Marktbericht 20:05 Uhr

Müder Handel zum Wochenschluss Dax schaltet einen Gang zurück

Stand: 15.04.2016, 20:05 Uhr

Nach schwachen US-Konjunkturdaten und im Vorfeld der Ölkonferenz am Sonntag haben sich die Anleger zum Wochenausklang bedeckt gehalten. Eine erfolgreiche Woche war es trotzdem für den Dax.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Denn insgesamt legte der deutsche Leitindex in der abgelaufenen Woche 4,5 Prozent zu und eroberte damit die Marke von 10.000 Punkten wieder zurück. Für den deutschen Leitindex war es der größte Wochengewinn seit zwei Monaten. Auch auf europäischer Ebene ging der Aktienmarkt auf Klettertour. Der Eurostoxx50-Index gewann im Wochenvergleich sogar 4,9 Prozent hinzu.

EuroStoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum Intraday
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Am Freitag gab es allerdings mit einem Tagesverlust von 0,42 Prozent auf 10.051 Punkte einen Dämpfer. Der Index blieb während der gesamten Handelszeit im Minus und schwankte dabei relativ gering zwischen 10.020 und 10.070 Punkten. Auch im Späthandel tat sich nicht mehr viel, der L/E-Dax schloss bei 10.037 Punkten.

Für weitere Avancen dürften nun neue Impulse nötig sein. "Die Luft im Dax wird dünner", sagte Analyst Andreas Paciorek vom Brokerhaus CMC Markets. "Im Moment ist für Anleger erst einmal Abwarten angesagt."

Keine Unterstützung aus Amerika

Hoffnungen, dass am Nachmittag aus Amerika neue Impulse kommen würden, erfüllten sich nicht. Die meisten der veröffentlichten Konjunkturdaten fielen enttäuschend aus, lediglich der Empire-State-Index, ein Konjunkturindikator für den Großraum New York, überzeugte.

ARD-Börsenstudio: Konrad Busen
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Börse 19.00 Uhr

Ansonsten blieben sowohl die Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung im März als auch der neue Index des Verbrauchervertrauens der Uni Michigan unter den Erwartungen. Vor allem die Industrieproduktion enttäuschte. Sie sank um 0,6 Prozent zum Vormonat. Experten hatten nur einen Rückgang von 0,1 Prozent erwartet. Helaba-Analyst Ralf Umlauf sprach von enttäuschenden Zahlen und gedämpften Zinserwartungen.

Lahme US-Börsen

Auch an der Wall Street tut sich derzeit nicht viel. Der Markt nimmt die schwachen Konjunkturzahlen gefasst auf, der Leitindex Dow Jones ist mittlerweile leicht ins Minus gedreht und hatte zuvor schon mehrmals das Vorzeichen gewechselt. Insgesamt steht der Index bei rund 17.900 Punkten aber auf hohem Niveau und nur gut 450 Punkte oder etwas mehr als zwei Prozent entfernt vom Rekordhoch aus dem Mai 2015 bei 18.351 Zählern.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Die Makro-Zahlen bestätigen derweil diejenigen Marktteilnehmer, die unmittelbar keine weiteren Zinsschritte der Fed erwarten. Die Notenbank hatte zuletzt ein eher vorsichtiges Anziehen der Zinszügel signalisiert und dürfte sich nun bestätigt sehen.

Euro bleibt auf hohem Niveau

Die schwachen US-Konjunkturdaten haben sich auch auf den Euro ausgewirkt. Die europäische Gemeinschaftswährung legte danach zu und wurde am Nachmittag in der Spitze bei 1,1314 Dollar gehandelt. Sie fiel danach aber leicht zurück und notiert aktuell um die Marke von 1,1300 Dollar. Insgesamt konsolidiert der Euro damit weiter auf hohem Niveau. Die Europäische Zentralbank (EZB) legte den Referenzkurs auf 1,1284 (Donnerstag: 1,1252) Dollar fest.

Ölkonferenz wirft ihre Schatten voraus

Bergab ging es auch mit den Preisen für das 'schwarze Gold'. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni verliert zuletzt rund zwei Prozent. Die Anleger warten auf den Versuch wichtiger Opec-Mitglieder und Russlands, sich am Sonntag auf eine Begrenzung der Fördermenge zu einigen.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum 3 Monate
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Bei dem Treffen in Katars Hauptstadt Doha dürfte es aber wohl nur vage Vereinbarungen geben. "Mit anderen Worten wird das Treffen nichts an der gegenwärtigen Situation am Ölmarkt ändern", schrieben die Analysten der Commerzbank. Nach Schätzungen von Experten liegt die Überproduktion bei täglich zwei Millionen Barrel. Seit Mitte 2014 ist der Preis für Öl um gut 60 Prozent gefallen. Die Vereinbarungen von Doha dürften ein wesentlicher Bestimmungsfaktor für die neue Börsenwoche sein.

Automarkt: VW büßt ein, Daimler und BMW besser

Unter den Einzelaktien standen Autoaktien im Blick. Sie waren heute die großen Verlierer, am Indexende standen Volkswagen mit einem Abschlag von 2,36 Prozent. Die VW-Kernmarke bleibt wegen der Dieselaffäre unter Druck, lediglich die VW-Töchter legten beim Absatz im März zu. Daimler und BMW verbuchten Absatzzuwächse.

Die Pkw-Neuzulassungen stiegen in der EU um sechs Prozent auf gut 1,7 Millionen Fahrzeuge, teilte der Herstellerverband ACEA mit. Angetrieben wird der Markt von den stark gesunkenen Spritkosten und niedrigen Zinsen. Gegen den Trend besser schnitten Versorgeraktien ab. Tagessieger waren Eon, die 2,21 Prozent vorrückten, RWE gewannen 1,25 Prozent.

ThyssenKrupp: Auch Hiesinger für Konsolidierung

Zu den Gewinnern im Dax gehörten auch die Papiere von ThyssenKrupp. Laut "Handelsblatt" führt der Konzern nicht nur Gespräche über eine Stahlfusion mit Tata Steel, sondern auch mit Salzgitter und ArcelorMittal als Partner. Berichte über einen Zusammenschluss mit Teilen des indischen Konzerns Tata hatte es in den vergangenen Tagen bereits gegeben. Konzern-Chef Heinrich Hiesinger hat sich für eine Neuaufstellung der europäischen Stahlindustrie ausgesprochen.

Die Industrie leidet vor allem unter der Überproduktion aus China, die die Preise drückt. Heute wurde bekannt, dass die Stahlproduktion in China im März mit 70,65 Millionen Tonnen das höchste jemals erreichte Niveau erreicht hat.

Deutsche Bank räumt das Portfolio auf

Das Geldhaus hat nach langer Suche einen Käufer für ein Containerterminal in New Jersey gefunden und damit die zweite ihrer im Portfolio befindlichen Hafenanlagen losgeschlagen. Käufer ist ein Infrastrukturfonds der australischen Investmentbank Macquarie. Zum Preis äußerte sich die Bank nicht. Die Vermögensverwaltung hatte den Hafenbetreiber Maher im Jahre 2007 für 2,3 Milliarden Dollar gekauft und damit hohe Verluste eingefahren.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gleichzeitig wurde bekannt, dass man kurz vor der Beilegung der zivilen Rechtsstreitigkeiten in den USA bezüglich der Vorwürfe über krumme Gold- und Silberpreisgeschäfte stehe. Die Bank habe einem Vergleich zugestimmt, hieß es aus New Yorker Gerichtskreisen. Weitere Informationen gibt es aber nicht. Insgesamt hat die Bank aktuell 5,5 Milliarden für juristische Altlasten zurückgestellt.

Rhön hält Dividende konstant

Der Krankenhausbetreiber will für 2015 erneut eine Dividende von 0,80 Euro zahlen. Zudem visiert das Unternehmen eine stärkere Zusammenarbeit mit jungen Startup-Unternehmen an. 2016 soll dafür ein niedriger zweistelliger Millionen betrag in junge Medizintechnikfirmen investiert werden. Dies wurde auf der heutigen Bilanzpressekonferenz bekannt gegeben. Eine Übernahme von Rhön-Klinikum erwartet das Management derzeit nicht. "Aus meiner Sicht ist das komplett ad acta gelegt", sagte Vorstand Jens-Peter Neumann. "Es war, seit ich Vorstand bin, noch nie so ruhig."

Die Rhön-Aktie liege mit mehr als 28 Euro auf einem Rekordhoch. Der Konzern ist damit rund 1,9 Milliarden Euro wert. Für den Konkurrenten und Rhön-Großaktionär Asklepios, der in der Branche lange als möglicher Käufer gehandelt wurde, sei das zu teuer, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen.

Drägerwerk bestätigt Verlust

Tief abwärts ging es mit der Drägerwerk-Aktie im TecDax. Das Papier war schwächster Wert im deutschen Technologieindex. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres ist der Lübecker Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller in die roten Zahlen gerutscht. Der Umsatz stieg dagegen um 2,4 Prozent.

Hypoport sehr gut gestartet

Tagessieger im SDax war das Papier des Finanzdienstleisters Hypoport, das 4,73 Prozent zulegte. Hypoport hatte am Nachmittag über einen sehr guten Start ins neue Jahr berichtet, nachdem bereits das Vorjahr ein Rekordjahr gewesen war. Für das Auftaktquartal erwartet das Unternehmen einen Umsatz von 35 Millionen Euro (nach 33,1 Millionen vor Jahresfrist) und ein Ebit von mindestens 5,4 Millionen Euro nach 3,8 Millionen 2015. Die vollständigen Geschäftszahlen für das erste Quartal 2016 wird Hypoport wie vorgesehen am 2. Mai veröffentlichen.

Deag setzt ganz auf 2016

Die Deutsche Entertainment AG weist für das abgelaufene Jahr zwar einen Umsatzzuwachs um 16,1 Prozent auf 200,4 Millionen Euro aus, schreibt aber weiter rote Zahlen. Das Ebit lag bei minus 17,8 Millionen Euro. Das Unternehmen macht dafür Sondereffekte verantwortlich und blickt deutlich zuversichtlicher auf das laufende Jahr, in dem schwarze Zahlen erwartet werden.

Man sei zuversichtlich, die im Februar gegebene Jahresprognose, die ein positives Ebit von mindestens drei bis fünf Millionen Euro für das laufende Jahr vorsieht, übertreffen zu können. Die im Regulierten Markt gehandelte Aktie gibt leicht nach.

Borussia-Aktie schwächer

Die Aktien von Borussia Dortmund schwächelten im SDax. Grund war die bittere Niederlage gegen Liverpool um Jürgen Klopp. BVB-Kapitän Mats Hummels sprach nach dem Spiel von einer Riesenenttäuschung. Das sahen die Anleger wohl ähnlich.

Fiat kann sich VW als Partner vorstellen

Nachdem er bei General Motors abgeblitzt ist, kann sich Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne neben Volkswagen auch Toyota und Ford als mögliche Kooperationspartner vorstellen. Marchionne äußerte sich am Rande der Hauptversammlung. Er betonte weiter die Notwendigkeit zu Konsolidierungen im Sektor.

Citigroup verdient deutlich weniger

Mit den Zahlen der Citigroup setzt sich der Zahlenreigen der US-Banken fort. Die Großbank hat, ähnlich wie die Konkurrenz, im ersten Quartal kräftig unter den Marktturbulenzen gelitten und musste daher einen Gewinnrückgang im Jahresvergleich um 27 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar hinnehmen. Die Zahlen waren aber besser als erwartet, so dass die Aktie an der Wall Street zulegt.

Apple-Aktie unter Druck

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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An der Nasdaq verliert die Aktie des Kultkonzerns derzeit rund 1,5 Prozent. Grund: Apples iPhone verkauft sich einem Medienbericht zufolge weiterhin nicht wie erhofft. Der US-Konzern werde daher auch im laufenden Quartal reduzierte Stückzahlen produzieren, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei" am Freitagabend. Dies gehe aus einer Mitteilung des Unternehmens an Zulieferer hervor.

Carrefour trotzt Schwäche in Frankreich

Europas größter Einzelhändler Carrefour hat trotz mauer Geschäfte auf dem französischen Heimatmarkt seinen Umsatz gesteigert. Die Erlöse des Weltmarktzweiten hinter dem US-Rivalen Walmart legten im ersten Quartal bereinigt um Sonderfaktoren um 3,2 Prozent auf knapp 20,1 Milliarden Euro zu. Vor allem in Brasilien, Spanien und Italien lief es rund. Für das Gesamtjahr erwartet Carrefour ein operatives Ergebnis von 2,5 Milliarden Euro. An der Pariser Heimatbörse legte die Aktie deutlich um 3,8 Prozent zu.

rm

Tagestermine am Dienstag, 23. Oktober

Unternehmen:
Sartorius: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Talanx: Telefon-Pk zum Kapitalmarkttag, 7:30 Uhr
Anglo American: Q3 Production Report, 8:00 Uhr
Eli Lilly: Q3-Zahlen, 12:25 Uhr
United Technologies: Q3-Zahlen, 12:55 Uhr
Lockheed Martin: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
Verizon Communications: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
Caterpillar: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
3M: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
McDonald`s: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Texas Instruments: Q3-Zahlen, 22:01 Uhr
Logitech: Q3-Zahlen
Harley-Davidson: Q3-Zahlen
Biogen: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise 9/18, 8:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen 10/18 (vorab), 16:00 Uhr