Marktbericht 20:10 Uhr

China als Spielverderber Dax rutscht weiter ab

Stand: 08.03.2016, 20:10 Uhr

Zwei Tage vor der mit Spannung erwarteten EZB-Sitzung sind die Anleger auf die Bremse getreten. Schwache Konjunktursignale aus China und die wieder fallenden Ölpreise drückten den Dax nach unten.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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11.407,73
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Die Vorfreude auf weitere Geldgeschenke der Europäischen Zentralbank (EZB) scheint allmählich zu verfliegen. Seit Wochenbeginn hat der Dax 1,3 Prozent nachgegeben, nachdem er die Woche zuvor über drei Prozent nach oben gerauscht war. Am Dienstag büßte der deutsche Leitindex 0,9 Prozent ein und fiel unter 9.700 Punkte.

Ölpreise fallen wieder

Von der Wall Street kam keine Unterstützung. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss 0,4 Prozent im Minus. Die wieder sinkenden Ölpreise vermiesten die Stimmung.  Die Nordsee-Sorte Brent fiel bis zum Abend wieder unter die 40 Dollar je Barrel. Die Sorte WTI verbilligte sich auf unter 37 Dollar. Am frühen Nachmittag waren die Ölpreise noch gestiegen.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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56,31
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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66,64
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Schlechte Signale aus China

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 19.00 Uhr

Hinzu kamen erschreckend schwache Daten aus China: Im Februar brachen die Exporte aus dem Reich der Mitte um etwa ein Viertel ein. Die Importe gingen um 14 Prozent zurück. "Die Regierung in Peking wird Schwierigkeiten haben, ihre Wachstumsziele zu erreichen", sagte Marktanalyst Heino Ruland vom Brokerhaus ICF.

Euro hält sich über 1,10 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1313
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Von der Verunsicherung profitierte der Euro. Er behauptete sich knapp über der Marke von 1,10 Dollar. Aus Deutschland kamen gute Produktionsdaten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Euro-Zone legte von Oktober bis Dezember erneut um 0,3 Prozent zum Vorquartal zu - trotz mauer Weltkonjunktur.

Banges Warten auf "Super Mario"

Insgesamt aber hielten sich die Anleger vor der EZB-Sitzung am Donnerstag merklich zurück. Die Umsätze an den Börsen waren dünn. Die meisten Marktteilnehmer rechnen damit, dass EZB-Präsident Mario Draghi die Geldpolitik weiter lockert. Doch die Gefahr, dass "Super Mario" die hohen Erwartungen nicht erfüllt, ist groß. "Draghi wird die Märkte enttäuschen, weil die Zauberformel nicht gefunden werden kann", glaubt Heinz-Werner Rapp, Chief Investment Officer von Feri.

Die Post geht ab

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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28,56
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Im Dax gab es nur ein halbes Dutzend Gewinner. Zum Spitzenreiter avancierte die Deutsche Post. Die Aktien legten knapp drei Prozent zu. Der Logistik-Konzern kündigte ein Aktienrückkauf-Programm an. Eine Milliarde Euro will dabei die Post an ihre Aktionäre zurückgeben. Das Rückkaufprogramm solle noch im März anlaufen und in einem Jahr abgeschlossen sein.

Frankreich ermittelt gegen VW

Dagegen standen Autotitel auf der Verkaufsliste - wegen China. Dort schwächte sich das Wachstum zum Jahresauftakt trotz fortgesetzter Steuererleichterungen wieder ab. Die Aktien von BMW büßten über zwei Prozent, die Titel von Daimler über drei Prozent ein. Der Kurs von VW sackte gar um vier Prozent ab. Der Wolfsburger Autobauer litt zusätzlich unter Ermittlungen in Frankreich im Zusammenhang mit "Dieselgate". Außerdem drohen nun auch in Deutschland hohe Schadensersatzforderungen von Investoren. Die Allianz werde sich über ihren Vermögensverwalter AGI in den nächsten Tagen an einer Sammelklage gegen den Autobauer beteiligen, sagten Insider.

RWE macht kaum Hoffnung

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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19,15
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Am Dax-Ende rangierte mal wieder ein alter Bekannter: der Versorger RWE. Die Aktien sackten um 4,3 Prozent ab. Wegen der Probleme bei der britischen Tochter npower erlitt der Energieversorger 2015 einen Nettoverlust von 170 Millionen Euro nach einem Gewinn von 1,7 Milliarden Euro. RWE erwartet im laufenden Jahr einen weiteren Gewinnrückgang. "Die Talsohle ist noch nicht durchschritten", sagte RWE-Chef Peter Terium. Es sei noch kein Silberstreif am Horizont erkennbar.

Merck nicht gut genug

Merck KGaA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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95,62
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Die Aktien von Merck verloren fast zwei Prozent. Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern war 2015 erneut auf Rekordkurs. Das operative Ergebnis (Ebitda) stieg im Jahresvergleich um 7,0 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 12,8 Milliarden Euro - auch dank Zukäufen. Für das laufende Jahr werden weitere Zuwächse erwartet. Einige Analysten zeigten sich enttäuscht über den Ausblick.

Hugo Boss erholt sich

Im MDax eroberte Hugo Boss die Spitze - zwei Tage vor den endgültigen Jahreszahlen. Die Aktien erholten sich etwas vom jüngsten Kurseinbruch und stiegen um 1,5 Prozent. Die Titel von Metro gewannen knapp ein Prozent - beflügelt von einer Kaufempfehlung durch Berenberg.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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4,14
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-5,29%
Hugo Boss NA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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62,68
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Symrise gar nicht dufte

Zweistelliges Wachstum verzeichnete der Duft- und Aromenhersteller Symrise. Umsatz und Ebitda stiegen um 23 Prozent. Unterm Strich verdiente Symrise 247 Millionen Euro. Die Dividende soll um fünf Cent auf 80 Cent je Aktie steigen. Auch 2016 werde die MDax-Firma schneller wachsen als der Markt. Allerdings werde die Ebitda-Marge von 22 auf rund 20 Prozent sinken - wegen des jüngsten Zukaufs von Pinova, der die Marge verwässere. Analysten hatten eine höhere Dividende erwartet. Die Aktie schloss knapp zwei Prozent tiefer. Symrise expandiert zunehmend in Bereiche außerhalb des klassischen Aromengeschäfts.

Schwacher Dialog-Ausblick

Auch die Dialog-Aktie stand im TecDax unter Abgabedruck. Sie büßte über drei Prozent ein. Während im Gesamtjahr 2015 Umsatz und Ergebnis deutlich anzogen, lief es für den Chiphersteller im vierten Quartal weniger gut. Die Umsätze sanken um neun Prozent. Auch für das erste Quartal 2016 rechnet Dialog mit weniger Umsatz.

Wirecard wieder unter Druck

Bei Wirecard kehrt keine Ruhe ein. Die Aktien des Zahlungsverkehrsabwicklers rutschten am Dienstag erneut um über sechs Prozent ab. Der zuletzt bereits mit Vorwürfen gegen das Unternehmen aufgetretene Research-Dienst Zatarra hat nachgelegt und Wirecard erneut Geldwäsche vorgeworfen. Zatarra war bereits Ende Februar für einen Kurssturz verantwortlich gewesen. Händler sprachen von Leerverkäufen.

Technotrans verdient deutlich mehr

Das Unternehmen hat im Jahr 2015 Umsatz und Ergebnis gesteigert. Die Erlöse legten um über neun Prozent auf 122,8 Millionen Euro zu. Das operative Ergebnis (Ebit) erhöhte sich um fast ein Drittel auf 9,0 Millionen Euro. Die Ebit-Marge von 7,3 Prozent liegt damit am oberen Ende der zuvor in Aussicht gestellten Spanne. Der Vorstand rechnet für 2016 mit einer Fortsetzung der positiven Geschäftsentwicklung. Technotrans ist ein auf Flüssigkeitstechnologie spezialsierter technologischer Dienstleister, hauptsächlich für die Druckindustrie.

SMT Scharf schafft die Wende

Die Aktie des auf Transporttechnik im Bergbau spezialisierten Unternehmens sauste um 20 Prozent nach oben. Das Unternehmen hat trotz schwierigem Marktumfeld die eigenen Ziele übertroffen. Der Umsatz stieg auf 50,3 Millionen, das Ebit lag bei 1,6 und der Jahresüberschuss bei 0,8 Millionen Euro. Damit schreibt SMT Scharf wieder schwarze Zahlen, nachdem im Vorjahr Verluste ausgewiesen wurden.

BGH: Griechenland-Anleger müssen vor griechischen Gerichten klagen

Keine gute Nachricht gab es am Dienstag für deutsche Besitzer von griechischen Staatsanleihen: wie der Bundesgerichtshof (BGH) entschied, können Griechenland-Anleger vor deutschen Gerichten keinen Schadensersatz für den Wertverlust ihrer Anleihen einklagen. Das scheitere schon an der Zuständigkeit. Mit einem Schuldenschnitt hatte Griechenland Anfang 2012 seine Schuldenlast verringern wollen. Für die privaten Gläubiger bedeutete das den Tausch ihrer Anleihen gegen Papiere, die nur noch etwa halb so viel wert waren. Anlegern, die auf eine Entschädigung gehofft hatten, bleibt nun nur der Gang vor die griechischen Gerichte.

Süße Dividende von Lindt & Sprüngli

Wer statt Griechenland-Anleihen Schweizer "Schoggi"-Aktien hat, kann sich trösten. Die Papiere von Lindt & Sprüngli haben auf Ein-Jahres-Sicht gut fünf Prozent zugelegt. Der Schweizer Hersteller Lindt & Sprüngli hat 2015 trotz höherer Rohstoffpreise und einem starken Franken mehr verdient. Der Gewinn stieg um elf Prozent auf 381 Millionen Franken. Die Dividende soll von 725 auf 800 Franken erhöht werden. Am Ausblick für 2016 halten die Schweizer fest. Der Umsatz soll organisch um sechs bis acht Prozent stiegen.

Wer hat Interesse an Burberry?

An der britischen Börse waren die Aktien von Burberry am Dienstag heiß begehrt. Der Luxusmode-Konzern profitierte von "Übernahmefantasie". Laut "Financial Times" ist Burberry auf der Suche nach Unterstützung im Kampf gegen eine mögliche Übernahme. Die HSBC hatte Mitte Februar bekannt gegeben, dass ein Aktionär die Schwelle von fünf Prozent Anteilen an Burberry überschritten habe, Der "FT" zufolge könnte es sich bei dem Aktionär um LVMH oder einen Finanzinvestor handeln.

Ontex stürzt ab

Die Aktie des belgischen Herstellers von Windeln und anderen Hygieneprodukten stürzte so stark ab wie noch nie. Das Papier verlor bis zu 16 Prozent auf etwas über 26 Euro, nachdem es enttäuschende Geschäftszahlen vorgelegt hatte. Das Unternehmen traf mit einem Umsatz von 1,69 Milliarden Euro zwar die Markterwartungen. Der Gewinn lag mit 1,50 Euro je Aktie aber unter der durchschnittlichen Analystenprognose von 1,58 Euro.

nb

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr