Marktbericht 20:00

Auftakt zu neuem griechischem Drama? Dax schafft den Sprung ins Glück

Stand: 29.12.2014, 20:00 Uhr

Seit heute Mittag ist klar: Griechenland muss ein neues Parlament wählen. Das hat an den Börsen Ängste vor einem Wiederaufflammen der Krise in Griechenland und gar der Euro-Krise geschürt. Vor Schreck tauchte der Dax ab, schaffte es dann aber ins Plus: dank Schaufenster-Dekoration.

Zum Handelsschluss ist die Börsenwelt beinah wieder in Ordnung. Der Dax hat den elektronischen Xetra-Handel mit einem Mini-Plus von 0,05 Prozent beim Stand von 9.927 beendet. Nur der L-Dax gab wieder ein paar Pünktchen ab und schloss bei 9.898 Zählern.

Zum Jahresende eine gute Figur machen

Geholfen haben laut Börsianern vor allem Fondsmanager und Versicherungen, die ihre Geldanlagen kurz vor Jahresschluss optisch aufzuhübschen suchen. So kaufen sie Papiere dazu, die im Jahresverlauf besonders gut gelaufen sind - man spricht vom "Window Dressing".

Im Tagesverlauf hatte die Aussicht auf vorgezogene Neuwahlen in Griechenland für deutliche Verluste gesorgt. Der deutsche Leitindex lag zeitweise eineinhalb Prozent im Minus. Was die Börse so verunsichert: Wenn am 25. Januar das griechische Parlament neu gewählt wird, könnte die Linkspartei Syriza siegen. Sie will Schluss machen mit der Spar- und Reformpolitik der Regierung und gar einen neuen Schuldenschnitt durchsetzen. Deshalb wird nun auch wieder der Euro-Austritt der Griechen diskutiert - und die Angst vor einem Wiederaufflammen der Euro-Krise ist wieder wach.

Athener Börse rauscht abwärts

Der griechische Aktienmarkt war in heller Aufruhr. Der Athener Leitindex rutschte heute zeitweise um mehr als elf Prozent abwärts auf 756,80 Zähler, den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren, verkleinerte das Minus dann aber auf vier Prozent. Die Rendite zehnjähriger griechischer Anleihen kletterte in der Spitze bis auf 9,75 Prozent. Auch wenn es nicht zum Schlimmsten kommt: Syriza dürfte es schwer haben, genug Stimmen zusammenzubekommen, um allein zu regieren. Die dann folgenden langwierigen Koalitionsverhandlungen könnten das Land für längere Zeit schachmatt setzen. Dabei ist die Zeit knapp. Im März braucht Griechenland wieder Geld der Europartner.

Griechische Hoffnungen

Experten sehen aber nicht ganz so schwarz. Zwar lasse sich angesichts der Unsicherheit über den weiteren Kurs Griechenlands kaum abschätzen, ob und wie stark die dortige Börse in den kommenden Wochen fallen werde, sagte Manos Hatzidakis, Chef-Analyst von Beta Securities. Der "Grexit" - ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone - sei aber unwahrscheinlich. Außerdem stehe die Europäische Zentralbank (EZB) bereit, um bei Bedarf einzugreifen und die Finanzmärkte zu stabilisieren, fügte Hatzidakis hinzu.

Gefragte Manitowoc

Die griechischen Sorgen fanden auch an der Wall Street Gehör, doch hielt sich der Leitindex Dow Jones recht gut. Der meistbeachtete Aktienindex stand mit minus 9 Punkten bei18.045 und damit nur knapp unter seinem am Freitag erreichten Hoch bei 18.103 Punkten. Mit einem Plus von mehr als sieben Prozent gehörten die Aktien von Manitowoc zu den größten Gewinnern. Der einflussreiche Investor Carl Icahn stieg bei dem Kranbauer und Gastronomiegeräte-Hersteller ein und forderte eine Aufspaltung des Konzerns.

Audi nimmt Tesla ins Visier

Am deutschen Aktienmarkt macht am Montag Audi auf sich aufmerksam. Bei der VW-Tochter stehen die Zeichen auf Angriff. Das bayerische Traditionsunternehmen will bei seinen Investitionen künftig einen Schwerpunkt auf neue Elektro-Modelle legen, mit denen es Branchenneuling Tesla Konkurrenz machen will. Insgesamt will Audi seine Investitionen bis 2019 deutlich ausbauen auf 24 Milliarden Euro.

Allianz ist Hauptversicherer von AirAsia

Mal wieder wird ein Flugzeug vermisst, mal wieder ist die deutsche Allianz der wichtigste Versicherer: "Wir können bestätigen, dass Allianz Global Corporate & Speciality UK (AGCS) der Hauptversicherer für Luftkasko und Schadenersatz bei AirAsia ist", erklärte eine Firmensprecherin am Montag. AGCS ist auch Hauptversicherer für Malaysian Airlines, die in diesem Jahr zwei Maschinen verloren hat. Die Aktien von AirAsia rutschten zeitweise um fast 13 Prozent ab.

Daimler: Gute Lkw-Geschäfte

Gute Geschäfte in Asien und Nordamerika haben den Lastwagen-Absatz von Daimler angekurbelt. Bis Ende November wurden fast drei Prozent mehr Nutzfahrzeuge verkauft als im Vorjahreszeitraum. Für 2015 zeigte sich Nutzfahrzeugvorstand Wolfgang Bernhard optimistisch, eine konkrete Prognose gab er aber nicht ab.

HeidelCement schlägt Hanson Building los

Noch von Heiligabend datiert diese Meldung: Der Baustoffkonzern HeidelbergCement wird sein Bauproduktegeschäft in Nordamerika (Hanson Building Products) an die Investmentgesellschaft Lone Star Funds verkaufen. Laut der getroffenen Vereinbarung beträgt der Gesamtkaufpreis 1,4 Milliarden US-Dollar, wovon abhängig vom Geschäftserfolg im Jahr 2015 ein Betrag von maximal 100 Millionen Dollar im Jahr 2016 zahlbar wird.

Lanxess weiter im Tal der Tränen

Derweil hat sich der Chemiekonzern Lanxess zurückhaltend für das auslaufende Geschäftsjahr gezeigt. Die Ergebnisse für das Gesamtjahr 2014 würden eher am unteren Rand der bislang genannten Spanne liegen, sagte Firmenchef Matthias Zachert dem "Handelsblatt". Lanxess habe das "Tal der Tränen" noch nicht durchschritten. 2015 werde ein "weiteres schwieriges Jahr" für den Konzern.

Commerzbank entdeckt das Online-Banking

Die Commerzbank will Bankgeschäfte per Internet und Smartphone attraktiver machen und bietet ihren Kunden deshalb künftig vollen Schutz vor Schäden beim Online-Banking. "Als erste große Filialbank führen wir ab 2. Januar 2015 eine Sicherheitsgarantie für Kunden ein, die für ihre Online-Geschäfte Foto-TAN oder mobile TAN nutzen", so Privatkundenvorstand Martin Zielke.

Talanx findet spanische Staatsanleihen attraktiv

Im MDax richten sich die Augen der Anleger auf Talanx. Der Versicherer hat knapp zwei Prozent seiner 100 Milliarden Euro Kapitalanlagen in den südeuropäischen Euro-Krisenländern und Irland investiert. "Die Zinsen sind gut, das Risiko ist überschaubar", sagte Finanzvorstand Immo Querner dem "Tagesspiegel".

Tui dank "Barron's" im Aufwind

Die Aktien von Tui haussieren nach einem Bericht der US-Finanzzeitschrift "Barron's", die die Titel des Touristikkonzerns zu ihren "Top Picks" für 2015 zählt. "Barron's" sieht infolge der abgeschlossenen Fusion von Tui mit der britischen Veranstaltertochter Tui Travel deutliches Kurspotenzial.

Novartis und Roche obenauf

Unter den ausländischen Titeln lohnt ein Blick auf die beiden Schweizer Pharmakonzerne Novartis und Roche. Novartis hat in Japan die Zulassung für sein neues Schuppenflechte-Mittel Cosentyx erhalten, ein potenzieller neuer Umsatzrenner für den Basler Konzern. Und Roche erhielt die Zulassung von der US-Gesundheitsbehörde FDA für einen Test zur Feststellung einer Ebola-Infektion.

Xbox und Playstation laufen wieder

Sony hat sein Playstation-Netzwerk für Konsolen-Spieler nach einem mehrtägigen Ausfall wegen eines Online-Angriffs wieder zum Laufen gebracht. In der Mitteilung am späten Samstag räumte der Konzern erstmals ein, dass er Ziel einer Hacker-Attacke geworden sei. Auch Microsoft bekam sein Games-Netzwerk Xbox Live zum Wochenende wieder in Gang.

bs

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr