Marktbericht 20:05 Uhr

Sorgen um China Dax rauscht unter die 11.000 Punkte

Stand: 12.08.2015, 20:05 Uhr

An den Bösen wächst die Angst vor einer deutlichen Konjunkturabkühlung in China. Die neuerliche Yuan-Abwertung erschütterte weltweit die Aktien-, Devisen- und Rohstoffmärkte. Der Dax fiel auf den tiefsten Stand seit fünf Wochen. Doch am späten Abend entspannte sich die Lage.

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An der Wall Street wurden die anfänglichen Verluste wieder ausgebügelt. Die Nasdaq und der S&P 500 drehten zeitweise ins Plus. Der Dow eroberte die wichtige der 200-Tage-Linie zurück. Zuvor war der Index auf den tiefsten Stand seit Anfang Februar gerutscht.

Ausverkaufsstimmung an Europas Börsen

Die Wende an der Wall Street kam für die europäischen Aktienmärkte zu spät. Sie schlossen tief im Minus. Der Dax stürzte um 3,3 Prozent auf 10.924 Punkte ab und verzeichnete den zweitgrößten Tagesverlust in diesem Jahr. Seit Montagabend hat der deutsche Leitindex gut 700 Punkte eingebüßt. Der EuroStoxx50 brach um 3,4 Prozent auf unter 3.500 Punkte ein.

Wegen der Angst um Chinas Konjunktur warfen Anleger Aktien aus den Depots, darunter vor allem exportabhängige Titel. Händler sprachen von einem "Abverkauf auf breiter Front". Laut Analyst Andreas Paciorek von CMC sorgte die Angst vor einer weltweiten Konjunkturabschwächung" für einen Hauch von "Panik an den Finanzmärkten". Der Umsatz im Dax war mit fast 5,5 Milliarden Euro so hoch wie zuletzt Ende Juni.

Zweite Yuan-Abwertung in zwei Tagen

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 20.15 Uhr

Überraschend griff die chinesische Zentralbank den zweiten Tag in Folge ein und und wertete die Landeswährung Yuan ab. Ein schlechtes Zeichen, meinen Analysten und Ökonomen. Die Maßnahmen der Zentralbank lassen Zweifel an der konjunkturellen Verfassung der Volksrepublik aufkommen, urteilt NordLB-Analyst Frederik Kunze. Da passt es ins Bild, dass sich im Juli das Wachstum der chinesischen Industrieproduktion auf sechs Prozent verlangsamt hat. Experten befürchten nun, dass andere Zentralbanken dem Beispiel Chinas folgen und eine neue Runde des Abwertungswettlaufs einläuten.

Siemens-Chef: Nicht in Panik verfallen!

Zwar warnte Siemens-Chef Joe Kaeser, jetzt nicht in Panik zu verfallen. Von Wachstumsraten von fünf bis sieben Prozent könne Europa doch nur träumen. Tatsächlich aber würde die Abschwächung der Wachstumsdynamik im Reich der Mitte viele deutsche Konzerne hart treffen. Für die meisten von ihnen ist China der wichtigste Wachstumsmarkt. Mit der Abwertung des Yuan werden die Exporte nach China nun noch teurer.

Euro gewinnt an Stärke

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Zudem wird nun auch noch der Euro stärker. Das bremst die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Konzerne außerhalb der Euro-Zone. Am Mittwoch kletterte die Gemeinschaftswährung zeitweise auf über 1,12 Dollar. "Offenbar spekulieren einige auf eine Verschiebung der Zinswende in den USA", sagte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. Einige Börsianer machten zudem die Auflösung so genannter Carry Trades für die aktuelle Euro-Stärke verantwortlich. Dass die Industrie der Euro-Zone im Juni überraschend um 0,4 Prozent sank, konnte den Anstieg des Euro nicht bremsen.

Gold glänzt wieder

Die Yuan-Abwertung brachte auch zahlreiche Rohstoffpreise ins Wanken. So stürzte der Preis für Nickel um über 15 Prozent ab – das ist der größte Kursrutsch seit vier Jahren. Kupfer fiel auf ein Sechs-Jahres-Tief von 5.062 Dollar. Einzig das "Anti-Krisen-Metall" Gold glänzte etwas stärker. Der Goldpreis zog um über ein Prozent auf 1.121 Dollar je Feinunze an.

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Eon kommt glimpflich davon

Im Dax gab es keinen einzigen Gewinner. Am besten hielt sich noch Eon: Die Aktien büßten lediglich 0,3 Prozent ein. Beim Versorger scheint derzeit alles nach Plan zu laufen. Die Halbjahreszahlen entsprachen den Erwartungen. Zwar erlitt Eon wegen der Probleme in der klassischen Stromerzeugen einen operativen Gewinneinbruch von 13 Prozent. Der bereinigte Überschuss legte dagegen deutlicher zu als erwartet - dank geringerer Zins- und Steuerlasten sowie Bewertungseffekten.

Henkel knickt ein

Dagegen wurde die Henkel-Aktie mit einem Minus von fast neun Prozent kräftig abgestraft. Der Konsumgüterkonzern hat mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen verfehlt. Eine negative Überraschung war das Klebstoffgeschäft. Auch in den Schwellenländern hinkte Henkel hinterher. Der Umsatz stieg dank Zukäufen um 14 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro. Aus eigener Kraft lag das Wachstum nur bei 2,4 Prozent, was der Börse sauer aufstieß.

Auto-Aktien kommen unter die Räder

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Als größte China-Verlierer werden die Auto-Aktien gesehen. Folglich büßten Daimler und Conti erneut fast fünf Prozent, VW und BMW rund vier Prozent ein. Bereits gestern hatten die Auto-Titel deutlich nachgegeben. Am Mittwoch lieferte BMW Absatzzahlen für den Juli. Dank der steigenden Nachfrage in Europas verkauften die Münchner 5,6 Prozent mehr Fahrzeuge. In China ging der Absatz jedoch um über sieben Prozent zurück.

Lichtblicke bei Bilfinger

Größter MDax-Gewinner war Bilfinger mit einem Plus von fast fünf Prozent. Von April bis Juni machte der Konzern einen Rekord-Verlust von 423 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 47 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Grund waren hohe Abschreibungen auf das Kraftwerksgeschäft und Umbaukosten. Im operativen Geschäft seien die Zeichen dagegen positiv, meinten Analysten. Sie setzen auf eine Wende zum Guten.

Solide Zahlen von Talanx

Rund ein Prozent abwärts ging es mit der Aktie von Talanx. Deutschlands drittgrößter Versicherer hat zwar im zweiten Quartal einen Gewinnrückgag nach Anteilen Dritter um fast zwei Drittel auf 60 Millionen Euro hinnehmen müssen. Analysten lobten aber die operative Ergebnis-Entwicklung. Sie sei besser gewesen als erwartet, meinte zum Beispiel Philipp Häßler von Equinet.

Kaufempfehlung für Fraport

Nur knapp im Minus schloss die Fraport-Aktie. Der Flughafentreiber hat an seinem wichtigsten Standort Frankfurt im Juli rund 6,2 Millionen Fluggäste abgefertigt - so viel wie nie. Im Vergleich zum Juli des Vorjahres entsprach dies einer Steigerung um 6,6 Prozent. Eine Kaufempfehlung der Société Générale stützte den Kurs zusätzlich.

United Internet setzt rasantes Wachstumstempo fort

Nach Xetraschluss gab United Internet seine Halbjahreszahlen bekannt. Der starke Kundenzustrom bescherte dem Internetkonzern aus dem TecDax einen Umsatzsprung von 27 Prozent auf 1,82 Milliarden Euro. Das Ebitda kletterte gar um fast 48 Prozent auf 351,3 Millionen Euro. Analysten hatten allerdings noch mehr erwartet. United Internet hob die Jahresprognose für die Zahl der Neukunden um 80.000 auf 880.000 an. Die Gewinn- und Umsatzziele wurden bestätigt. Im späten Handel zog die Aktie an.

Evotec kommt voran

Das Biotech-Unternehmen Evotec hat im ersten Halbjahr seinen Umsatz um 37 Prozent auf 55 Millionen Euro in die Höhe geschraubt. Das um Sondereffekte bereinigte Ebitda stieg minimal auf 0,8 Millionen Euro.Evotec proftierte vom starken Servicegeschäft mit Pharmaunternehmen und der Allianz mit Sanofi. Die TecDax-Aktie schloss knapp ein Prozent im Minus.

LPKF auf Schrumpfkurs

Der Laserspezialist LPKF ist im ersten Halbjahr ins Minus gerutscht. Der Umsatz schrumpfte binnen Jahresfrist um sieben Prozent auf 42,4 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis ging von plus 1,6 auf minus 3,2 Millionen Euro zurück. Der Grund für die Absatzkrise ist ein Überangebot von LDS-Systemen bei den Produzenten von Handy-Antennen. Die Aktie fiel um über sechs Prozent und war zweitgrößter TecDax-Verlierer.

HeidelDruck startet gut ins neue Geschäftsjahr

Der Druckmaschinenbauer Heidelberger Druck hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2015/16 seinen Verlust auf vier Millionen Euro reduziert. Maßgeblich dazu trug der Umsatzanstieg um fast 30 Prozent bei. Hier machten sich eine Übernahme und der schwache Euro positiv bemerkbar. Im laufenden Geschäftsjahr will HeidelDruck zurück in die Gewinnzone kommen. Die Aktie fiel dennoch um über drei Prozent.

Bertrandt am SDax-Ende

Aktien des Ingenieurbüros Betrandt brachen an der Börse um über sechs Prozent ein und waren Schlusslicht im SDax. Das Unternehmen verdiente im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2014/15 4,5 Prozent weniger. Der Umsatz stieg um gut sechs Prozent auf 227 Millionen Euro. Analysten hatten mit mehr Gewinn gerechnet.

Leifheit erhöht Umsatzprognose

Besser läuft es dagegen momentan beim Haushaltswaren-Hersteller Leifheit. In den ersten sechs Monaten des Jahres zog der Umsatz um 4,5 Prozent auf 113,2 Millionen Euro an. Das operative Ergebnis (Ebit) legte um 28 Prozent auf 10,4 Millionen Euro zu. Angesichts der guten Geschäftsentwicklung hob Leifheit seine Umsatzprognose für 2015 leicht an. Das Unternehmen aus Nassau rechnet nun mit einem Wachstum von drei bis vier Prozent.

Wilex macht Schluss mit Roche

Nach Xetra-Schluss verkündete Wilex das Ende der Zusammenarbeit mit dem Pharma-Riesen Roche im Bereich der Antikörper-Amanitin-Konjugate (ATACs). Die Prognose für das laufende Jahr wurde daraufhin aktualisiert. Im späten Handel geriet die Wilex-Aktie heftig unter Druck. Sie weitete die Verluste auf minus 22 Prozent aus.

Luxus-, Tabak- und Getränkeaktien unter Druck

Die Yuan-Abnwertung setzte im Ausland vor allem Luxus-, Tabak- und Getränkeaktien zu. Die Titel von Swatch und Richemont sackten um rund drei Prozent ab. Swatch setzt ein Fünftel seiner Uhren im Reich der Mitte ab. Auch die Aktien von British American Tobacco ("Lucky Strike") und von Philip Morris standen unter Druck. Mit über 300 Millionen Rauchern ist China einer der weltgräößten Tabak-Mäörkte. Die Aktien des Spirtousen-Herstellers Pernod Ricard und der Bierbrauer Anheuser Bush und Heineken verloren zwischen zwei und drei Prozent.

Wachstum von Alibaba schwächt sich ab

Und noch eine Hiobsbotschaft aus China: Der Internet-Riese Alibaba meldete schwache Quartalszahlen. Mit 28 Prozent war das Wachstum des Amaszon-Rivalen so langsam wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Die Erwartungen wurden verfehlt. Die Aktie sackt an der Nasdaq um über fünf Prozent ab und fiel auf ein Rekordtief.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr