Marktbericht 20:02 Uhr

Hoffnung auf Briten-Verbleib in der EU Dax: Riskante Vorfreude?

Stand: 23.06.2016, 20:02 Uhr

Das Ergebnis des britischen Referendums haben die Aktienmärkte bereits vorweggenommen. Zeitweise legte der deutsche Leitindex am Donnerstag bis zu 2,7 Prozent zu. Doch die Wette bleibt riskant.

Sein Tageshoch von 10.340 Punkten konnte der Dax am Nachmittag zwar nicht verteidigen, doch schaffte der Leitindex am Ende doch noch ein stattliches ein Plus von 1,85 Prozent bei 10.257 Punkten. Es war der fünfte Handelstag in Folge mit einem Kursgewinn. Damit hat der Dax seit seinem Monatstief am 16. Juni bei 9.451 Punkten 8,5 Prozent hinzugewonnen.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 20.15 Uhr

Auch an der Wall Street haben sich die Anleger bereits weitgehend auf einen Verbleib der Briten in der Europäischen Union (EU) eingestellt. Der Dow Jones-Index notiert bei Handelsschluss in Frankfurt 0,9 Prozent höher bei 17.940 Punkten, 159 Zähler mehr als am Vortag.

Vorsicht vor fallenden Kursen morgen

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Tatsächlich deuten jüngste Umfragen darauf hin, dass 55 Prozent der Briten gegen einen Austritt ihres Landes aus der EU votieren werden. Buchmacher taxieren die Wahrscheinlichkeit eines Sieges der Brexit-Gegner am Abend auf 83,6 Prozent. "Die Märkte können am besten beurteilen, was passieren wird", sagte Ökonom Peter Cardillo von First Standard Financial in New York. "Und die sagen, dass die Briten bleiben werden."

Die Wahllokale schießen um 23 Uhr deutscher Zeit. Erste Ergebnisse werden daher erst in der Nacht zum Freitag und das offizielle Ergebnis erst ab 8:00 Uhr morgens erwartet. Dann wird sich mit Gewissheit zeigen, ob die von der Börse verteilten Vorschusslorbeeren auch berechtigt waren.

Marktexperten wie Jochen Stanzl von CMC Markets wollen allerdings nicht ausschließen, dass der Dax morgen fallen könnte, auch wenn die Briten in der EU bleiben sollten. Als Begründung verweist er auf eine alte Börsenweisheit, die da lautet: "Kaufe bei Gerüchten, verkaufe bei Fakten". Wenn die ersten Anleger merkten, dass die Kurse trotz eines abgewendeten Brexit nicht weiter steigen, könne es schnell in die Gegenrichtung gehen. Morgen wissen wir mehr.

Euro kurz über 1,14 Dollar

Bei den Währungen gibt es ebenfalls viel Bewegung. Der Euro ist am frühen Nachmittag kurz über die Schwelle von 1,14 Dollar geklettert, ein Cent mehr als im Tagestief. Im weiteren Verlauf ging der Kurs der Gemeinschaftswährung aber wieder auf 1,355 Dollar zurück. Auch das britische Pfund stieg kurz bis auf 1,4947 Dollar und damit auf den höchsten Stand in diesem Jahr. Der amerikanische Dollar als Weltreservewährung und der japanische Yen, der als sicherer Anlagehafen gilt, gaben dagegen nach.

ThyssenKrupp an Dax-Spitze

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,15
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Im Dax sind die Aktien von ThyssenKrupp-Aktien mit einem Plus von fünf Prozent die Spitzenreiter. JPMorgan hat das Kursziel für den Wert von 21,60 auf 22,80 Euro angehoben und die Einstufung auf "Overweight" belassen. Wegen der zuletzt unerwartet robusten Stahlpreise habe man die Gewinnschätzungen für die europäische Stahlindustrie erhöht, hieß es.

Deutsche Bank dünnt aus

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,60
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Gut ein Viertel der Filialen des heimischen Branchenprimus wird geschlossen, knapp 3.000 Vollzeitstellen fallen weg. Die Zahl der Standorte in Deutschland wird von 723 auf 535 verringert. Auf diesen Rahmen verständigte sich das Management nach monatelangen Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Die ersten der 188 betroffenen Filialen sollen im vierten Quartal dieses Jahres dicht gemacht werden, der Großteil dann im ersten Halbjahr 2017. Die Aktie der Deutschen Bank gehörte am Donnerstag tz den größten Gewinnern.

