Dax rettet sich ins Plus

Stand: 26.07.2011, 20:02 Uhr

Nach einem wechselhaften Handelsverlauf hat sich der Dax am Abend mit knappen Gewinnen über die Ziellinie gerettet. Belastet wird der Markt von der Wall Street, wo der ungelöste Schuldenstreit weiter auf die Kurse drückt.

Anleger und Händler blieben zwar grundsätzlich überzeugt, dass die Politiker sich noch rechtzeitig vor der Frist am 2. August zu einer Lösung durchringen können - sie machen sich jedoch zunehmend Sorgen, dass die danach anstehenden Haushaltskürzungen das Wachstum bremsen könnten. Begrenzt wurde der Abwärtstrend durch positive Konjunkturdaten: Das Verbrauchervertrauen stieg im Juli überraschend an.

Dennoch vergrößert der Dow-Jones-Index im Handelsverlauf seine Verluste. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Leitindex knapp 70 Punkte oder 0,6 Prozent tiefer bei 12.522 Punkten.

Der Dax schafft dagegen auch am Abend ein leichtes Plus von sechs Punkten und schließt bei 7.354. Im Xetra-Handel konnte der deutsche Leitindex fünf Punkte zulegen auf 7.349 Zähler. Hierzulande hatten die Zahlen der Deutschen Bank den Bilanzreigen der Dax-Werte eröffnet.

Euro nimmt neue Hürde
Die wachsende Unsicherheit wegen des Schuldenstreits in den USA hat den Eurokurs beflügelt. Die europäische Gemeinschaftswährung wird bei Börsenschluss in Frankfurt deutlich über 1,45 Dollar gehandelt. Im asiatischen Handel hatte der Euro zeitweise nur 1,4358 Dollar gekostet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,4471 Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,6910 Euro.

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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SAP an Dax-Spitze
Kurz vor Börsenschluss sorgt SAP für eine gute Nachricht, die den Titel an die Dax-Spitze hievt. Das Softwareunternehmen schraubt seine Erwartungen nach oben und peilt für das laufende Geschäftsjahr 2011 jetzt einen Gewinn am oberen Ende der prognostizierten Spanne an. Auch die Erlöse sollen um mindestens 14 Prozent steigen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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10,22
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Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Bank warnt vor Risiken
Nach einer Berg- und Talfahrt beendet die Aktie der Deutschen Bank den Handel leicht im Plus. Deutschlands Bankenprimus hat im zweiten Quartal seinen Gewinn zwar weiter gesteigert auf 1,3 Milliarden Euro. Doch das Ziel, in diesem Jahr einen Vorsteuergewinn von 10 Milliarden erreichen zu können, wackelt. Bank-Chef Ackermann sagte, das Ziel bleibe in Sichtweite, doch es bedürfe einer deutlichen Verbesserung der Rahmenbedingungen im zweiten Halbjahr.

Auch die Aktie der Commerzbank kann ihren Platz als größter Verlierer im Dax bis zum Börsenschluss räumen. Die Bank müsse zwar Abschreibungen auf ihr Griechenland-Engagement vornehmen, ein Abrutschen in die Verlustzone sei aber unwahrscheinlich, so ein Händler.

UBS kassiert ihr Ergebnisziel
Deutlich härter trifft es die Aktie der UBS. Die Schweizer Bank hat ihr Mittelfristziel einkassiert. Der Plan bis 2014 einen Vorsteuergewinn von 15 Milliarden Franken zu erwirtschaften, werde wahrscheinlich nicht erreicht. Auch die Bilanz des zweiten Quartals enttäuscht, der Gewinn halbierte sich auf 1,01 Milliarden Franken, umgerechnet 870 Millionen Euro.

Ford mit weniger Schwung
Der Autobauer Ford hat im zweiten Quartal 200 Millionen Dollar weniger verdient als im Vorjahreszeitraum. Grund waren teurere Rohstoffe und die Einführung neuer Modelle. Dennoch reichte es für einen Überschuss von 2,4 Milliarden Dollar. Vor Sonderposten ging der Überschuss auf 65 Cent je Aktie von 68 Cent im Vorjahreszeitraum zurück. Analysten hatten im Schnitt mit lediglich 60 Cent je Aktie gerechnet. Der Umsatz kletterte um 13 Prozent auf 35,5 Milliarden Dollar. Ford legte damit den achten Quartalsgewinn in Folge vor.

Auch der Paketdienst UPS hat im zweiten Quartal besser verdient als erwartet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wuchs der Überschuss um 26 Prozent auf fast 1,1 Milliarden Dollar. Zudem bekräftigte der Paketdienst das Gewinnziel für das Gesamtjahr von 4,15 bis 4,40 Dollar je Aktie. Die Papiere der Deutschen Post können davon aber kaum profitieren.

Dagegen hat der Gewinn des Mischkonzerns 3M unter den Folgen des Erdbebens in Japan gelitten. Der Hersteller von Büroartikeln, Industrieklebern und Autozubehör schaffte es aber dennoch, den Gewinn im zweiten Quartal um vier Prozent auf 1,16 Milliarden Dollar zu steigern. Der Umsatz fiel mit einem Plus von 14 Prozent auf den Rekordwert von 7,68 Milliarden Dollar etwas höher aus als erwartet.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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56,32
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Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Fiat traut sich mehr zu
Beflügelt von der guten Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal hebt der italienische Autobauer Fiat nun seine Jahresziele an. Der Konzern erwartet 2011 jetzt einen Nettogewinn von 1,7 Milliarden Euro und einen Umsatz von mehr als 58 Milliarden. Allein im zweiten Quartal erwirtschaftete Fiat einen Nettogewinn von 1,24 Milliarden Euro. Die Aktie legte nach Vorlage der Zahlen leicht zu.

Gewinnmitnahmen haben laut Händlern die Papiere der Autobauer und -zulieferer ins Minus gedrückt. Daimler, BMW und Volkswagen stehen auf der Verliererliste im Dax weit oben.

Infineon von TI und STMicro belastet
Zu den schwächelnden Werten im Dax gehört auch Infineon. Sie Aktie wird belastet von den Zahlen der Rivalen Texas Instruments (TI) und STMicro. Der europäische Chiphersteller verdiente im zweiten Quartal viel weniger als zuvor. Außerdem rechnet STMicro mit einem Umsatzrückgang.

Der amerikanische Rivale TI spricht erwartet im laufenden Quartal nur noch ein moderates Wachstum. Im zweiten Quartal gingen Umsatz und Gewinn wegen des schweren Erdbebens in Japan zurück. Zwei Fabriken des US-Chip-Herstellers wurden bei der Katastrophe im März in Mitleidenschaft gezogen.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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6,53
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Metro-Aktie ignoriert Sorgen
Zu den Favoriten im Dax zählt dagegen die Metro-Aktie. Zwar schwächelt die Tochter Media Markt/Saturn, im zweiten Quartal verbuchte sie einen Millionenverlust. Zudem plant Metro bei der Tochter umfangreiche Kostensenkungen, allen voran den Abbau von 3.000 Arbeitsplätzen. Doch bestätigte Metro für den Gesamtkonzern seinen Ausblick. Außerdem gibt das Online-Geschäft von Media-Saturn Hoffnung. Und Goldman Sachs bestätigte seine Kaufempfehlung.

Qiagen streicht Ziel, Singulus bekräftigt es
Im TecDax sorgt Qiagen für eine böse Überraschung. Das Biotech-Unternehmen hat im zweiten Quartal zwar gut verdient, senkt aber wegen der anhaltend schwierigen Marktbedingungen seinen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr. Die Aktie ist deshalb der zweitschwächste Wert im Index.

Leicht aufwärts geht es dagegen mit der Aktie des Der Spezialmaschinenbauers Singulus. Das Unternehmen bestätigte nach einer positiven Umsatzentwicklung seine Prognose für das Gesamtjahr.

Größter TecDax-Gewinner ist allerdings die Aktie von Adva. Anleger folgen einer Kaufempfehlung der WestLB, die den Wert heraufstufte. Als Kursziel gibt die Bank 5,50 Euro aus. Aktuell notiert die Aktie bei 4,23 Euro.

ElringKlinger rutscht ans MDax-Ende
Unter den MDax-Aktien ist ElringKlinger der schwächste Wert. Wegen der wenig profitablen übernommenen Unternehmen muss der erfolgsverwöhnte Unternehmenschef Stefan Wolf für das zweite Quartal einen Gewinnrückgang vermelden. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) blieb hinter den Analystenprognosen zurück. Auch der Ausblick wurde als eher enttäuschend bezeichnet. Schließlich hat erst gestern Leoni seine Prognose erhöht, und heute äußerte sich der französische Konkurrent Faurecia optimistisch.

Unicredit mag Sky
An der MDax-Spitze hält sich Sky Deutschland mit mehr als fünf Prozent Kursgewinn. Eine Kaufempfehlung von UniCredit beflügelt. Analyst Roberto Odierna sieht eine attraktive Einstiegsgelegenheit wegen der Restrukturierung und der erfolgreichen Ergebnisse der neuen Unternehmensstrategie. Dazu kämen gute Marktbedingungen in Deutschland.

Vossloh schlägt zurück
Aufwärts geht es auch mit der im MDax notierten Aktie von Vossloh. Der ins Visier eines Investors geratene Bahntechnikkonzern greift im Kampf um die Vorherrschaft zu harten Bandagen. Der Vorstand beschloss heute, 1,5 Millionen eigene Aktien (9,94 Prozent) aus einem früheren Rückkaufprogramm einzuziehen. Zudem sollen bis zu zehn Prozent der Papiere neu erworben werden, wie Vossloh mitteilte. Diese Maßnahmen erschweren es potenziellen Angreifern, auf dem Markt genügend Anteilsscheine einzusammeln.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"