Marktbericht 20:02 Uhr

Warten auf die Notenbanken Dax: Ruhe vor dem Sturm?

Stand: 20.09.2016, 20:02 Uhr

Obwohl die Terminmärkte die Wahrscheinlichkeit einer US-Zinserhöhung am Mittwoch bei gerade einmal 20 Prozent sehen, bleiben die Anleger skeptisch - und scheuen neue Positionen.

Der Dax muss in den letzten Handelsminuten fast seine gesamten Tagesgewinne wieder abgeben und schließt bei 10.393 Punkten, 0,19 Prozent höher als am Vortag. Dabei hatte es am frühen Nachmittag noch nach einem heiteren Börsentag ausgesehen.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 20.15 Uhr

Der Dax klettert in der Spitze um gut 90 Punkte auf 10.465 Zähler. Nach Eröffnung der Wall Street beginnt die Stimmung zu bröckeln, so dass auch der deutsche Leitindex einen Großteil seiner Gewinne wieder abgeben muss.

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Börse 19.00 Uhr

Auch an der Wall Street bleiben die Anleger vorsichtig, obwohl die Marktbeobachter überwiegend davon ausgehen, dass die Fed auf ihrer morgigen Sitzung die Leitzinsen unverändert lassen wird. Weil gelichzeitig erwartet wird, dass die japanische Notenbank auf ihrer Sitzung in der kommenden Nacht den geldpolitischen Lockerungskurs fortsetzt, gibt es mehr Hoffnung als Sorgen. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones- Index 0,2 Prozent höher bei 18.150 Zählern.

Was macht die Bank of Japan?

Die meisten Beobachter erwarten eine Anhebung der US-Leitzinsen erst zum Jahresende. Doch sei es alles andere als ausgemacht, dass die Geldpolitik unverändert bleibe, warnt Volkswirtin Ana Thaker vom Brokerhaus PhillipCapital. Ungeachtet einer Serie enttäuschender US-Konjunkturdaten sei die Gelegenheit günstig, den Schlüsselsatz jetzt anzuziehen und den Einfluss auf die Wirtschaft in den kommenden Monaten zu beobachten. Dass die am Nachmittag bekannt gewordenen Wohnbaubeginne und Baugenehmigungen im August etwas schlechter ausgefallen seien als erwartet, spiele keine Rolle.

Wenige Stunden vor der Fed wird die japanische Notenbank Insidern zufolge den Strafzins auf Zentralbank-Einlagen verschärfen, um die Kreditvergabe und damit die Wirtschaft anzukurbeln. Außerdem könnte sie nach Einschätzung von Experten das Gewicht ihrer Anleihekäufe auf kürzer laufende Titel verlagern, weil deren Renditen richtungsweisend für die Zinsen von Unternehmenskrediten sind. Japanische Versicherer und Pensionsfonds würden sich angesichts der dadurch drohenden Kursverluste bei lang laufenden Bonds sicher in Europa und den USA nach Alternativen umsehen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10.924,70
Differenz relativ
-0,04%

Euro gibt nach

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1361
Differenz relativ
-0,09%

Auch der Euro ist vor dem Zinsentscheid in den USA und Japan in Deckung gegangen. Bei Börsenschluss kostet die Gemeinschaftswährung 1,1166 Dollar und damit etwas weniger als am Morgen. Nur kurzzeitig war der Euro im Vormittagshandel über 1,12 Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1184 (Montag: 1,1165) Dollar fest.

Deutsche Bank in Richtung Rekordtief

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,86
Differenz relativ
-0,03%

Im Dax führen die Aktien der Deutschen Bank erneut die Liste der Verlierer an. Sie verlieren 3,8 Prozent und gehen nur leicht über dem Rekordtief von 11,06 Euro aus dem Handel. Das Institut steht wegen der 14-Milliarden-Dollar-Forderung aus den USA vor einer Kapitalerhöhung. Viele Ableger fragen sich jedoch, wer derzeit der Deutschen Bank neue Aktien abkaufen will. Muss sich der einst so stolze Branchenprimus gar unter die Fittiche des Staates flüchten?

