Marktbericht 20:02 Uhr

Erneut Verluste von fast 200 Punkten Dax rauscht immer tiefer in den Keller

Stand: 01.08.2014, 20:02 Uhr

Wer gehofft hatte, die neuen US-Arbeitsmarktzahlen würden den Ausverkauf an den Aktienmärkten ausbremsen, wurde enttäuscht. Zwar drosselt der Dax kurz sein Tempo, doch dann geht die Talfahrt ungebremst weiter.

Der Dax fällt am Freitag um bis zu 2,4 Prozent auf ein Dreieinhalb-Monats-Tief von 9.185 Punkten und verabschiedet sich mit einem Minus von 2,1 Prozent bei 9.210 Zählern in den Feierabend. Im Vergleich zur Vorwoche büßt er damit 4,5 Prozent ein.

Die etwas schlechter als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten (Im Juli wurden 209.000 neue Stellen geschaffen, statt der erwarteten 233.000) hatten für einen Moment den Ausverkauf abgebremst, denn die Zahlen machten einigen Anlegern Hoffnung auf eine spätere Zinswende der Fed als zuletzt befürchtet.

Der Dax reduzierte daraufhin seine Verluste auf 1,25 Prozent, touchierte zeitweise sogar die Schwelle von 9.300 Punkten. Doch als sich am späten Nachmittag an der New Yorker Börse die Stimmung erneut eintrübt, drücken die Anleger in Frankfurt auch den Verkaufsknopf. Noch hält sich der Leitindex zwar über der von HSBC-Experte Jörg Scherer als Unterstützung angeführten Schwelle 9.167 Punkten. Doch die Ampeln stehen weiter auf Rot.

Zu viele negative Faktoren

Auch an der Wall Street geht es am Freitag bergab, wenn auch langsamer als noch am Donnerstag, als der Dow Jones-Index mehr als 300 Punkte verlor. Zeitweise schafft es der Dow am Freitag sogar hauchdünn ins Plus, taucht dann ab und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt 0,2 Prozent schwächer bei 16.525 Punkten.

Marktexperten zufolge sind es derzeit einfach zu viele Faktoren, die auf die Stimmung drücken. Neben der durchwachsen verlaufenen Berichtssaison, den geopolitischen Brandherden und der Frage nach den wirtschaftlichen Folgen der Sanktionen gegen Russland ist es auch der Streit zwischen Argentinien und einigen Hedgefonds, der für Verunsicherung sorgt.

In den USA geht zudem die Angst vor einer schnelleren Zinswende um. Grund hierfür sind die zuletzt robusten Konjunkturdaten. Auch wenn das Statement der Fed vom Mittwoch keine wirklich großen Veränderungen im Wording brachte, so ziehen die "Bären“ diese Karte trotzdem. Die Märkte leidet also unter "Entzugsangst“. Zudem sagte der Fed-Chef von Dalls, Richard Fisher, dass er sich eine vorgezogene Zinswende durchaus vorstellen könne, wenn sich die Wirtschaft weiter so gut entwickele wie derzeit.

Euro wieder über 1,34 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Marktexpertin Sarah Brylewski spricht von einer "Korrektur mit Ansage", denn das geopolitische Umfeld sei miserabel und die Gewinnwarnungen häuften sich. Einziger Gewinner des Tages ist der Euro. Die Gemeinschaftswährung ist wieder deutlich über die Schwelle von 1,34 Dollar geklettert und notiert bei Börsenschluss bei 1,3430 Dollar.

Procter: Mehr Gewinn, weniger Umsatz

Der weltgrößte Konsumgüterkonzern Procter & Gamble ist im abgelaufenen Geschäftsjahr beim Umsatz wegen des starken Dollar kaum von der Stelle gekommen. In dem bis Ende Juni laufenden vierten Geschäftsquartal sank der Umsatz sogar um ein Prozent auf 20,2 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie legte dagegen um ein Fünftel auf 0,95 Dollar zu. Das operative Ergebnis wuchs um zehn Prozent auf 3,45 Milliarden Dollar.

Telekom von US-Tochter beflügelt

Bei den Einzelwerten ist die T-Aktie lange Zeit der einzige Gewinner im Dax. Grund ist ein Übernahmeangebot für die Telekom-Tochter T-Mobile US vom französischen Internet- und Mobilfunkkonzern Iliad. Der bietet für einen Anteil von 56,6 Prozent an T-Mobile US rund 15 Milliarden Dollar. Damit kommt er dem US-Mobilfunkkonzern Sprint in die Quere, der bisher als aussichtsreichster Kandidat galt. Analystin Heike Pauls von der Commerzbank bezeichnete das Preisangebot der Franzosen als "inakzeptabel".

Eon hält die rote Laterne

Nachdem Adidas bis zum Nachmittag die Liste der Verlierer im Dax angeführt hat, führen Gewinnmitnahmen bei anderen Werten zu noch größeren Verlusten. Vor allem Eon, Linde und Merck müssen jeweils zwischen 3,6 Prozent und 3,8 Prozent abgeben. Damit sind sie die Schlusslichter im Dax.

Audi bringt VW viel Geld ein

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Volkswagen-Vorzüge halten sich etwas besser als der Gesamtmarkt. Grund sind die guten Zahlen der Tochter Audi. Die hat im ersten Halbjahr ihren Gewinn um fast sieben Prozent auf 2,32 Milliarden Euro gesteigert, trotz deutlich gestiegener Herstellungs-, Vertriebs- und Forschungskosten.

Fuchs rudert zurück

Einen kurzen Schock bereitete den Anlegern dagegen der Mannheimer Schmierstoff-Hersteller Fuchs Petrolub. Die Firma hat ihre Prognose für das Gesamtjahr zurückgenommen. Das MDax-Mitglied erwartet im Gesamtjahr nur noch ein stagnierendes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) und einen unveränderten Nettogewinn. Bisher sollten beide Werte wachsen. Im zweiten Quartal drückte der starke Euro bereits auf das Ergebnis. Das Ebit ging von 80,4 auf 75,6 Millionen Euro zurück. Die Aktie kann sich jedoch von ihren Anfangsverlusten kräftig erholen.

Anleger machen bei Wacker Chemie Kasse

Noch deutlicher abwärts geht es mit den Aktien von Wacker Chemie, obwohl das Unternehmen im zweiten Quartal Umsatz und Ergebnis steigern konnte. Die Titel geben zeitweise 5,5 Prozent nach. Händlern zufolge nutzen die Anleger den soliden Zwischenbericht, um Kasse zu machen. Wacker Chemie haben seit Jahresbeginn 8,2 Prozent zugelegt, der MDax kommt im selben Zeitraum auf einen Abschlag von knapp fünf Prozent.

Metro weiter auf Talfahrt

Größter Verlierer im MDax sind aber erneut die Metro-Aktien. Firmenchef Olaf Koch hat zwar den Analysten versichert, er sei zuversichtlich, in den folgenden Quartalen Umsatz und Gewinn des Handelskonzerns Schritt für Schritt zu verbessern. Doch wirklich überzeigt scheinen die Anleger von den Aussagen nicht zu sein.

BNP schlägt bei DAB zu

Die französische Bank BNP Paribas übernimmt die DAB Bank. Die Franzosen kaufen von der Mutter HypoVereinsbank 81,4 Prozent für 4,78 Euro je Aktie. Wenn auch die Kartellbehörden das Vorhaben billigen, erhalten auch die übrigen Aktionäre der DAB ein Übernahmeangebot.

Tipp24 im Sinkflug

Im SDax bricht die Aktie von Tipp24 um mehr als 13 Prozent ein. Das Analysehaus Kepler Cheuvreux hat das Kursziel für Tipp24 von 54,50 auf 38,00 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Hold" belassen. Er glaube zwar nicht, dass die Aufsichtsbehörden die Forderung der staatlichen Lottogesellschaften nach einem Verbot für Auslandsüberweisungen umsetzen werden, schrieb Analyst Craig Abbott, der Ausgang sei aber schwierig abzuschätzen und ein derartiges Verbot würde Teile des Geschäfts des Unternehmens grundsätzlich in Frage stellen.

ArcelorMittal unter Druck

Im Ausland hat der schwächere Ausblick des europäisch-indischen Stahlkonzerns Arcelor Mittal die Aktien abrutschen. Die Titel fallen in Amsterdam um bis zu 6,6 Prozent auf ein Drei-Wochen-Tief von 10,62 Euro. Der Preisverfall bei Eisenerz macht dem Branchenprimus zu schaffen, er erwartet für das Gesamtjahr nur noch ein Betriebsergebnis (Ebitda) von gut sieben Milliarden Dollar statt der erwarteten acht Milliarden Dollar.

Société Générale bessert sich

Die französische Großbank Société Générale hat im Frühlingsquartal ihren Gewinn um acht Prozent auf 1,03 Milliarden verbessert. Hilfreich waren die niedrigere Vorsorge für faule Kredite und geringere Kosten.

Axa spart eisern

Der französische Versicherungskonzern Axa hat im ersten Halbjahr seinen Gewinn um 22 Prozent auf gut drei Milliarden Euro verbessert - trotz hoher Schäden durch den Hagelsturm "Ela". Die Gesamterträge sanken um ein Prozent auf 49,7 Milliarden Euro. Axa will in Zukunft noch mehr sparen.

L'Oréal schwächelt

Schwächelnde Geschäfte in den USA haben dem französischen Kosmetikkonzern L'Oreal zugesetzt. Die Aktien verlieren mehr als zwei Prozent.

Immofinanz macht mehr Gewinn

Die Ukraine-Krise hat der stark vom Russland-Geschäft abhängigen österreichischen Immofinanz bislang nicht geschadet. Im vergangenen Geschäftsjahr 2013/14 (bis Ende April) profitierte der österreichische Immobilienkonzern sogar von einem positiven Währungseffekt durch den im Vergleich zum Euro schwachen Rubel. Der Konzerngewinn stieg dadurch um knapp zwei Drittel auf 180,4 Millionen Euro.

lg

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