Dax rutscht doch wieder ab

Stand: 22.08.2011, 20:02 Uhr

Lange Zeit hatte es so ausgesehen, als ab der Dax heute mit Gewinnen aus dem Handel gehen wird. Doch am späten Nachmittag drehten die Kurse doch wieder in den Keller. Hoffnung gibt es aber von der Wall Street.

Dort kann der Dow Jones-Index seine Tagesgewinne verteidigen. Vor allem Technologiewerte legen zu. Die Anteilsscheine von Banken geraten dagegen abermals unter Druck. Die Investoren hätten vorsichtig agiert, sagten Händler. Anleger hoffen aber darauf, dass die Fed Ende der Woche neue Maßnahmen zur Ankurbelung der US-Konjunktur verkündet. Das würde dem Markt zumindest die Sicherheit geben, dass etwas getan werde, sagte Analyst Tim Speiss von EisnerAmper. bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow rund 0,8 Prozent höher als am Freitag bei 10.897 Punkten.

Der Dax schließt am Abend 0,4 Prozent tiefer bei 5.478 Zählern. Im Tagesverlauf hatte der Leitindex zeitweise um 1,8 Prozent zugelegt auf 5.591. Im Lauf des Nachmittags verließ die Anleger aber immer mehr der Mut und der Dax musste seine Gewinne vollständig wieder abgeben.

"Einen echten Grund dafür, dass der Dax wieder mit Verlusten geschlossen hat, gibt es nicht", sagte ein Portfolio-Manager. "Wir sind Spielball der großen ausländischen Fonds." Dass die anderen großen Börsen in Europa allerdings noch deutlich im Plus schlossen, begründete er damit, dass sich der Dax in den vergangenen zwei Jahren deutlich besser als etwa der Eurostoxx 50 entwickelt habe. Zudem wurden auch charttechnische Gründe für die Dax-Entwicklung genannt: Nachdem das deutsche Börsenbarometer am Freitag eine wichtige Unterstützung bei 5.594 Punkten nach unten durchbrochen habe und an diesem Tag erneut an dieser Marke abgeprallt sei, gebe es wieder verstärktes Abwärtspotenzial, sagte ein weiterer Händler.

Auch der Euro dreht nach anfänglichen Kursgewinnen gegenüber dem Dollar wieder ab und fällt auf 1,438 Dollar."Der Handel bleibt sehr nervös", sagte ein Händler.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,91
Differenz relativ
-0,69%

Versorger wiederentdeckt
Angeführt wird der Dax von den Versorgern Eon und RWE. Beide Titel profitieren von einer positiven Eon-Studie der Bank of America/Merrill Lynch. Er halte die jüngsten Kursverluste für überzogen, schrieb Analyst Christopher Kuplent. Die Annahmen für die mittelfristigen Ergebnisziele von Eon seien übermäßig konservativ. Kuplent senkt zwar sein Kursziel auf 20 von 21 Euro, hob aber die Einschätzung von "Neutral" auf "Buy" an. Auch Macquarie hat die Aktie von Eon von "Neutral" auf "Outperform" hochgestuft.

HeidelbergCement: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
54,20
Differenz relativ
+0,52%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
73,60
Differenz relativ
-0,54%

HeidelbergCement weiter schwach
Dagegen gehören die Aktien von HeidelbergCement erneut zu den schwächsten Werten im Dax. Die Papiere, die noch im Februar auf ein Jahreshoch bei 54,00 Euro geklettert waren, sinken nun auf 27.32 Euro. Seit vergangenem Donnerstag, als Konkurrent Holcim enttäuschende Halbjahreszahlen vorgelegt hatte, büßten sie damit rund 14 Prozent ein. "Fundamental gibt es heute nichts Neues", sagte ein Analyst. Dass die Aktie immer noch wegen der Holcim-Zahlen abgestraft werden könnte, hielt er allerdings für unwahrscheinlich.