Deutsche Börse macht sich wieder Hoffnung

Dagegen haben sich die Aktien der Deutschen Börse Stück für Stück vorgearbeitet bis zur Dax-Spitze. Zuletzt waren sie vor anderthalb Wochen so teuer. "Der erste Brexit-Schock ist nun endgültig überwunden und die Hoffnungen auf eine erfolgreiche Fusion zwischen der LSE und der Deutschen Boerse AG nehmen wieder zu", erklärte ein Marktbeobachter. Als defensiver Wert profitierten die Aktien zudem von der eher vorsichtigen Haltung der Investoren vor dem Zinsentscheid der Fed.

Bayer will profitabler werden

Auch Bayer kann punkten. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern zeigt sich kurz nach der angelaufenen Milliarden-Übernahme des umstrittenen US-Saatgutspezialisten Monsanto ehrgeizig. "Für die mittelfristige Entwicklung sind wir optimistisch und haben uns entsprechend ambitionierte Ziele gesetzt", sagte Vorstandschef Werner Baumann am Dienstag auf einer Investorenkonferenz in Köln. Für alle Geschäftsbereiche seien Umsatz- und Ergebnissteigerungen angepeilt - besonders zuversichtlich zeigen sich die Leverkusener für ihr Pharmageschäft. Bis zum Jahr 2018 soll die bereinigte Ebitda-Marge im Geschäft mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln von 30,1 Prozent im vergangenen Jahr auf 32 bis 34 Prozent zulegen.

Siemens-Chef: Zu viele Unsicherheiten

Siemens-Aktien geben nach. Vorstandschef Joe Kaeser blickt zurückhaltend ins kommende Geschäftsjahr 2016/17, das Anfang Oktober beginnt. Geopolitische Unsicherheiten und die Lage in den USA seien die wichtigsten Risikofaktoren. Er blicke sehr vorsichtig in das neue Geschäftsjahr, erklärte Kaeser dem "Wall Street Journal" (WSJ). 2016 sei zwar sehr gut gelaufen, aber: "2017 beginnt ein neues Spiel."

Lufthansa mit Air China

Lufthansa und Air China gehen gemeinsame Wege. Die Luftverkehrsriesen bündeln ihre Verbindungen zu einem gemeinsamen Flugangebot. "Die Vorteile sind aufeinander abgestimmte Flugpreise über alle Buchungsklassen, mehr Verbindungen zwischen den Drehkreuzen in Europa und China sowie Flugpläne, die sich stärker am Passagieraufkommen ausrichten", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr nach der Unterzeichnung.

Jenoptik muss sich neuen Chef suchen

Der längjährige Chef von Jenoptik wird den Technologiekonzern verlassen. Michael Mertin habe dem Aufsichtsrat mitgeteilt, dass er für eine Verlängerung seines bis zum 30. Juni 2017 laufenden Vertrages nicht zur Verfügung steht, teilte Jenoptik am Dienstag mit. Der 1966 geborene Mertin wolle sich neuen Herausforderungen außerhalb von Jenoptik widmen.

Analysten mögen Zalando

Im MDax erobern die Zalando-Aktien die Index-Spitze. Die australische Investmentbank Macquarie hat den Wert mit "Outperform" und einem Kursziel von 50 Euro in die Bewertung aufgenommen. Das Unternehmen sei unter den Online-Modehändlern die Nummer eins in Europa, hieß es. Der Plattformservice für andere Anbieter biete zusätzliches Margen- und Renditepotenzial.

lg

Tagestermine am Donnerstag, 13. Dezember

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 11/18, 07:00 Uhr
Metro AG: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Tui: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Starbucks: Investor Day, 18:00 Uhr
BMW: Absatz 11/18
Bertrandt: Jahreszahlen
ThyssenKrupp: Investor Day

Konjunktur:
Deutschland: Konjunkturprognose Ifo-Institut, 10:00 Uhr
EU: EZB-Zinsentscheid, 13:45 Uhr, PK 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreis 11/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr