Marktbericht 20:02 Uhr

Gemischte Konjunkturdaten Dax runter, Euro rauf

Stand: 03.06.2013, 20:02 Uhr

Unerwartet schwache Daten von der US-Industrie haben am Montag die Aktienbörsen auf eine Achterbahnfahrt geschickt und den Dollar gedrückt. Die Geldschwemme der Notenbanken dürfte zwar weitergehen, doch der Dax schließt dennoch ims Minus. Kräftig zulegen konnte jedoch der Euro.

Die Gemeinschaftswährung steigt in der Spitze bis auf 1,3094 Dollar und damit einen US-Cent mehr als am frühen Nachmittag, vor der Veröffentlichung der US-Konjunkturzahlen.

Der Dax büßt dagegen 63 Punkte oder 0,76 Prozent ein und schließt bei 8.285. Nachdem am Morgen enttäuschende Konjunkturdaten aus China den Leitindex zunächst um 1,6 Prozent auf 8.214 Punkte gedrückt hatten, geht es am Mittag ebenso rasch wieder bergauf. Der Leitindex kann seine Verluste vollständig ausgleichen und dreht sogar ins Plus bis auf 8.395 Punkte.

Doch dann sorgen US-Zahlen für Enttäuschung. Der ISM-Index für die US-Industrie fiel im Mai auf 49 Punkte nach 50,7 Zählern im April. Analysten hatten mit einem Wert auf Vormonatsniveau gerechnet.

Warten auf den US-Arbeitsmarktbericht

Das sehr ernüchternde Stimmungsbild in den Unternehmen eigne sich dazu, die Diskussion über eine Begrenzung des Fed-Anleihenkaufprogramms zu dämpfen, kommentierte Postbank-Analyst Heinrich Bayer. "Wichtiger noch dürfte aber in dieser Hinsicht der US-Arbeitsmarktbericht für Mai sein, der am Freitag veröffentlicht wird, da eine weitere Reduzierung der Arbeitslosigkeit auf der Prioritätenliste der Fed ganz oben steht." Die Bauausgaben in den USA stiegen im April zugleich weniger stark als gedacht.

Belastet wird der Dax auch von der Prognose des IWF. Der traut Deutschland in diesem Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent zu. Bisher hatte der Fonds mit einem Plus von 0,6 Prozent gerechnet.

An der Wall Street ist die Reaktion auf die Konjunkturdaten eindeutiger als hierzulande. Der Dow Jones-Index mit den 30 Standardwerten notiert bei Börsenschluss in Frankfurt 0,33 Prozent höher bei 15.164 Punkten.

Experten bleiben zuversichtlich

Die Experten von Sentix bleiben für den Aktienmarkt grundsätzlich zuversichtlich. "Der Dax hat weitere drei bis vier Prozent Luft nach unten, wobei wir den Konsolidierungsprozess positiv einordnen", schrieb Analyst Patrick Hussy in einer aktuellen Studie. Derweil sei der Kampf zwischen Bullen und Bären am europäischen Aktienmarkt aktuell ausgeglichen. "Wir notieren nach dem Stimmungshoch vor zwei Wochen neutrale Sentiment-Indizes", fuhr Hussy fort.

Rückversicherer in Hochwasser-Gefahr

Im Dax gehört neben der Commerzbank vor allem die Münchener Rück zu den schwächsten Werten. Auch die Papiere der Allianz büßen leicht ein, können sich aber von den starken Verlusten am Vormittag deutlich erholen. Im MDax verliert die Aktie der Hannover Rück gut zwei Prozent. Laut Marktteilnehmern werden hohe Schäden durch die Hochwasser-Katastrophen in Europa befürchtet.

Flucht in defensive Werte

Favoriten im Dax sind dagegen die Papiere von Fresenius und Merck. Die beiden Gesundheits- und Pharmakonzerne können in der Regel immer dann zulegen, wenn die meisten anderen im Leitindex enthaltenen Werte abgeben müssen. Zudem hat Merck mit seinem Krebsmittel Erbitux einen Erfolg verbucht und in einem Vergleichstest besser abeschnitten als ein ähnliches Medikament von Roche.

Lufthansa im Aufwind

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,35
Differenz relativ
+4,20%

Aufwärts geht es auch mit der Lufthansa-Aktie. Laut dem Branchenverband IATA steuern die Unternehmen aus dem Sektor 2013 auf Gewinne in Höhe von 12,7 Milliarden Dollar zu, das ist ein Fünftel mehr als die IATA noch im März erwartet hatte. Lufthansa-Aktien gehören auch deshalb zu den Dax-Gewinnern weil sich das Unternehmen inzwischen eine Partnerschaft mit einer Golf-Airline vorstellen kann.

Eon will kein Gas mehr von Gazprom

Eon-Aktien notieren dagegen schwächer als der Gesamtmarkt. Der Energiekonzern prüft nach einem Bericht der "WirtschaftsWoche" seine Lieferverträge mit der russischen Gazprom vollständig zu kündigen. Laut dem Magazin ist Eon das Gas aus Russland zu teuer. Zudem habe sich Gazprom als schwieriger Handelspartner erwiesen.

Fraport ex Dividende

Im MDax ist die Fraport-Aktie der schwächste Wert. Der Flughafenbetreiber wird nach der Hauptversammlung mit einem Dividendenabschlag gehandelt; er liegt bei 1,25 Euro je Aktie. Das MDax-Papier notiert also nur "optisch" im Minus.

Baywa trotz Regens gelassen

Der Agrarkonzern Baywa aus dem MDax erwartet trotz des Dauerregens und der Kälte der vergangenen Wochen keine gravierenden Ernteausfälle oder Preisanstiege. Zwar sei die weitere Entwicklung witterungsabhängig, doch brauche beispielsweise Wintergetreide viel Wasser, sagte eine Unternehmenssprecherin in München. Beim Weizen etwa erwarte man weiter eine durchschnittliche Ernte. Der Weizenpreis habe sich derzeit bei etwa 200 Euro je Tonne eingependelt habe und dürfte sich weiter seitwärts bewegen. Die Aktie verliert leicht.

Tui: Sparpläne lassen Anleger kalt

Zu den Verlierern im MDax gehört auch der Reisekonzern Tui. Dass das Unternehmen die Sparschrauben anzieht, um im Geschäftsjahr 2014/15 ein operatives Ergebnis von rund einer Milliarde Euro zu erzielen, löst bei Anlegern keine Freude aus.

Morphosys hebt an

Die Biotech-Firma Morphosys aus dem TecDax hat wegen einer Lizenzvereinbarung mit dem britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline ihre Jahresprognose erhöht. Das Unternehmen erwartet nun einen Umsatz in Höhe von rund 68 bis 72 Millionen Euro (bisher 48 bis 52). Zudem soll der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) zwischen minus 2 bis plus 2 Millionen Euro betragen. Zuvor war Morphosys von einem operativen Verlust von 18 bis 22 Millionen Euro ausgegangen.

IVG-Aktionäre auf der Flucht

Im SDax rauschen die Papiere des bereits auf Pennystock-Niveau geschrumpften Immobilienunternehmens IVG zweistellig ab. IVG steht nahe am Abgrund. Nach eigenen Angaben muss das Immobilienunternehmen seinen Schuldenstand in den kommenden Wochen um bis zu 1,75 Milliarden Euro senken. Derzeit drücken 4,2 Milliarden Euro an Schulden das Unternehmen. Die Hauptversammlung wurde erneut, auf den 30. August, verschoben.

Kion und Deutsche Annington sind börsenreif

Der Gabelstapler-Hersteller, einst Teil des Gasekonzerns Linde, will in diesem Sommer den Börsenstart schaffen. Details zum angestrebten Preis und Volumen gab es zunächst nicht. Gleichzeitig werde der chinesische Staatskonzern Weichai Power als «strategischer Ankerinvestor» seine Anteile an dem nach Toyota weltweit zweitgrößten Gabelstaplerhersteller von 25 auf 30 Prozent erhöhen. Das werde unmittelbar vor Abschluss des Angebots erfolgen.

Auch Deutschlands größter Wohnungskonzern, Deutsche Annington, will seine Börsenpläne in Kürze publik machen. Die Erstnotiz werde weiter rund um den 4. Juli angepeilt, sagten mehrere mit dem Prozess vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Das Unternehmen selbst wollte sich nicht äußern.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr