Marktbericht 20:02 Uhr

Erneuter Schwächeanfall Dax saft- und kraftlos ins neue Quartal

Stand: 31.03.2016, 20:02 Uhr

Dem Dax ist es am Donnerstag nicht gelungen, seine am Vortag erklommene Marke von 10.000 Punkten zu verteidigen. Als Belastung erwies sich vor allem der erstarkte Euro.

Mit gut 1,14 Dollar ist die Gemeinschaftswährung am Donnerstag auf den höchsten Stand des Jahres gestiegen. Am Morgen hatte der Euro zeitweise nur bei 1,1310 Dollar notiert. Bei Börsenschluss am Abend notiert der Euro bei 1,1383 Dollar.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Auftrieb erhielt die Währung durch besser als erwartet ausgefallene Kern-Inflationsdaten aus der Eurozone. Danach stiegen die Preise ohne Energie-, Lebens- und Genussmittel um 1,0 Prozent, erwartet war ein Plus von 0,9 Prozent. Die Verbraucherpreise sind dagegen erneut gesunken, um 0,1 Prozent. Bereits im Februar hatte es ein Minus von 0,2 Prozent gegeben. Vor allem der Verfall der Ölpreise bewirkt, dass die Lebenshaltungskosten zurückgehen.

In dem seit Wochen andauernden Kampf um die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten muss der Dax folglich erneut zurückstecken. Zwar schafft er es im Tagesverlauf imer wieder über die wichtige Schwelle zu klettern, muss sich aber am Ende geschlagen geben und geht bei 9.965 Punkten aus dem Handel, 0,81 Prozent tiefer als am Vortag.

Angst vor der eigenen Courage

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

Viele Anleger hätten bei einem Dax-Stand jenseits der 10.000 Punkte anscheinend wieder Angst vor der eigenen Courage bekommen, hieß es in einem Kommentar der Postbank. Mit einem Minus von 7,2 Prozent erreicht der Dax damit die schlechteste Drei-Monats-Bilanz seit dem zweiten Quartal 2015.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Für Enttäuschung sorgen auch die deutschen Einzelhandelsumsätze. Sie sind im Februar um 0,4 Prozent gesunken. Volkswirte hatten eigentlich mit einem Anstieg um 0,3 Prozent gerechnet. Zudem warten viele Anleger offenbar auf den US-Arbeitsmarktbericht am morgigen Freitag. Von den Daten erhoffen sie sich Aufschluss über die weitere Geldpolitik der Fed. In der vergangenen Woche sind mit 276.000 wieder mehr Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gestellt worden als erwartet.

Warten auf die US-Arbeitsmarktdaten

Auch an der Wall Street trauen sich die Anleger vor der Bekanntgabe der offiziellen Arbeitsmarktzahlennicht nicht aus der Deckung. Der Dow Jones-Index tritt mehr oder weniger auf der Stelle und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt bei 17.705 Punkten, rund 11 Zähler weniger als am Vortag.

Auch neue, überraschend gute Konjunkturdaten können das Marktgeschehen nicht beleben. Dabei hat sich das Geschäftsklima in der Region Chicago im März deutlich stärker aufgehellt als erwartet. Der Einkaufsmanagerindex sei von 47,6 Punkten im Vormonat auf 53,6 Punkte gestiegen, teilte die regionale Einkaufsmanagervereinigung am Donnerstag in Chicago mit. Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg auf 50,7 Punkten gerechnet.

Lufthansa an Dax-Spitze

Zu den wenigen Gewinnern im Dax gehört die Lufthansa-Aktie. Sie profitiert von dem zeitweise billigeren Ölpreis und steigt um genau ein Prozent. Ein wenig Schützenhilfe dabei dürften aber auch Aussagen des Reisekonzerns Tui leisten. Laut dessen "Trading-Update" haben die Buchungen für den Sommer erfreulich zugelegt. Die Tui-Aktie, die inzwischen in London notiert, steigt deutlich.

Eon: UBS senkt den Daumen

Dagegen führt die Eon-Aktie die Liste der Dax-Verlierer an. Grund ist eine Herabstufung durch die Analysten der UBS. Die Experten der Bank haben auf die Ergebnisse der jüngsten Gas-Verhandlungen mit Russland mit einer Kurszielsenkung auf 8,65 Euro reagiert. Diese hätten einen "leicht negativen" Effekt auf die Ergebnisschätzungen.

Deutsche Bank: Breuer zahlt

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auch die Papiere der Deutschen Bank gehören heute erneut zu den größten Verlierern im Dax. Die Manager-Versicherung des Instituts zahlt rund 90 Millionen an die Bank. Dazu kommen 3,2 Millionen Euro vom früheren Vorstandschef Rolf Breuer selbst. Der hatte die Bank mit Äußerungen zur Kreditwürdigkeit des Medienunternehmers Kirch einst in gerichtliche und kostspielige Turbulenzen gebracht.

Metro: Sogar Kellerhals lobt

Nach dem zweistelligen Anstieg gestern muss die Aktie des Handelskonzerns Metro heute 0,6 Prozent abgeben. Analysten halten die Aufteilung des Konzern überwiegend für sinnvoll. Die Berenberg Bank garniert ihre aktuelle Analyse mit einer Kaufempfehlung. Das aktuelle Kursniveau biete immer noch eine Einstiegsgelegenheit. Und auch Media-Saturn-Minderheitseigner Erich Kellerhals sieht in dem Plan einen Anstoß für "neue kreative Lösungen".

Aixtron: Kaufspekulationen

Aixtron: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im TecDax haben Übernahmespekulationen die Aktien von Aixtron um fast neun Prozent in die Höhe getrieben. In einer ersten Reaktion waren die Titel sogar bis auf 4,55 Euro gestiegen. Kreisen zufolge führt der Spezialmaschinenbauer für die Halbleiterindustrie informelle Gespräche mit potenziellen Käufern. Die Diskussionen seien seit Monaten immer wieder aufgenommen und beendet worden, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Nemetschek dreht ins Minus

Abwärts geht es dagegen mit den Papieren von Nemetschek. Der Architektur-Software-Hersteller Nemetschek hat im vergangenen Jahr einen üppigen Umsatzanstieg um 30,6 Prozent auf 285,3 Millionen Euro bilanziert. Auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg deutlich auf 69,5 Millionen Euro.

Bei RIB stört der Ausblick

Aktien von RIB Software führen die Liste der TecDax-Verlierer an. Das Unternehmen, das im Bereich Bausoftware unterwegs ist, verzeichnete einen klaren Umsatzanstieg von 70 auf 82,1 Millionen Euro, enttäuschte laut Analysten aber beim Ausblick auf das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda). Dieses soll im laufenden Jahr zwischen 20 und 25 Millionen Euro liegen.

BayWa-Ausblick enttäuscht

Auch der Agrarkonzern BayWa sorgt für Enttäuschung. Es werde "eine große Herausforderung" sein, das Ergebnis zu steigern, sagte Vorstandschef Klaus Josef Lutz auf der Bilanzpressekonferenz. Er sei "verhalten optimistisch". Der Umsatz sank 2015 um zwei Prozent auf 14,9 Milliarden Euro. Dank eines außergewöhnlich guten Ergebnisses beim Verkauf von Wind- und Solarprojekten und im ausländischen Agrargeschäft legte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern dennoch auf 158 Millionen Euro zu.

Sorge um italienische Banken

Italienische Bankenwerte standen heute unter Druck. Offenbar könnte sich eine für April vorgesehene Kapitalerhöhung der noch nicht börsennotierten Banca Popolare di Vicenza schwierig gestalten. Die Aktien der vor einer Fusion stehenden Banco Popolare und Banca Popolare di Milano (BPM) verloren daraufhin bis zu acht Prozent. Auch die Papiere von Monte dei Paschi, Ubi Banca und UniCredit fielen um bis zu sieben Prozent. Bis zum Abend können sie ihre Verluste aber reduzieren.

Tesla greift im Massenmarkt an

Großer Tag für den US-Elektroauto-Hersteller. In Los Angeles wird am Abend das "Model 3" feierlich vorgestellt. Das Auto soll für umgerechnet 31.000 Euro in den Handel gehen und damit vor allem die internationale Konkurrenz im Mittelklasse-Segment das Fürchten lehren. Die Erwartungen sind groß, die Tesla-Aktie dürfte in Bewegung geraten.

Alno macht Hoffnung

Der Küchenhersteller Alno ist im vergangenen Jahr weiter in der Verlustzone geblieben. Trotz gestiegener Umsätze ist unter dem Strich ein Minus von 4,4 Millionen Euro entstanden, nach einem Verlust von 4,1 Millionen im Vorjahr. Für 2016 rechnet Alno mit einem deutlichen Wachstum bei Ergebnis und Umsatz. Die Aktie macht einen Freudensprung.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr