Dax-Plus verzückt die Anleger

Stand: 13.04.2011, 20:02 Uhr

Seit Wochen herrscht am deutschen Aktienmarkt hohe Volatilität. Der Mittwoch machte keine Ausnahme. Nach verlustreichem Montag und Dienstag kletterte der deutsche Leitindex um ein Prozent nach oben. Das abendliche Beige Book bestätigte - mit Einschränkungen - den aktuellen Erholungskurs der US-Wirtschaft.

Nach Börsenschluss auf dem Frankfurter Parkett legte die amerikanische Notenbank ihren monatlichen Konjunkturbericht vor. In diesem, Beige Book genannten, Bericht drückt die Notenbank ihre Meinung aus, dass sich die amerikanische Wirtschaft weiterhin freundlich entwickelt.

Vor allem die Industrie zeige eine gute Entwicklung, das verarbeitende Gewerbe führt nach Ansicht der Fed die Erholung sogar an. Dennoch beschrieben viele Fed-Disktrikte sie als lediglich moderat. Vor allem die gestiegenen Rohstoffpreise sorgen mittlerweile für Sorge: die Kosten übten Druck auf die Preise aus, und auch die Unternehmen würden zunehmend die steigenden Rohstoffpreise bemängeln.

An der Börse hinterließ der Wirtschaftsbericht der Fed keine großen Spuren. Der Dow Jones, der im Abendhandel ins Minus drehte, notierte kurz nach acht Uhr weiterhin moderat schwächer.

Der Dax hatte bereits vorher bei 7.178 Punkten geschlossen und damit am Mittwoch 1,1 Prozent zugelegt. Nach den Kursverlusten am Montag und Dienstag war die Erholung quer durch alle Branchen zu beobachten. Tendenziell waren bei den Anlegern aber konjunktursensible Titel gefragter.

Amerikanische Konjunkturzahlen beeinflussten die Märkte nicht. Der Einzelhandel entwickelte sich im März wie erwartet und auch die wöchentlichen Öllagerzahlen bewegten die Kurse nicht.

JP Morgan zündet keine Rakete
Deutsche Finanztitel schlossen, trotz einer sehr guten Bilanz von JP Morgan-Chase, nur im Index-Mittelfeld. Im ersten Quartal schaffte es die Bank, einen Reingewinn von 5,6 Milliarden Dollar zu erwirtschaften, die Einnahmen gab JP Morgan mit 25,8 Milliarden Dollar an. Während dies leicht unter den Erwartungen war, übertraf der Gewinn (1,28 Dollar je Aktie) eindeutig die Prognose (1,16 Dollar).

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,61
Differenz relativ
-3,24%

Davon unbeeindruckt verlor die Commerzbank-Aktie fünf Prozent auf 4,69 Euro. Die Aktie litt weiterhin unter der angekündigten Pflichtwandelanleihe, die nach der Commerzbank-HV im Mai im Verhältnis 1:1 in Aktien umgewandelt wird. Es gibt Spekulationen, dass der angestrebte Höchstpreis für die Anleihe von 5,467 Euro nicht erreicht werde und stattdessen eher bei 4,50 Euro liegen wird. Am Nachmittag hieß es aus Kreisen, dass der Preis sogar nur bei 4,25 Euro liegen könnte.

Anleger wollen HeidelCement und VW
An der Dax-Spitze schloss die HeidelbergCement-Aktie mit einem Aufschlag von vier Prozent. Das Papier profitierte eindeutig von einem Analystenurteil von Exane BNP Paribas. Deren Fachleute hatten das Rating für die Aktie von "Neutral" auf "Outperform" angehoben und auf die guten Aussichten in den wichtigsten Absatzländern verwiesen.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
140,98
Differenz relativ
-1,74%

Die VW-Aktie legte ebenfalls zu, sie gewann 2,7 Prozent. Der Konzern steigerte im ersten Quartal den Absatz seiner Marke VW um 10,4 Prozent auf 1,2 Millionen Autos. Beeindruckende Zahlen, fanden die Aktionäre und kauften zu. Am frühen Nachmittag ließ eine Magazinmeldung aufhorchen. Laut "Manager Magazin" prüft Volkswagen, möglicherweise zusammen mit MAN, den Einstieg oder die Komplettübernahme des japanischen Autoherstellers Isuzu.

Verkauft ThyssenKrupp?
Einen Kursgewinn von 1,4 Prozent verbuchte die ThyssenKrupp-Aktie. Anleger spekulierten darauf, dass der Stahlkonzern sich von Unternehmensteilen trennen könnte, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören. Das meldete die "Financial Times Deutschland" am Morgen und bezifferte auch gleich den möglichen Verkaufspreis dieser Sparten auf mehrere Milliarden Euro.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
45,47
Differenz relativ
-2,71%

Daimler-HV und Tognum
Wie Volkswagen meldete auch Daimler frische Absatzzahlen. Im ersten Quartal habe sich der Pkw-Absatz um zwölf Prozent verbessert, sagte Konzernleiter Dieter Zetsche auf der Hauptversammlung in Berlin. Diese Entwicklung sei sogar noch besser als erwartet. Eher stockend verläuft hingegen die geplante Übernahme des Motorenherstellers Tognum durch Daimler und Rolls Royce. Bislang seien 0,03 Prozent der Tognum-Aktien angedient worden, teilten die beiden Firmen mit. Einige Großaktionäre und auch Tognum lehnen das Angebot ab, das mit 24 Euro je Aktie schon jetzt unter dem derzeitigen Tognum-Kurs von rund 26 Euro notiert.

Evotec: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
17,30
Differenz relativ
-3,05%

Adva und Evotec legen zu
Die Aktien von Evotec und Adva Optical aus dem TecDax reagierten mit Kursgewinnen auf neue Analystenstudien. Die DZ Bank hat dem Netzwerkausrüster Adva Optical ein "Buy" und ein Kursziel von 7,20 Euro verpasst. Das Biotechnologieunternehmen Evotec bekam von der Commerzbank ebenfalls ein "Buy" sowie ein Kursziel von 4,15 Euro. Der Konzern habe sich erfolgreich restrukturiert, daher rechne man für die kommenden Jahre mit starkem Umsatzwachstum bei Evotec.

Telegate bekommt Millionen
Die Telefonauskunft Telegate hat in einem Prozess gegen die Deutsche Telekom einen wichtigen Sieg errungen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilte den Dax-Konzern zu einer Rückzahlung von 45 Millionen Euro an zwei Tochtergesellschaften von Telegate. Die Firma hatte geklagt, weil die Telekom Teilnehmerdaten zu überhöhten Kosten verkauft hatte. Eine weitere Klage über 52 Millionen Euro, bei der es ebenfalls um die Überlassung von Teilnehmerdaten geht, steht noch aus.

Zwei kleine Bilanzen
Der Fahrradhersteller Derby Cycle hat im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres bei den Erlösen gut zugelegt. Der Umsatz sei um fast die Hälfte auf 52,6 Millionen Euro gestiegen, meldete die Firma. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet Derby nun mit Umsätzen von mindestens 220 Millionen Euro, nach bisher 200 Millionen Euro. Auch die Solartechnikfirma Solutronic beendete 2010 mit deutlich besseren Umsätzen. Die Erlöse vervierfachten sich im vergangenen Jahr auf 20,1 Millionen Euro, das operative Ergebnis stieg sprunghaft von 0,2 auf 4,7 Millionen Euro.

Datron frisch an der Börse
Der Entry Standard hat ein neues Mitglied. Am Mittwoch ging der Fräsmaschinenhersteller Datron an die Börse. Das Emissionsvolumen inklusive der Mehrzuteilungsoption belief sich auf 12,7 Millionen Euro.

Tagestermine am Dienstag, 11. Dezember

Unternehmen:
Lufthansa: Verkehrszahlen November
Aurubis: Q4-Zahlen, 7 Uhr
VDMA: Jahres-Pk, 10 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Erzeugerpreise, November, 14:30 Uhr


Sonstiges:
Großbritannien: May sagt Parlamentsvotum über Brexit ab und will nachverhandeln