Dax schafft die rote Null

Stand: 02.06.2010, 20:10 Uhr

Ein freundlicher Handelsverlauf in den USA hat den schwach gestarteten Dax am späten Nachmittag den Rücken gestärkt. Trotz Schuldenangst und Eurokrise schloss der deutsche Leitindex unverändert. Gute Konjunkturzahlen legten die Grundlage für die erfreuliche Tagesbilanz.

Die so genannten schwebenden Hausverkäufe entwickelten sich deutlich besser als erwartet, und auf guten Daten vom Häusermarkt reagiert die Wall Street für gewöhnlich wohlwollend, so dass die großen Indizes um die ein Prozent zulegten.

Dies wiederum holte den sehr schwach gestarteten Dax aus seinem Minustal und schob ihn zum Handelsende fast ins Plus. Der Dax schloss 0,07 Punkte schwächer bei 5.981 Zählern, also unverändert. Zuvor hatte allerdings die weiter schwelende europäische Schuldenkrise die Kurse belastet. Dies liege über dem Markt "wie ein Damoklesschwert", sagte ein Händler. Griechenland will sich übrigens von einem großen Teil seiner noch in staatlicher Hand befindlichen Infrastruktur trennen, um die enormen Schulden abzutragen.

Für Liebhaber von ungedeckten Leerverkäufen war der Mittwoch ein schwarzer Tag. Das Bundeskabinett verabschiedete einen Gesetzesentwurf des Finanzministeriums. Künftig sind nicht nur ungedeckte Leerverkäufe auf bestimmte Aktien und Staatsanleihen verboten, sondern sämtliche so genannte "naked shorts". Die Börse reagierten auf diese Nachricht kaum. Mitte Mai, als die BaFin ungedeckte Leerverkäufe auf Aktien der zehn deutschen größten Finanzkonzerne und Derivate von Euro-Staatsanleihen unterbunden hatte, waren die Börsen weltweit noch erheblich unter Druck geraten.

Vor dem amerikanischen Untersuchungsausschuss zu den Ursachen der Finanzkrise distanzierte sich derweil der Starinvestor Warren Buffett von den Ratinagenturen. "Ich denke, sie haben wie alle anderen falsch gelegen", sagte Buffett. Investoren sollten sich nicht auf die Ratingagenturen verlassen.

Im Ausland beliebt: deutsche Autos
Die deutsche Autoindustrie hat im Mai von stark anziehenden Ausfuhren profitiert. Wie der Branchenverband VDA mitteilte, stiegen die Exporte im Jahresvergleich um fast die Hälfte auf 367.700 Fahrzeuge. In Deutschland gingen die Zulassungen wegen der weggefallenen Abwrackprämie hingegen deutlich zurück. Gegenüber Mai 2009 sanken die Neuzulassungen um ein Drittel auf 252.800. Im Laufe des Abends legten die Autohersteller noch ihre amerikanischen Absatzzahlen für Mai vor. Mercedes legte deutlich zu, BMW und Porsche mussten Federn lassen.

Merck KGaA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
85,50
Differenz relativ
0,00%

Konjunkturresistent
Im Dax waren vor allem defensive Aktien gefragt, neben Henkel und Fresenius auch die Papiere von Merck und Bayer. Ein Zeitungsbericht, dass der amerikanische Biotechkonzern Biogen die beiden Firmen auf die Zahlung von Lizenzzahlungen verklagt, hatte die Anleger offensichtlich nicht beunruhigt. Es geht um ein von Bayer und Merck entwickeltes Präparat, das ein Biogen-Patent verletze, heißt es.

Deutsche Börse gefragt
Auch die Aktie der Deutschen Börse legte leicht zu. Bereits gestern hatten sich Aktionäre erfreut über die neuen Umsatzzahlen gezeigt. Auf Xetra habe man, teilte die Börse gestern mit, im Mai 74 Prozent mehr Umsatz gehabt als vor einem Jahr.

Preisdruck auf die Stahlaktien
Schwächer notieren die Aktien von ThyssenKrupp und Salzgitter. Händler verwiesen auf Berichte vom Dienstag, dass die Preise in der Branche mittelfristig eher fallen dürften.

Gerüchte und Analysen im MDax
Übernahmegerüchte bescherten dem im MDax notierten Duft- und Aromahersteller Symrise einen erklecklichen Kursgewinn von drei Prozent. Angeblich sei der belgische Wettbewerber Solvay an Symrise interessiert, erzählten Börsianer. Die Aktie von Wacker Chemie profitierte von zwei Analystenstimmen. Equinet und LBBW hatten Wacker zum Kauf empfohlen und dies mit den guten Quartalszahlen begründet.

Fraport bestätigt Ziele
Der Flughafenbetreiber Fraport hat seine Jahresplanung bestätigt, zumindest was die Fluggäste betrifft. Demnach will die Firma in diesem Jahr ein bis zwei Prozent mehr Passagiere abfertigen als 2009, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte auf der Hauptversammlung. Das Ebit soll auf 635 Millionen Euro steigen, die Aktionäre für das abgelaufene Geschäftsjahr 1,15 Euro je Aktie erhalten. Auch beim Flughafenausbau in Frankfurt, wo eine dritte Landebahn entstehen soll, sei man "voll im Zeit- und Kostenplan".

Singulus meldet Auftragslage
Auch der im TecDax notierte Anlagenbauer Singulus hat auf seiner heutigen Hauptversammlung die Jahresplanung bestätigt. Dies beinhalte unter anderem ein ausgeglichenes operatives Ergebnis. Erfreulich war der Auftragseingang im ersten Quartal. Die Kunden bestellten für 39,8 Millionen Euro, vor einem Jahr waren es nur 17,4 Millionen.

Nachrichten von ausländischen Unternehmen
Mit Erleichterung haben Aktionäre des britischen Versicherers Prudential auf den geplatzten Übernahmeversuch des AIG-Asiengeschäftes reagiert. Prudential wollte den ursprünglich vereinbarten Kaufpreis von 35,5 Milliarden Dollar auf 30 Milliarden verringern, scheiterte dabei aber an AIG.

Der spanische Telekomkonzern Telefonica streckt sich nach Lateinamerika. Für 6,5 Milliarden Euro will sich der Konzern die Mehrheit am brasilianischen Konkurrenten Vivo einverleiben. Zuvor hatte Telefonica 5,7 Milliarden geboten, was aber vom bisherigen Vivo-Großaktionär Portugal Telecom abgelehnt wurde.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr