet hatte, erholte sich danach zwar wieder, schloss am Ende aber dann doch leicht im Minus. Der Softwarehersteller Micros System hat bestätigt, dass SAP-Rivale Oracle das Unternehmen für 5,3 Milliarden Dollar übernehmen will. Die Management-Teams sind sich einig, jetzt müssen noch die Aktionäre überzeugt werden. Oracle bietet 68 Dollar je Aktie, deutlich mehr als die 55 Dollar, die die Micros-Aktie vor dem Angebot wert war. Die Übernahme ist für Oracle die größte seit dem Kauf von Sun Microsystems für 5,6 Milliarden Dollar im Jahr 2009. An der Nasdaq legt die Oracle-Aktie aktuell mehr als ein halbes Prozent zu.

Fuchs Petrolub kauft zu

Der Schmierstoffexperte aus dem MDax berichtet über eine kleine Akquistion in Großbritannien, mit der das Spezialitätengeschäft ausgebaut werden soll. Für einen nicht genannten Betrag übernehmen die Mannheimer den britischen Konkurrenten Batoyle Freedom. Dabei geht es Fuchs insbesondere um neue Technologien, sowie den Kundenstamm und die Belegschaft. Batoyle hatte zuletzt 15 Millionen Euro Umsatz gemacht. Fuchs-Vorzüge tendierten mit dem Markt schwächer.

Stühlerücken im SDax

Neu im SDax ist ab heute die Aktie von Borussia Dortmund zu finden. Die Aktie des Bundesligisten war zuletzt stark gestiegen, ein möglicher Einstieg der Deutschen Bank war allerdings gescheitert. Auch Hornbach Baumarkt schaffte den Aufstieg in den Kleinwerteindex. Für die beiden Papiere räumten der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer und die Fluggesellschaft Air Berlin ihre Plätze.

Crop Energies überrascht mit gutem Jahresauftakt

Aktien der Südzucker-Tochter sind nach guten Zahlen zum ersten Geschäftsquartal gefragt. Das Ebitda stieg auf 13,5 Millionen Euro nach 6,5 Millionen im Vorquartal. Der Kursanstieg ist Balsam auf die Wunden der Aktionäre, die seit Jahresanfang heftige Verluste hinnehmen mussten. Auch die Südzucker-Aktie stieg deutlich und führte den MDax mit einem Plus von über vier Prozent an.

Neuer Börsengang in der Pipeline

Der deutsch-südafrikanische Möbelkonzern Steinhoff hat seine Pläne für einen Börsengang in Deutschland vorgestellt. Die Vorbereitungen für eine Notierung im Prime Standard an der Frankfurter Börse würden nach Vorlage der Geschäftszahlen (per 30.6.) beginnen, teilte das Unternehmen heute in Johannesburg mit. Gleichzeitig soll der Firmensitz von Südafrika nach Deutschland verlegt werden.

Steinhoff ist derzeit an der Börse in Johannesburg notiert und hat einen Marktwert von acht rund acht Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2013/2014 wurden 6,2 Milliarden Dollar umgesetzt. Steinhoff ist mit der Möbelkette "Poco" bereits in Deutschland und in mit "Kika" und "Lainer" in Österreich vertreten. Das Listing in Johannesburg soll weiterbestehen.

Die Aktien des Baustoffkonzerns Braas-Monier Building kommen derweil nach Insider-Berichten zwischen 24 und 24,50 Euro an den Markt. "In dieser Spanne sind die Bücher gut gezeichnet", sagte einer von ihnen. Braas bietet Aktien noch bis Dienstag in einer Spanne von 23 bis 28 Euro an, die Erstnotiz ist für Mittwoch geplant. Das Volumen liegt bei 500 Millionen Euro, der bisher größte Börsengang in diesem Jahr.

Kion will Toyota überrunden

Im SDax sorgt zudem Kion-Chef Gordon Riske mit einem dpa-Interview für Furore: Bis 2020 wolle man Marktführer Toyota hinter sich lassen und Branchenprimus werden. Dabei setzt Riske vor allem auf einen Aufholprozess in Asien und den USA. Mit dem chinesischen Ankerinvestor Weichai Power im Rücken wollen die Wiesbadener kräftig in ihre Entwicklung investieren, um Fahrzeuge für diese Wachstumsmärkte zu bauen. Die Anleger blieben aber skeptisch, das Kion-Papier verlor 1,54 Prozent.

BNP Paribas vor Einigung mit US-Justiz?

Unter den ausländischen Werten stand die Aktie von BNP Paribas im Blick. Im Streit über mögliche Verstöße gegen US-Sanktionen stehen die amerikanischen Behörden offenbar vor einer Einigung mit der französischen Großbank. Beide Seiten hätten sich unter anderem im Grundsatz auf die Zahlung von acht bis neun Milliarden Dollar durch das Geldhaus verständigt, berichtete das "Wall Street Journal". Die Aktie begrenzte im Tagesverlauf zwar ihre anfänglichen Verluste, schloss aber trotzdem im Minus.

Santander kauft sich in Skandinavien ein

Die spanische Großbank, die größte in der Eurozone, übernimmt weitere Teile der GE-Money-Bank. Für 700 Millionen Euro werden die Filialen der Banktochter des US-Elektroriesen in Schweden, Norwegen und Dänemark eingegliedert. General Electric will sich zukünftig mehr auf sein Kerngeschäft konzentrieren.

Santander hat zu Jahresbeginn bereits das GE-Money-Geschäft in Österreich und Deutschland übernommen. Mit der Übernahme zählt die skandinavische Santander-Tochter über 1,2 Millionen Kunden und trägt 17 Prozent zum Kreditgeschäft bei. Neben dem spanischen Heimatmarkt, von dem Santander wegen der Immobilienkrise unabhängiger werden will, ist die Bank in Großbritannien, Deutschland und Lateinamerika stark vertreten. Santander betreibt fast ausschließlich das standardisierte Privatkunden-Geschäft, das sogenannte Retail-Banking.

Google und die Zukunft der Heimsicherung

Ob diese Meldung eher die Anleger oder die Datenschützer beschäftigen wird, muss sich noch zeigen: Die Google-Tochter Nest Labs stößt ins Geschäft mit Überwachungskameras vor und übernimmt die Firma Dropcam, die vernetzte Kameras und Sensoren herstellt. Google beim Kauf von Nest Anfang 2014 zugesichert, dass die Nutzerinformationen nicht automatisch mit den Google-Daten verknüpft werden sollen. Die Aktie liegt aktuell an der Nasdaq 0,6 Prozent im Plus.

rm

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"