Auch die konjunktursensiblen Autowerte, allen voran BMW, verlieren gegen die Tendenz bis zu vier Prozent.

Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
124,15
Differenz relativ
+1,10%

UBS beflügelt Deutsche Euroshop
Dank einer Hochstufung durch die UBS sind die Aktien von Deutsche Euroshop der stärkste Wert im MDax mit einem Plus von 4,9 Prozent. Analyst Kristian Bandy hält die Ertragsziele des Unternehmens für konservativ. Bandy stufte die Aktie deshalb von "Neutral" auf "Buy" hoch und bekräftigte das Kursziel von 28 Euro.

Die Liste der Verlierer wird dagegen auch im MDax von einem konjunkturabhängigen Wert, dem Autozulieferer Continental, angeführt. Neuigkeiten aus dem Unternehmen gibt zwar keine, trotzdem verliert die Aktie rund sechs Prozent.

QSC dementiert Gespräche mit KKR
Im TecDax klettert die Aktie des Telekommunikationsanbieters an die Index-Spitze. Grund sind Übernahmespekulationen. Dabei hat QSC-Chef und Großaktionär Bernd Schlobohm am Morgen dementiert, dass er mit der Beteiligungsgesellschaft KKR Verkaufsverhandlungen führt. Am Freitagabend hatte der "Platow-Brief" ohne Angaben von Quellen berichtet, dass KKR ein Auge auf QSC geworfen habe.

Nordex: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,52
Differenz relativ
-1,50%

Klatten legt bei Nordex nach
Quandt-Erbin Susanne Klatten und ihr Ehemann Jan kauften in der vergangenen Woche für zusammen knapp 1,2 Millionen Euro fast 300.000 weitere Aktien des Windradherstellers Nordex und erhöhten damit leicht ihren Anteil am Unternehmen. An der Börse wurde der neuerliche Kauf als Vertrauensbeweis in das zuletzt wegen des großen Preisdrucks in der Branche schwächelnde Unternehmen gewertet. Die Aktie legt um 1,4 Prozent zu.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,32
Differenz relativ
+2,20%

Air Berlin hebt ab
Im SDax gehören die Aktien von Air Berlin zu den größten Gewinnern mit einem Plus von über 15 Prozent. "Der Markt dürfte auf einen Turnaround des Unternehmens nach dem Abgang von Herrn Hunold hoffen", sagte ein Händler. Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold hatte am Donnerstag den Chefsessel geräumt. Zudem will Air Berlin sein Streckennetz kräftig eindampfen.

Die österreichische Lufthansa-Tochter AUA (Austrian Airlines) wird auch im laufenden Geschäftsjahr 2011 rote Zahlen schreiben. Das Unternehmen hatte für 2011 angestrebt, operativ aus den roten Zahlen zu kommen. "Wir werden die gesteckten Ziele nicht erreichen", sagte AUA-Chef Stefan Lauer nach Angaben der Nachrichtenagentur APA in Wien. Die Lufthansa-Aktie verliert gut ein Prozent.

Comdirect ist Krisenprofiteur
Auch die Aktie von Comdirect klettert überdurchschnittlich. Der Grund: die Turbulenzen an den Aktienbörsen bescheren der Comdirect Rekorde. "Die vergangenen Wochen waren einige der besten seit der Gründung unseres Unternehmens", sagte Finanzvorstand Christian Diekmann der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Das Papier gewinnt rund zehn Prozent. Die Papiere der Deutschen Börse können von den Turbulenzen übrigens nicht profitieren. Sie gehören zu den größten Verlierern im Dax.

Tagestermine am Dienstag, 18. Dezember

Unternehmen:
FedEx: Q2-Zahlen
Navistar: Q4-Zahlen
Micron Technology: Q1-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklima 12/18, 10:00 Uhr
USA: Baubeginne und Genehmigungen 11/18, 14:30 Uhr