Versorger wiederentdeckt

Auch die Versorger-Aktien können kräftig zulegen, sind bis zum Nachmittag sogar die größten Gewinner. Die Investmentbank Barclays rät, Eon in den Portfolios überzugewichten und gibt auch ihre negative Einstufung für RWE auf. Die Bank traut Eon nun höhere Gewinne als bisher zu. Grund seien geringere Steuerbelastungen in Schweden, die Nachverhandlungen von Gazprom-Verträgen und höhere Strompreise.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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17,62
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Allianz: Unwetter-Kosten nicht so hoch wie befürchtet

Die Allianz-Aktie klettert erstmals seit Wochen wieder über die 141-Euro-Marke. Damit ist sie zwar von ihrem Jahreshoch noch immer weit entfernt, doch gibt der Versicherer erst einmal Entwarnung, was die Kosten durch die Überschwemmungen Ende Mai und Anfang Juni angeht: Sie belaufen sich für die Allianz auf 140 Millionen Euro. In dieser Höhe seien Schäden an Häusern, Autos und anderen bei der Allianz versicherten Sachen entstanden, sagte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch in München laut dpa-AFX.

K+S: Was geht ab?

Im MDax liegen K+S-Aktien an der Spitze. Hintergrund sind Spekulationen auf eine neue russische Kali-Allianz. Händler verwiesen darauf, dass Weißrussland und Russlands größter Kalihersteller Uralkali eine Vertriebsallianz für Kali eingehen könnten. Entsprechende Äußerungen habe der weißrussische Präsidenten Alexander Lukaschenko gemacht. Ein solcher Schritt könnte für höhere Kali-Preise sorgen. Davon würde auch K+S profitieren. Derweil hat die Credit Suisse die Einstufung für K+S auf "Underperform" mit einem Kursziel von 18 Euro belassen.

Kuka: Steigt Großaktionär Voith aus?

Der Familienkonzern Voith veräußert seine 25,1 Prozent am Augsburger Roboterbauer Kuka an den chinesischen Hausgerätehersteller Midea. Dies berichtet das "Manager Magazin" in seiner neuen, morgen erscheinenden Ausgabe, unter Berufung auf Unternehmenskreise. Voiths Eigner hätten auf einer Gesellschafterversammlung am 15. Juni beschlossen, ihre Kuka-Aktien im Rahmen von Mideas Übernahmeangebot anzudienen, schreibt das Blatt.

Springer-Chef investiert

Axel Springer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Vorstandsvorsitzende des Axel-Springer-Konzerns, Mathias Döpfner, hat seine Beteiligung an dem Unternehmen erhöht. In der vergangenen Woche habe er Aktien für rund 13,5 Millionen Euro gekauft, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland mitteilte. Demnach hält er nun 3,07 Prozent an dem Medienkonzern.

MyBucks schafft IPO

Das Luxemburger Finanztechnologie-Unternehmen MyBucks hat sein Debüt an der Frankfurter Börse gefeiert. Der erste Kurs der Papiere des Kleinkredit-Anbieters lag im Entry Standard bei 14,10 Euro. Der Ausgabepreis betrug 13,50 Euro. MyBucks ist ein FinTech-Unternehmen, das Kleinkredite an Verbraucher in Afrika und zwei europäischen Ländern vergibt.

Blackberry immer tiefer in den Miesen

Der Smartphone-Pionier Blackberry ist wegen erheblicher Abschreibungen tiefer in die roten Zahlen gerutscht. im vergangenen Quartal gab es ein Minus von 670 Millionen Dollar. Davon wurde der Löwenanteil von einer Abschreibung auf langlebiger Güter in Höhe von gut 500 Millionen Dollar verursacht. Ein Jahr zuvor hatte Blackberry noch einen Gewinn von 68 Millionen Dollar geschafft.

lg

Tagestermine am Freitag, 19. Oktober

Unternehmen:
Procter & Gamble: Q1-Zahlen
Villeroy&Boch: Neunmonatszahlen
Schlumberger: Q3-Zahlen
Software AG: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Remy Cointreau: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
London Stock Exchange: Trading Update, 08:00 Uhr
State Street Corp: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr
Honeywell: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
China: Industrieproduktion, September, 04:00 Uhr